Das Lachen der Hühner: Bonusmaterial (2)

Ein Sonett über Liechtensteins heimliche Hauptstadt Schaan, das es nicht in die Endauswahl für den Band geschafft hat:

z`Schaa

meine Muttersprache ist katholisch. gebeugt
vom Oberländer Dialekt. im Blitzableiter
unseres Kirchturms sind Geheimbotschaften
an die Außerirdischen versteckt. James Bond

kommt dann und wann zum Geldabholen vor-
gefahren. dahinten, wo mein Onkel Walter
Alphorn übt. daran gewöhnt man sich in all
den Jahren, daß ein Werteindex sich ins Maß-

lose verschiebt. die Schuld ist hier auf gutem
Boden aufgewachsen. sie abzutragen wird am
besten neugebaut. im Fadenkreuz der großen

Wirtschaftsachsen haben wir uns frei zu sein
getraut. für dieses Paradies aus harten Franken
ist Fürst und Herrgott nicht genug zu danken

***

Stan Lafleur / Helena Becker: Das Lachen der Hühner. Liechtenstein-Gedichte und Papierschnitte, parasitenpresse, Köln 2011. 24 Seiten, ca. DIN A5-Format. Keine ISBN-Nummer.

Bestellbar über den lyrikvertreibenden Buchhandel oder direkt beim Verlag: parasitenpresse@hotmail.com
Bei Rheinsein eingehende Bestellungen werden an den Verlag weitergeleitet.
In Liechtenstein sind die Bände in den Buchhandlungen Bücherwurm/Vaduz, GMG/Schaan und Omni/Eschen vorrätig.

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Showdown auf dem Rheingrund

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Bei den Dreharbeiten zum vergangenen Sonntag erstausgestrahlten, jamesbondesk betitelten „Tatort: Hauch des Todes“ sei sie an ihre psychischen Grenzen gestoßen, sagte Ulrike Folkerts (die Darstellerin der Kommissarin Lena Odenthal) der deutschen Presse. Denn Lena hatte Todesangst (schwer zu spielen), die Aufnahmen seien mit extremen Strapazen verbunden gewesen, das mörderische Finale (siehe TV-Still) wurde unter Wasser gedreht, auf dem Rheingrund bei Ludwigshafen.

Moby Dick

Der Sammelband “Das Jahr im Bild – 1966″ (Carlsen, Reinbek bei Hamburg 1966) zusammengestellt von Karl-Heinz Neumann arbeitet eine unglaubliche Geschichte auf, die, wäre sie nicht mit Fotos (Repro: Roland Bergère) bewiesen, wohl bereits in den Mythenschatz eingegangen wäre:

“Am Mittwoch, dem 18. Mai, um 9.30 Uhr, riefen Bernd Albrecht und Willy Dethlevs, Besatzungsmitglieder des Motorschiffes „Medina“, der vorbeifahrenden Besatzung eines Polizeibootes zu: „Bei Stromkilometer 778,5 haben wir eben einen fünf Meter langen Riesenfisch gesichtet.“ Das Polizeiboot drehte bei, ein Beamter ging an Bord der „Medina“ und bat freundlich: „Hauchen Sie mich mal an.“ Da er keinen Alkohol feststellen konnte, meldete er, wenn auch mit großem Bedenken, den Hinweis an die Wasserschutzpolizei. Eine halbe Stunde später funkte ein Polizeisuchboot: „Weißer Wal gesichtet“. Als die Meldung dann an das Düsseldorfer Innenministerium ging, glaubten die Beamten immer noch an einen verspäteten Aprilscherz. Erst als der Direktor des Duisburger Zoos, Dr. Gewalt, von einem Feuerwehrboot aus den Wal sichtete und sicher sagen konnte, daß es sich um einen etwa fünf Meter langen und 35 Zentner schweren weißen Beluga-Wal aus dem nördlichen Eismeer handelt, waren alle Zweifel beseitigt: Ein weißer Wal schwimmt im deutschen Rhein! Es begann eine große Jagd (Foto oben – das Bild zeigt Dr. Gewalt in James Bond-Manier mit einer Pistole im Anschlag an der Reling eines Rheinbootes, wenige Meter von ihm der aufgetauchte Rücken des weißen Wals), denn Dr. Gewalt hätte den Wal gern für sein Delphin-Aquarium gefangen. Er versuchte, mit der Pistole eine Narkoseladung in den Wal zu schießen und obwohl er den weißen Riesen, der von der Bevölkerung Moby Dick getauft worden war, mehrfach traf, zeigte der Wal keine Wirkung. Die Narkosemengen waren offensichtlich zu schwach. Auch die Versuche, eine Harpune mit einer Boje an dem Wal zu befestigen, mißlangen. (…) Dann wurden die ersten Proteste laut. Man hörte „Das ist Tierquälerei“ und „Laßt Moby Dick leben“. Dafür sorgte der weiße Wal aber selbst, denn er narrte seine Verfolger immer wieder. Dafür gab es eine Reihe von amüsanten Begegnungen, wenn der Koloß dicht neben einem Ruderboot oder nahe am Ufer auftauchte. Fast vier Wochen tummelte sich der Beluga-Wal im Rhein zwischen Bonn und Emmerich. Dann verschwand er in Richtung auf die Nordsee.”