Ihringen

Am Fuße des Kaiserstuhls liegt das von zahlreichen Weinetiketten bekannte Weindorf Ihringen mit seinen Weinstuben und Gartengaststätten mit Weinausschank, mit seinen Winzergenossenschaften und weinverkaufenden Schuhhändlern und Weinfesten (die selbst von gestandenen Bayern unverhohlen mit dem Münchner Oktoberfest verglichen werden), mit seiner tausendjährigen Geschichte als Uringa, und seiner abgegangenen Ortschaft Wolptal, deren Existenz nurmehr vermutet wird. Auf Ihringens Straßen stehen, kurz vor dem nächsten Weinfest, überall nicht etwa Weinflaschen oder schlotzbereite Viertele, sondern Pappschälchen mit saftigsüßen Kirschen – gegen Hinterlassen einer Münze darf sich jeder selbst bedienen. Die Sonne teilt mit: Ihringen gilt als der heißeste Flecken Deutschlands (nunja, was die Durchschnittstemperaturen anlangt). Und dann der Weinort Ihringen als Lyrikort Ihringen: an den Ihringer Häusern hängen stilisierte Faßdeckel bzw -böden mit darauf gepinselten Versen und Sinnsprüchen zum ganz Ihringen beherrschenden Thema: „Im Wein sind / Wahrheit, Leben, Tod, / Im Wein sind Nacht und Morgenrot / und Jugend und Vergänglichkeit, / Im Wein ist Pendelschlag der Zeit. / Wir selbst sind Teil von Wein und Reben, / im Weine spiegelt sich das Leben“ Aufmunternde Blicke einer Weinkönigin, als sie bemerkt, daß ich mir die Verse an ihrer Hauswand einzuprägen versuche. Kurz darauf finde ich in unmittelbarer Nachbarschaft sogar noch stärkere: „Wer dich verschmäht, du edler Wein, / der ist nicht wert, ein Mensch zu sein“