Le Rhin c`est moi

Gestern gemeinschaftliche Lesung mit Richard Pietraß zu neuen Papier- und Steinarbeiten Helena Beckers in der Residenz des liechtensteinischen Botschafters zu Berlin. Auf Grunewalds Straßen kam uns auf dem Hinweg Jack White, ein ziemlicher Rheinländer, entgegen, und grüßte, ganz seinem Namen zu Ehren, mit schlagerpoppigem Schneegeriesel. Soviel und nicht mehr zum Frühlingsanfang, zugleich Welttag des Glücks, wie Deutschlandradio die Tageslosung für alle, denen es an sonstigen Konversationsstichworten mangeln würde, am Morgen höchst hilfreich verkündet hatte. Pietraß las, mit dem Schnee war inzwischen auch ein weniges an Nacht über die Hauptstadt gefallen, u.a. sein Gedicht über den jungen Rhein und erzählte die Anekdote, wie er dasselbe Gedicht vor einigen Jahren dem leibhaftigen Fürsten von Liechtenstein vorgetragen hätte, der sich daraufhin in Pietraß` Text wiedergefunden und in etwa gesagt haben solle, dieser junge, kraftvoll drängende, doch von Deichen gebändigte Pietraßsche Jung- und Alpenrhein, das sei er selbst, also der Fürst, also sein Leben, also eine Metafer dafür, zumindest. „Le Rhin c`est moi“ entfuhr es uns spontan und im ausschließlich geladenen Publikum, das teils die nicht unerhebliche Anreisedistanz aus der raren kleinen Alpenmonarchie in Kauf genommen hatte, erhob sich ob unserer an europäisch-monarchische Historie knüpfenden Anwandlung kurzfristig flackerndes Gelächter. Direkt anschließend befragte uns der kunstsinnige Botschafter überraschenderweise zu den Verdächtigkeitsgraden liechtensteinischer Kühe, so wie in Das Lachen der Hühner bedichtet und Wolfgang Heyder, der sich ebenfalls die liechtensteinische Kuh lyrisch zur Brust genommen hatte, drückte uns seinen  druckfrisch duftenden Achill in Vaduz in die Hand, von dem auf rheinsein noch zu reden sein wird. Berlinerisch-liechtensteinisch korrekt mit Fürstenwein und Currywurst unterfüttert tänzelte der Abend unter anhaltendem white und zahlreichen Stehgesprächen schließlich in zunehmender Bewußtheit dem heutigen, den Welttag des Glücks ablösenden, vom Lachen der Hühner als Basisbeat durch die Schneenacht vorangetriebenen, schliddernd Fahrt aufnehmenden, “offiziellen” Welttag der Poesie entgegen. Und so empfiehlt rheinsein für heut, gestern und morgen (und bei Bedarf weit über diese ca. drei Tage hinaus): poetisiert euch!