Lachs und Rheinanke

„der Lachs, oder Salm, salmo salar, Lin. Dieser kostbare Fisch, welcher nur aus der Ferne zu uns gebracht wird, hat ein weites, und stark mit Zähnen besetztes Maul, hin und wieder schwärzliche Tupfen, und ein rothgelbes Fleisch, welches aber hart zu verdauen ist. Im Winter bleibt er im Meere; im Sommer aber zieht er in verschiedene Flüsse, als in den Rhein, die Elbe und Moldau. In den neuesten Mannigfaltigkeiten, III. Jahrgang, Berlin 1780. wird ein Beyspiel aus Irland angeführet, daß dieser Fisch über einen Wasserfall, der 20 Schuh hoch ist, sich hinauf schwingen kann.
Das Wort Lachs ist also wahrscheinlich von läcken, goth. laikan, griech. Λαητιςειν, springen, hüpfen. Ulphilas übersetzet diese Worte des Evangeliums, exultavit infans in utero ejus, Luc. 1. lailak barn in quithau izos. Die gothische Mundart macht aus laikan, aukan, greitan, &c. lailak, aiauk, gaigrot; exsiliit, auxit, flevit, wie bey den Griechen. Auf gleiche Weise ist salar, salmo, Engl. salmon, franz. saumon, von dem lat. salire. Griech. Σαλενομενος, der stark bewegt, geschüttelt wird. In einem alten Wörterbuch steht salmo, Zaldisch, Salfisch. Der nämliche Lachs, wenn er alt wird, heißt ein Hackenlachs: weil der untere Kiefer alsdann wie ein Hacken sich aufwärts krümmet. Das lat. Anchora, anchorago, zeigt vermuthlich eben diesen Fisch an. Denn in der altbritischen Mundart bey dem Berhorn heißt es: camm, curvus; cammog, anchorago, genus salmonis piscis; aduncum habens rostrum. Es kann also dadurch nicht, wie Adelung geglaubt hatte, unsere Rheinanke verstanden werden.“

(Matthias Höfer, Etymologisches Wörterbuch der in Oberdeutschland: vorzüglich aber in Oesterreich üblichen Mundart, Zweyter Theil, Linz 1815)