Presserückschau (Januar 2017)

1
Kommunikationsstrom
“Zu Silvester haben Flüsse wie der Rhein oder die Sieg eine Art Hochkonjunktur als Kommunikationsstrom. Dann werfen Menschen Flaschenpost mit Botschaften ins Wasser. Aber nicht immer dienen Flaschen als Datenträger, manchmal werden auch Mandarinen und Kürbisse eingesetzt.” (Deutschlandfunk)

2
Retuschierung
“„Das Denkmal entsteht genau an der Stelle, wo vor fast 72 Jahren das 249. Pionierbataillon der 3. US-Armee unter deutschem Artilleriebeschuss und deutschen Luftangriffen begann, drei Pontonbrücken zu bauen, auf denen circa 60000 Fahrzeuge mit nahezu 300 000 Mann innerhalb kurzer Zeit den Rhein überquerten. Das war die größte militärische Operation, die die Weltgeschichte je am Rhein gesehen hat. (…) Es lohnt sich, daran zu erinnern, denn mit dieser gewaltigen Streitmacht konnten die Amerikaner mit ihren Verbündeten den Zweiten Weltkrieg in Europa bald beenden.“ Es gehe nicht um eine Verklärung der Person George S. Patton. „Dass während dieses historischen Events der kommandierende zwielichtige US-General auf einer Brücke steht und vor laufenden Kameras der Kriegsberichterstatter in respektloser, provozierender Weise in den deutschen Rhein pinkelt, bewegt und erregt heute noch mit Recht unsere Gemüter.“ (…) Auch den amerikanischen Militärs im Washingtoner Pentagon sei diese Szene höchst peinlich gewesen – sie hätten eine sofortige Entschärfung, sprich: Retuschierung der Bilder veranlasst.” (Allgemeine Zeitung)

3
Rutschfester Nebelrhein
“Ruhe ist vor einigen Tagen auf der Baustelle am Rathausplatz eingekehrt. Die ausführende Firma macht Betriebsferien. (…) Die Roharbeiten seien abgeschlossen, die Fundamente für die Einbauten (Floßbänke, Rheinpegel, Wasserlauf) fertig, im Randbereich sind bereits Pflastersteine verlegt. (…) Bei einem Blick von oben auf die Baustelle ist der Bogen erkennbar, der für den Rheinverlauf bei Götterswickerhamm steht und der mit Hilfe von 36 Nebeldüsen nachgebildet wird. Eine auf Wasserinstallationen im öffentlichen Raum spezialisierte Firma hat sie eigens für diesen Zweck gebaut. Das Wasser werde mit zehn Bar versprüht und dadurch so fein getröpfelt, “dass es wie Nebel wirkt”. Der habe eine Steighöhe von bis zu einem Meter. In der Werkstatt der Firma wurde das Ganze vorher getestet. Bis der gewünschte Sprühgrad eingestellt war, habe es eine Zeit gedauert. (…) Die Anlage soll auch nicht 24 Stunden am Tag, sondern nur zu bestimmten Tageszeiten und Wetterlagen laufen (…). Die Nebeldüsen werden mit LED-beleuchtet. Licht kommt auch beim Rheinpegel zum Einsatz. Der 15 Meter hohe Stahlkubus mit 80 Zentimetern Durchmesser wird auf dem neu gestalteten Rathausplatz ebenfalls mittels LED-Technik den tagesaktuellen Wasserstand des größten deutschen Flusses anzeigen. Damit soll die Lage Voerdes am Rhein in der Stadtmitte wahrnehmbar gemacht werden. Der Stahlkubus bildet den Wasserstand am Pegel Ruhrort ab. (…) Zum Einsatz kommen verzinktes Material, Cortenstahl oder Holz. Die Pflastersteine werden in drei Graustufungen verlegt, deren Optik eine jeweils andere ist, wenn sie trocken oder nass sind. Im Bereich des Rheinpegels haben die Steine eine andere Struktur, die Oberfläche ist geschliffen, aber (…) “rutschfest”.” (Rheinische Post)

4
Festgefrorene Möwe
“Beamte der Wasserschutzpolizei (haben in) Mainz eine im Industriehafen festgefrorene Möwe aus dem Eis gerettet. (…) Bei einer Kontrollfahrt auf dem Rhein hatten die Polizisten das Tier (…) entdeckt. Die Möwe steckte mit ihren Beinen im zugefrorenen Eis fest. Um das Tier zu befreien, klopften die Polizisten das rund um die Möwe zugefrorene Eis vorsichtig auf. Das erschöpfte Tier ließ sich von den Beamten widerstandslos aufnehmen. Die Polizisten brachten die Möwe nach der Rettungsaktion in das Mainzer Tierheim. Dort wird sie aktuell unter einer Wärmelampe behandelt.” (Merkurist)

5
Rheintaufe
“In einem halben Jahr holt sich Pfarrer Mathias Bonhoeffer nasse Füße. Denn am 9. Juli werden er und seine Kollegin Anna Quaas 30 Kinder taufen – im Rhein. “Jesus wurde im Jordan getauft, also auch in einem fließenden Gewässer”, erklärt der 58-Jährige. “Nur dass der Jordan heute im Gegensatz zum Rhein ein kleines Rinnsal ist.” Und Pfarrerin Quaas, die über Pfingstkirchen in Nigeria promoviert hat, wollte gerne einen Gottesdienst am oder im Wasser machen. “Daher kamen wir auf die Idee”, so der Pastor der Kölner evangelischen Kartäuserkirche. (…) Für Rheintaufe Nummer zwei sehen sich Quaas und Bonhoeffer den Angaben zufolge einer wahren Anmeldeflut gegenüber. Also fahren sie in diesem Jahr “Zweischichtbetrieb”: mit je 15 Taufen pro Gottesdienst. Eigentlich galt das Angebot nur der eigenen Gemeinde, so der Pastor. “Aber wenn man einen Stein in den Rhein wirft, zieht er Kreise.” Als Gründe für die Anfragen weit über Köln hinaus sieht er den wachsenden Wunsch nach individuell gestalteten Ritualen – und die Liebe der Rheinländer zu ihrem Fluss.” (Domradio)

6
Nicht zuständig
“Der niedrige Rheinpegel bringt es zutage: Dort ist ein wahrer Fahrradfriedhof. Zahlreiche dümpeln im Rhein, daneben verrostete Einkaufswagen. (…) Der Rhein ist eine Bundeswasserstraße, über die vor Ort die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung in Köln wacht. EXPRESS rief wegen der Schrotträder an – und bekam lediglich die Antwort: „Da müssen Sie sich an jemand anderen wenden.“ Prompt wurden wir an eine andere Nummer weitergeleitet. Doch auch da konnte fühlte sich niemand zuständig. Nächster Versuch – diesmal bei den Kölner Abfallwirtschaftsbetrieben (AWB). Immerhin, dort will man. (Kann aber nicht, weil die entsprechende Schutzkleidung fehlt; Anm.: rheinsein) Beseitigung am Ufer ja, Müllbeseitigung im Rhein nein. Zuständig dafür sei das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSV). Auf eine erneute Anfrage hieß es vom WSV: „Nicht unsere Aufgabe. Sie werden weitergeleitet.“ Doch auch am Ende der Telefonkette heißt es wieder: „Dafür sind wir eigentlich nicht zuständig. Da müssen Sie sich an jemand anderen wenden.“ An wen genau, darauf blieb die Antwort schuldig. (Express)

7
Rheingfrörne
“Am 3. Februar 1423 (…) wurden 30 Zimmerleute und Knechte auf den zugefrorenen Hausstrom geschickt, um das Eis aufzuhacken, damit es nicht die Pfeiler der Mittleren Brücke, die damals noch aus Holz war, beschädigte. Was ihnen auch in zwei Tagen nicht gelungen sei – “eine halbe Mannshöhe dick” soll das Eis damals gewesen sein. Legendär ist laut Lokalhistorikern auch die Rheingefrörne von 1514. Das Eis war so fest, dass man mit Pferden über den Fluss konnte. Und die Bürger seien mit Trommeln und Pfeifen aufs Eis gezogen, um dort ein Bankett zu halten. Letztmals zugefroren ist der Rhein in Basel – die Älteren dürften sich erinnern – übrigens anno 1963.” (Badische Zeitung)

8
Rheintoter
“In Speyer ist ein Pkw in den Rhein gerollt und untergegangen. In dem Auto fanden Rettungskräfte eine männliche Leiche. Zeugen hatten beobachtet, wie das Auto an einer Rampe ins Wasser fuhr und sofort von der Strömung erfasst wurde. Mit einem Polizeihubschrauber konnte es etwa 400 Meter rheinabwärts gesichtet und anschließend geborgen werden. Ob der Mann darin ertrank oder bereits tot war, als es in den Fluss rollte, ist unklar.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

Presserückschau (Juni 2015)

1
Fischüberwachung: “Viele Jahre gab es im Fluss Rhein gar keine Lachse mehr. Es wurde zu viel gefischt und das Wasser war verschmutzt, deswegen ist der ursprüngliche Rheinlachs sogar ausgestorben. Mittlerweile gibt es aber wieder ein paar Lachse im Rhein. Sie schwimmen aus dem Atlantik den Rhein hoch, um in ruhigeren Nebenflüssen ihre Eier abzulegen. Seit Anfang des Jahres sind 142 Stück gezählt worden, das ist neuer Rekord. Gezählt werden sie an der Fischtreppe bei Iffezheim. Dort wird jeder Fisch von einer Videokamera erfasst und aufgezeichnet. Im vergangenen Jahr sind über 50.000 Fische gezählt worden, von insgesamt 25 Arten.” (Kiraka)

2
Zu schnell um gerettet zu werden: in denunziatorischer Boulevarddiktion berichtet der Express von einem “irren Schwimmer” im Kölner Rhein, der “die Polizei genarrt” habe: “Um 12.34 Uhr ging der erste Notruf einer Frau bei der Feuerwehr ein. Sie meldete einen Schwimmer, der gerade am Niehler Damm ins Wasser steigen und zum rechtsrheinischen Ufer schwimmen würde. Sofort machten sich Polizei und Feuerwehr mit einem Großaufgebot auf den Weg. Zu Wasser, zu Lande und in der Luft suchten sie nach dem Mann – ohne Erfolg. Kurz darauf der nächste Anruf in der Leitstelle. Ein Spaziergänger berichtete, dass ein Mann in Stammheim an Land gegangen und kurz darauf wieder ins Wasser gesprungen sei. Wieder suchten die Retter alles ab. Wieder war der Schwimmer einfach schneller. Zeugen berichteten um 13.25 Uhr den Rettungskräften, dass eine Person am Niehler Damm aus dem Wasser gekommen sei und sich zügig entfernt habe – Einsatzabbruch!”

3
Stadion auf dem Rhein: Die Bild interviewt Fußballtrainer Christoph Daum zur möglichen Fusion der Klubs Bayer 04 Leverkusen und 1. FC Köln im Jahr 2050. Daum erklärt ein solches Kölnkusen für international wettbewerbsfähig: „Die Tradition vom FC in Verbindung mit der Organisations- und Investment-Struktur von Leverkusen würde sich ideal ergänzen. Es wäre schon sehr interessant, was bei diesem Projekt rauskommen würde…“ Auf die Frage, wo das passende Stadion für ein solches Projekt zu stehen hätte, antwortet Daum schmunzelnd: „Auf dem Rhein! Das wäre doch ein Ding, vielleicht ist so eine Konstruktion möglich. Ein Stadion, das beide Städte verbindet – was willst du mehr…?!“

4
Mehr Geld aus Berlin in den Rhein investieren: “Die Verkehrsminister der Rheinanlieger-Länder fordern vom Bund mehr Geld, um den Rhein für den Gütertransport attraktiver zu machen. Straße und Schiene allein könnten die zu erwartenden Zuwächse beim Gütertransport nicht bewältigen, sagte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) am Montag bei einem Treffen in Mannheim. Sein rheinland-pfälzischer Amtskollege Roger Lewentz (SPD) zeigte sich überzeugt, dass eine Verdoppelung des Transportvolumens auf dem Rhein möglich sei. Dafür müssten aber Brücken angehoben, Schleusen erneuert und die Fahrrinne durchgehend auf mindestens 2,10 Meter vertieft werden.” (SWR)

5
Rheingetauft: “Die etwa 180 Gottesdienstbesucher der Freien evangelischen Gemeinde Wiesbaden sitzen auf Bierbänken im Schatten einer Trauerweide. Zwei Kinder sitzen auf einer Picknickdecke und naschen Erdbeeren, andere buddeln im Sand. Der Taufgottesdienst findet an diesem Sonntag an einem ungewöhnlichen Ort statt: unter freiem Himmel auf der Rheininsel Rettbergsaue. Statt ins Taufbecken werden die Täuflinge in den Rhein getaucht.” Anknüpfend an die Flußtaufe Jesu im Jordan seien in Wiesbaden fünf Täuflinge neu in die Christenheit aufgenommen worden, berichtet der Wiesbadener Kurier.

6
Goldrausch: von einem angeblichen gold rush in Disentis am Vorderrhein berichtet das Schweizer Boulevardblatt Blick, gefolgt von weiteren Blättern. Im Zentrum der Artikel steht der lokale Goldgräber August “Gold-Gusti” Brändle, der von erstaunlichen Nuggetfunden, darunter einem knapp 50 Gramm schweren Rekordstück mit Namen “Desertina” berichtet. Der Ansturm der Rheingoldwäscher in Disentis indes scheint einige Zeilen unterhalb der reißerischen Überschrift noch halbwegs übersichtlich: “Der Ort ist bei Goldfreunden beliebt. Schatzsucher aus ganz Europa kommen zur Lukmanierschlucht im Bündner Oberland. Gegen 2000 sind es im Jahr.”

Der früheste Rheinfall

Joachim Patinir_taufe christi_2
Die Entstehung von Joachim Patinirs “Taufe Christi” wird auf den Zeitraum von 1515-1524 datiert. Es soll den Rheinfall bei Schaffhausen enthalten und wäre somit noch vor einer Illustration in Sebastian Münsters Cosmographia die erste bekannte bildliche Darstellung dieses Naturfänomens. Um die zentrale Taufszene erstreckt sich, von Gott aus einer Himmelslücke beobachtet, eine aus verschiedenen idealisierten Komponenten zusammengefügte Landschaft von wunderlicher Schönheit, ein frühes Fantasy-Gemälde. Jesu Tauffluß, der Jordan, springt hier aus einem schäumenden Wassersturz ins Bild, der tatsächlich stark an den Rheinfall erinnert.

Für die Neue Zürcher Zeitung hat der Kunstgeschichtler Prof. Felix Thürlemann Patinirs Gemälde und das darin enthaltene Rheinfallmotiv  in einem lesenswerten Artikel ausgedeutet.

Le Rhin (2)

A M. DE LAMARTINE.

Au premier coup de bec du vautour germanique,
Qui vient te disputer ta part d’onde et de ciel,
Tu prends trop tôt l’essor, roi du chant pacifique,
Noble cygne de France, à la langue de miel.
Quoi ! sans laisser au moins une plume au rivage,
Gardant pour ta couvée à peine un grain de mil,
Des roseaux paternels tu cèdes l’héritage ;
Et sur l’aile de l’hymne agrandi dans l’orage,
Du Rhin tu fuis jusques au Nil !

Ah ! qu’ils vont triompher de ta blanche élégie !
Que l’écho de Leipsig rira de notre peur !
Déjà l’or de ton chant transformé par l’orgie,
Dans l’air m’est renvoyé comme une balle au cœur.
J’écoutais l’avenir dans ta voix souveraine,
Au joug harmonieux me soumettant d’abord ;
Mais la douleur m’éveille au sein de la syrène ;
Ma lèvre, en pâlissant, repousse encore pleine
La coupe où tu verses la mort.

Ne livrons pas si tôt la France en sacrifice
A ce nouveau Baal qu’on appelle unité.
Sur ce vague bûcher où tout vent est propice,
Ne brûlons pas nos dieux devant l’humanité.
L’holocauste n’est plus le culte de notre âge.
Comme Isaac pliant sous le glaive jaloux,
Pourquoi tenir courbé ce peuple sous l’outrage ?
Est-ce pour l’immoler, sans revoir son visage,
Que vous l’avez mis à genoux ?

Si patrie est un mot inventé par la haine,
Tente vide, en lambeaux, que l’amour doit ployer ;
S’il faut des nations briser la forme vaine,
Arrache donc aussi la famille au foyer !
De tout champ limité condamne la barrière.
Maudis le jeune hymen dès que son temple est clos.
Au lare domestique interdis la prière ;
Tous ensemble, au hasard, mêlant notre poussière,
Fraternisons dans le chaos.

Regarde ! dans ton vol, les cieux que tu visites,
Par des rivières d’or divisent l’infini.
Ces royaumes profonds dont tu sais les limites,
Désertent-ils l’azur que Dieu même a béni ?
Le Bélier au Verseau cède-t-il sa frontière ?
Au vain rugissement de l’Ourse ou du Lion,
Quand vit-on reculer le sanglant Sagittaire,
Ou fuir les deux Gémeaux s’inclinant : jusqu’à terre,
Dans la cité du Scorpion ?

L’humanité n’est pas la feuille vagabonde,
Sans pays, sans racine, enfant de l’aquilon.
C’est le fleuve enfermé dans le lit qu’il féconde,
Parent, époux des cieux mêlés à son limon.
Au peuple ne dis pas : « Abandonne ta rive. »
Quand l’herbe boit le flot promis à l’Océan,
C’est qu’aux sommets sacrés d’où l’avenir dérive,
La source de l’idée a tari toute vive
Dans l’esprit glacé du géant.

Du chœur des nations la lutte est l’harmonie ;
Dans mille chants rivaux, d’où naissent leurs concerts,
Chaque peuple a sa voix, sa note, son génie.
Tout, dans l’immense accord paraît un et divers.
L’un parle-t-il trop bas par la voix du prophète,
A l’hymne de la peur enchaîne-t-il ses jours,
La danse des cités, en chancelant, s’arrête.
De leurs fronts de granit, ridés par la tempête,
Tombe une couronne de tours.

Sur la lyre accordée aux prières des femmes,
Pourquoi de tant d’encens nourrir notre sommeil ?
De trop de voluptés ne chargeons pas nos ames
Après le songe heureux es-tu sûr du réveil ?
Que sais-tu si l’aspic ne dort pas sous la rose,
Si la lutte est finie entre l’homme et le Dieu ?
Convive du banquet que plus d’un pleur arrose,
Sur le mur prophétique où cette main se pose,
Ne vois-tu pas des traits de feu ?

Pour désarmer nos cœurs, apprivoise le monde ;
D’avance à l’avenir as-tu versé la paix ?
Et du Nord hérissé le sanglier qui gronde,
De ta muse de miel a-t-il léché les traits ?
Au soc de la charrue a-t-il courbé le glaive ?
Albion, sur sa nef, détruit-il son rempart ?
Parmi les flots d’airain que l’Orient soulève,
Orphée a-t-il enfin marié sur la grève
L’aigle blanc et le léopard ?

Le Rhin sous ta nacelle endort-il son murmure ?
Que le Franc puisse y boire en face du Germain.
L’haleine du glacier rouillant leur double armure,
Deux races aussitôt se donneront la main.
Nous ne demandons pas tout l’or de la montagne.
Du Nil de l’Occident nous ne voulons qu’un bord,
Pour que les cieux de France et les cieux d’Allemagne,
Sous les eaux partageant l’astre, de Charlemagne,
Roulent ensemble au même port.

Aux troupeaux divisons la source de nos pères.
Quand ils ont sur la rive assis la liberté,
Craignaient-ils d’éveiller les gothiques vipères ?
Goûtons l’eau du torrent par droit de parenté.
Avec les rois germains tout nous réconcilie.
Dans leur nid féodal nos aigles sont éclos.
Sans qu’au bruit de leurs pas notre écho s’humilie,
Consentons que leur ombre à notre ombre s’allie
Dans le sein pavoisé des flots.

Mais si lui-même en vain le torrent nous appelle,
Si l’onde du glacier ne coule pas pour tous,
Et s’il faut nous sevrer du lait de la Cybèle,
Quand ce peuple aura soif, où l’abreuverons-nous ?
Au pays des palmiers tu penses le conduire !
Notre Dieu ne veut pas qu’on nous mène en exil.
Pendant que tu chantais, tout près de nous séduire,
Sur son flanc irrité j’ai vu son glaive luire.
La France en aiguisait le fil.

Tu pars, dis-tu ? – Marchons, au vent de tes bannières,
Non pas, comme Joseph, en sa captivité,
Au joug du Pharaon liant ses onze frères ;
Il pleurait, dans Memphis, sur Jacob insulté.
Mais ainsi que Moïse, au sortir du servage,
Loin d’Apis entraîné par le serpent d’airain,
Fais-nous rentrer, joyeux, dans l’ancien héritage ;
Et le glaive épousant les lyres au rivage,
Allons revoir notre Jourdain.

(Edgard Quinet, 1803-1875)

Presserückschau (Januar 2015)

1
Tödlicher Sturz: Die Presse meldet jährlich etwa 25 Rheintote – damit dürften jedoch nicht alle Fälle erfaßt sein, in denen der Rhein ein Schicksal besiegelt. Einzelne Todesfälle erhalten besondere mediale Aufmerksamkeit, so der Unglücksfall einer jungen Frau, die in der Silvesternacht in Köln über Bord eines Schiffes ging: “Ein Gast, der in der Nacht zum Donnerstag mit Freunden auf dem Partyboot war, (…) erhebt schwere Vorwürfe: „Nach 0.30 Uhr ging es an Bord richtig rund. Neben mir haben sechs Typen auf einen eingetreten, der am Boden lag“, so der Kölner. Der tödliche Sturz ereignete sich um kurz vor 1 Uhr in der Nacht auf Höhe der Kölner Altstadt. An Bord gab es offenbar nicht nur eine Schlägerei: „Überall prügelten Typen aufeinander ein“, so der Augenzeuge. (…) Auch Drogen hätten an Bord eine Rolle gespielt: „Da wurde gekifft ohne Ende“” (Focus)

2
Waghalsiger Sprung: “Ein angeschossenes Wildschwein hat am Wochenende die Innenstadt von Oberwesel unsicher gemacht. Es wurde am Bahnhof und auf dem Marktplatz gesehen. Viele Passanten hatten nach Polizeiangaben den Notruf gewählt. Grund für die Flucht des Keilers könnte eine in der Nähe stattgefundene Treibjagd gewesen sein. Die Jäger waren dem Tier auf den Fersen bis es sich zu einem waghalsigen Sprung in den Rhein entschloss und ihn durchschwamm. Nach Polizeiangaben konnte das Tier den Jägern entkommen.” (SWR)

3
Russisch-orthodoxes Ritual: “Es ist eine Tradition in der russisch-orthodoxen Kirche: Zum Epiphania-Fest segnen Geistliche die Gewässer in ihrer Umgebung. In Bonn ist das natürlich der Rhein. Erstmals nahm Erzpriester Sokratis Ntallis von der orthodoxen Gemeinde in Limperich diese Segnung (…) auf der “Rheinnixe” vor. (…) Zuvor (…) hatte Ntallis die Göttliche Liturgie zelebriert. Dann wurde nahe des Beueler Fähranlegers, wo sich viele Gemeindemitglieder und Zuschauer eingefunden hatten, eine Segensfeier nach orthodoxer Tradition auf dem Oberdeck zelebriert. Am Ende warf (…) der Erzpriester (…) ein an einem Seil befestigtes Kreuz in den Rhein, das er anschließend wieder aus dem Wasser zog. Dieses Ritual erinnert an die Taufe Jesu im Jordan und an die Bedeutung von Flüssen als Teil der lebendigen Schöpfung. (…) “Den Fluss zu segnen, bedeutet, alle zu segnen, die auf ihm unterwegs sind, aus welchen Gründen auch immer.”" (General-Anzeiger)

4
Massenkentern: Bei Wiesbaden findet im Januar eine traditionelle Rudersternfahrt statt. Bei stürmischem Wetter kenterten dieses Jahr sechs Boote mit jeweils fünf Insassen, die im Rhein zu verschwinden drohten. Der Hessische Rundfunk berichtet: “Auf dem Rückweg des gemütlichen Treffens mit gemeinsamem Eieressen bei Glühwein und Kinderpunsch im Mainzer Stadtteil Weisenau kenterten am Nachmittag bei Wiesbaden mehrere Boote. (…) Im Vereinsheim der Biebricher Rudersportler kümmerten sich Ärzte und Sanitäter um die frierenden Geretteten. Nach Angaben der Einsatzkräfte wurden sieben Insassen der gekenterten Boote verletzt, zwei müssen demnach wegen Unterkühlung im Krankenhaus behandelt werden. (…) Als die Ruderer sich in Weisenau auf den Rückweg machten, sei es zwar windig, aber nicht bedenklich gewesen. (…) Die äußerst heftigen Böen und hohen Wellen, die später die Boote zum Kippen brachten, seien völlig überraschend gekommen. (…) Es sei auch nicht übermäßig viel Glühwein getrunken worden. Laut den Statuten gilt beim Rudern genauso wie beim Autofahren eine Grenze von 0,5 Promille Alkohol.”

5
Kalkars Flutmulde: “Gerade ist noch ein Schiff in die Flutmulden-Baustelle eingefahren, um ein paar schwere Steine abzuladen, mit denen der Bereich befestigt werden soll. Jetzt ist allerdings erst einmal Pause auf der Riesen-Baustelle am Rhein. Wegen des Hochwassers kann auf Reeserschanz erst einmal nicht mehr gearbeitet werden. (…) Wie berichtet, wird direkt gegenüber der Reeser Promenade ein riesiger Bypass für den Rhein angelegt. Dieser kilometerlange Kanal hat allerdings im oberen Teil nur bei einem gewissen Wasserstand eine direkte Verbindung zum Rhein. Ziel ist nämlich, dass bei Hochwasser die Schwelle zur Flutmulde überspült wird, so dass es einen Parallel-Kanal zum Strom gibt. Dadurch wird der Druck auf den Rheinboden und die Stadtmauer Rees gemindert. Aktuell ist die Schwelle um 2,50 Meter überflutet: Die Flutmulde ist also “angesprungen”", berichtet die Rheinische Post. Das schöne Wort “Flutmulde” war uns bis dato gänzlich unbekannt. Der erwähnte “Bypass” soll eine Länge von rund drei Kilometern bei 130 bis 180 Metern Breite erreichen.

6
Holzbrücke für Köln: “Sie könnte eine Top-Attraktion für die Stadt sein: Eine rund 430 Meter lange Holzbrücke verbindet den Rheinauhafen mit dem rechten Rheinufer. Hoch über dem Fluss schwingt sich elegant und schlank eine Holzkonstruktion mit rekordverdächtiger Länge. Was für viele schwer vorstellbar ist, ist technisch möglich, wie die 24-jährige Kölnerin Stefanie Gorgels bewiesen hat. Für ihre Abschlussarbeit als Ingenieurin an der Fachhochschule hat sie eine „Spannbandbrücke“ für Fußgänger und Radfahrer entworfen und berechnet. Geschätzte Baukosten: 3,4 bis 4 Millionen Euro.” (Kölner Stadt-Anzeiger) Die Brückenplanung greift eine Idee aus Albert Speers städtebaulichem Masterplan für Kölns auf, den Rhein mit zwei weiteren Brücken zum absoluten Zentrum der Stadt aufzuwerten. Ob der Plan jemals umgesetzt wird, bleibt allerdings fraglich.

Adolf Clarenbach

Zum Geleit

Es war zur Winterzeit. In Eis erstarrte
Der Niagara selbst. Ein Blizzard fegte
Mit wildem Brausen heulend durch die Staaten,
Schneemassen schüttend auf das Land am Erie,
Wie mit Lawinen Buffalo begrabend.
Laut keuchend flog der Blitzzug zwischen Wällen
Aus weißem Schnee, getürmt von tausend Händen,
So hoch wie unsre Wagen schier, von denen
Herab vom Schneedach zu den Eisenrädern
Eiszapfen, glitzernd wie ein Silberpanzer,
In märchenhafter Pracht herniederhingen –
So fuhren wir hinaus zum Staat Indiana.
Es schwirrten um mein Ohr die fremden Laute
Der neuen Welt, der tatenfrohen Yankees.

Da tauchte plötzlich auf vor meinem Geiste
Das ferne Heimatland am grünen Rheine,
Der Drachenfels mit seiner stolzen Spitze,
Der deutsche Strom im Zauber seiner Ufer.
Und horch! um seine Berge scholl, erst leise,
Dann laut und immer lauter mir erklingend,
Ein holdes Lied aus fernen Jugendtagen,
Als ob des Sturms Gewalt unwiderstehlich
Die Äolsharfe mir im Herzen rührte.
Es nahten sich die freundlichen Gestalten,
Sie schwebten um mich her, vertraulich winkend,
Sie hielten lächelnd Schritt mit dem Kurierzug,
Sie ließen sich an meiner Seite nieder
Und drängten: „Wags und halt uns fest im Liede!“
 
Ich nahm den Stift und schrieb. Und ich schrieb weiter
Im breiten Tal des stolzen Mississippi,
Im Tal des Delaware und des Ohio,
Am Susquehannah, Hudson und Potómac
Und auf des Ozeans endlosen Flächen.
Sie zogen mit, die mahnenden Gestalten
Wie einst im West, so auch im fernen Osten:
Selbst an des roten Meeres glühnder Küste
Umschwebten unablässig sie den Reiter,
Der auf dem Rücken des Kamels dahinflog,
Im weißen Zelt der menschenleeren Wüste,
An Horebs majestätischen Riesenwänden,
An Sinais gewaltgen Felskolossen,
Wo schweigend auf die farbgen Urgebirge
Wie einst zu Moses Zeit die Sonne brannte.
Sie schwebten unsichtbar an meiner Seite
Auf meiner fernen Kindheit trauten Bergen,
Die felsgekrönt Jerusalem umgeben,
Im einsam grünen Uferwald des Jordans,
In Jericho, im Schatten schlanker Palmen,
Am leuchtend blauen See Genezareth.
 
So ward im fremden Land dies Lied vom Rheine.
Und was aus innerem Drang sich mir gestaltet,
Wag ich zu bieten euch auf diesen Blättern.
Und bleichen auch schon meinen Hauptes Haare
Und fehlt der Jugend holder Sturm und Drang –
Nehmt auch vom Alternden die schlichte Gabe
Und seid ihm freundlich, wenn ihr könnt, gewogen.
 
(aus: Ludwig Schneller – Adolf Clarenbach. Ein Sang vom Rhein, Kommissionsverlag von H G Wallmann, Leipzig 1911, Bestand Fliedner Kulturstiftung Kaiserswerth.
Adolf Clarenbach wurde als evangelischer Ketzer in Köln vom katholischen Klerus verbrannt.)

Rheinzitat (4)

Europas Jordan ist der Rhein
Man kann ein Weltkind und gläubig sein

(aus: Alfons Paquet – Kurze Biographie)

De Rynstroom

aen Johan Wolphard, Heer te Brederode, Vryheer te Vianen.

Doorluchte Rijn, mijn soete droom,
Van waer sal ick u lof toesingen?
Mijn treckende geboortestroom
Ghy koomt uit Zwitsersche Alpes springen,
Als hoofdaêr der begaefde Euroop.
De Donau, uw afkeerigh broeder,
Nam oostwaert op syn` snellen loop,
Ghy Noordwaert; doen een selve moeder,
Begort van regen, ys en sneeuw,
U baerde voor soo menige eeuw.

Germanjen lagh noch wild begroeit
Van syn Hyrcynsche wilde wouden,
Tot dat het namaels werd besnoeit,
En door de tucht in toom gehouden.
Ten leste dorst ghy, strijdbre Rijn,
Den Tiber op syn feest bestoken;
Die voor u neegh, doen Constantijn,
Van uwen oever opgebroken,
Ging strijcken met den ouden roof
Van Rome en `t Heidensch bygeloof.

Ghy naemt het juck van Christus aen,
Men hoorde uw vrolijcke oevers schatren,
En scheent de heilige Jordaen
Te tarten met gedoopte watren.
Het Christen kruis en viel uw` rugh
Soo swaer niet, als weleer te draegen
Den last van Cesars legerbrugh,
En Drusus, die u dede klaegen
Om vijftigh sloten, swaer van steen,
Gebouwt langs uwe kanten heen.