Rheinische Tierwelt (19)

tierwelt_münster_murmelIch möcht wol vil von dissem thier schreiben / wan ich nit eylen müst in andere lender die zu besichtigen und zu beschreiben. Dan ich hab deren thier ein par in meinem hauß / die mir zugeschickt hat herr landvogt Johannes Kalbermatter / deshalb ich jr natur zum theil erkundiget hab / in den drey oder vier monaten die weyl sie bey mir gewesen. Plinius nent das thier murem alpinum / ist darnach genent worden mus montanus / das ist / ein bergmauß / wie es die welschen noch murmont nennen / aber die Teütschen nennen es mormelthier / felicht darumb das es morret / unnd korret all mal so es schlafft. Es sicht gleich wie ein groß künglin / hat aber abgeschnitten oren / ein schwantz der einer spannen lang ist / lang vorderzen / beißt übel so es erzürnt wirt / hat kurtz schenkel / die seind under dem bauch gantz dick von har gleich als hett es schlotter hosen angezogen / hat beren tapen und lang klawen daran / mit denen es gar onbillich tieff in das ertrich grebt. So man jm etwas zu essen gibt / nimpt es das selbig in sein vorder füß wie ein eichhörnlin / sitzt uffrichtig wie ein aff biß es solichs gessen hat. Kan auch uff den zweien hindern füssen ghan wie ein ber. Milchspeiß ißt es fast gern / und schmatzt darzu wie ein iung ferlin. So sie miteinander spilen / schreien und rerren oder bellen sie darzu wie die iungen hündlin. Sie schlaffen trefflich vil / und wann sie wachen mögen sie onfantisirt nit sein. Wann sie stro / hew / lumpen / dischlachen unnd dergleichen dingen finden / tragen sie es alles in jr nest / stossen auch das maul so voll / dass nichts mere darin mag / dz überig schleiffen sie hernach / ist fast kurtzwylig zu sehen. Sie essen allerley speiß / fleisch / fisch / milch / brot / suppen / gemüß / etc. Etlich seind graw und etlich rot farb. Die grawen sollen zamer sein dann die roten. Ich find in mein zweien das widerspil / So sie in den wilden bergen seind /unnd wollen auss jren löchern uff die weid ghan / bestellen sie eins das bey dem loch bleibt und die wacht halt / und das lugt fleyssig umb sich / und als bald es leüt oder viech sicht / faht es an zu pfeiffen oder bellen / dan lauffen sie alle zu dem loch. Ir geschrey laut gleich wie ein scharpffe pfeiff  / die eim in den oren wee thut / zeigen domit an enderung des wetters / wie wol sie auch also pflegen zu schreyen wann jn etwas widerdruß beschicht. Es schreibt Plin(ius) dass zu herbst zeyten so der winter her zu streicht / sie sich gar empsig rüsten und den winter leger zurichten. Sie faren aus jren löchern und lesen allenthalben helm und hew zusammen / und eins von jnen legt sich an rucken / richt die vier bein obsich / und die andern legen uff es gleich als uff ein wagen alles so sie zusammen geraspelt haben / nemen es darnach bey dem schwantz und ziehen es wie ein geladen wagen zu dem loch. Und doher kompt es / das sie zu der selbigen zeyt geschunden seind uff dem rucken. Wann sie nun das nest also zu bereit haben / beschliessend sie sich selber mit herd und grundt / dz kein lufft noch feüchtigkeit zum nest komme / ligen und marpfflen oder schlaffend also den gantzen winter biss zum früling oder glentzen / wickelen sich zusammen in die rundi wie ein igel. Daruff haben die leüt in den thälern gut acht / graben zu jnen und nemen sie herauß mit dem nest / sie erwachen auch nit biß man sie thut an die sonnen oder nahe zum feüwer daß sie wol erwarmen. Man findt / gemeinlich in eim nest 7, 9 oder 13. Ist ein edel essen den kintbetterin / auch ißt man sie für die muter und das krimmen im bauch / oder schmirt und salbet den bauch mit irem schmaltz. Dienet auch wol denen so übel schlaffen mögend. Sie seind über dem rucken trefflich feißt und ist sunst wenig fleisch an jnen / wie wol sie nit ein recht feißte haben / sunder ist gleich wie der brustkern in eim ochsen / dz weder fleisch noch feißte ist. (Sebastian Münster, Cosmographia)