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Das Kreismuseum Zons zeigt aktuell die Ausstellung Rhein-Reisende. Flussabwärts-Installationen von Joachim Römer, von dem rheinsein bisher hauptsächlich als Flaschenpostsammler Notiz nahm. Römers rheinische Flaschenpostfunde, gesäubert, datiert und edel in Rundvitrinen arrangiert, sind auch Teil der Zonser Ausstellung. Über Flaschen verschiedener Materialen und Größen hinaus sammelt Römer Anschwemmsel aller Arten, die er mehr oder weniger bearbeitet für Installationen, Schaukästen, Mosaiken oder als Filmintarsien verwendet. Kunststoffprodukte nehmen den weit überwiegenden Anteil der Funde ein, weisen auf aktuelle Kontaminationen der “deutschen Lebensader”. Römers handwerklich hochwertige Arbeiten transportieren Pop- und Trashkultur über rheinischen Humorlinien. Sie wirken unmittelbar und leicht zugänglich. Das beeindruckendste Werk der Ausstellung ist der rotraum (Bilder), der sowohl an James Turrells Perceptual Cells, als auch ein wenig an die Black Lodge aus Twin Peaks erinnert. Ein roter Teppich führt in eine Bretterkammer, die vollständig mit genuin rotem Rheintreibgut ausgekleidet ist. Kleine Leuchten sorgen für Schummerakzente. Wände, Boden und Decke gehen als Reliefs ineinander über. Die Farben erinnern an die Bandbreite der Rosenblüte, ihre Intensität löst sich in Funktionalität bzw Banalität einzelner Gegenstände (Ölbehälter, Feuerzeuge, Bälle, Dildos, Nupsis und Pinörkel), die sich wiederum zu wirren Landschaften mit psychedelischem Potential fügen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 15. Oktober 2017 im Kreismuseum Zons zu sehen. Öffnungszeiten: Di-Fr: 14-18 Uhr, Sa-So: 11-18 Uhr

Presserückschau (April 2015)

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Über Sicherheitsprobleme auf dem Rhein spekuliert die FAZ: “Vor allem aufgrund der Osterweiterung der Europäischen Union, insbesondere der Öffnung des Arbeitsmarkts, strömen viele osteuropäische Matrosen und sogar einige Kapitäne auf den Rhein, die nicht mehr ausreichend eine der offiziellen Rheinsprachen Französisch, Deutsch oder Niederländisch beherrschen. Auch mit Englisch sieht es oft nicht besser aus. Zudem haben die zuständigen Behörden große Schwierigkeiten, zu überprüfen, ob die ihnen vorgelegten Fahrtenbücher und ähnliche Dokumente echt sind. Es gilt als ein offenes Geheimnis in der Branche, dass man sich zur Zeit in Osteuropa alle Dokumente kaufen kann, die man haben möchte. Es besteht daher die Gefahr, dass unerfahrenes oder gar unfähiges Personal die Schiffe führt.”

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Düsseldorf bietet nicht nur die größte, sondern auch die kleinste Kirmes am Rhein, berichtet die WDR-Lokalzeit. Erstere findet alljährlich im Juli in Oberkassel statt, letztere befindet sich permanent im Stadtteil Flingern in einem Vorgarten der Beethovenstraße: “Kornelis Biron hat (…) eine kleine Kirmes aufgebaut, die inzwischen das Ausflugsziel ganzer Kindergartengruppen geworden ist. Kettenkarussell, Riesenrad, Hubschrauber und ein kleines Krokodil hat sich der Tierarzt in seinen Vorgarten gestellt. Besonders im Frühjahr kommen viele Kinder zur “kleinsten Kirmes am Rhein” – und abends fahren auch schon mal Junggesellenabschiede eine Runde.”

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“Schnapsfläschchen, Marmeladengläser, Plastikflaschen – selbst einen hohlen Kürbis hat Joachim Römer schon aus dem Rhein gefischt. Alle Gefäße haben eines gemeinsam: in ihnen versteckt sich eine Nachricht. Meist handgeschrieben, manchmal auch gemalt. (…) Römer hat sie alle geöffnet und gelesen. Nun stellt er sie im rheinland-pfälzischen Bingen am Rhein aus. Im Museum am Strom zeigt der Kölner Künstler 1001 Stücke seiner Flaschenpost-Sammlung. Fein säuberlich aufgestellt und hinter Glas gesichert können sich Besucher das Treibgut mit Nachrichten ansehen. Die Botschaften in der Flasche anfassen darf aber niemand – sie bleiben in den Behältern. Briefe hat Römer abgetippt, Bilder hat er beschrieben. Zu jedem Fundstück können Besucher die passende Botschaft in einem Katalog nachlesen.” (Handelsblatt)

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“Der Lippeverband hat (…) eine Million Larven der selten gewordenen Fischart Quappe in die neue Lippe-Mündungsaue bei Wesel eingesetzt. In dem flachen Wasser auf kiesigem Grund finden die Jungfische ideale Bedingungen um heranzuwachsen und sich in Rhein und Lippe auszubreiten. Gelingt der Plan, könnte die Quappe sogar die gefräßige, eingewanderte Grundel in Schach halten, die viele Arten bedroht. Die Quappe war „früher“, d. h. vor allem vor der Industrialisierung, in Lippe und Rhein weit verbreitet. Durch die starke Verschmutzung in den 1940er bis 1970er Jahren ist die Quappe im Rhein ausgestorben, in der Lippe gingen die Bestände ebenfalls stark zurück, überlebten aber im Ober- und Mittellauf des Flusses.” (Wasserportal von Emschergenossenschaft / Lippeverband)

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Das Bild eines spektakulär mit der Heckhälfte über dem Rhein schwebenden Reisebusses auf dem Duisburger Rheindeich begleitet eine Meldung des Fernsehsenders n-tv zu einem glimpflich verlaufenen Wendemanöver, bei dem einmal mehr das Beachten eines Navigationssystems eine unrühmliche Rolle spielte: “Schrecksekunde für insgesamt 43 Schulkinder und Betreuer aus Dänemark: Ihr Reisebus kam bei einem Wendeversuch auf dem schmalen Rheindeich nahe Duisburg dem Fluss näher als gedacht. Bei einem Fahrmanöver in der Nacht (…) rutschte die Hinterachse des Busses an der abschüssigen Rheinseite ab und hing schließlich in der Luft. (…) Feuerwehrleute konnten bei ihrer Ankunft am Unfallort allerdings Entwarnung geben. Der Bus war standfest und es bestand keine Gefahr, dass er in den Rhein stürzt. Ein Abschleppdienst zog den Bus komplett zurück auf die Fahrbahn. (…) Nachdem der Fahrer von der gesperrten A 40 fahren musste, wurde er von seinem Navigationssystem zu einer Umleitung geführt. Erst dort bemerkte er, dass der Rheindeich viel zu schmal für einen Reisebus ist.”

Flaschenpost (5)

Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete jüngst unter dem Titel „Das Schimmern am Fluss“ über den Kölner Künstler und Flaschenpostsammler Joachim Römer, dem es gelungen sei, am Rhein schon mehr als 350 Briefe in Flaschen zu finden. Dagegen fallen die eine bebriefte Flasche, die wir bisher aus demgleichen Strom zogen, und die elf, die wir bisher hineinwarfen, ohne daß sich Finder meldeten, natürlich mickrig aus. Römer berichtet vom „ganz gewissen Schimmer“, an dem er bei seinen Ufergängen briefbefülltes Strand- und Pfandgut schon von Weitem erkenne und berichtet von Techniken wie etwa der Wachsversiegelung wie sie auch in Dr. Treznoks mobilem, seit 1992 bestehenden Flaschenpostamt mit ständigem Sitz in Mainz gepflegt werden, wie dieser Stummfilm aus dem Jahre 2004 beweist. Ein besonderer Fund Römers waren, sagt der Zeitungsartikel, zwei Eheringe aus Platin mit der Botschaft: “Wir übergeben die Ringe dem Wasser. Unsere Ehe hat uns kein Glück gebracht.” Falls das unbekannte Paar aus dem Wunsch gehandelt haben sollte, die Ringe möchten für immer auf den Rheingrund sinken, scheint es nicht nur in seiner Ehe vom Pech verfolgt gewesen zu sein.