Rheinfische (5)

“Es hat auch dieser Strom von allerhand Arten Fische einen grossen Uberfluß, und man fängt darinnen unter andern leckerhafften Gattungen die wohlschmäckenden Salmen, welche, wenn sie im Frühlinge aus der See, allwo sie klein und mager sind, heraufkommen, Lachse, hernach aber, wenn sie sich gegen den Herbst dem Meere wieder zu wenden, Salmen genennet werden. Die Rhein-Karpffen und Rhein-Störe sind nicht weniger bekannt. Nebst diesen lieffert der Rhein noch viele leckerhafftere Fische auf reicher Leute Tafel, worunter die namhafftesten zweyerley Arten Neunaugen sind, die man eingemacht in Deutschland Bricken und in Holland Murál nennet. Die erste Art ist sehr groß und schön, die andere aber klein, nichts destoweniger aber von gutem Geschmack. Eine eigene Art Rhein-Fische sind die stachelichten Hechte, ferner die gar grossen, mittelmäßigen und kleinern köstlichen Barben oder Rothbärte, die Schleyen, die herrlichen Karpffen, deren einige mehr mahlen wohl bey 20 ja bis 30 Pfund schwer gefangen worden; ingleichen die starcken und grossen Aale von allerhand Schlag, zum theil auch die vortrefflichen grossen Krebse, die sich aber der Kälte halber unterweilen auf etliche Jahre verlieren, allein milder Zeit sich nach und nach wieder einfinden; zu geschweigen der sehr viel kleinen Fischgen, als Grundeln, Kressen, Stinden, Zawen zc. wovon eine unglaubliche Menge, sonderlich in Holland gefangen wird. Dann und wann trägt es sich zu, daß junge Meerschweine und Seehunde in Holland aufgebracht werden.“

(aus: Johann Heinrich Zedler, Grosses vollständiges Universal-Lexicon… Band 31, Halle, Leipzig 1742)

Rheinancke

„Rheinancke, Albula, Laveret, ist ein schöner Fisch, mit gläntzenden silberweissen Schupen, etwas blaulich mit unterspielend, um die Augen hat er eine röthliche Farbe, einen weissen Bauch, auf dem Rücken zwo und unten drey Floßfedern. Er wird über zwey Spannen lang, streichet im Mertz, hält sich im Bodensee, auch im Atter- und etlichen andern grossen Seen, und wird vom Februar an bis in den May mit grossen Wathen, aber sehr sparsam gefangen. Frisch gekocht, wird er für ein gutes Essen gehalten, die meisten aber werden gedörret und also verführet. Die gedörrten Rheinancker dürfen nicht länger als ein weiches Ey sieden, sonst werden sie harte und spießig. Viele lassen sie nur eine halbe Viertelstunde in heissem Wasser weichen, da sie denn hernach mit allerhand guten Brühen zugerichtet, und auf die Tafel gegeben werden.“

(aus: Johann Heinrich Zedler, Grosses vollständiges Universal-Lexicon… Band 31, Halle, Leipzig 1742)

Zur Namensbedeutung des Rheins

“Was sonst den Namen Rhein anlanget, so wird derselbe von verschiedenen Scribenten unterschiedlich ausgelegt. Denn einige leiten ihn von dem alten Deutschen Wort Reyn, welches so viel heissen soll, als hieherwärts fliessen; andere hingegen von rein, weil man nemlich vorzeiten diesen Fluß zu Prüfung der ehlichen Reinigkeit oder Keuschheit gebraucht habe. Denn dieser Strom soll vorzeiten mit einer solchen wunderbaren Natur und Eigenschafft begabt gewesen seyn, daß er der Celten oder alten Deutschen junge Kinder, wenn sie dieselben nach der Geburt, zur Untersuchung ihrer ehrlichen Erzeugung hinein geworffen, mit einem sonderbaren sanfften Lauff ohnverletzt an das Ufer wieder angetrieben; diejenigen aber, welche in unreiner und befleckter Ehe erzeuget worden, mit ungestümen Wellen und reissenden Wirbeln, als ein zorniger Richter und Rächer der Unreinigkeit, unter sich gezogen und ersäufft habe, welches wir an seinen Ort wollen gestellet seyn lassen. Ein gleiches kan hiervon bey dem Virgilio lib./Eneid. IX, v. 113 nachgelesen werden.“

(aus: Johann Heinrich Zedler, Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste, Welche bißhero durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden: Darinnen so wohl die Geographisch-Politische Beschreibung des Erd-Kreyses, nach allen Monarchien, Kayserthümern, Königreichen, Fürstenthümern, Republiquen, freyen Herrschafften, Ländern, Städten, See-Häfen, Vestungen, Schlössern, Flecken, Aemtern, Klöstern, Gebürgen, Pässen, Wäldern, Meeren, Seen, Inseln, Flüssen, und Canälen; samt der natürlichen Abhandlung von dem Reich der Natur … Als auch eine ausführliche Historisch-Genealogische Nachricht von den Durchlauchten und berühmtesten Geschlechtern in der Welt, Dem Leben und Thaten der Kayser, Könige, Churfürsten und Fürsten, grosser Helden, Staats-Minister, Kriegs-Obersten … Ingleichen von allen Staats-Kriegs-Rechts-Policey und Haußhaltungs-Geschäfften des Adelichen und bürgerlichen Standes … Wie nicht weniger die völlige Vorstellung aller in der Kirchen-Geschichten berühmten Alt-Väter, Propheten, Apostel, Päbste, Cardinäle, Bischöffe, Prälaten und Gottes-Gelehrten … Endlich auch ein vollkommener Inbegriff der allergelehrtesten Männer, berühmter Universitäten, Academien, Societäten…, Band 31, Halle, Leipzig 1742)