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	<title>rheinsein &#187; Johann Wolfgang von Goethe</title>
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		<title>Denkmal am deutschen Eck</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Oct 2011 14:58:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>An der Mosel ging es noch an. Wir soffen uns langsam den Fluß hinab, wir fuhren mit dem Saufbähnchen von Trier nach Bulley hinunter, und auf jeder dritten Station stiegen wir aus und sahen nach, wie es mit dem Weine wäre. Es war. Wenn wir das festgestellt hatten, stiegen wir wieder ein: der Zug führte einen Waggon mit, der sah innen aus wie ein Salonwagen, von hier aus hätte man ganz bequem Krieg führen können, so mit einem Telefon auf dem Tisch, mit dicken Zigarren und: &#8220;Seiner Majestät ist soeben der Sturmangriff gemeldet worden.&#8221; Wir führten aber keinen Krieg, sondern drückten auf die Kellnerin, und dann erschien ein Klingelknopf, oder umgekehrt, und dann konnte man auf dem langen Tisch einen naturreinen Mosel trinken und dabei Würfel spielen. Und es entstanden in diesen Bahnstunden die Spiele:</p>
<p>Lottchen dick<br />
Spix ist stolz<br />
und:<br />
Georgine, die ordentliche Blume<br />
sowie:<br />
Karlchen und die Rehlein –</p>
<p>das letztere Spiel zur Erinnerung an Karlchen seine Liebesabenteuer im freien, frischen, frommen Walde, wo ihm einmal die kleinen Rehlein zugesehn hatten. Ich verlor auf das Grauenerregendste und mußte immer bezahlen. Aber so ist alles.</p>
<p>Bernkastel, Traben-Trarbach, Bulley&#8230; dann aber setzten wir uns in einen seriösen Zug und fuhren nach Kolbenz. (Diese Aussprache wurde adoptiert, falls Jakopp ein künstliches Gebiß hätte: es spricht sich leichter aus.) In Kolbenz tranken wir der Geographie halber einen Rheinwein, und der konnte Papa und Mama sagen, wir aber nicht mehr. Am nächsten Morgen – es war ein Sonntag hell und klar – gingen wir spazieren.</p>
<p>Ich kannte Kolbenz nicht. Das erste, was mir auffiel, war ein breites und lautes Bürgerpublikum von Reisenden, die sich merkwürdig aufgeregt gebärdeten. So, wie schwarzhaarige Frauen, wenn sie einmal in Paris sind, dem Zauber des Wortes &#8220;Paris&#8221; erliegen und sich so benehmen, wie sie es zu Hause niemals täten, so kippten hier die blonden Damen aus den Pantinen; der Rhein, Vater Rhein, der deutsche Rhein klingelte in den Gläsern, und es war ziemlich scheußlich anzusehn. Das zweite, was damals auffiel, war die &#8220;Schmachch&#8221;. Wir sprachen das Wort mit zwei ch, und wir meinten die Franzosen damit, von deren &#8220;schwarzer Schmach&#8221; wir so viel in den bildenden Kinos gesehen hatten. Hier war nur weiße Schmachch, und wir mochten sie nicht. Und zwar nicht etwa, weil wir die Franzosen nicht mögen, sondern weil wir das Militär nicht mögen. Wir sind nur nicht so dumm wie zum Beispiel der Kolbenzer &#8220;General-Anzeiger&#8221;, der nun, nach dem Abzug der Schmachch, Mord und Tod hinter ihnen herschimpfte, ohne auch nur einen Augenblick lang zu untersuchen: wie sich die Deutschen in Belgien und Frankreich benommen haben, was das Militär eigentlich ist und für wen es arbeitet, und wie an diesem ganzen namenlosen Unglück, am Krieg und seinen Folgen, Europa schuld ist und seine nationale Zerfetztheit. Statt dessen krähte die Zeitung in echt kleinbürgerlicher Wut wegen der unbedingt zu verurteilenden Übergriffe nun hinter ein paar tausend Soldaten her, deren jugendliche Kraft genau so unproduktiv mißbraucht wird, wie das mit Soldaten in allen Ländern geschieht – auch in Deutschland.</p>
<p>Wir spazierten also am Rhein entlang, ich hatte wieder einmal meine Geographie nicht gelernt und ließ mir von Jakopp die Gegend erklären. Da war der Ehrenbreitstein; auf dem brannte zum Gaudium aller Rheinkadetten eine französische Fahne – wirklich, die Fahne brannte hoch am Fahnenstock, verglomm, leuchtete wieder auf&#8230; mich interessiert Militär nicht, und ich weiß nicht, was sie da gekokelt haben. Es ist ja auch gleichgültig, so gleichgültig wie alles, was diese uniformierten Brüder tun. Und da war der Rhein, der kitschumrauschte, und, wie bei Goethe steht, da waren große Schiffe im Begriffe, auf diesem Flusse hier zu sein&#8230; und plötzlich bekam ich den größten Schreck auf dieser Reise. Ich weiß es noch ganz genau:</p>
<p>Wir gingen auf der breiten, baumbestandenen Allee; vorn an der Ecke war eine Fotografenbude, sie hatten Bilder ausgestellt, die waren braun wie alte Daguerrotypien, dann standen da keine Bäume mehr, ein freier Platz, ich sah hoch&#8230; und fiel beinah um.</p>
<p>Da stand – Tschingbumm! – ein riesiges Denkmal Kaiser Wilhelms des Ersten: ein Faustschlag aus Stein. Zunächst blieb einem der Atem weg.</p>
<p>Sah man näher hin, so entdeckte man, dass es ein herrliches, ein wilhelminisches, ein künstlerisches Kunstwerk war. Das Ding sah aus wie ein gigantischer Tortenaufsatz und repräsentierte jenes Deutschland, das am Kriege schuld gewesen ist – nun wollen wir sie dreschen! In Holland.</p>
<p>Zunächst ist an diesem Monstrum kein leerer Fleck zu entdecken. Es hat die Ornamenten-Masern.</p>
<p>Oben jener, auf einem Pferd, was: Pferd! auf einem Roß, was: Roß! auf einem riesigen Gefechtshengst wie aus einer Wagneroper, hoihotoho! Der alte Herr sitzt da und tut etwas, was er all seine Lebtage nicht getan hat: er dräut in die Lande, das Pferd dräut auch, und wenn ich mich recht erinnere, wallt irgend eine Frauensperson um ihn herum und beut ihm etwas dar. Aber da kann mich meine Erinnerung täuschen&#8230; vielleicht gibt sie dem Riesen-Pferdchen nur ein Zuckerchen. Und Ornamente und sich bäumende Reptile und gewürgte Schlangen und Adler und Wappen und Schnörkel und erbrochene Lilien und was weiß ich&#8230; es war ganz großartig. Ich schwieg erschüttert und sah Jakoppn an.</p>
<p>&#8220;Ja&#8221;, sagte Jakopp, &#8220;das ist das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck.&#8221;</p>
<p>Richtig: da floß noch ein zweiter Fluß in den ersten Fluß, und es war, wenn man von den Fabrikschornsteinen absah, eine hübsche Gegend, viel zu hübsch für dieses steinerne Geklump, für diesen Trumm, diesen Trubas von einem Denkmal. &#8220;Was&#8230; wie&#8230;&#8221; stammelte ich ergriffen. Da hörte ich ein leises Stimmchen an meiner Linken, ein Knabe war mir unversehens genaht, er hatte wohl meine Ratlosigkeit bemerkt, und er sprach: &#8220;Soll ich Ihnen mal das Denkmal erklären –?&#8221; Rasches Erfassen der Kriegslage ziert den SA-Mann, und ich sprach: &#8220;Erkläre mir mal das Denkmal.&#8221;</p>
<p>Da sah der Knabe überall hin, nur nicht auf den Tortenaufsatz, er schlief im Stehen, seine Augen hatten den Ausdruck einer friedlich grasenden Kuh, ich hatte so etwas noch nie bei einem Menschen gesehen. Er sprach mit modulationsloser, quäkender Stimme. Und weil dieses arme Kind solches nicht allein tat, sondern vier oder fünf seiner Kollegen, wie ich später sah, den ganzen Sonntagvormittag lang gewerbsmäßig dasselbe ausübten, vor dem Denkmal und weiter unten, vor dem Hotel und überall, so habe ich das, was sich die Knaben eingepaukt hatten, mehrere Male hören können. Nach Verabreichung mehrerer Gläser guten Weines zwecks Auffrischung des Gedächtnisses läßt sich das etwa folgendermaßen an:</p>
<p>&#8220;Dieses Denkmal wurde gegründet im Jahre 1897; es stellt dar den berittenen Kaiser Wilhelm den Ersten, sowie auch eine Siegesgöttin benebst die besiegten Feinde. Die Siegesgöttin ist nach verlorenen Kriegen ein Friedensengel und hat eine Flügelbespannung von fünf Meter in die Breite. Das Denkmal wiegt fünf Millionen Kilogramm und hat einen Flächeninhalt von 1200 Quadratmetern, daher ist es ein großes Kunstwerk. Auf dem Grundsockel erhebt sich der Sockel, auf dem das Denkmal aufgebaut ist; auf diesem Sockel steht der richtige Sockel, und auf diesem der Untersockel, worauf sich der Denkmalssockel erhebt. Die Künstler, die an dem Denkmal schuld sind, heißen Schmitz und Hundrieser. Der Spruch, der in das Denkmal eingelassen ist, besagt: &#8220;Nimmer wird das Reich zerstöret, wenn ihr einig seid und treu.&#8221; Die Köpfe der Seeschlangen bedeuten Deutschlands Feinde, der Granit der Söckel ist aus dem Schwarzwald. Die Mosel fließt hinter dem Denkmal, ihre Strömung ist hier besonders schnell, weil sie an dem Denkmal vorbei muß. Das Denkmal ist in der Regierungszeit Kaiser Wilhelms des Zweiten eröffnet worden und hat daher zwei Millionen Mark gekostet. Das ist das Denkmal am Deutschen Eck.&#8221; (Große Trinkgeldpause.)</p>
<p>Wie ich in der Zeitung gelesen habe, sind die Reden, die sie nach dem Abzug der Schmachch gehalten haben, genau so gewesen wie das Denkmal. Aber könnt ihr euch denken, dass sich jemals eine Regierung bereit fände, einen solchen gefrorenen Mist abzukarren –? Im Gegenteil: sie werden gar bald ein neues Mal errichten: das Reichsehrenmal. Wenn es errichtet ist, werden rotzgenäste Knaben hingehn und es uns erklären: die Gastwirtschaften ringsherum werden voll sein, und in den Massengräbern zu Nordfrankreich wird sich ein Geraune erheben:</p>
<p>»Wofür –? Dafür.«</p>
<p>(Ignaz Wrobel in: Die Weltbühne, 1930)</p>
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		<title>Der Deutschlandfunk am Rheinfall</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Jun 2011 16:31:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Deutschlandfunk brachte heute ein zwanzigminütiges Rheinfallportrait, auf das uns einer unserer zahlreichen Schwarzwald-Korrespondenten aufmerksam machte. Wir schalteten gleich ein und bekamen zu hören: Ende des 18. Jahrhunderts wurde dort die erste hölzerne Schaubrücke erbaut. Es folgten Bleulers Veduten, Fabriken, Kaiser Franz Josef I. samt Sissi, schließlich zwei Millionen Besucher pro Jahr, stabilisierte Felsennadeln und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Deutschlandfunk brachte heute ein zwanzigminütiges Rheinfallportrait, auf das uns einer unserer zahlreichen Schwarzwald-Korrespondenten aufmerksam machte. Wir schalteten gleich ein und bekamen zu hören: Ende des 18. Jahrhunderts wurde dort die erste hölzerne Schaubrücke erbaut. Es folgten Bleulers Veduten, Fabriken, Kaiser Franz Josef I. samt Sissi, schließlich zwei Millionen Besucher pro Jahr, stabilisierte Felsennadeln und das neue Historama. Ansonsten war das Portrait geprägt von Goethe, Goethe und nochmals Goethe. Wer auf rheinsein das Stichwort <em>Rheinfall</em> anklickt bekommt derzeit über 20 Artikelvorschläge, Tendenz: stetig steigend. </p>
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		<title>Mme de Staël über Unterschiede im (gegenseitigen) intellektuellen Verständnis links und rechts des Rheins</title>
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		<pubDate>Wed, 11 May 2011 08:05:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;(&#8230;) Les hommes de génie de tous les pays sont faits pour se  comprendre et pour s`estimer; mais le vulgaire des écrivains et des lecteurs  allemands et français rappelle cette fable de la Fontaine, où la cigogne ne peut  manger dans le plat, ni le renard dans la bouteille. Le contraste le plus  parfait se fait voir entre les esprits développés dans la solitude et ceux qui  sont formés par la société. Les impressions du dehors et le recueillement de  <span>l`âme</span>, la connaissance des hommes et <span>l`étude </span>des idées abstraites, <span>l`action </span>et la théorie donnent des résultats tout à fait  opposés. La littérature, les arts, la philosophie, la religion des deux peuples,  attestent cette différence; et <span>l`éternelle </span>barrière  du Rhin sépare deux régions intellectuelles qui, non<span> moins que les deux contrées, sont étrangères <span>l`une </span>à <span>l`autre. (&#8230;)&#8221;</span></span></p>
<p><span><span><span><span><span>(aus: Oeuvres complètes de Mme de  Staël: De <span>l`Allemagne. </span>Seconde partie. De <span>la littérature et des arts.</span> Chapitre premier. Pourqoui les Français ne rendent-ils pas justice à la littérature allemande?)</span></span></span></span></span></p>
<p>&#8220;(&#8230;) La poésie française, étant la plus classique de toutes les poésies modernes, est  la seule qui ne soit pas répandue parmi le peuple. Les stances du Tasse sont  chantées par les gondoliers de Venise; les Espagnols et les Portugais de toutes  les classes savent par cœur les vers de Calderon et de Camoëns. Shakspeare est  autant admiré par le peuple en Angleterre que par la classe supérieure. Des  poèmes de Goethe et de Bürger sont mis en musique, et vous les entendez répéter  des bords du Rhin jusqu`à la Baltique. Nos poëtes français sont admirés par tout  ce qu`il y a d`esprits cultivés chez nous et dans le reste de <span>l`Europe, </span>mais ils sont tout à fait inconnus aux gens du  peuple et aux bourgeois même des villes, parce que les arts en France ne sont  pas, comme ailleurs, natifs du pays même où leurs beautés se développent. (&#8230;)&#8221;</p>
<p>(Dortselbst. Chapitre XI. De la poésie classique et de la poésie romantique.)</p>
<p>&#8220;(&#8230;) Klopstock a souvent beaucoup de grâce sur des sujets moins  sérieux: sa grâce tient à <span>l`imagina</span>tion et à la  sensibilité; car dans ses poésies il n`y a pas beaucoup de ce que nous appelons  de <span>l`es</span>prit; le genre lyrique ne le comporte pas.  Dans<em>, </em><span>l`ode </span>sur le rossignol, le poëte  allemand a su rajeunir un sujet bien usé, en prêtant à <span>l`oiseau </span>des sentiments si doux et si vifs pour la nature  et pour <span>l`homme</span>, qu`il semble un médiateur ailé qui  porte de <span>l`une </span>à <span>l`autre </span>des tributs de louange et d`amour. Une ode sur le vin du Rhin est  très-originale: les rives du Rhin sont pour les Allemands une image vraiment  nationale; ils n`ont rien de plus beau dans toute leur contrée; les pampres  croissent dans les mêmes lieux où tant d`actions guerrières se sont passées, et  le vin de cent années, contemporain de jours plus glorieux, semble recéler encore  la généreuse chaleur des temps passés.<br />
Non &#8211; seulement Klopstock a tiré du christianisme les plus  grandes beautés de ses ouvrages re<span>ligieux, mais comme il  voulait que la littérature de son pays fût tout à fait indépendante de celle des  anciens, il a tâché de donner à la poésie allemande une mythologie toute  nouvelle, empruntée des Scandinaves. Quelquefois il <span>l`emploie </span>d`une manière trop savante; mais quelquefois  aussi il en a tiré un parti très-heureux, et son imagination a senti les  rapports qui existent entre les dieux du Nord et <span>l`aspect </span>de la nature à laquelle ils président. (&#8230;)&#8221;<br />
</span><br />
(Dortselbst. Chapitre XII. Des  poëmes allmands.)</p>
<p>Wir danken unserem Korrespondenten Roland Bergère fürs Aufstöbern und häppchengerechte Servieren. Mme de Staëls Gedanken ufern sehr viel weiter aus, als wir hier darstellen mögen, und sind tiefere Einblicke wert. Klopstock!, sagen wir nur. Der Originaltext findet sich ua bei Google Books.</p>
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		<title>Goethe begoethet den Rheinfall (3)</title>
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		<pubDate>Sun, 01 May 2011 10:56:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Goethe kehrt nochmals zum Rheinfall zurück, seine Beschreibungen erinnern nun an wiederholte Träume oder heutige Betrachtungen auf den genialischen Fußreisen rheinseins:
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Um 3 Uhr fuhr ich wieder nach dem Rheinfall. Mir fiel die Art wieder auf, an den Häusern Erker und Fensterchen zu haben. Sogar haben sie ein besonderes Geschick, solche Guckscharten durch die Mauern zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Goethe kehrt nochmals zum Rheinfall zurück, seine Beschreibungen erinnern nun an wiederholte Träume oder heutige Betrachtungen auf den genialischen Fußreisen rheinseins:</p>
<p>&#8220;eodem.</p>
<p>Um 3 Uhr fuhr ich wieder nach dem Rheinfall. Mir fiel die Art wieder auf, an den Häusern Erker und Fensterchen zu haben. Sogar haben sie ein besonderes Geschick, solche Guckscharten durch die Mauern zu bohren und sich eine Aussicht, die niemand erwartet, zu verschaffen.<br />
Wie nun dieses die Lust anzeigt, unbemerkt zu sehen und zu beobachten, so zeigen dagegen die vielen Bänke an den Häusern, welche an den vornehmern geschnitzt, aufgeschlagen und zugeschlossen sind, von einer zutraulichen Art nachbarlichen Zusammenseyns, wenigstens voriger Zeit.<br />
Viele Häuser haben bezeichnende Inschriften, auch wohl manche selbst ein Zeichen, ohne grade ein Wirthshaus zu seyn.<br />
Ich fuhr am rechten Rheinufer hin; rechts sind schöne Weinberge und Gärten, der Fluß strömt über Felsbänke mit mehr oder weniger Rauschen.<br />
Man fährt weiter hinauf. Schafhausen liegt nun in der Tiefe; man sieht die Mühlen, die vor der Stadt den Fluß herabwärts liegen. Die Stadt selbst liegt wie eine Brücke zwischen Deutschland und der Schweiz. Sie ist wahrscheinlich durch die Hemmung der Schiffahrt durch den Rheinfall in dieser Gegend entstanden.<br />
Ich habe in derselben nichts geschmackvolles und nichts abgeschmacktes bemerkt, weder an Häusern, Gärten, Menschen und Betragen.<br />
Der Kalkstein, an dem man vorbey fährt, ist sehr klüftig, so wie auch der drüben bey Laufen. Das wunderbarste Phänomen beym Rheinfall ist mir daher die Felsen, welche sich in dessen Mitte so lange erhalten, da sie doch wahrscheinlich von derselben Gebirgsart sind.<br />
Da sich der Fluß wendet, so kommen nun die Weinberge an das entgegengesetzte Ufer, und man fährt diesseits zwischen Wiesen und Baumstücken durch. Dann erscheinen drüben steile Felsen und hüben die schönste Cultur.<br />
Bey der Abendsonne sah ich noch den Rheinfall von oben und hinten, die Mühlen rechts, unter mir das Schloß Laufen, im Angesicht eine große herrliche, aber faßliche, in allen Theilen interessante, aber begreifliche Naturscene: man sieht den Fluß heranströmen und rauschen, und sieht wie er fällt.<br />
Man geht durch die Mühlen durch in der kleinen Bucht. Bey den in der Höhe hervorstehenden mancherley Gebäuden wird selbst der kleine Abfall eines Mühlwassers interessant, und die letzten diesseitigen Ströme des Rheinfalls schießen aus grünen Büschen hervor. Wir gingen weiter, um das Schlößchen Wörth herum. Der Sturz war zu seinem Vortheil und Nachtheil von der Abendsonne grade beleuchtet; das Grün der tieferen Strömungen war lebhaft, wie heute früh, der Purpur aber des Schaumes und Staubes viel lebhafter.<br />
Wir fuhren näher an ihn hinan; es ist ein herrlicher Anblick, aber man fühlt wohl, daß man keinen Kampf mit diesem Ungeheuer bestehen kann.<br />
Wir bestiegen wieder das kleine Gerüste, und es war eben wieder als wenn man das Schauspiel zum erstenmal sähe. In dem ungeheuern Gewühle war das Farbenspiel herrlich. Von dem großen überströmten Felsen schien sich der Regenbogen immerfort herabzuwälzen, indem er in dem Dunst des herunterstürzenden Schaumes entstand. Die untergehende Sonne färbt einen Theil der beweglichen Massen gelb, in tiefen Strömungen erschienen grün, und aller Schaum und Dunst war licht purpurgefärbt; auf allen Tiefen und Höhen erwartete man die Entwicklung eines neuen Regenbogens. Herrlicher war das Farbenspiel in dem Augenblick der sinkenden Sonne, aber auch alle Bewegung schien schneller, wilder und sprühender zu werden. Leichte Windstöße kräuseln lebhafter die Säume des stürzenden Schaums, Dunst schien mit Dunst gewaltsamer zu kämpfen, und indem die ungeheure Erscheinung immer sich selbst gleich blieb, fürchtete der Zuschauer dem Übermaß zu unterliegen und erwartete als Mensch jeden Augenblick eine Katastrophe.<br />
Im Zurückgehen legitimirte sich bei mir Denfeld, ein Schwede, durch einen Brief von Kosegarten. Er ist auf einer so genannten genialischen Fußreise begriffen.&#8221;</p>
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		<title>Goethe begoethet den Rheinfall (2)</title>
		<link>http://rheinsein.de/2011/04/29/goethe-begoethet-den-rheinfall-2/</link>
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		<pubDate>Fri, 29 Apr 2011 09:53:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Goethe hat seine Tageserstperspektive zureichend genossen und setzt über, es ist Zeit für seinen Morgenwein:
&#8220;Schlößchen Wörth
Ich ging hinein, um ein Glas Wein zu trinken.
Alter Eindruck bey Erblickung des Mannes.
Ich sah Trippels Bild an der Wand und fragte, ob er etwa zur Verwandtschaft gehörte. Der Hausherr, der Geltzer heißt, war mit Trippel durch Mütter Geschwisterkind. Er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Goethe hat seine Tageserstperspektive zureichend genossen und setzt über, es ist Zeit für seinen Morgenwein:</p>
<p>&#8220;Schlößchen Wörth</p>
<p>Ich ging hinein, um ein Glas Wein zu trinken.<br />
Alter Eindruck bey Erblickung des Mannes.<br />
Ich sah Trippels Bild an der Wand und fragte, ob er etwa zur Verwandtschaft gehörte. Der Hausherr, der Geltzer heißt, war mit Trippel durch Mütter Geschwisterkind. Er hat das Schlößchen mit dem Lachsfang, Zoll, Weinberg, Holz u.s.w. von seinen Voreltern her im Besitz, doch als Schupf-Lehn, wie sie es heißen. Er muß nämlich dem Kloster oder dessen jetzigen Successoren die Zolleinkünfte berechnen, 2/3 des gefangenen Lachses einliefern, auf die Waldung Aufsicht führen und daraus nur zu seiner Nothdurft schlagen und nehmen; die Nutzung des Weinberges und der Felder gehört ihm zu, und er giebt jährlich überhaupt nur 30 Thaler ab. Und so ist er eine Art von Lehenmann und zugleich Verwalter. Das Lehn heißt Schupf-Lehn deswegen, weil man ihn, wenn er seine Pflichten nicht erfüllt, aus dem Lehn herausschieben oder schuppen kann. Er zeigte mir seinen Lehnbrief von Anno 62, der alle Bedingungen mit großer Einfalt und Klarheit enthält. Ein solches Lehn geht auf die Söhne über, wie der gegenwärtige Besitzer die ältern Briefe auch noch aufbewahrt. Allein im Briefe selbst steht nichts davon, obwohl von einem Regreß an die Erben darinn die Rede ist. Um 10 Uhr fuhr ich bey schönem Sonnenschein wieder hinüber. Der Rheinfall war noch immer seitwärts von hinten erleuchtet, schöne Licht- und Schattenmassen zeigten sich sowohl von dem Laufenschen Felsen als von den Felsen der Mitte.<br />
Ich trat wieder auf die Bühne an den Sturz heran, und ich fühlte, daß der vorige Eindruck schon verwischt war; es schien gewaltsamer als vorher zu stürmen. Wie schnell sich doch die Nerve wieder in ihren alten Zustand herstellt. Der Regenbogen erschien in seiner größten Schönheit; er stand mit seinem ruhigen Fuß in dem ungeheuern Gischt und Schaum, der, indem er ihn gewaltsam zu zerstören droht, ihn jeden Augenblick neu hervorbringen muß.&#8221;</p>
<p>Gedopt von einem frühen Tröpfchen schweift Goethe ein wenig vom Naturspektakel ab, um es sich dann umso genauer zu besehen und interessante, kräftige Details zu notieren:</p>
<p>&#8220;Beobachtungen und Betrachtungen.</p>
<p>Sicherheit neben der entsetzlichen Gewalt.<br />
Durch das Rücken der Sonne noch größere Massen von Licht und Schatten.<br />
Da nun kein Nebel ist, scheint der Gischt gewaltiger, wenn er über den reinen Himmel und die reine Erde hinauffährt.<br />
Die dunkle grüne Farbe des abströmenden Flusses ist auch auffallender.&#8221;</p>
<p>Höchste Erkenntnis, was das Wesen des Falles angeht, in klare Sätze gepackt. Einmal vorort, fällt es jedem musischen Menschen schwer, seinen Blick von dem Naturspektakel zu lösen, allein: nach ein paar Stunden ist es dann doch gut. Und irgendwo wartet sicherlich bereits das nächste Gläschen. </p>
<p>&#8220;Wir fuhren zurück.</p>
<p>Wenn man nun den Fluß nach dem Falle hinabgleiten sieht, so ist er ruhig, seicht und unbedeutend. Alle Kräfte, die sich gelassen successiv einer ungeheuern Wirkung nähern, sind ebenso anzusehen. Mir fielen die Colonnen ein, wenn sie auf dem Marsche sind. Man sieht nun links über die bebaute Gegend und Weinhügel mit Dörfern und Höfen belebt und mit Häusern wie besäet. Ein wenig vorwärts Hohentwiel und, wenn ich nicht irre, die vorstehenden Felsen bey Engen und weiter herwärts. Rechts die hohen Gebürge der Schweiz in weiter Ferne hinter den mannigfaltigsten Mittelgründen. Auch bemerkt man hinterwärts gar wohl an der Gestalt der Berge den Weg, den der Rhein nimmt.<br />
In dem Dorf Uhwiesen fand ich in der Zimmerarbeit Nachahmung der Mauerarbeit. Was sollen wir zu dieser Erscheinung sagen, da das Gegentheil der Grund aller Schönheit unsrer Baukunst ist.<br />
Auch sah ich wieder Mangold, nahm mir vor, Saamen davon mitzunehmen und künftigen Sommer unsern Wieland zu tractiren.<br />
Ich wurde abermals dran erinnert, wie das Sentimentale das Ideale auf einen einzelnen Fall anwendet und deswegen meistens schief ist.<br />
Schafhausen lag mit seiner Dächermasse links im Thale.<br />
Schafhauser Brücke schön gezimmert, höchste Reinlichkeit. In der Mitte einige Sitze, hinter denen die Öffnungen mit Glasfenstern zugeschlossen sind, damit man nicht im Zuge sitze.<br />
Unterm Thore des Wirthshauses fand ich ein paar Franzosen wieder, die ich auch am Rheinfall gesehen hatte. Der eine war wohl damit zufrieden, der andere aber sagte: C`est asses joli, mais pas si joli que l`on me l`avait dit. Ich möchte die Ideen des Mannes und seinen Maasstab kennen.<br />
Bey Tische saß ich neben einem Manne, der aus Italien kam und ein Mädchen von ohngefähr 14 Jahren, eine Engländerin, Namens Dillon, deren Mutter, eine geborne D`Alston, in Padua gestorben war, nach England zurückführte. Er konnte von der Theurung in Italien nicht genug sagen. Ein Pfund Brot kostet 20 französische Sous und ein paar Tauben einen kleinen Thaler.<br />
Makaronische Uniform französischer edlen Cavalleristen. Fürchterliches Zeichen der drey schwarzen Lilien auf der weißen Binde am Arm.&#8221;</p>
<p>Leichte Makkaronizität dürfen wir wohl auch solchem Bericht attestieren. Doch nur Wochen später wird Goethe den Rheinfall in einem Brief an Charlotte von Stein auf seinen höchstpoetischen Nenner geschrumpft haben: &#8220;er ist die Blüte der Menschheit, das Beste vom besten&#8221;.</p>
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		<title>Goethe begoethet den Rheinfall</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Apr 2011 09:09:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Dreimal war Goethe zeit (und laut) seines wohldokumentierten Lebens am Rheinfall, in dieser Hinsicht steht es bisher pari zwischen rheinsein und dem Alten. In Goethes Tagebuch von September 1797 finden sich, nachdem er am Vorabend im Schaffhauser Gasthaus zur Krone &#8220;einen gewissen stieren Blick der Schweizer, besonders der Zürcher&#8221; bemerkt, mehrere Einträge, welche die gewissenhaften Inspektionen Goethes am Objekte protokollieren. Frühmorgens macht er sich auf den Weg, eine gute Zeit, wie rheinsein aus eigenen Untersuchungen bestätigen darf, den Wasserfall zu betrachten, der je nach Sonnenstand dem Betrachter erkleckliche Differenzen in seiner Wirkung als ständiges Naturspektakel vermitteln kann. </p>
<p>&#8220;Den 18ten früh.</p>
<p>Um 6 1/2 Uhr ausgefahren. Grüne Wasserfarbe, Ursache derselben.<br />
Nebel, der die Höhen einnahm. Die Tiefe war klar, man sah das Schloß Laufen halb im Nebel. Der Dampf des Rheinfalls, den man recht gut unterscheiden konnte, vermischte sich mit dem Nebel und stieg mit ihm auf.<br />
Gedanke an Ossian. Liebe zum Nebel bey heftig innern Empfindungen.<br />
Uhwiesen, ein Dorf. Weinberge, unten Feld.<br />
Oben klärte sich der Himmel langsam auf, die Nebel lagen noch auf den Höhen.<br />
Laufen. Man steigt hinab und steht auf Kalkfelsen.<br />
Theile der sinnlichen Erscheinung des Rheinfalls, vom hölzernen Vorbau gesehen. Felsen, in der Mitte stehende, von dem höhern Wasser ausgeschliffne, gegen die das Wasser herabschießt.<br />
Ihr Widerstand; einer oben, und der andere unten, werden völlig überströmt. Schnelle Wellen. Locken Gischt im Sturz, Gischt unten im Kessel, siedende Strudel im Kessel.<br />
Der Vers legitimirt sich:<br />
Es wallet und siedet und brauset und zischt pp.<br />
Wenn die strömenden Stellen grün aussehen, so erscheint der nächste Gischt leise purpur gefärbt.<br />
Unten strömen die Wellen schäumend ab, schlagen hüben und drüben ans Ufer, die Bewegung verklingt weiter hinab, und das Wasser zeigt im Fortfließen seine grüne Farbe wieder.&#8221;</p>
<p>Der hölzerne Vorbau: das Känzeli! &#8211; muß gleich mit dem Rheinfall entstanden sein. Ob Goethe auch auf den Schnitzel-Imbiß treffen wird? Zunächst notiert er</p>
<p>&#8220;Erregte Ideen.</p>
<p>Gewalt der Sturzes. Unerschöpfbarkeit als wie ein Unnachlassen der Kraft. Zerstörung, Bleiben, Dauern, Bewegung, unmittelbare Ruhe nach dem Fall.<br />
Beschränkung durch Mühlen drüben, durch einen Vorbau hüben; ja es war möglich, die schönste Ansicht dieses herrlichen Natur-Phänomens wirklich zu verschließen.<br />
Umgebung. Weinberge, Feld, Wäldchen.<br />
Bisher war Nebel, zu besonderm Glücke und Bemerkung des Details; die Sonne trat hervor und beleuchtete auf das schönste schief von der Hinterseite das Ganze. Das Sonnenlicht theilte nun die Massen ab, bezeichnete alles vor- und zurückstehende, verkörperte die ungeheure Bewegung. Das Streben der Ströme gegen einander schien gewaltsam zu werden, weil man ihre Richtung und Abtheilungen deutlicher sah. Stark spritzende Massen aus der Tiefe zeichneten sich beleuchtet nun vor dem feinern Dunst aus, ein halber Regenbogen erschien im Dunste.<br />
Bey längerer Betrachtung scheint die Bewegung zuzunehmen. Das dauernde Ungeheuer muß uns immer wachsend erscheinen; das vollkommne muß uns erst stimmen und uns nach und nach zu sich hinaufheben. So erscheinen uns schöne Personen immer schöner, verständige verständiger.<br />
Das Meer gebietet dem Meer. Wenn man sich die Quellen des Oceans dichten wollte, so müßte man sie so darstellen.<br />
Nach einiger Beruhigung verfolgt man den Strom in Gedanken bis zu seinem Ursprung und begleitet ihn wieder hinab.<br />
Beym Hinabsteigen nach dem flächern Ufer Gedanken an die neumodische Parksucht.<br />
Der Natur nachzuhelfen, wenn man schöne Motive hat, ist in jeder Gegend lobenswürdig; aber wie bedenklich es sey, gewisse Imaginationen realisiren zu wollen, da die größten Phänomene der Natur selbst hinter der Idee zurückbleiben.<br />
Ich fuhr über. Der Rheinfall von vorn, wo er faßlich ist, bleibt noch herrlich, man kann ihn auch schon schön nennen. Man sieht schon mehr den stufenweisen Fall und die Mannigfaltigkeit in seiner Breite; man kann die verschiednen Wirkungen vergleichen, vom unbändigsten rechts bis zum nützlich verwendeten links.<br />
Über dem Sturz die schöne Felsenwand, an der man das Hergleiten des Stromes ahnden kann; rechts das Schloß Laufen. Ich stand so, daß das Schlößchen Wörth und der Damm, der von ausgeht, den linken Vordergrund machten. Auch auf dieser Seite sind Kalkfelsen, und wahrscheinlich sind auch die Felsen in der Mitte des Sturzes Kalk.&#8221;</p>
<p>Die Angaben mag jede/r Interessierte nutzen, sich bei einem Rheinfall-Besuch selbst in Goethesche Position zu navigieren.  </p>
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		<title>Heinse über den Rheinfall</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Apr 2011 15:06:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Victor Hugo am Rheinfall war, der junge Lenz, Mörike, Hölderlin, Jean Paul, Klopstock, die Droste, wir selbst bereits ein paarmal, dann muß auch Goethe dort gewesen sein, möchte man meinen und meinte mans wirklich, so meinte mans natürlich zurecht. Goethes Gedanken zum Rheinfall werden hier noch präsentiert, in der Zwischenzeit stießen wir auf Wilhelm Heinse, der in seinem Tagebuch notierte:</p>
<p>&#8220;Neuhausen bei Schaffhausen, den 14. August 1870<br />
Der Rhein bei Schaffhausen tut einen solchen Schuß in die Tiefe, daß er das Laufen vergißt und sich besinnt, ob er Dunst werden oder Wasser bleiben will. Wenn man ihn zum ersten erblickt: so sieht man lauter Dunststaub wie Silberrauch in der Luft. Sein Brausen in der Ferne scheint wie Harmonie, in welche einzelne Flutenschläge die Melodie machen. Er sieht ganz wild und ernst aus und stürmt trotzig über die Felsen hin, kühn und sicher, nicht zu vergehen. Es ist eine erschreckliche Gewalt, und man erstaunt, wie die Felsen dagegen aushalten können. Das Wasser scheint von der heftigen Bewegung zu Feuer zu werden und raucht; aber sein Dampf ist Silber, so rein, wie sein Element ist.&#8221;</p>
<p>Treffende Worte in schönem Fluß. Heinses Beobachtungen am Rheinfall gehen indes noch deutlich weiter, in einem Brief an den Kollegen Friedrich Jacobi:</p>
<p>&#8220;Es ist, als ob eine Wasserwelt in den Abgrund aus den Gesetzen der Natur hinausrollte. Die Gewölbe der Schaumwogen im wütenden Schuß flammt ein glühender Regenbogen wie ein Geist des Zorns schräg herab. Keine Erinnerung, der stärkste Schwung der Phantasie kann`s der gegenwärtigen Empfindung nachsagen. Die Natur zeigt sich ganz in ihrer Größe. Die Allmacht ihrer Kräfte zieht dauernd die kochenden Fluten herab und gibt den ungeheuern Wassermassen die Eile des Blitzes. Es ist die allerhöchste Stärke, der wütendste Sturm des größten Lebens, das menschliche Sinnen fassen können. Der Mensch steht klein wie ein Nichts davor da und kann nur bis ins Innerste gerührt den Aufruhr betrachten. Selbst der Schlaffste muß des Wassergebirggetümmels nicht satt werden können. Der kälteste Philosoph muß sagen, es ist eine von den ungeheuersten Wirkungen der anziehenden Kraft, die in die Sinne fallen. Und wenn man es das hundertstemal sieht, so ergreift`s einen wieder von neuem, als ob man es noch nicht gesehen hätte. Es ist ein Riesensturm, und man wird endlich ungeduldig, daß man ein so kleines festes mechanisches zerbrechliches Ding ist und nicht mit hineinkann. Der Perlenstaub, der überall wie von einem großen wütenden Feuer herumdampft und wie von einem Wirbelwind herumgejagt wird und allen den großen Massen einen Schatten erteilt oder sie gewitterwolkicht macht, bildet ein fürchterliches Ganzes mit dem Flug und Schuß und Drang, und An- und Abprallen, und Wirbeln und Sieden und Schäumen in der Tiefe, und dem Brausen und dem majestätischen, erdbebenartigen Krachen dazwischen&#8230; O Gott, welche Musik, welches Donnerbrausen, welch ein Sturm durch all mein Wesen! Heilig! heilig! heilig! brüllt es in Mark und Gebein&#8230; Es ist mir, als ob ich in der geheimsten Werkstatt der Schöpfung mich befände, wo das Element von fürchterlicher Allgewalt gezwungen sich zeigen muß, wie es ist, in zerstürmten und ungeheuern großen Massen. Und doch läßt das ihm eigentümliche Leben sich nicht ganz bändigen und schäumt und wütet und brüllt, daß die Felsen und die Berge nebenan erzittern und erklingen und der Himmel davor sein klares Antlitz verhüllt und die flammende Sommersonne mit mildern Strahlen dreinschaut. –<br />
Es ist der Rheinstrom: und man steht davor wie vor dem Inbegriff aller Quellen, so aufgelöst ist er; und doch sind die Massen so stark, daß sie das Gefühl statt des Auges ergreifen, und die Bewegung so trümmernd heftig, daß dieser Sinn ihr nicht nachkann und die Empfindung immer neu bleibt und ewig schauervoll und entzückend.<br />
Man hört und fühlt sich selbst nicht mehr, das Auge sieht nicht mehr und läßt nur Eindruck auf sich machen; so wird man ergriffen und von nie empfundenen Regungen durchdrungen. Oben und unten sind kochende Staubwolken, und in der Mitte wälzt sich blitzschnell die dicke Flut wie grünlichtes Metall mit Silberschaum im Fluß; unten stürzt es mit allmächtiger Gewalt durch den kochenden Schaum in den Abgrund, daß er wie von einer heftigen Feuersbrunst sich in Dampf und Rauch auflöst und sich über das weite Becken wirbelt und kräuselt. An der linken Seite, wo sein Strom am stärksten sich hereinwälzt, fliegt der Schuß wie Ballen zerstäubter Kanonenkugeln weit ins Becken und gibt Stöße an die Felsenwand wie ein Erdbeben. Rundum weiterhin ist alles Toben und Wüten, und das Herz und die Pulse schlagen dem Wassergotte wie einem Alexander nach gewonnener Schlacht.&#8221;</p>
<p>Existiert da noch besseres? Heinse jedenfalls, auf den wir heut erst stießen, hat noch schöne Anmerkungen zu weiteren rheinischen Gefilden in petto, die gelegentlich hier auftauchen dürften. Ob Goethe da mithalten konnte oder angesichts des Naturereignisses in eine seiner kleinkrämerischen Brillanzpausen verfiel &#8211; verpassen Sie`s auf keinen Fall, demnächst, an dieser Stelle!</p>
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		<title>Frankfurt am Main (2)</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Jan 2011 20:59:24 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;(&#8230;) We made a short halt at Frankfort-on-the-Main, and found it an interesting city. I would have liked to visit the birthplace of Gutenburg, but it could not be done, as no memorandum of the site of the house has been kept. (Gutenburg, Gutenberg, wer weiß? Die beiden werden ja häufiger verwechselt.  Anm. Rheinsein) So we spent an hour in the Goethe mansion instead. The city permits this house to belong to private parties, instead of gracing and dignifying herself with the honor of possessing and protecting it. Frankfort is one of the sixteen cities which have the distinction of being the place where the following incident occurred. Charlemagne, while chasing the Saxons (as HE said), or being chased by them (as THEY said), arrived at the bank of the river at dawn, in a fog. The enemy were either before him or behind him; but in any case he wanted to get across, very badly. He would have given anything for a guide, but none was to be had. Presently he saw a deer, followed by her young, approach the water. He watched her, judging that she would seek a ford, and he was right. She waded over, and the army followed. So a great Frankish victory or defeat was gained or avoided; and in order to commemorate the episode, Charlemagne commanded a city to be built there, which he named Frankfort &#8212; the ford of the Franks. None of the other cities where this event happened were named for it. This is good evidence that Frankfort was the first place it occurred at. Frankfort has another distinction &#8212; it is the birthplace of the German alphabet; or at least of the German word for alphabet &#8212; BUCHSTABEN. They say that the first movable types were made on birch sticks &#8212; BUCHSTABE &#8212; hence the name. (&#8230;) In Frankfort everybody wears clean clothes (&#8230;). Even in the narrowest and poorest and most ancient quarters of Frankfort neat and clean clothes were the rule. The little children of both sexes were nearly always nice enough to take into a body&#8217;s lap. And as for the uniforms of the soldiers, they were newness and brightness carried to perfection. One could never detect a smirch or a grain of dust upon them. The street-car conductors and drivers wore pretty uniforms which seemed to be just out of the bandbox, and their manners were as fine as their clothes. In one of the shops I had the luck to stumble upon a book which has charmed me nearly to death. It is entitled THE LEGENDS OF THE RHINE FROM BASLE TO ROTTERDAM, by F. J. Kiefer; translated by L. W. Garnham, B.A. All tourists MENTION the Rhine legends &#8212; in that sort of way which quietly pretends that the mentioner has been familiar with them all his life, and that the reader cannot possibly be ignorant of them &#8212; but no tourist ever TELLS them. (&#8230;)&#8221;</p>
<p>(aus: Mark Twain &#8211; A tramp abroad, Chapter I)</p>
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		<title>Valéry über Nerval</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Nov 2010 07:14:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>„Il aimait de la même amour les bois et les ruisseaux qui sont aux abords de Senlis, et cette noble forêt de Compiègne où je vis, une nuit, dans une clairière marécageuse, la pleine lune tramer au voile de la brume un arc-en-ciel aux couleurs froides et tout broché d’argent. La merveille de ce spectre glacé eut sans doute ravi Nerval, grand amateur de ces décors, de légendes que l’on place souvent sur les rives du Rhin. Les contes et les lieds que ce fleuve a inspirés lui étaient d’autant plus familiers qu’il connaissait fort bien la langue allemande. On sait quels éloges il reçut de Goethe pour sa traduction du premier Faust. Peut-être fut-il le seul Romantique français bien instruit de cette Germanie lyrique et métaphysique, de laquelle notre Romantisme nous vint.“</p>
<p>(Paul Valéry, Oeuvres 1, Variété – Etudes littéraires : Souvenir de Nerval.)</p>
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		<title>Der Rheinsteig im Radio</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Sep 2010 10:49:51 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[SWR 2 sendet dieser Tage das Wanderweg-Feature „Der Rheinsteig – von Wiesbaden bis ans Deutsche Eck&#8221; von Helmut Frei, worauf Rheinseins Hüfingen/Baar-Korrespondent Dr. Lutz Mittler uns dankenswerterweise hinwies. Den ersten Teil gibts bereits als knapp halbstündigen MP3-Download: Niederwalddenkmal, Wacht am Rhein, Drosselgass, Heine, Goethe (in seiner Eigenschaft als Ausflugsdampfer), Bacharach: so weit, so bekannt seit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>SWR 2 sendet dieser Tage das Wanderweg-Feature „Der Rheinsteig – von Wiesbaden bis ans Deutsche Eck&#8221; von Helmut Frei, worauf Rheinseins Hüfingen/Baar-Korrespondent Dr. Lutz Mittler uns dankenswerterweise hinwies. Den ersten Teil gibts bereits als knapp halbstündigen MP3-Download: Niederwalddenkmal, Wacht am Rhein, Drosselgass, Heine, Goethe (in seiner Eigenschaft als Ausflugsdampfer), Bacharach: so weit, so bekannt seit 2000 Jahren. Dann tritt die Reblaus auf den Plan und ihr schärfster Gegner: der pfälzische Winzer, der Sylt beliefert. Auf die Reblaus folgt die Klimaverschiebung &#8211; der Riesling verträgt nicht zu viel Hitze &#8211; und die gefährdete Brückenlosigkeit des romantisch grundierten Weltkulturerbes: ein Fährmann weist auf die wirklichste aller Rheinwirklichkeiten: den Verkehrslärm. Im Biotop der Dörscheider Heide oberhalb Kaub leben Spanische Fliege, Gottesanbeterin, Gottesanbieterin, Diptam, Abwurz und brennende Büsche. Daß der Fluß früher schmutziger war, belegt eine schöne O-Ton-Stelle: &#8220;Hauptberuflich arbeitete Stefan Lauer viele Jahre als Schieferdecker. Grauschwarz waren Hände und Gesicht, wenn er abends nach Hause kam: „Wir konnten also früher ohne weiteres mit dem Kahn hin und her nach Sankt Goar. Das kann man heute einfach nit mehr so, das is teilweise sogar verboten, na, also dieses Fahrwasser zu kreuzen. Ich war immer in nem Beruf, wo ich also sehr schwarz wurde. Dann is mer abends heim gekommen und hat mer en Handtuch und Seife genommen und dann is mer an den Fluss und hat sich gewaschen, is da herumgeschwommen und dann war das gut. Dann nachher, bedingt durch die Industrie, durch die Abwässer und alles so. Der Rhein, der kippte ja fast in den Sechziger Jahre, da wars dann umgekehrt. Wenn mer dann im Rhein schwimmen war, dann musste man sich zuhause duschen. Ich weiß, ich hatte noch mal Fische gehabt und beim Putzen, beim Schrubben und beim Ausnehmen, da kam der Gestank hoch; da hab ich alles zusammen gepackt, hab das wieder dem Rhein übergeben, also das wars dann halt.“&#8221; Des Berichts erster Teil schwingt aus mit der im allgemeinen Rheinlärm erzitternden Kesterter Kirsche oder Kesterter Kirche, die einstens in Berlin gesichtet worden sein soll. Teil 2 ist für den morgigen Dienstagvormittag, halb neun angesetzt. </p>
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