Verworrene Bewohner eines Landes, in dem alle Gegenstände namenlos erscheinen und verschwinden

Aus Feldkirch fuhren wir sogleich auf einer Brücke über die schäumende Ill, und bald darauf öfnete sich ein Rückblick, der alle wilde Schönheit des hohen Alpenstyles vereinigte. Der grünliche Felsstrom drängt sich durch ein enges Nebenthal, und die jenseitige Öfnung desselben ist durch zwei prachtvolle Bergprofile bezeichnet, die mich plötzlich an den Aufgang ins Thal von Grindelwald im bernischen Oberland erinnerten. Links ab vom keilförmig gestellten Berge eröfnet sich eine erhabene Bergferne über eine verschleierte Tiefe (ich glaube das Rheinthal) hin (*).
— Es fehlt uns leider an einer guten Charte, und die Bewohner des Landes antworteten so unwillig und verworren auf jede Frage, dass ich immer nur das Land errathe. Auch zogen Wolken und Nebel so magisch um Berg und Fels, dass ich mich geduldig der Gegenwart hingab, ohne weiter wo? und wie? zu fragen: wir fahren an Berggehängen über sanftgesenkten einförmigen Wiesengründen. Plötzlich steigt links ein gewaltiger Berg mit nackten Klippenkämmen aus dem Wolkenrauch empor! Ein Dörfchen lag wie ein Ameisenhaufen von ihm überhängt zu seinen Füssen; wir fuhren hindurch: «Wie heisst der Berg da?« »Weiss nicht!« S’ist halter ä Berg! Mit dieser laconischen Zusicherung wurden wir von drei Bauern abgefertigt; das Dorf aber hiess St. Johann, und wir benahmten den Berg darnach.
Eine halbe Stunde von Vaduz kömmt man in ein ofenes Thal; der Rhein ströhmt zwischen wolkigen Bergen, wie von unbekannten Quellen herab, schon mächtig durch sein erlenumkränztes Kieselbett. Wir erkennen nun das über ihm aufsteigende Schweizergebirg rechter Hand; zur linken steigt auf sonnebeschienener Buchhöh das Schloss Lichtenstein, in dessen Gränzen wir seit Feldkirch fahren; über einer leichten Krümmung des Rheins liegt das Städtchen Vaduz, und höher auf einem Felsenvorsprung die Ruine des alten Schlosses, beides äusserst malerisch. Nie sah ich ein bunteres Wolkenspiel als die Gewölke hier um das von dreifachen Bergschichten und Reihen umdrängte Rheinthal treiben; indem sie diese Waldpyramiden, Wiesenberge und phantastischen Felszinken umgaukeln; ganze Heere derselben ziehen von der Rechten zur Linken, quer über das Rheinthal von den Schweizerbergen an die Lichtensteiner hin; hier wird ein Felshaupt gekrönt, dort ein Riese gegürtet; da kollert eine runde Wolke wie eine Lavine von schroffer Höhe hinab, bis sie in Tannenspitzen fest zu hängen scheint; bald ragt eine Klippenschulter, dann steigt ein geröthetes Bergantlitz hervor, oder eine hohe Waldscheitel sticht durchs Gewölk. Dort sinkt Wolke auf Wolke wie zu einem weichen Baumwollenlager zusammen; hier dampft’s wie Rauch aus einem volkanischen Schlunde empor; dieser droht vom über hängenden Felsblock über den Weg hinab zu stürzen; — allein plötzlich wird ein runder Zirkel mit Regenfarben geschmückt, wie aus einem ungeheuren Brennspiegel, an jene hohe bräunliche Felswand geworfen; ein heller Hintergrund lächelt im abendröthlichen Glanz. Balzers erscheint auf seinem Hügelreihen, der sich wie ein Riegel vor den Rhein lagert und das Thal schliesst, über welchem geheimnisvolle Berggestalten sich thürmen.
Wir logirten diese Nacht in Gott, von einer bunten Engelglorie umgeben. Das Quartier war elend, allein die Wirthsleute freundlich, und eine Schüssel selbstbereiteter Zuckererbsen und frischer Bergforellen genügte den zufriedenen Reisenden vollkommen; allein in der Nacht liessen uns die Insekten keine Ruh, und alle Macht der schützenden Engel scheiterte an diesen leichtfüssigen Legionen.-
Den 4. schon mit dem Morgengrau war ich munter, und genoss vor dem offenen Fenster den Segen der Frühe in der erhabenen Stille dieses tief gesenkten Grundes. Das Dörfchen Balzers liegt tief im grünen Bergbusen, doch auf einem Hügel; unmittelbar vorher sieht man noch den Rhein, nun ist er, ich begreife ganz und gar nicht, wohin? geschwunden; und zu schwach um ihm nachzugehen, unfähig mich diesen guten Vorderösterreichern verständlich zu machen, und sie zu verstehen, reise ich durch dieses wunderbare Land, wo аlle Gegenstände namenlos erscheinen und verschwinden; und alles zieht wie an einer Laternamagikawand mir vorüber. Ein enger zartbegrünter Wiesengrund vertieft sich vor unserm abwärts liegenden Häuschen; drei lieblich bewaldete pyramidalische Hügel treten freundlich aus der Tiefe, und der mittelste trägt die Ruine des Schlosses Guttenberg. — Nach einem blauen Gedankenraum (dessen Tiefe vielleicht der Rhein durchströmt) steigen schneebesprenkelte Felsen. Zu beiden Seiten erheben sich zwei furchtbare Bergriesen, aufwärts das tiefe doch steigende Wiesenthal begrenzend. Eine muntere Ziegenheerde zieht beim Ton der Hirtenflöte auf die Weide. Kleine Dörfchen ruhen kindlich schüchtern in die Falten der Tannengewänder geschmiegt, die von den Hüften der Gebirge abwallen! Dies sind die Umrisse des Alpengemäldes, welches mein erstes Erwachen begrüsste, — auch war alles farbenlos, — allein bald prangt jene erhabene Felsenstirn im reinen Morgenstrahl! Wie ragt jener Felsgipfel aus dem blendendweissen Wolkenbette hervor, während sein starrer Klippenfuss tief ins Thal tritt, und vom jungen Lichte erweckt, majestätisch fortzuschreiten scheint.

(*) Diese durch die Flüsse abgesonderte, und gleichsam durch die Natur terrassirte Position begünstigte die tapfre Gegenwehr des edlen General Hotze ungemein; und war vielleicht der mächtigste Damm, den Gott in der Natur des Landes den wilden Usurpatoren entgegenstellte. Anm. v. 1799.

(aus Friederike Brun: Tagebuch einer Reise durch die östliche, südliche und italienische Schweiz, Kopenhagen 1800)

Chinesisch

schang dsunn schint schun lang
schun fufzéhundert johr
züe lȧng schun schintse schȧng
mr dunke se ens chlor

un dich dezüe dü dauwer schȧng
wannd witersch dgosch ufrisch
gajenajede bürefȧng
ȧn rhin un ill un brisch

mr stecke di ene kenjelestȧll
mr verhunze dini seel äu bȧll
un kumm noch emol un wétt
un kumm noch emol un trétt

mr stecke di ene bȧbeldurm
ȧtomkiëhldurrn ȧm rhin
dȧss d kläin wursch wi e roder wurm
un wecke die dert in

schȧng dsunn schint schun lȧng
schang schint dsunn noch lȧng
un wilȧng noch gets e schȧng
wilȧng wilȧng

(Die Empfindung, daß dem Franzosen Elsässisch wie Chinesisch klingt, liegt diesem von elsässischer Lautlichkeit geprägten Liedgedicht André Weckmanns zugrunde, womit wir Rheinchinesisch offiziell in unsere Sprachsammlung aufnehmen.)

Straßburg (5)

strasbourg_fasanebrueckelWas uns in Straßburg faszinierte, vermutlich vor allem deswegen, weil es uns im Regen aufhielt und Faszination die beste zur Verfügung stehende Reaktion auf das Warten mitten im Schauer darstellte, war die Pont du Faisan (elsässisch: Fasanebrueckel, deutsch: Fasanenbrücke), über die wir auf dem Hinweg noch ohne sie sonderlich zu beachten geschritten waren, was sich auf dem Rückweg wenige Minuten später änderte, da sie sozusagen verschwunden war. Verschwunden war
strasbourg_fasanebrueckel_2 sie natürlich nicht, sondern vorübergehend in Fließrichtung der Ill ausgelegt, um ein Rundfahrtschiff passieren zu lassen, denn es handelt sich bei der Pont du Faisan um eine personenbetriebene Drehbrücke und so schauten wir dem Brückendreher im Regen beim Brückendrehen zu, bevor wir mit einer Gruppe Wartender diesseits und jenseits der Ill, wenig fasananhaft (der Brückenname blieb ein Rätsel), dafür unter fußgängerisch anspruchsvollen Ausweichmanövern,strasbourg_fasanebrueckel_3 denn die angestaute Menge auf unserer Seite drohte, erst einmal losgelassen, sich mit der auf uns zueilenden Menge zu verkeilen, wieder ans andere Ufer marschieren konnten.

Straßburg (3)

strasbourg_leuchtdaumenWährend die Viertel vom Rhein Richtung Innenstadt von imposanten Neubaufassaden flankiert wurden, deren Ausgestelltheit uns an die Dörfer Potjomkins erinnerte, dominierten Fleischfarben das von der Ill umringte Kernstück der Stadt. Innerhalb all des Lachsrosas fanden sich geschmackvoll bunte Tupfer wie etwa dieser Leuchtfingerautomat auf dem Münstervorplatz.

strasbourg_nik westAnkunft der außerirdischen Funk-Bassistin Nik West in ihrem Rolltorraumschiff für einen Auftritt im Espace culturel Django Reinhardt.

strasbourg_museum für moderne kunstHauptumschlagsplatz für Farbigkeit war definitiv das Musée d’Art Moderne et Contemporain – selbst der Himmel läßt sich dort permanent nachkolorieren.

strasbourg_narreschiffBunt auf dem Wasser: S’ Narreschiff, benannt nach dem berühmten Verswerk des Straßburger Autors Sebastian Brant, fungiert mit weiteren Gastronomieschiffen in unmittelbarer Nachbarschaft als kombiniertes Café auf und nächst der Ill. Klar, daß wir dort unseren Kaffee einnahmen. Deutsch und französisch ließen sich zu gleichen Anteilen vernehmen. Auf dem Fluß beobachteten wir eine unermüdliche Fontäne, die identisch gestalteten, von Regenschlieren überzogenen Glasdach-Rundfahrtschiffe und vor allem die wütenden Attacken eines kriegslüsternen Schwans auf vorüberziehende Kajakfahrer und Enten: marinen Angriffswellen mit reichlich Gefauche und Drohgebärden folgten Luftschläge: Tiefflüge auf Kollisionskurs, die letztlich von geschickt geführten Paddelschlägen gegen den Schwanenschädel zunichte gemacht wurden.

Straßburg (2)

strasbourg_archives departementalesForm und Struktur: Fassade der Archives départementales du Bas-Rhin

strasbourg_fachwerkFachwerk auf gestückeltem Fenstervorhang im Gerberviertel La Petite France

strasbourg_fleischfarbene schollenBeliebt sind Wandanstriche, die mit dem rosa Vogesensandstein des Liebfrauenmünsters korrespondieren: Hämatom- und Hausschweinfarben

strasbourg_illDie schlammbraune Ill wirft wilde Muster

Straßburg

strasbourg_centre-villePanoramablick auf die Innenstadt von der Dachpromenade des Barrage Vauban mitten in der in und um Straßburg reich verzweigten Ill. Bei der Anlage handelt es sich um einen sogenannten pont-écluse, der zugleich als Brücke, Stauwehr und Verteidigungsanlage dient – mit möglicher Flutung als Militärstrategie. In den Gitterkammern des überdachten Brückengangs findet derzeit die Ausstellung “Âmes blessées” (“Verletzte Seelen”) des mit Erde, Sand und Ackerboden malenden deutschen Künstlers Bernd Gerstner statt.

strasbourg_wasserspeierDauerhaft im Brückengang zu sehen sind zum Münster gehörige Skulpturen und Gipsabdrücke wie diese an Wolpertinger erinnernden Wasserspeier.

strasbourg_henkersturmDer Henkersturm, Teil der alten Stadtbefestigung, betrachtet sich stirnrunzelnd in der Ill.

strasbourg_münsterTouristische Hauptattraktion Straßburgs ist nach wie vor das Münster – geblieben sind seit unserem letzten Besuch vor mehr als dreißig Jahren auch die Sonnenbrillen- und Ledergürtelverkäufer im Schatten der Kathedrale, die ihr Sortiment lediglich um Selfie-Stangen erweitert haben.

Straßburger Tanzwut

“An einem Julitag im Jahr 1518 begann eine Frau durch Strassburgs Strassen zu tanzen. Sie tanzte tagelang. Bald schlossen sich ihr weitere Personen an; bis Ende August hatte das Tanzfieber mehrere hundert Personen erfasst. Als alle Anstrengungen versagten, die Epidemie einzudämmen, und als die von der Anstrengung geschwächten Opfer der Tanzwut reihenweise zu sterben begannen, wiesen die Behörden sie aus der Stadt. Sie führten sie in die Vogesen zu einem Schrein des heiligen Vitus, dessen Altar die Tanzwütigen in roten Schuhen umschreiten mussten. Laut Überlieferung gebot erst dieses Ritual dem unheimlichen Geschehen Einhalt.” (NZZ)

An einem Junitag im Jahr 2016 begann eine Frau in Straßburg ganz alleine auf einem der Gastronomieschiffe am Quai des Pêcheurs zu tanzen. Bis auf die Tänzerin war niemand an Deck zu erblicken. Nachdem wir eine Weile erstaunt dem einsamen Tanz auf der Ill zugesehen hatten, hörten wir vom Ende eines benachbarten Quais Housebeats erschallen und sahen aus der Ferne mit selbstgeschneiderten abstrakten Applikationen verkleidete Menschen einem Umzugswagen folgen, auf dem zwei halbnackte Männer sich ekstatisch zuckend und offenbar tanzend bewegten. Der Wagen verschwand samt Tross und Polizeibegleitung im Straßengewirr der Stadt, das auch uns aufnahm. Auf unbekannte Weise verschlug es uns in die Rue des Orphelins, wo auf einer Bühne junge Frauen zu afrikanischen Rhythmen Formation tanzten. Bevor wir selbst der an zahlreichen Ecken willkürlich aufflammenden Tanzwut, für die keinerlei offizielle Erklärung vorlag, erliegen würden, machten wir uns auf, die Stadt zu verlassen. Allein, ein Gewitter gewaltigen Ausmaßes hielt uns für eine knappe Stunde in Hauseingängen und unter Garagenvorsprüngen zurück, zumal das Parkhaus Petite France, in dem unser Vehikel untergebracht war, vom niedergehenden Starkregen teilweise unter Wasser gesetzt wurde. Mochten die allenthalben zu beobachtenden Tänze dem Regenmachen gegolten haben, so ließe sich ihre Wirkung als schnell einsetzend und überaus effizient bezeichnen.

Zurückgekehrt, suchten wir nach Erklärungen für die Straßburger Spontantänze und stießen auf Historisches – bzw. neuzeitliche Berichte über die Chroniken des Jahres 1518 (wie oben zitiert). Die Menschen hätten seinerzeit in Straßburg “nicht aus Freude, sondern aus Angst und Verzweiflung” getanzt. Zeitgenössische Ärzte hätten auf Gehirnüberhitzung infolge “heißen Bluts” als Tanzursache geschlossen. Aktuelle Interpretationen hingegen ziehen Mutterkorn-Vergiftungen bzw spätmittelalterlich-heidnisches Kultverhalten als tanzeingebend in Betracht. Wikipedia behandelt das Fänomen Tanzwut mit einem Artikel, der den Straßburger Fall von 1518 in eine Reihe ähnlicher Fälle einordnet: “Der Frankfurter Historiker Gregor Rohmann hat 2012 eine neue Interpretation der Hintergründe der Tanzwut des 14. bis 17. Jahrhunderts vorgelegt. Demnach handelt es sich nicht um eine Form von „Hysterie“ oder der durch Halluzinogene induzierten Ekstase, sondern um ein auf religiösen Vorstellungen beruhendes Krankheitskonzept: Wer unfreiwillig tanzte, agierte so das Gefühl aus, von Gott verlassen zu sein. (…) Die wichtigsten Tanzwut-Ausbrüche fanden (…) 1374, 1463 und 1518 statt. Alle drei Fälle erfassten nicht etwa ganz Europa oder auch nur größere Gebiete, sondern jeweils relativ gut eingrenzbare Verbreitungsräume im Rhein-Mosel-Maas-Raum: 1374 vom Oberrhein bis nach Belgien, 1463 im Eifelgebiet, 1518 in Straßburg.” Ein rheinisches Fänomen!
Hinweise auf Starkregen und Gewitter wie jüngst in Straßburg ließen sich im Zusammenhang mit den historischen Ausbrüchen – ob nicht vorhanden oder nicht beachtet – nicht entdecken: für die Forschung möglicherweise ein Hinweis, dem nachzugehen sich lohnen könnte.

Presserückschau (April 2016)

1
“Kaum irgendwo sonst in Deutschland fahren so viele Menschen mit dem Fahrrad wie am Niederrhein. (…) Kein Wunder also, dass sich am Niederrhein sogar ein eigenes Verleihsystem für Fahrräder etabliert hat. (…) Diese befinden sich vor allem in Hotels, an Bahnhöfen und Radstationen. Auch im Infocenter an der Rheinpromenade Emmerich stehen zehn der insgesamt 1000 in der Fahrradflotte vorhandenen Räder zur Verfügung. Es handelt sich dabei um “apfelgrüne Gazellen”, hochwertige Unisex-Räder, die bei der niederländischen Firma “Koninklijke Gazelle” von Hand gefertigt werden. Da die Sattelhöhe per Schnellspanner ohne Werkzeug einstellbar ist, ist das Rad für alle Größen geeignet. Gel-Sattel, bedienungsfreundliche Sieben-Gang-Schaltung, eine sichere Rücktrittbremse, ein leichtläufiger Nabendynamo für Licht und eine Spezialbereifung gegen Plattfüße bieten einen großen Fahrkomfort.” (Rheinische Post)

2
In Mainz sahen Passanten in Höhe des Kaisertors eine Person “im Rhein schwimmen und untergehen”. Die Person sei “mehrfach wenige Meter in Richtung Flussmitte geschwommen und wieder zum Ufer zurückgekehrt (…). Beim letzten Versuch, das Ufer zu erreichen, sei die Person untergegangen. (…) Nach den ersten Ermittlungen der Polizei handelt es sich bei dem Vermissten um einen 23 Jahre alten Zuwanderer aus Eritrea.” (Rüsselsheimer Echo)

3
§Seit mehreren hundert Jahren ist zum ersten Mal wieder ein Biber im Rheingau gesichtet worden. Davon ist jedenfalls der Naturschutzbund Hessen überzeugt (…). Es sei aber noch rätselhaft, woher das Tier komme. Es könne vom Oberrhein hergeschwommen sein, zum Beispiel aus dem Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue vorbei an Mainz und Wiesbaden. Möglich sei aber auch, dass er aus der Nahe gekommen sei, bei Bad Kreuznach gebe es ein Bibervorkommen. Die Tiere nutzen große Ströme wie Rhein, Rhône und Elbe zur Ausbreitung.” (Wiesbadener Kurier)

4
“Zwischen Volta-Platz und Rheinufer wird (…) nicht nur die modern gestaltete Rheinufer-Promenade mit dem Namen „Elsässerrheinweg“ eingeweiht, sondern auch ein grenzüberschreitender „Dreyland-Dichterweg“, den neben dem Kanton Basel-Stadt auch die Städte Huningue und Weil am Rhein realisiert haben. (…) Das Gedicht auf einer Tafel im Weiler Rheinpark, verfasst von Werner Richer, lautet:

Wiil am Rhii

E Fluss, wo trennt,
e Bruck, wo bindet,
kei Hass, wo brennt,
e Bruck, wo findet
e Fremde heim,
e Bruck zue eim.

Es wurden 24 Tafeln realisiert, davon werden sieben auf der französischen Seite, acht auf deutscher und neun auf Schweizer Seite installiert. Die Autoren wurden so angeordnet, dass pro Land je vier Gedichte aus den Nachbarländern zu lesen sind.” (Weiler Zeitung)

5
Die Häfen Basel-Nord und Basel-Süd sollen ausgebaut werden, der Weiler Hafen ein neues Terminal erhalten: “Das Güterverkehrsaufkommen wächst laut aller Prognosen weiter. Während die Kapazität auf der Straße ausgereizt scheint, bieten Schiene und Schifffahrt noch Reserven. Vor dem Hintergrund sind die Aus-, Umbau und Modernisierungsprojekte der Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) in Basel zu sehen, aber auch das Containerterminal, das im nördlichen Teil des Weiler Hafens angedacht ist – zumal Container als Transportgefäß der Zukunft gelten. Unter dem Strich summieren sich die Vorhaben auf Investitionen von bis zu 250 Millionen Euro.” (Badische Zeitung)

6
“Polizisten haben in Düsseldorf einen Einbrecher aus einem Wasserloch an einem alten Flussbett des Rheins gezogen. Der 25-Jährige war (…) zusammen mit einem 23 Jahre alten Komplizen in ein Wohnhaus eingestiegen und hatte Schmuck gestohlen. Dabei waren die beiden aber so laut, dass Nachbarn verdächtige Geräusche hörten und die Polizei alarmierten. Mit Hilfe eines Hubschraubers konnte die Polizei die beiden Männer schnell aufspüren. Den 23-Jährigen erwischten sie unter einem Carport. Der andere Einbrecher hatte sich in ein Sumpfgebiet geflüchtet und war in das Wasserloch gestiegen. Er ließ sich von den Beamten widerstandlos aus dem Morast ziehen (…)” (Berliner Zeitung)

7
“Seit Langem versuchen Naturschützer und Fischer am Rhein heimischen Jungfischen Lebensräume zu geben. Ob sie damit Erfolg haben, ist jedoch zweifelhaft. Denn statt der erhofften Barben oder Maifische ziehen sie Grundeln aus dem Strom. (…) Die Süßwasserfische schnappen schneller zu als andere. Sie gelten als aggressiv und robust. Experten warnen, dass sie heimische Rheinfische wie den Gründling verdrängten. (…) Tatsächlich machen Grundeln bis zu 60 Prozent des Fangs von Rheinanglern aus, heißt es bei der Oberen Fischereibehörde in Düsseldorf. Die Schwarzmundgrundel dominiert dabei. Im Gewichtsvergleich sind es aber kleine Fische: Nur vier Prozent der gesamten Fischbiomasse im Rhein sind Grundeln.” (WAZ)

8
“Wer zurzeit am Bad Godesberger Rheinufer unterwegs ist, kann ihn nicht übersehen: den sogenannten Nassbagger, mit dem das Wasser- und Schifffahrtsamt Köln (…) rund 3500 Kubikmeter Sand und Kies aus dem Rhein schaufelt. (…) Durch die hohen Wasserstände in den vergangenen Monaten haben Kiesablagerungen dafür gesorgt, dass die Fahrrinne des Flusses schmaler und flacher geworden ist (…). Das soll sich nun ändern. Rückt der Bagger wieder ab, wird die Fahrrinne wieder 2,50 Meter tief und 150 Meter breit sein. Doch das dauert seine Zeit. Gut zwei Wochen lang wird in der Nähe des Rüngsdorfer Schwimmbades, zwischen Rheinkilometer 645,9 und 646,6, gearbeitet.” (General-Anzeiger)

9
“Le canal des Français” heißt das Grabensystem, das einst im 17. Jahrhundert angelegt wurde, um das Grundwasserniveau im Burggraben um die Festung La Citadelle zu regulieren. 6000 Soldaten lebten in der von Vauban geplanten Festung einst zwischen dem Rhein und der Stadt Straßburg. Der “Canal des Français” bildete eine Grenze und leitete das Wasser in Richtung Norden ab, bis es hinter dem heutigen Stadtviertel Robertsau durch die Felder in die Ill fließen konnte. Die heute bestehenden Hafenbecken existierten damals ebenso wenig wie der Rhein-Marne-Kanal. Gut 50 Jahre ist her, dass der “Canal des Français” aufgegeben, teilweise zugeschüttet und überbaut wurde. Für rund eine Million Euro hat die Stadt Straßburg Teile des einstigen Kanals wieder ausgegraben, so dass sie sich mit Grundwasser füllen konnten.” (Badische Zeitung)

10
“Bei dem in der Nähe von Düsseldorf im Rhein entdeckten Leiche handelt es sich um den 20-jährigen Marius B. aus Bonn.
Die rechtsmedizinische Untersuchung des Verstorbenen hat ergeben, dass es sich zweifelsfrei um den (…) vermissten 20-Jährigen aus Bonn handelt. Er war nach einer Feier in Niederkassel nicht nach Hause zurückgekehrt und spurlos verschwunden. Nach Angaben der Rechtsmediziner und dem derzeitigen Ermittlungsstand ergeben sich keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen. (…) Die Kripo geht inzwischen davon aus, dass Marius B. (…) nach dem Besuch des Junggesellenfestes in Niederkassel in den Rhein gefallen und dann ertrunken ist. Er muss allerdings noch einige Zeit zu Fuß unterwegs gewesen sein, da das Gebäude, in der die Jungesellenfeier stattgefunden hat, nicht unmittelbar am Rhein liegt. Die Strömung muss den Leichnam dann bis Düsseldorf getragen haben.” (WDR)

11
“Anlässlich des 30. Jahrestags der Atomkatastrophe von Tschernobyl haben tausende deutsche, französische und schweizerische Atomkraftgegner auf mehreren Brücken über den Rhein an die Opfer des Unglücks erinnert und gegen Atomenergie demonstriert. Bei den Protesten zwischen dem schweizerischen Basel und dem französischen Straßburg forderten die Demonstranten (…) insbesondere die Schließung des umstrittenen französischen Atomkraftwerks Fessenheim. Laut (…) der Initiative Stopp Fessenheim demonstrierten auf den beiden Rhein-Brücken zwischen Marckolsheim und Sasbach sowie in Chalampé jeweils 1200 Menschen. Auf der Europabrücke zwischen Kehl und Straßburg nahmen laut einem AFP-Reporter 300 Demonstranten an einer Kundgebung teil. Das an der deutschen Grenze am Rhein gelegene Fessenheim ist das älteste Atomkraftwerk Frankreichs und steht wegen zahlreicher Pannen in der Kritik.” (Donaukurier)

12
Nicht unüblich sei es, daß Rehe versuchten den Rhein zu durchschwimmen um ans andere Ufer zu gelangen und dabei verendeten, berichtet der WDR. In Duisburg haben Hafenarbeiter an zwei Tagen im April insgesamt drei Rehe aus einem Hafenbecken gerettet: “Die Tiere zittern förmlich und sind völlig erschöpft. Die Männer bringen die Rehe jedes Mal auf’s Land und wärmen sie dort mit Decken auf. Und die sind so geschwächt, dass sie nicht ein mal fliehen wollen. Innerhalb weniger Minuten sind die Tiere aber wieder fit und werden in die Freiheit entlassen. Wie die Tiere ins Wasser gekommen sind, wissen die Tierretter nicht.”

13
“„Go bananas“ heißt im Englischen: ausflippen. Das passt. Denn ein bisschen verrückt ist Les Donohue-Bromley auch, der auf seiner „Go Banana“-Tour auf einem aufblasbaren Bananen-Boot 4000 Kilometer über diverse Flüsse von Rotterdam bis ans Schwarze Meer in Bulgarien gelangen will. Per Anhalter über den Rhein kam er (…) in Emmerich an. (…) Start der Reise war ausgerechnet am 1. April, weshalb viele seine Tour schon als Aprilscherz abtaten. Bisher hat er schon allerhand erlebt: Er wurde schon zweimal von Hochschulen eingeladen (Rotterdam und Wageningen), hat eine Terror-Übung der Feuerwehr in Arnheim miterlebt, ist singend auf einer Bühne in einer Bar geendet, hat sich mit einem niederländischen Schwertkampfmeister in Ritterausrüstung duelliert (und verloren), wurde ins Kriegsmuseum eingeladen, hat als erster Gast auf einem eine Stunde jungen Schiff in Arnheim ein Fünf-Gang-Menü verspeisen dürfen, bevor dieses auf seine Jungfernfahrt nach Amsterdam startete.” (WAZ)

Jm wasser aber kein mensch mag / Natürlich wohnen einen tag.

(…) Der Mensch auff der Erd lebt und gaht,
Die Hell, wie man sagt, mitten drin staht,
Doch wil ich nicht darnach gründen,
Es wirdt sie mancher zeit gnug finden,
Gott behüt darfür all dies begerten,
Das wasser ist rings umb die erden,
Darinn Fisch, Perlen, und Meerthier,
Würm, Biber, Otter, wasser Stier,
Seehund, Walfisch, Stör, und Ballenen,
Sonst manch art Fisch, Krebs und Sirenen,
Corallen roth, weiss, andre Stein,
Gold fürt Tagus, Reuss, Aar, und Rhein,
Emma, Funtan, Etsch, und Rodan,
Jll, Vadock, Saw, Phrath, und Pisan,
Und andre Wasser, die gold treiben,
Auch Edelgestein, auswerffen, scheiben,
Und sonst von Muschlen, gwechs und schnecken,
Dies Meer und wasser voll thun stecken,
Die lufft der Erden nahet bey,
Des region reich an Himmel frey,
Darinn die geister familiar
Hoch wohnen, auch offt umb uns har
Schweben gut, böss, Jn der region
Gros heimligkeit der Natur stahn,
Von donner, blitz, reyff, hagel, schnee,
Gwülck, regen, tunst, ander farb meh,
Und nechst bey uns die vogel faren,
Fliegen, sich mehren, und tun baren.
Jm Himmel ob dem Gstirn helts wesen
Gott, mit sein Engeln ausserlesen,
Die in neun Chör teilt geordnet sind,
Patriarch, Propheten, und Gotts fründ,
Apostel, Mertrer, Heiligen all,
Fromm, Grecht, Gleubig in der zal,
Beichtiger, Witwen und Jungfrawen,
Gott geb das wir jhn auch beschawen,
Darunter sGstirn welchs steiff und stet,
Unbeweglich und nicht umbgeht,
Darnach Planet, Stern, die sich andern,
Am Himmel hin und wieder wandern,
Sind beweglich wie Sonn und Mohn,
All tag, jahr, zeit, jhr ordnung gahn,
Schwimmen am Himmel wie im Meer,
Die Fisch, doch ohn als wasser her.
Die Element han unterscheid,
Jn Natur würckung, art allbeyd.
Auff Erd der mensch geht, steht, bleibt, lebt,
Der Fisch im wasser schwimpt und schwebt,
Jm wasser aber kein mensch mag
Natürlich wohnen einen tag.
Durch Lufft der mensch lebt, und sich neert,
Fewr alle ding frist und verzehrt,
Derhalb ist es kein Element,
Sondern viel mehr ein accident. (…)

(Leonhard Thurneyssers Quinta essentia 1574: ein alchemisches Lehrbuch in Versen)

Der Donnerstein von Ensisheim (2)

“Weit wichtiger und lehrreicher aber als die seither angeführten Beispiele ist der berühmte Steinfall, der sich am 7. November 1492 zu Ensisheim im Elsaß zutrug. Es fiel daselbst ein keilartig dreieckiger Stein von 260 Pfund nieder, der in der Kirche aufbewahrt wurde; es ist der erste Meteorit, dessen Niederfallen man beobachtete, und von welchem noch jetzt viele Bruchstücke vorhanden sind. Ueber die dabei beobachteten Begebenheiten erhalten wir durch mehrere Urkunden genaue Auskunft. Eine derselben ist die Inschrift auf einer Tafel neben dem Stein und lautet: „A. D. 1492 uff Mittwochen nechst vor Martini den siebenten Tag Novembris geschah ein seltsam Wunderzeichen; denn zwischen der eilften und der zwölfften Stund zu Mittagzeit kam ein großer Donnerklapff und ein lang Getöß, welches man weit und breit hört, und fiel ein Stein von den Lüfften herab bei Ensisheim in ihrem Bann, der wog zweihundert und sechzig Pfund, und war der Klapff anderswo viel größer, dann allhier. Da sahe ihn ein Knab in eim Acker im oberen Feld, so gegen Rhein und Ill zeucht, bei dem Gisgang gelegen, schlagen, der war mit Waitzen gesäet und thet ihm kein Schaden, als daß ein Loch innen würd. Da führten sie ihn hinweg und ward etwa mannich Stück davon geschlagen: das verbot der Landvogt. Also ließ man ihn in die Kirche legen, ihn willens dann zu einem Wunder aufzuhencken und kamen viele Leut allher den Stein zu sehen, auch wurden viel seltsam Reden von dem Stein geredet. Aber die Gelehrten sagten, sie wissen nicht was es wär, denn es wär übernatürlich daß ein solcher Stein sollt von den Lüfften herabschlagen, besonders es wäre ein Wunder Gottes, denn es zuvor nie erhört, gesehen noch geschrieben befunden worden wäre. Da man auch den Stein fand, da lag er bei halb Manns tief in der Erden, welches jedermann dafür hält, daß es Gottes Wille war, daß er gefunden würde. Und hat man den Klapff zu Lucern, zu Pfillingen und sonst an viel Orten so groß gehört, daß die Leut meinten es wären Häuser umgefallen. Darnach uf Montag nach Catharinen gedachten Iahrs, als König Maximilian allhier war, hieß ihre königliche Excellenz den Stein, so jüngst gefallen, ins Schloß tragen, und als man ihn darein brachte, hielt er Excellenz viel Kurzweil mit dem Stein, und da er lange mit den Herren davon redt, sagte er, die von Ensisheim sollten ihn nehmen und in die Kirche heißen aufhencken, auch niemands davon lassen schlagen. Doch nahm er Excellenz zwey Stück davon: das Ein behielt sein Excellenz, das Andere schickte er Herzog Sigmunden von Oesterreich. Und war eine große Sage von dem Stein, also hinck man ihn in den Chor, da er noch henckt. Auch kam eine große Welt den Stein zu sehen.” In einer anderen Inschrift heißt es u. A.:

„Tausend vierhundert neunzig zwei
Hört man allhier ein groß Geschrei
Daß zunächst draußen vor der Stadt
Den siebenten Wintermonat
Ein großer Stein bei hellem Tag
Gefallen mit einem Donnerschlag
An dem Gewicht dritthalb Centner schwer
Von Eisenfarb bringt man ihn her.”

u. s. w. Eine neuere, die beste Inschrift kann als Motto für alle Feuermeteöre dienen und lautet: „De hoc lapide multi multa, omnes aliquid, nemo satis.” In einem Aufruf Kaiser Maximilians d. d. Augsburg 12. Nov. 1503 an alle Unterthanen zu einem Zug wider die Türken werden allerlei Zeichen aufgeführt, durch welche der Himmel die Christenheit heimgesucht und ermahnt habe. Zu diesen gehört auch der Ensisbeimer Stein. Es heißt da: „Anfänglich so hat der Allmächtig Uns als das Obrist Haupt der Christenheit vor etlichen Iahren mit einem harten Stein, ungeverlich zweyer Centner schwehr, der auf einem weiten Feld mit großer Uugestümmigkeit für uns, als wir an unserm Heerzug zu Widerstand der Franzosen mutwillig Fürnemen gewesen sein, gefallen ist; den wir auch in die Kirche in unserer Stadt Insißheim, dabey er sich niedergelassen hat, und da unser Regiment der vordern Lande gehalten wird, haben hencken lassen; ermanet und erfodert daß wir die Christenheit von ihren schweren Sünden und Unordnungen leiten und in ein erkenntliches seliges Leben gegen seine Gnade kehren, und da durch seinen heiligen Glauben mehren, erretten und behalten sollen; hat uns auch das zu einem Exempel, damit wir in demselben also fortfahren, zu der Zeit, als solcher Stein gefallen ist, in unserem Fürnehmen wider die Cron Frankreich Sieg und Glück gegeben” u. s. w.
Noch vielfach finden sich Notizen und Berichte über dieses merkwürdige Ereigniß und geht daraus hervor, daß der Stein bei sonst klarem Himmel aus einer feurigen Wolke unter fürchterlichem Krachen niederfiel, daß er eine dreieckige Form hatte, ursprünglich über 2OO Pfund wog, daß er beim Niederfallen in zwei Stücke zerbrach, und das größte derselben von 171 Pfund an einer Kette in der Kirche zu Ensisheim aufgehängt wurde. Während der Französischen Revolution kam es nach Colmar, viele Stücke wurden davon abgeschlagen, so daß der Rest, welcher sich jetzt wieder an seiner alten Stelle in der Ensisheimer Kirche befindet, nur noch 70 Pfund wiegt. Er ist graubläulich, durch hellere Stellen breccienartig, durch zahlreiche schwarze, glänzende Ablösungsflächen fast schieferig und leicht spaltbar, mit eingesprengten Theilchen von gelblichem Olivin; ferner enthält er etwas Eisenkies und nickelhaltiges Eisen; er ist nicht hart, giebt am Stahl keine Funken und läßt sich leicht zerreiben.”

(Christian Ludwig Otto Buchner, Die Feuermeteore, insbesondere die Meteoriten, historisch und naturwissenschaftlich betrachtet, Gießen 1859)

Der Donnerstein von Ensisheim

meteorit von ensisheim
“S wundert sich mancher frömder geschicht
Der merck vnnd leß auch diß bericht
Es seind gesehen wunder vil
Im lufft. comet. vnnd feuerm spyl
Brennend fackeln. flammen. vnd kron
Wild kreyß. vnd zyrckel vmb den mon
Am hymel. bluot. vnd feuerm schilt
Regen nach form der thier gebildt
Stöß. brych. des hymels vnd der erd
Unnd ander vil selczam gebärd
Trotzlich zerstiessendt sich zwen berg
Grueßlich tromet. vnd harnsch werck
Ysen. milch. regen. stahel. korn
Zyegel. fleysch. woll von hymels zorn
Und vil ander der wunder glich
Dann bey dem ersten friderich
Nach erdpydem. vnd fynsternuoß
Sach man treyg sunn vnd mon gewiß
Unnd vnter keyser Friderich
Dem andern. Fyel ein stein greueßlich.
Sein form was groß ein kreuetz var jnn
Ein ander geschrifft vnd heimlich synn
Bey weyle des dritten Friderich
Geborn herr von österreych
Fyel ab jns Sundgaw. sein eigen land
Der stein der hye leyt an der wand
Da man zalt vierzehenhundert jar
Uff sant Florentzen tag ist war
Neuntzig vnd zwey vmb mittentag
Geschach ein grawsam donnerschlag
Dreyg zentner schwär fyel diser stein
Hye jnn dem feld vor Ensißheim
Dreygk egk hat er verschwerczet gar.
Wye ercz gestalt vnd erdes far
Ouch ist gesehen jnn dem lufft
Schleymmes fyel in erdes clufft
Clein stuck seind kommen (?) vnd har.
Und weyt zerfuort. sunst sichst jn gar
Tonaw. Necker. Arh. Jll. vnnd Reyn.
Schweicz Ury hort den klapff darein
Ouch dönt er den Burgundern verr
Jn forchtend die Frantzosen seer
Rechtlich sprich ich das es bedeuet
Ein besunder plag der selben leuet
(…)”
(Sebastian Brant, von dem donnerstein gefalle jm xcij. iar vor Ensisheim)

“ALs hieuor an manchen enden von vil vnd mancherlay seltsamen dingen die sich amm himel ereuegt haben gemeldt worden ist vnd sunderlich dz ein stayn mit eim creuetz gezaichnet zu den zeiten kaiser Friderichs des andern von oben herab gefallen sey also ist zu den zeiten kaiser Friderichs des dritten in dem iar cristi. M.cccc.xcij. am. vij: tag des monats nouembris in mytten tag ein großer stayn bey eim zentner schwer. ein wenig kleiner dann ein saltzscheyb. gestalt wie ein kriechisch D. vnd dreyegket von oben herab auß den lueften bey Ensißheim in dem Suntgew nider gefallen vnnd zu anzaigung seltsamer geschihten noch vorhanden.” (Schedel`sche Weltchronik)

“Am 7. November 1492 schlug der ”Meteorit Ensisheim” in einem Acker vor den Toren der Stadt ein. Er gilt als der älteste gesicherte und ausführlich dokumentierte Meteoritenfall Europas, von dem bis heute Material erhalten geblieben ist. Die erste Beschreibung dieses Naturschauspiels durch Sebastian Brant Ende des Jahres 1492 erlangte große Verbreitung. Sein „Donnerstein von Ensisheim“ gilt als eines der ersten Flugblätter im heutigen Sinne, das kurz nach dem Ereignis in größerer Stückzahl und sogar in mehreren Auflagen gedruckt wurde.” (Wikipedia)

Presserückschau (April 2013)

Das Mit- und Gegeneinander von Mensch und Tier beherrscht die augenfälligste rheinische Berichterstattung des Monats April:

1
Über Zugvogelstau am Rhein berichtet der Deutschlandfunk: „Wildgänse watscheln auf einer Wiese am Rheinufer. Am Rande strecken einige weiß und grau gefiederte Wächter aufmerksam den Kopf nach oben. Sie kontrollieren, was auf dem nahen Wanderweg passiert. In den Rheinauen bei Bingen sind einige hundert Vögel versammelt. (…) Noch sperrt hier niemand ab, um Spaziergänger daran zu hindern, entkräftete Zugvögel aufzuscheuchen, die sich hier zusammendrängen. In diesem kalten Frühjahr landen am vergleichsweise warmen Rhein Vögel, die sonst auf ihrem Weg Richtung Norden keinen Zwischenstopp einlegen. Manche ziehen weiter und kommen zurück, weil es auf ihrem Weg immer kälter wird. An einigen Stellen am Rhein gibt es jetzt einen regelrechten Vogelstau und Stoppschilder für Wanderer – zum Schutz von wintergebeutelten Kranichen und Kibitzen auf ihren Rastplätzen.“

2
Selbst – wenngleich vom Empfänger regulierbarer – Emissionär berichtet der Hessische Rundfunk über den Lärm im Rheintal: „Ein Krach von mehr als 100 Dezibel wird nachts an der Messstation Rüdesheim/Assmannshausen erreicht. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das Hessische Umweltministerium (…) vorgestellt hat. Das entspricht ungefähr dem Lärm einer Motorsäge. Und verbessert hat sich noch nichts: Seit drei Jahren habe sich der Bahnlärm im Mittelrheintal nicht verringert, so ein weiteres Ergebnis der Untersuchung.“

3
Subtile Kriegsberichterstattung auf morgenweb.de: “Die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) ist in die “Saison” gestartet. Am Donnerstag wurde mit einem Hubschrauber und zu Fuß das Bekämpfungsmittel BTI entlang des Rheins ausgebracht – unter anderem in Ludwigshafen. Am Freitag sind laut KABS-Geschäftsführer Dr. Norbert Becker Lampertheim und Worms an der Reihe.” Auch die Badischen Neuesten Nachrichten berichten über Kampfstoffausbringungen in den Rheinauen um Karlsruhe. Mit “Schnake” wird im Regiolekt die Stechmücke bezeichnet, während die Schnake im Badischen als “Reiter” tituliert wird.

4
“Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf (17/13030) zur Änderung des Ausführungsgesetzes zu dem Übereinkommen vom 9. September 1996 über die Sammlung, Abgabe und Abnahme von Abfällen in der Rhein- und Binnenschifffahrt vorgelegt. Im Zusammenhang mit der Einführung des elektronischen Bezahlsystems sei es notwendig, die im Ausführungsgesetz enthaltenen Ordnungswidrigkeitentatbestände anzupassen. Der Bundesrat macht in seiner Stellungnahme drei Änderungsvorschläge, die die Bundesregierung in ihrer Gegenäußerung teilweise ablehnt.“ (bundestag.de)

5
Ein neues Museum, das nicht nur Herrn Topowski interessieren dürfte, soll in der zweiten Jahreshälfte am Hinterrhein eröffnen, berichtet die Südostschweiz: “Der Verein Erzminen Hinterrhein ist noch jung. Trotzdem hat er in den ersten drei Jahren des Bestehens beachtliche Aktivitäten entwickelt, wie das «Pöschtli» schreibt. Dazu gehört der Aufbau eines Bergbaumuseums in Innerferrera. Hier werden ab Herbst 2013 die früheren Bergbauaktivitäten im Gebiet südlich der Viamalaschlucht dokumentiert. (…) Schliesslich wird für das Jahr 2015 ein internationaler Bergbau-Workshop in Thusis geplant.“ Die gleiche Quelle informiert, daß im Dorf Hinterrhein (als einem von drei Bündner Dörfern) kein Ausländer gemeldet sei. Somit dürfte Hinterrhein das erste und letzte Dorf am Rhein sein, das noch ausschließlich von Aboriginees bewohnt wird.

6
Gleich anschließend ein Schweizer Rechenexempel: über ein Großprojekt mit „bäuerlichem Namen“ berichtet die NZZ: „Rhesi ist die Abkürzung für Rhein, Erholung und Sicherheit. Es steht für ein höchst ambitiöses Vorhaben, das den Hochwasserschutz im unteren Alpenrheintal verbessern soll. Die ETH Zürich schätzt die Kosten in einer Machbarkeitsstudie auf 600 Millionen Franken; sie dürften schliesslich wohl bei einer Milliarde Franken liegen. Noch befindet sich das Projekt im Stand der Voruntersuchung, bereits jetzt aber äussern neben den Bauern auch die vielen betroffenen Gemeinden dies- und jenseits des Rheins Ängste und Vorbehalte. Thema ist neben dem Kulturlandverlust auch die Sicherung des Grund- und Trinkwassers. Frühestens 2017 soll Baubeginn sein, die Realisierung dürfte 20 Jahre dauern. Unbestritten ist, dass der Hochwasserschutz im unteren Rheintal verbessert werden muss; das Schadenspotenzial im Fall von Überschwemmungen wird auf mindestens sechs Milliarden Franken geschätzt.“

7
„Im Dorfgemeinschaftshaus von Götterswickerhamm sind die Kinder schon kreativ tätig. Mit Bunt- und Filzstiften bemalen sie eifrig Blätter. Es sind kleine Werke des Protestes, welche die jungen Künstler aufs Papier bringen – ein Protest gegen die Hundehaufen, die sich entlang des Leinpfades am Rhein in Massen finden lassen. “Der Hundekot nimmt überhand, und das nicht nur direkt am Rhein, sondern im ganzen Dorf”, erklärt Anneliese Rühl, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft “Unser Dorf hat Zukunft” in Götterswickerhamm.“ (Rheinische Post)

8
„Vorarlberg hat ein neues Naturschutzgebiet am Alten Rhein in Hohenems. Der 4,8 Hektar große Abschnitt besteht überwiegend aus seichten Wasserflächen und Röhrichten und ist Lebensraum von über 20 teils stark gefährdeten Libellenarten sowie von einer Vielzahl von Schmetterlingen, Käfern und Reptilien. (…) Der Alte Rhein der “Hohenemser Kurve” ist der letzte naturnahe Rest von einst vielfältigen Feuchtgebietsabfolgen mit Stillgewässern zwischen der Mündung der Ill und dem Rheindelta. Er ist als Biotop und Erholungslandschaft von überregionaler Bedeutung ausgewiesen, mit einer besonders wichtigen Funktion als Brut- und Aufzuchtsgebiet für Vögel. Außerdem befindet sich dort eines der letzten Vorkommen der vom Aussterben bedrohten Bachmuschel in Vorarlberg.“ (Der Standard)

Presserückschau (November 2012)

Nachdem in Basel Spaziergänger einen beinahe hummergroßen Signalkrebs aus dem Rhein gezogen hatten, vermeldet nun auch kindernetz.de eine „Krebsjagd am Rhein“. Während das Schweizer Boulevardblatt Blick ganz pragmatisch die kulinarischen Qualitäten des Tiers herausgestellt hatte, berichten die auf Kinder spezialisierten Reporter, daß „der große Krebs gefangen werden müsse, weil er sonst kleineren Krebsen schade“. Weitere bedeutende Rheinnachrichten des Novembers:

1
Der General-Anzeiger berichtet von Diskussionen um einen künftigen Wasserbus auf dem Rhein in Bonn. Die Idee kam aufgrund bevorstehender Großbaustellen zustande: “Nach Auffassung des BDA (Bund deutscher Archtiekten) soll der Rhein unter dem Motto „R(h)ein in die Stadt“ als Natur- und Erlebnisraum zum Kernthema der innerstädtischen Entwicklung werden: Der Rhein also als Vernetzungsraum, der Verbindungen mit unterschiedlichen Qualitäten schafft, und ein Gestaltraum, der die beiden Seiten des Bonner Stadtbildes am Fluss zeigt und die besondere Qualität der „Stadt am Rhein“ zum Ausdruck bringt. Der Wasserbus soll mit zahlreichen kurzen Verbindungen über den Rhein die beiden Bonner Seiten miteinander verweben. Dabei stehen nach der Idee weniger die touristischen Ziele im Vordergrund, als vielmehr „die Verbindung der unterschiedlichen Wohn- und Arbeitswelten“. Im Idealfall soll sogar die Angliederung an den ÖPNV gelingen, was dessen Attraktivität für die Bürger steigern und die Bonner Stadtstraßen entlasten würde.“ Eine unsererseits längst und angesichts des regen Bosporus-Fährverkehrs sogar schmerzlich vermißte Idee, die auszugraben auch anderen Städten am Rhein gut zu Gesicht stünde.

2
„Vier von fünf Vorarlbergern rechnen jederzeit mit einem Hochwasser, geht aus einer Befragung der IRR (Internationale Rheinregulierung) unter 600 Bürgern beidseits des Rheins hervor“, teilt der ORF mit. Und weiter: „Die Hochwassersicherheit am Alpenrhein soll spätestens ab 2017 innerhalb von 20 Jahren bei Kosten von 400 Mio. Euro nachhaltig erhöht werden. Geplant ist, die Abflusskapazität des Rheins zwischen der Illmündung und dem Bodensee von derzeit 3.100 Kubikmeter pro Sekunde auf 4.300 Kubikmeter pro Sekunde zu steigern. Dieser Richtwert entspricht einem Hochwasser, wie es statistisch gesehen ein Mal in 300 Jahren auftritt. Das Hochwasser-Schadenspotenzial im Rheintal wird allein auf Vorarlberger Seite mit 2,66 Mrd. Euro beziffert.“

3
Erneut der General-Anzeiger berichtet unter dem Titel „Potemkin am Rhein“ über die zweifelhafte Eröffnung des Gemeinsamen Extremismus- und Terrorabwehrzentrums (GETZ) in Köln, das sich nicht recht vom Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) und dem Gemeinsamen Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus/-terrorismus (GAR) unterscheiden lasse. So sei die politische Prominenz der Eröffnung zahlreich ferngeblieben: „Auch der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, ein CDU-Mann, fehlte. Der improvisierte Zustand des Zentrums legt zusätzlich Zeugnis davon ab, dass da hopplahopp etwas präsentiert werden musste: Potemkin am Rhein. (…) Wer gemeinsam gegen Terror und Extremismus kämpfen will und dann noch nicht mal die Gründungsfeier einvernehmlich hinkriegt, muss sich über Hohn und Spott nicht wundern: “Getz geht´s los”, lautet einer der einschlägigen Sprüche.“

4
„Der Klimawandel wird Deutschland mehr Überschwemmungen und Hitzerekorde über 42 Grad bringen. Eine weitere Folge sei, dass Flüsse wie der Rhein „öfter mal austrocknen“, sagte Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung“ – berichtet ntv. Eine Meldung, die natürlich wieder gegen regen Fährverkehr spricht.

5
Ob die folgende Meldung über eine Spezies namens Hulecoeteomyia japonica bezeugt, daß der Klimawandel bereits im Gange ist? Über das unerwüscht zugewanderte Insekt berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger: „Die aggressive asiatische Buschmücke vermehrt sich in Deutschland immer stärker. In NRW erstreckt sich die Population bereits über ein großes Territorium zwischen Köln und Koblenz. Die Mücke gilt als Überträger des gefährlichen West-Nil-Fiebers.“ Am Oberrhein ist die Mücke indessen schon etwas länger bekannt.

6
Die Rhein-Zeitung über tierische Migration und ihre Effekte: „Im Rhein lebten heute bereits allein mehr als 45 Arten wirbelloser Einwanderer, heißt es. Die Neuankömmlinge verdrängen dabei die heimischen Arten. Angesichts der bedrohten Artenvielfalt spricht Stefan Stoll von einer „McDonaldisierung“. „Überall gibt es nur noch das gleiche Angebot“, erklärt der Biologe.“ Das gleiche, aber ein anderes, oder etwa nicht? Schwingt hier das angestammte Verdammen terrestrischer Migrationsbewegungen aus Angestammtenmund mit? Und wo landen die verdrängten Arten? In Mägen? Oder drängen sie anderswo hin?

7
Eine bauplanerisch-neoromantische Meldung hat der Südkurier parat. Sie betrifft Rheinfelder Pläne für die Internationale Bauausstellung 2020: „Das Rheinfelder Rheinuferprojekt mit Pavillon, Fischaufstieg, naturnahen Uferabschnitten mit Kiesbänken und Felsen auf der deutschen Seite und zeitgenössischer Landschaftsarchitektur mit Stadtpark auf Schweizer Seite ordnet sich in diese Leitidee ein. Der Rhein zwischen beiden Rheinfelden soll bei der Bevölkerung „Liebe“ wecken mit Erlebnissen und Ausblicken, die ans Wasser locken.” Der Gedanke des Rheins als “Verführer”, fährt der Artikel fort, sei seitens der Rheinfelder als verpflichtender Anspruch aufzufassen.

8
Daß Thomas Gottschalk seinen Wohnsitz Schloß Marienfels verkaufen will, war vielen Zeitungen, darunter der Frankfurter Rundschau, eine quasi-makelnde Nachricht wert: „Allerdings müssen Interessenten bedenken, dass alle Räume von Thea Gottschalk höchstpersönlich gestaltet wurden. Thea Gottschalk suchte ihrem Mann stets die Kleider für seine „Wetten, dass ..?“-Moderationen aus. Man kann sich also die Pseudo-Prunk-Melange in den Gemächern vorstellen. Andererseits hat der Käufer die Chance, demnächst auf den Touristenschiffen genannt zu werden. Wenn auch nur als Besitzer des Schlosses, das mal Thomas Gottschalk gehörte.“

9
Der Duisburger Kriminalpolizei gelang es, einen kuriosen Vermißtenfall aufzuklären. Nachdem vor knapp einem Jahr bei Rees-Mehr (Oberkörper) und im Emmericher Yachthafen (Unterkörper) ein männlicher Torso aufgetaucht war, konnte dieser zunächst nicht identifiziert werden, denn: „die Polizei (kam) aus einem wesentlichen Grund nicht auf (einen bekannten, Anm.: rheinsein) Vermissten: Er war etwa 1,70 Meter groß. Die Gerichtsmedizin hatte aber errechnet, dass die Leiche im Rhein zu einem Mann mit der Größe von fast 1,90 Metern gehören müsse. Sie war einer fehlerhaften Formel in der Neuauflage eines verwendeten Lehrbuchs aufgesessen“, berichtet die Rheinische Post.

Last but not least: wurde im November entlang des Rheins und einiger seiner Nebenarme der Karneval ausgerufen (so gut wie alle lokalen Tageszeitungen berichteten), und in Köln, meldet der Kölner Stadt-Anzeiger, werden kommende Hochwasser ab sofort „in den Rhein zurückgepumpt“.

Tulla über den Rhein

Der Rhein ist einer der merkwürdigsten Ströme in Europa, wegen seiner Größe, seiner Verbindung mit den Glätschern, und den meisten Seen der Schweiz, seiner Wasserfälle bey Schaffhausen und Laufenburg, der Veränderungen seines Laufs in ältern und neuern Zeiten, der Verschiedenheit seines Gefälles und seiner Geschwindigkeiten, wegen seiner Mündungen in das Meer, und seiner Benutzung zur Flößerey und Schifffahrt.

Der Rhein hat durch seine Geschiebe das Becken des ehemaligen, von Zürich bis Konstanz ausgedehnten Sees von Wallenstadt bis Rheinek, und die Linth von Wesen bis Schmerikon theilweise ausgefüllt, wodurch der ehemalige See in drey Seen, den Bodensee, Wallenstadter und Züricher-See, getheilt wurde.

Vom Bodensee bis Hüningen ist der Spielraum des Rheins größtentheils durch die Gebirge eng begrenzt, und die merkwürdigsten Veränderungen seines Laufes, sind nur die Einschneidungen oder tiefere Bettung, welche Veränderungen durch terrassenförmig übereinander liegende Hochgestade erkannt werden.

So wie der Rhein in das zwischen den Vogesen und dem Schwarzwald liegende Thal tritt, hat derselbe mehr Spielraum, er serpentirt in dem Bett des ehemaligen – nicht problematischen – zwischen dem Schwarzwald und den Vogesen bestandenen Sees, führt jährlich eine große Masse von Kies, Sand und Erde bis zu seinen Ausmündungen in das Meer in Holland, welches Land größtentheils durch den Absatz des Rhein gebildet wurde.

Die Geschichte des Rheinlaufes in den ältern Zeiten liegt bey den Geschichtsschreibern sehr im Dunkeln. Mehr Licht geben die sichtbaren alten Flußbette, die Hochgestade und die alten Inseln.

Nachdem der See sich, durch die allmählig, vielleicht auch plötzlich, entstandene Vertiefung seines Durchflusses, durch die Gebirge zwischen Bingen und Königswinter größtentheils, abgelaufen war, muß das verlassene Bett desselben zwischen den Vogesen und dem Schwarzwald, ziemlich eben gewesen seyn, und jede fortlaufende regelmäßige Vertiefung in dem Seebett, kann nur durch Ausflößung oder Ausschwemmungen, oder endlich durch Ausgrabung und nachherige Ausflößungen entstanden seyn.

Die Breite und die Größe der Krümmungen derartiger Vertiefungen, so wie ihre Vertheilung in mehrere Zweige, lassen immer auf das ehemalige Bestehen eines Flusses, auf seine Größe und seine Geschwindigkeit schließen, wenn gleich diese Vertiefungen nun trockenes Land sind.

Der Rhein theilte sich in den ältern Zeiten oberhalb dem Kaiserstuhl-Gebirge in drey Theile. Der eine ging links in dem jetzigen Gebiet der Ill, der andere längs dem Kaiserstuhl-Gebirge auf der linken Seite, und der dritte rechts dem Kaiserstuhl, längs dem Fuß desselben, zwischen den Vorgebirgen von Riegel und Hecklingen durch.

Man wird den erstern den gallischen Rhein, den zweiten den großen Rhein, oder auch nur Rhein ohne Beinamen, und den dritten den deutschen Rhein, nennen können.

Wegen Mangel an Localkenntnissen kann eine nähere Beschreibung des gallischen Rheins nicht gegeben werden. Die Städte Colmar, Gemar und Schlettstadt dürften auf dem linken Ufer desselben, und Straßburg, welches auf der vorspringenden Spitze des aufgeschwemmten Gebirges erbaut ist, bey der Vereinigung des gallischen Rheins mit dem großen Rhein, stehen.

Wann der gallische in einen Altrhein überging, und ob er noch zur Zeit, als die Römer an den Rheinufern waren, schiffbar war, ist unbekannt.

Der deutsche Rhein floß längs dem Fuße des Schwarzwald-Gebirgs, parallel mit dem großen Rhein, so wie gegenwärtig die Ill, und nahm in seinem Lauf die Flüsse Dreysam, Elz, Schutter, Kinzig, Rench, Murg, Alb, Pfinz und alle die kleinen Flüsse und Bäche des Schwarzwaldes, vielleicht auch den Neckar auf.

Der deutsche Rhein änderte seinen Lauf in einzelnen Distrikten wenig, in andern sehr bedeutend, letzteres zwischen der Kinzig und der Murg, und unterhalb Malsch, wo er in mehrere Arme sich theilte, bis gegen den Neckar. Da wo bedeutende Flüsse aus dem Gebirge treten, wurde sein Lauf durch den Ausschub dieser Flüsse vom Fuße der Gebirge abgetrieben, wie sehr deutlich an der Murg und der Alb zu ersehen ist.

Sein linkes Ufer war nur längs dem Kaiserstuhl mehr als das rechte, sonst aber das rechte Ufer bey weitem mehr, als das linke, bewohnt. Ein Beweis hiefür ergibt sich aus der Thatsache, daß noch gegenwärtig in der Strecke von Schwarzach bis Karlsruhe nur die Orte Sandweiher und Beyertheim am linken Ufer liegen. Die Ursache dieser Ungleichheit der Bewohnung läßt sich sehr leicht aus der Fruchtbarkeit des rechten, und Unfruchtbarkeit des linken Ufers, und der geringen Entfernung des rechten Ufers des großen Rheins von dem deutschen, erklären.

In vielen Gegenden sind die alten Läufe, die bestandenen Inseln, die Hochgestade sehr deutlich zu erkennen, in andern sind ihre Spuren mehr oder weniger durch Anschwemmungen der Flüsse des Schwarzwaldes ausgelöscht; häufig folgt das Wasser im ungezwungenen Zustand dem alten Lauf.

Wie lange der deutsche Rhein bestanden, und zu welchen Zeiten bedeutende Aenderungen mit ihm vorgefallen sind, dürfte schwerlich in der Geschichte aufgefunden werden. Indessen läßt sich mit Zuverläßigkeit behaupten, daß er zur Zeit, als die Römer ihre Herrschaft bis an den Rhein ausgedehnt hatten, noch ein schiffbarer Strom war. (…)

Quelle: Wikisource

le beau Danube, qui ressemble assez au Rhin à Genève

“Ma figure, dans la rue, marchant à l’aide d’une canne et jurant quand le pied gauche heurte à quelque pavé pointu, doit faire rire les Strasbourgeois; mais je ne suis connu de personne. Donc, je rentrerais à Paris avec le plus grand plaisir; cependant je suis si près de la sublime église de Cologne! Deux jours, et encore par bateau à vapeur; c’est humide, mais au moins ça ne fatigue pas! Les commis, aidés de mon naturel imprudent, finiront par me reléguer à Civita-Vecchia ou, ce qui est pis, par me reléguer dans la pauvreté. Jamais je ne verrai Cologne. Moi, j’aime le beau; c’est mon faible, auquel je sacrifie, comme vous le voyez, prudence et santé. Dieu sait ce que fera l’humidité du Rhin!”
Stendhal, Correspondance T. 10, 2 Juillet 1838, à M. Di Fiore

“19 avril 1809 – [...] Notre voiture glissa sur la rue rapide par laquelle on sort de Neubourg. En sortant, nous traversons le beau Danube, qui ressemble assez au Rhin à Genève.”
Stendhal, Journal T 3

“Le 27 [janvier 1813] , à 2 heures du matin, à Franckfort (quelle heure de bon sommeil!)
A 7 heures et demie du matin, passé le Rhin, en traîneau.”
Stendhal, Journal T 5

“[...] il est vrai qu’à cet âge, ne sachant pas ce que c’était que manquer et travailler désagréablement pour gagner le nécessaire, l’argent n’était pour moi que satisfaction de fantaisies; or, je n’avais pas de fantaisies, n’allant jamais en société et ne voyant aucune femme; l’argent n’était donc rien à mes yeux. Tout au plus aurais-je voulu acheter un fusil à deux coups.
J’étais alors comme un grand fleuve qui va se précipiter dans une cascade, comme le Rhin, au-dessus de Schaffouse, dont le cours est encore tranquille, mais qui va se précipiter dans une immense cascade. Ma cascade fut l’amour des mathématiques…”
Stendhal, Vie de Henri Brulard, T. 2

“L’Ill, petite vilaine rivière aux eaux sales, traverse Strasbourg et même divisée en plusieurs bras, humidité. Strasbourg ne se doute pas du Rhin. C’est un fleuve singulier, il forme une infinité d’îles par de petites branches qui entourent la principale… le talveg, cours principal en aval.”
Stendhal, Mélanges intimes et marginalia, T. 2