Der Rhein ist tatsächlich ein Fluß, der vom Himmel fällt

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Ein Ausschnitt des niederländischen Rheindeltas, vom Himmel aus gesehen. Per Zoom aufs reichlich vorhandene Grün läßt sich womöglich ein Kampfläufer zwischen den Halmen entdecken.

Auf Arte lief gestern die Schlußfolge der zweiteiligen Dokumentation Wilder Rhein (Regie: Jan Haft, 2013), der sich hauptsächlich der Tierwelt entlang des Stroms widmet und den Rhein vom Meer her aufzäumt: beginnend im verzweigten niederländischen Mündungsgebiet arbeitet sich der Film in gemessenen Sprüngen zum Tomasee hinauf. Die Tieraufnahmen sind beachtenswert gelungen und auf den Punkt ästhetisiert: die Kamera scheint im Unterwassergeschehen mitzuleben, lugt in Gebüsche, verläßt den Boden und analysiert das Flugverhalten diverser Luftbewohner. Die sparsamen Kommentare erreichen hin und wieder poetisches Niveau. Eher eine Seltenheit, daß in (deutschen) Rheindokus den niederländischen Flußparts zureichend Aufmerksamkeit zuteil wird: Wilder Rhein hält sich eine geschlagene Viertelstunde mit den Niederlanden auf, berichtet von “Gewinnern und Verlierern des Klimawandels” (Zugvögel, die erstmals oder nicht mehr an der Nordsee erscheinen), von Fischen, die mit der Flut in die Rheinläufe schwemmen und sowohl mit Salz- wie auch mit Süßwasser klarkommen, sowie von den rheinwasserschöpfenden Poldermühlen von Kinderdijk. Natürlich geht eine Rheindoku nicht ohne Schwenk auf den Kölner Dom, für die Kölner Tierwelt kommen überraschenderweise die winzigen Feenkrebse zum Zuge, wie sie in Pfützen der Wahner Heide anzutreffen sind. Weinhähnchen, Puppenräuber, Pappelglucke: welche Tiere diese sprechenden Namen tragen, hätten wir nicht auf Anhieb zu bestimmen vermocht. Im Taubergießen beobachten wir einen Hecht beim Beute machen, am Hochrhein ertönt das eigenartige Geräusch saugwilliger Biberbabies, der Kommentator gibt zu, daß er nicht weiß “ob Gänse beim Flügelschlagen auf das Wasser so etwas wie Glück empfinden” und beschließt die beiden Folgen angesichts des verschneiten Tomasees (der ebenfalls eine Art Delta aus ihm zulaufenden Gebirgsbächen besitzt), indem er ein auf rheinsein einst deutlich geäußertes Credo variiert: “Der Rhein ist tatsächlich ein Fluß, der vom Himmel fällt.”
(Die Dokumentation ist derzeit in der Videothek von Arte online abrufbar.)