„Ist es am Rhein so schön?“ – Drei Videoarbeiten

Kaaren Beckhof: Die alte Platte

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Die Szene spielt in einem kaum näher erkennbaren Wohnzimmer, vermutlich Marke Gelsenkirchener Barock. Zu sehen ist eine ältere chorgeschulte Dame, Ilse Steffen, bei der Hausmusik. Sie gibt „Warum ist es am Rhein so schön“, wovon sie allerdings lediglich, dafür umso hartnäckiger den Refrain wiederholt. Dazu begleitet sie sich selbst am Klavier. Zwischen den Wiederholungen kommentiert Frau Steffen knapp die Refrainaussage („So, deswegen. Nichts wie hin.“), später kommen Mikrofonstörungen im Stile von Rillenknacken hinzu. Tücken der Technik, Fluch oder Segen der Medienkunst: während der Vernissage hakte das Video immer wieder, es entstand der (falsche) Eindruck von präzise gesetzten, beabsichtigten Störungen à la „Sprung in der Platte“. Das wirkte bei aller Schlichtheit höchst „gekonnt“ und intensiv – wir sahen Vernissagebesucher vor dem Bildschirm ausrufen und/oder vernehmbar lachen. Der häufig anzutreffende Schwerbeherrschbarkeitsfaktor von Medienkunst jedenfalls hatte hier ganz von selbst eine weitere Bedeutungsebene eingebaut.

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Hannah Schneider: Flutzeitlose

Auch dieses Video lief nicht immer astrein – und wollte sich nur mit einem einzigen Abspielgerät der Galerie anfreunden. Hannah Schneider zeigt darin über 11 Minuten und 48 Sekunden den Blick auf eine Parkbank samt Rheinuferpromenade, scheinbar zu ganz verschiedenen Zeiten. Als das Wasser ansteigt und über das Ufer tritt, setzt sich eine Frau auf die zunehmend überschwemmtere Bank und harrt dort eine geraume Weile aus, bis sie am Ende, das Wasser steht ihr allmählich bis zum Hals, davonschwimmt. Der übliche Rheinuferalltag wird mittels der ebenfalls wie selbstverständlich vollführten, spätestens im filmischen Gefüge jedoch unwirklich anmutenden Handlung der Akteurin mystifiziert.

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Michael Runschke: Zeitgleich

Akustische Fänomene fallen in diesem Video, sowohl in, als auch vor einer Bopparder Kirche aufgenommen, am stärksten ins Gewicht. Der Lärmpegel des Mittelrheintals, gespeist aus eng beieinanderliegenden Auto-, Zug- und Schiffstrassen versus Ruhesequenzen kirchlicher Andacht. Die in häufigem Wechsel gegeneinandergeschnittenen „Drinnen- und Draußenbilder“ verdeutlichen die Wirkweise eines Kirchenmauerbollwerks als geistliche Panzerung gegen die alltägliche Lärmbelästigung bzw die gewohnte Fahrigkeit (innerhalb) des weltlichen Chaos gegenüber anstrengender Einkehr. Umso passender, daß der Blick aus dem Fenster (über das Video hinweg) auf die Bahntrasse hinterm Mediapark zielt.

Location: Galerie 68elf, Mediapark 8a (achte Etage), Köln
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag von jeweils 15 bis 20 Uhr
Noch bis 16. Oktober!