Mulhouse sémantique (3)

In den Citroën-Werken wird die Krise verdrängt. Der Himmel verliert eine kaum nachweisbare pappig-feuchte Substanz, die sich an Abgase, Straßenstaub und Stadtpegel bindet, zunächst macht sichs in Hautfurchen und -rillen bemerkbar, später wird auch die Hirnaura bedeckt, viele Leute sitzen und stehen einfach nur glotzend herum, managen auf diese Weise den Tag. PUB FICTION. Vierseitenbeschriftet die Lambertsäule am Hàfelemàrkt (dt: Töpfermarkt): „Dem durch Selbstthatigkeit entwickelten grossen Geiste. Die Mitburger.“ (Die Umlaut-Punkte wurden bei einem aufsehenerregenden Diebstahl zwischen den Zeiten entwendet, das ß ersetzten die Diebe spaßeshalber durch ein Doppel-s.) „Sa cendre repose à Berlin. Son nom est ecrit dans les fastes d`Uranie.“ Finster Gàsslà. HIP HOP BLING BLING SHOP. Jesus Christus, gestern und heute und derselbige auch in Ewigkeit. GRUNGE BOUTIK. Aufs Alte Rathaus sind in goldwallenden Gewändern auf goldfarbener Haut jede Menge Tugenden (oder was dafür gehalten wird) gepinselt. Davor dreht sich das mit feinstem Fin de siècle-Kitsch ausgestattete CARROUSEL1900. Grüne, basketballkorbähnliche Müllständer, mit Klarsichttüten bestückt. Café Miam Miam Friterie. Ceci n`est pas un sparkle pom. Dem gehört die Straße, der sie beschriftet? Dem gehört die Straße, der sie beschreibt? Langsam wächst der Morgen über sich hinaus und dringt in die Rue Schlumberger (vorerst nicht rauszufinden, welchem der zahlreichen Schlumberger sie gewidmet ist), in der ungelesen aufgeschlagene Autobiografien im Schatten ruhen: „Mein Leben als Hydrant“, „Erinnerungen an mein schwaches Fleisch rund um den Dönerspieß“, „Wenn ich das gewußt hätt“ und „Morgen ist auch noch ein Tag“.