Schaan (2)

Siedlungsgeschichte besitzt Schaan wie soviele rheinische Flecken seit über 6000 Jahren. Die Kelten und andres sinistres Volk: die Römer errichteten ihrerzeit auf Schaaner Grund einen antialemannischen Schutzwall. Die heutigen Römer und Alemannen ficht das nurmehr archäologisch. Vom römischen Scana rührt der gleichnamige Konservenkonzern aus der geniösen Hilti-Familie, die mit ihren elektropneumatischen, auf Baustellen „religiös verehrten“ (Harald Schmidt) Bohrhämmern an der weltweit progredierenden Abrißgeschichte schreibt. Die neugotische St. Laurentiuskirche mit ihrem schlanken 81 Meter hohen Turm geht vektoriell konform mit den dahinterliegenden Bergspitzen, auf die sie weist, bis und damit diese wiederum auf den Himmel weisen, eine Bahn nachdeutend, die Gottes Sohn zu Christi Himmelfahrt und unser aller Heil vorgeflogen haben mag. Dem Vater des Volkes, dem Helfer der Armen, dem Freunde des Friedens, dem Hirten der Kunst, kurz: Fürst Johann dem Guten (1840 – 1858 – 1929) ist ein an sozialistischen Realismus erinnerndes Relief an der talzugewandten Westseite gewidmet, daß der wenigen guten Leute gedacht werde, im Himmel wie auf Erden. Sechs Kilometer lang ist der Schaaner Kulturweg mit einigen dreißig Stationen, das Rheindenkmal eine Felstafel-Erinnerung an die große nationale Überflutungs-Katastrofe von 1927 mit Danksagung an die edlen Helfer und Spender in der Not plus Höchstwassermarkierung. Am Rheinhof künden skulpturierte Wasserspiele von der genauen Lage Schaans nach heute gängigen Vorgaben (*), der Zollimbiss offeriert „Echte Döner Kebap!!! Nur von Kalbs Plätzli“. 1943 notwasserte ein US-Kampfflieger im Schaaner Rhein, um Zentimeter auf der Schweizer Grenze, also im Buchser Rhein. Die Umbauten im Schaaner Zentrum erinnern an jene vom Potsdamer Platz, während sich von Süden her mit einigem Selbstbewußtsein die Ortschaft Triesen der Schaan-Vaduzer Megalopolis (Schaduz? Vaaan?) nähert, während sich die imposanten Holzhäuser nach und nach in der Mischarchitektur verkrümeln. Ich habe mitten im Ort ein flüchtiges Wesen mit rheinblauen Augen erkannt und mir ist es gelungen, einen Schnellzug den Schaan-Vaduzer Bahnhof passieren zu sehen.

(*) Schweizer und deutscher Nullpunkt sollen sich bei einem rheinüberschreitenden Brückenbau verhindernd ausgewirkt haben: ersterer liegt am Mittelmeer, letzterer an der Nordsee und dazwischen entscheidende Höhenzentimeter.