Chur (4)

Dielhelm spricht in einem Nebensatz von der gefühlten Düsternis Churs (es gibt, ein für allemal, weit düstere Täler und Ortschaften) und in einer beiläufigen Aufzählung von ihren Zooqualitäten – Themen, die sich bis ins heutige Rheinsein erhalten haben, während die Macht des Bischofs im Laufe der Zeiten, wir wollen nicht vorgreifen, eine endliche Sinuskurve beschreiben könnte: “Die Stadt ist an sich selbst wohl erbauet, aber nicht sonderlich groß, und macht bey nahe ein Dreyek aus. Sie liegt auf einem fruchtbaren und luftigen Boden, welchen der Rhein und die Plessur befeuchten. Wie denn dieser letztere mitten durchfliesset, darinnen etliche Mühlen treibet, und fast durch alle Gassen geleitet werden kan. Rings umher hat sie einen guten rothen und weisen Weinwachs, absonderlich gegen den Morgen. Sie wird ferner allenthalben mit hohen Gebürgen umgeben, die den Sommer ungemein verkürzen; massen man auf diesen Bergen und auf ihren erhabenen Gipfeln noch wohl im May und Junio Schnee findet. Im übrigen dienen sie nichts desto weniger zu einem Aufenthalt der Gemsen, Steinböcke, Haasen, Murmelthiere, Geyer, Steinhüner, Auerhäne, Fasanen, und dergleichen Gethiere mehr. Der Umkreiß dieser ganzen Stadt begreift anjetzo zwey Haupttheile in sich. Der eine bestehet aus dem bischöflichen Wohnsitz, aus der Domkirche, der Probstey, und aus den dabey stehenden Domherrenhäusern, welche von der Stadt durch Thor und Thürne abgesondert sind. Der andere Haupttheil ist die Stadt selbst. Diese bekennet sich ganz zu der reformirten Religion, und zwar seit dem Jahr 1526. als zu welcher Zeit sie dieselbe gleich andern Orten in Graubünden mit Abschaffung der catholischen angenommen, nachdem Johannes Comander des Terzels Predigten widerleget, und zu Ilanz über die streitige Puncten zwischen beyderseitigen Geistlichen eine Disputation gehalten worden. So hat auch der dortige Bischof weder in burgerlichen noch in Kirchensachen etwas zu gebieten.”