Correr o ser

Fluye en el cielo el Rhin? ¿Hay una forma
universal del Rhin, un arquetipo,
que invulnerable a ese otro Rhin, el tiempo,
dura y perdura en un eterno Ahora
y es raíz de aquel Rhin, que en Alemania
sigue su curso mientras dicto el verso?
Así lo conjeturan los platónicos;
así no lo aprobó Guillermo de Occam.
Dijo que Rhin (cuya etimología
es rinan o correr) no es otra cosa
que un arbitrario apodo que los hombres
dan a la fuga secular del agua
desde los hielos a la arena última.
Bien puede ser. Que lo decidan otros.
¿Seré apenas, repito, aquella serie
de blancos días y de negras noches
que amaron, que cantaron, que leyeron
y padecieron miedo y esperanza
o también habrá otro, el yo secreto
cuya ilusoria imagen, hoy borrada
he interrogado en el ansioso espejo?
Quizá del otro lado de la muerte
sabré si he sido una palabra o alguien.

(Jorge Luis Borges)

Al ruiseñor

¿En qué noche secreta de Inglaterra
o del constante Rhin incalculable,
perdida entre las noches de mis noches,
a mi ignorante oído habrá llegado
tu voz cargada de mitologías,
ruiseñor de Virgilio y de los persas?
Quizá nunca te oí, pero a mi vida
se une tu vida, inseparablemente.
Un espíritu errante fue tu símbolo
en un libro de enigmas. El Marino
te apodaba sirena de los bosques
y cantas en la noche de Julieta
y en la intrincada página latina
y desde los pinares de aquel otro
ruiseñor de Judea y de Alemania,
Heine el burlón, el encendido, el triste.
Keats te oyó para todos, para siempre.
No habrá uno solo entre los claros nombres
que los pueblos te dan sobre la tierra
que no quiera ser digno de tu música,
ruiseñor de la sombra. El agareno
te soñó arrebatado por el éxtasis
el pecho traspasado por la espina
de la cantada rosa que enrojeces
con tu sangre final. Asiduamente
urdo en la hueca tarde este ejercicio,
ruiseñor de la arena y de los mares,
que en la memoria, exaltación y fábula,
ardes de amor y mueres melodioso.

(Jorge Luis Borges)

Malen nach Zahlen: Borges am Rheinfall

borges_digi

Häufig wiederkehrenden, aufmerksamen Besuchern dürfte rheinseins lose Reihe mit Kunstwerken aufgefallen sein, die sich mit prominenten Rheinfallbesuchern auseinandersetzt, für die viele Beiträge, teils auf Anfrage, teils aus eigenem Antrieb aus den verschiedensten Ländern eintreffen und aus der meist zu Monatsbeginn ein neues Bild erscheint. Die künstlerische Beschäftigung mit Prominenz im Zusammenhang mit dem Rheinfall ist jedoch deutlich älter als diese Website.

Im Jahre 1967 schuf Karl von Willensbach das hier präsentierte Werk (Malen nach Zahlen: Borges am Rheinfall, Öl auf Leinwand, 240 x 170 cm), ein höchst imposantes Stück teils aleatorisch gestützter, ironisierter Konzeptkunst, das auf eine Erzählung von Jorge Luis Borges rekurriert. Karl von Willensbach übermittelte uns die Entstehensgeschichte des Bildes aus dem Gedächtnis:

„Ich suchte seinerzeit nach einem guten Buch und da meine Bibliothek  nicht alfabetisch geordnet war, suchte ich auf gut Glück nach einem Autor, der mit S begänne. Ich landete dann wegen der Unordnung schnell bei einem Autor, der mit D begann, woneben eben Borges auftauchte. Ich stieß auf Fiktives, blätterte ein wenig darin, las dies, las jenes, und kam schließlich zu besagter Erzählung Die Bibliothek von Babel. Dieser erzählten Bibliothek entnahm ich ihre Zahlenwerte, jedoch nicht, um die Bibliothek selbst darzustellen, sondern zu malen, was Borges hätte sehen können, hätte er die Rheinfälle besucht, die ich in jungen Jahren mehrfach besucht und gemalt hatte.
Auf jedem Regal der Bibliothek von Babel stehen 32 Bücher. Das war meine Zeitvorgabe: das Bild mußte 32 Tage in Anspruch nehmen. Jedes Buch der Bibliothek hat 410 Seiten. Mit einem Nagel stach ich 410 Löcher in die 32 Farbschichten des Bildes. Jede Buchseite der Bücher in der Bibliothek hat 40 Zeilen mit jeweils 80 Buchstaben. Die 40 Zeilen tauchen im Bild wieder auf, als Linien, jedoch geteilt: einmal 16, einmal 15, einmal 9 Linien. Für die 80 Buchstaben drückte ich 80 schwarze Pfefferkörner in die Farben hinein. In den Bibliotheksräumen befinden sich 5 Regale. Ich benutzte 5 Paar Latex-Handschuhe. Undsoweiter. Unter den täglich neu aufgetragenen Farbschichten verschwanden alle diese Zahlenhinweise sowie andere Dinge von meinem Arbeitsplatz. Für mich war das eine Art, nach Zahlen zu malen.“

rheinsein dankt Karl von Willensbach fürs Überlassen des Digitalfotos und seine Erinnerungen!