Presserückschau (März 2016)

1
“Eine Panne im umstrittenen Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass vor knapp zwei Jahren soll wesentlich dramatischer verlaufen sein als bisher bekannt. Einem Bericht der “Süddeutschen Zeitung” (…) zufolge waren am 9. April 2014 nach einer Überflutung wegen eines Lecks in Block 1 die Steuerstäbe zum Abschalten des Reaktors nicht mehr manövrierfähig. (…) Der Block wurde laut “SZ” erst durch Einleitung von Bor ins Kühlsystem abgeschaltet – ein äußert seltenes Vorgehen. Der Betreiber des Akw, der staatliche französische Stromkonzern EDF, hatte zwar von dem Leck berichtet, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Auf der achtstufigen internationalen Störfallskala Ines wurde der Vorfall lediglich auf Niveau 1 eingestuft. Die Überschwemmung habe damals eine “Abfolge von technischem Versagen und Chaos” nach sich gezogen (…). So sei eines der beiden parallelen Sicherheitssysteme ausgefallen, weil Wasser in Schaltschränke gelaufen sei.” (Donaukurier)

2
“Es gibt Szenarien, da muss man zweimal hingucken, um zu verstehen, dass man nicht völlig verrückt geworden ist. So ging es wohl einigen Duisburgern (…), als ein offensichtlich toter Pottwal auf der Ladefläche eines Transporters durch die Innenstadt rollte. Wenig später lag das fast 20 Meter lange Tier am Ufer des Rheinpreußenhafens in Homberg. Eine Schulklasse begutachtete es neugierig, die Kinder konnten kaum fassen, was sie da sahen. Wenig später kamen Forscher, um den Wal zu untersuchen. Auch das Duisburger Ordnungsamt kam zur Unfallstelle. Hatte sich der Wal vielleicht verirrt, ist er etwa über die Nordsee in den Rhein geschwommen und dann gestorben? Fehlanzeige: Der Pottwal am Duisburger Rheinufer hat nie gelebt. Es handelt sich um eine lebensgroße Attrappe, die zu den Aktionen des Kulturfestival Duisburger Akzente gehört.” (Rheinische Post)

3
“Die Ansicht ist wenig spektakulär: ein abgesperrtes Loch in der Erde, dessen Boden leicht mit Wasser bedeckt ist und auf dem ein Bagger und ein Container stehen. Trotzdem bedeutete der 16 Meter tiefe Schacht gestern Anlass zur Freude auf dem Chempark-Gelände Wiesdorf. Denn er ist der Anfang eines neuen Tunnels unter dem Rhein zwischen Leverkusen und Köln-Merkenich. Und so feierte Chempark-Betreiber Currenta mit mehreren Dutzend Gästen aus Unternehmen und der Politik die Taufe der Rheinunterquerung. Sie trägt nun den Namen “Martina”. Patin und Namensgeberin ist Currenta-Mitarbeiterin Martina Jacobs-Wellenberg, die das Projekt seit Beginn begleitet.” (Rheinische Post)

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Loreena McKennitt feiert ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum, berichtet die Fachzeitschrift Powermetal im Stil einer Werbeanzeige: “Nun schiebt ihr Label Quinlan Road noch die Livescheibe “Troubadours On The Rhine” nach, wiederum strikt limitiert auf 5000 Kopien und in hochwertigem 180g-Vinyl. Doch neben der hochwertigen Aufmachung ist das Schöne daran natürlich in erster Linie das Schöne darin. Loreena spielte dieses Konzert auf Einladung des Radiosenders SWR1 (…) am 24. März 2011, in Mainz. (…) Insgesamt (…) eine (große, schwarze) runde Sache, die ein Muss für alle Folkfans darstellt. Und die Tatsache, dass die Aufnahmen vom schönen Mainz am Rhein stammen, sollte insbesondere die Rheinländer auf den Plan rufen. Da dürften die 5000 Exemplare schnell vergriffen sein.”

5
“Im Rahmen der 37. Duisburger Akzente “Nah und Fern – 300 Jahre Duisburger Hafen” läuft im Ruhrorter Museum der Deutschen Binnenschifffahrt noch bis zum 9. April die Sonderausstellung “Neue Horizonte – Dynamik im Fluss” über den Erfinder Paul Schatz (1898-1979), der als deutsch-jüdischer Emigrant in der Schweiz lebte (…). Dazu spielte (…) das “Ensemble Neue Horizonte Bern” (…) sein Programm “Im Fluss”. (…) Sämtliche Kompositionen von “Im Fluss” beschäftigen sich mit den Themenkomplexen Fluss, Wasser und Hafen, aber auch Strömung, Schleuse, Handelsumschlagplatz, Schwäne, Rhein, Donau und Moldau sowie weiterem Nahen oder Fernen. Der formale Rahmen leitet sich von Paul Schatz und seinem umstülpbaren Würfel ab (den übrigens der Westdeutsche Rundfunk vor 50 Jahren zum Logo seines Dritten Fernsehprogramms machte). Der taumelnden Bewegung des Oloids passt sich auch die in jedem Konzert andere Reihenfolge der Stücke an. Genauer gesagt, bleibt die Abfolge gleich, nur Anfang und Ende verschieben sich.” (Rheinische Post)

6
Rettung aus Rheinnot: mehrere Schafe hatten sich laut Anrufen von Spaziergängern bei der Krefelder Feuerwehr im Fluß befunden: “Ein freilaufender Hund hat (…) eine Schafsherde in Panik versetzt. Ein Tier wurde in den Hals gebissen. Es wusste sich nicht anders zu retten, als in den Rhein zu springen. Ein Passant und ein Polizist in zivil, retteten das verletzte Tier in Ufernähe aus dem Wasser. Vom Hund keine Spur.” (Rheinische Post) Der Verbleib der restlichen Schafe, die sich ebenfalls in den Fluß gestürzt haben sollen, ist ungeklärt.

7
“Ein ausgebüxtes Rind hat (…) einen Polizeieinsatz der Stadtpolizei Chur verursacht. Das Tier war zuerst stadtauswärts auf den Zuggeleisen unterwegs. Danach stapfte es zum Rheinufer. (…) Als eine Polizeipatrouille vor Ort eintraf, waren bereits mehrere Personen dabei, das entwichene Rind von den Geleisen wegzutreiben. (…) Nach einiger Zeit ging das Rind zum Rheinufer und überquerte den Fluss schwimmend. Es strandete völlig erschöpft am gegenüberliegenden Ufer von Haldenstein. Dort konnte das Tier schliesslich von Bauern mit einem Seil hochgezogen werden.” (Schweizer Bauer)

8
“In Baden-Württemberg hat ein 22-Jähriger sein Auto versehentlich in den Rhein gelenkt. Er und sein Beifahrer kamen glimpflich davon. Ein Passant hatte (…) den Zwischenfall in Breisach am Rhein beobachtet und den Notruf gewählt. (…) Kurz darauf meldete sich (…) der Fahrer des Wagens. Er und sein ebenfalls 22 Jahre alter Beifahrer hatten sich alleine befreit und waren durchs eiskalte Wasser zum Ufer geschwommen. Danach gingen beide nach Hause, um die nassen Kleider zu wechseln. Der Polizei zufolge ist der Unfallverlauf inzwischen geklärt: Der Fahrer war (…) beim Rückwärtsfahren auf einen Grünstreifen geraten und hatte die Kontrolle über das Auto verloren. Der Wagen rollte daraufhin die Böschung zum Rhein hinunter und stürzte in den Fluss. Das Fahrzeug ging unter und soll nun geborgen werden.” (Spiegel)

9
“Erneut haben Unbekannte zwei große Bäume an der Rheinallee (in Königswinter; Anm.: rheinsein) vergiftet. (…) Eine stolze Platane und ein Ahorn mussten deshalb (…) in Höhe der Hubertusstraße am Rheinufer gefällt werden. Ebenfalls (…) wurden zwei weitere Bäume gefällt, die bereits im vergangenen Jahr Opfer von Giftanschlägen geworden waren, und eine Pappel, die unmittelbar am Rheinufer stand und angesägt worden war. Die Stadt hat innerhalb von nur neun Monaten insgesamt fünf Strafanzeigen gegen Unbekannt bei der Polizei erstattet.” (General-Anzeiger)

10
“Jubel bei den Rhine River Rhinos: Die Rollstuhl-Basketballer aus Wiesbaden haben den Aufstieg in die Erste Bundesliga perfekt gemacht. Die Mannschaft von Cheftrainer Cliff Fisher setzte sich am letzten Spieltag bei den SKG Rolling Choclate in Heidelberg mit 89:53 durch und sicherte sich die Meisterschaft in der Zweiten Liga.” (Wiesbadener Tagblatt)

11
“Die Programmiersprache rhine aus der Feder von Ramkumar Ramachandra ist eine typisierte, von Elixir inspirierte Sprache, die die LLVM-Just-in-time-Kompilierung nutzt und einen vollständigen abstrakten Syntaxbaum, sowie N-D-Tensoren, First-Class-Funktionen und Typinferenz bietet. Die von Ramachandra im GitHub-Repositorium des Projekts vorgestellten Sprachfeatures umfassen beispielsweise die Typannotation ~Int (In rhine werden nur Argumenttypen kommentiert; Rückgabetypen werden inferiert) sowie die Funktion ~Function(Int -> Int -> Int. Letztere nimmt zwei Integer auf und gibt einen zurück, wobei etwas Haskell-Syntax eingestreut wird. (…) Eine Besonderheit von rhine ist der AST. Dieser nimmt starke Anleihen bei der LLVM-Zwischenschicht (IR), umfasst jedoch auch einige höher angesiedelte Konzepte, wie beispielsweise Tensoren. Er ist Ramachandra zufolge als SSA zu betrachten und verfügt über einen eingebetteten UseDef-Graph, weshalb Analysen und Transformationen sich besonders leicht gestalten sollen.” (Jaxenter)

12
“Einsatzkräfte der Polizei und der Rheinhausener Feuerwehr haben in Duisburg-Friemersheim die Reste einer Leiche aus dem Rhein geborgen. Ausgerückt waren auch ein Boot der Wasserschutzpolizei sowie Taucher. Da der Torso relativ ufernah im Rhein trieb, kamen letztere nicht zum Einsatz. Zur Identität der toten Person ist noch nichts bekannt. (…) Fingerabdrücke der aufgefundenen linken Hand werden derzeit ausgewertet. “Die Leiche ist auch nicht mehr ganz frisch”, sagt Feuerwehr-Einsatzleiter Thorsten Stolz. Sie sei vermutlich schon eine Weile stromabwärts getrieben und auch in Kontakt mit Schiffschrauben gekommen.” (WAZ) “In Duisburg hat eine Passantin am Rheinufer Leichenteile gefunden. Der menschliche Unterkörper war im Bereich Alsumer Steigs angeschwemmt worden (…). Erst vergangene Woche war rheinaufwärts beim Duisburger Ortsteil Friemersheim ein lebloser Oberkörper geborgen worden. Taucher der Feuerwehr zogen die Leiche aus dem Wasser. Eine DNA-Analyse soll nun klären, ob die Leichteile von der selben Person stammen. (…)” (Welt)

13
“Die Quecksilber-Belastung deutscher Flüsse liegt (…) vielerorts weit über dem zulässigen Grenzwert. Die Umweltqualitätsnorm von 20 Mikrogramm Quecksilber je Kilogramm Fisch werde in den großen Flussgebieten Rhein, Elbe und Donau dauerhaft und flächendeckend um das fünf- bis 15-fache überschritten (…). Quelle dafür sei eine Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Parlamentsanfrage. Zwar stoßen Dutzende deutsche Braun- und Steinkohlekraftwerke in geringen Dosen Quecksilber aus, Umweltschützer machen aber vor allem giftige Dämpfe aus Braunkohlekraftwerken für die Umweltbelastung mit dem Schwermetall verantwortlich.” (n-tv)

Nördlich von Stromkilometer 781

Auf ihrem Schienenstrom
schwanentorentlassen
gleitet und ruckelt die Straßenbahn 901
entlang den relativen Blickweiten
des duisport mit seinen
Überseecontainern, die für
Weite Welt stehen mögen,
jedenfalls für viel Arbeit
und weite Strecken.
Wie viele Fahrgäste mögen schon
gefragt haben, angesichts der
Haltestellenankündigung „Tausendfensterhaus“,
ob es wirklich tausend seien?
Wohl 510.
Trinkhallen nennen sich Verkaufshallen
und die Haltestellen Thyssen Tor 30
und Kokerei, mit den verbliebenen
imposanten Industrieanlagen
zugleich Reminiszenz an vergangene Jahrzehnte.
In Beeck vorbei an der Köpi-Brauerei
und dann der Thyssenverwaltung mit
ihren gepflegten Rasenflächen,
ändert
sich
wenig
weiter nördlich
abrupt
das Bild.
Reihen geschlossener Rolladen, staubbedeckt und spanholzplattenvernagelte Türen.
Falls Häuser sterben können, dann so.
Nördlich der Wilfriedstraße ist, so augenscheint`s,
wieder Leben.
Zahlreich sitzen Menschen im Freien auf dem Bordstein
und auf Stühlen vor Cafes,
vor einem sind eine Reihe Büro-Chefsessel
herausgestellt und lässig besessen.
Fahrgäste in der Straßenbahn:
„…im schönen Maaaxloh.“
„Am Dienstag kommt die Merkel.“
„Frau Merkel, kannze deine Zigeuna ma mitnehm?“
Beim Ausstieg Höhe Pollmann
drängen energiegeladene Jugendliche
in die Bahn, ohne den
aussteigen Wollenden
den üblichen Vortritt zu lassen.
Wer sieben Jahre nicht hier war
(zuletzt Zweitausendacht anlässlich der Eröffnung
der großen Moschee, was prächtig in Erinnerung ist
eingebettet in einen interessanten Stadtteil),
dem fällt die veränderte Optik mehrerer Straßenzüge auf.
Gleichgeblieben sind die eleganten Brautmodengeschäfte
mit ihren kunstvoll gestalteten Schaufensterdekorationen;
die türkischen Geschäftsleute kümmern sich;
auch duftet es nach über Holzkohle Gegrilltem aus
gehobener Gastronomie.
Gepflegte Gebäude, beispielsweise das Haus
Kaiser-Wilhelm-Str. Nr. 306, mit Arztpraxen (Architekt Bangert).
All dies scheint leuchtkräftiger
angesichts der sich entwickelt habenden Kontraste,
je staubiger und brettervernagelter manche Häuser
in der Umgebung.
Von der ruhigbeschaulichen Ecke Am Grillopark / Elsa-Brändström-Str.
mit villenähnlichen Häusern nur zwei
oder drei Straßen weiter scheint wie das
Eintreten in eine andere Welt.
So befindet sich eine Seitenstraße
der Kaiser-Wilhelm- , zwischen Wilfried- und Weseler Straße gelegen,
augenscheinlich in der Obhut einer oder mehrerer Großfamilien.
Ob einige Vans mit bulgarischen und rumänischen Kennzeichen
dazu gehören, lässt sich nur mutmaßen.
Der Passant fühlt sich, bei 18-Uhr-Tageslicht,
mehr als üblich von zahlreichen Augenpaaren aufmerksam beobachtet,
fast als bewege er sich auf der Grenzlinie zu einer Privatstraße.
Ebenfalls eine neutrale Beschreibung eines fast wertungsfreien Gedankens
ist die innere Bewusstwerdung, dass sich mit der Vorstellung
von Privatstraßen an sich keine darin verstreuten Pizzakartons
und Zeitungsknäuel verbinden.
Wie beginnt man ein Gedicht
über eine Stadt, die man mag
und ein Viertel, das entspannter
in Erinnerung ist?
Wie beginnt sich das Gedicht
über den Duisburger Norden?
Aujourd`hui tristesse?
Maskiert sich Poesie durch Ungeschminktheit?
Oder wäre das sich vertiefende Melancholie?
Wie würde es beginnen?
So?:
mutti merkelt in marxloh
man merkt montan aber nix
So wohl nicht. Oder doch?
Montan reimt sich auf spontan.
Kommt`s auf solche Gravitation an?
Das Marxloh Center unweit
Friedrich-Engels- Ecke Karl-Marx-Straße
wirkt ein wenig wie ein vor drei, vier Jahrzehnten
vergessenes und entsprechend angeblasstes Einkaufszentrum.
Gleichwohl dürfte der darin beheimatete
Discounter unseres Vertauens, A**i-Süd,
mit zu den Lebensmittelpunkten vor allem
der altangesessenen Einwohner älteren Semesters
zählen.
In Höhe der Haltestelle Wolfstraße
ein gemaltes Plakat: Die Kanzlerin
mit gezogenem Revolver und dem Slogan:
There is no alternative.
“Wat will die Anschela denn noch machen?
Kannste nix mehr machen“,
befindet eine junge Dame, hennarot,
etwas füllig, in schwarzem Jogginganzug,
an ihre Mutter gewandt.
„Die Einwanderer verstecken sich
eh alle, wenn die Anschela kommt,“
antwortet diese.
Not und Perspektivlosigkeit sind
genauso wie Verfolgung und Vertreibung
Gründe für Emigration und Immigration.
Durch den sachlich richtigen Begriff Einwanderung
hat die Mutter
diese soziale Komplexität benannt,
ob es ihr bewusst ist oder nicht.
Flucht endet nur durch den Wegfall von Fluchtursachen.
Das geschieht erst dann, wenn jegliche Waffenlieferungen
in Krisengebiete geächtet und tatsächlich gestoppt werden
und die Lebensgrundlagen dort wieder hergestellt werden
und sicher bleiben.
(Idealisten finden in Art. 26 Abs. 2 GG dazu Wesentliches gesagt.
In einer idealen Welt halten sich auch befreundete Nationen,
große wie kleine, daran.
Tatsächlich bedarf es einer starken UNO.)
Und was ist mit der Perspektive vor Ort?
Im sozialpastoralen Zentrum Petershof, so ist zu hören,
versorgen Mediziner kostenlos
Hunderte Menschen ohne Krankenversicherung.
Zum Straßenbild indessen gesellen sich davon unabhängig
chrombreitfelgig brummmotorende Benz- und BMW-Coupes
mit Kennzeichen eher der umliegenden Städte.
Wenige Straßenbahnminuten südlich
Ruhrort Bahnhof, scheint wiederum eine andere Welt.
„Tschuldigung, wo geht`s zum Hafenfest?“
„Da gehen Sie geradeaus und dann rechts“,
antwortet mit freundlichem Lächeln
eine der beiden angesprochenen älteren Duisburgerinnen
(wohnt man im Bergischen, erfreut solch
unkomplizierte Natürlichkeit stets aufs Neue).
Auf dem Weg zum Hafen erblickt sich hinter einem Bauzaun
ein Toilettenwagen. Das tut gut,
bei Tageslicht und in Ermangelung diskreter Bäumchen.
Der Toilettenwagen gehört zu einer
sich durch diese gute Fügung erschließende Entdeckung
in Gestalt der begehbaren Kunstinstallation „Nomanslanding“
im alten Eisenbahnhafen, dort im August 2015 temporär zu Gast.
Fahnen mit dem Zitat
„The art of living in the city as a work of art […] In other words
the future of art is not artistic but urban”, Henri Lefebvre
(sich später wikipediagooglend als 1901 geborener
Résistance-Kämpfer und Miturheber der
1968er Studentenunruhen herausstellend).
Sichtbar sind zwei silberfarbige Viertelkugeln
von mehreren Metern Höhe als zwei im Hafenbecken
schwimmende Inseln (auf Unterwasserschienen),
von der einen wie von der anderen Seite durch Stege
erreichbar.
Unter sphärischen Klängen schieben sich beide Teile,
in denen jeweils mehrere Teilnehmer sitzen,
zusammen,
woraus eine geschlossene Halbkugel entsteht.
Das führt – interpretiert – zu Geschlossenheit
in mehrdeutigem Sinn, da die durchs Zusammenschieben
entstandene Kuppel von schwarzen, sie in der Länge knapp überragenden
Zaunpfählen umgeben ist,
einerseits Schutz suggerierend,
andererseits Eingeschlossensein.
In den Himmel über den Eisenbahnhafen
stoßen indessen rotierend die stählernen beweglichen Arme
der spektakulären Fahrgeschäfte der nahen Kirmes,
bunt beleuchtet in der einsetzenden Dämmerung.
Entsprechend ziehen sie wesentlich mehr Publikum an,
das vom Aufenthalt Nomanslandings kaum Notiz nimmt.
Publikum aller Generationen bewegt sich
multinational und vielethnisch erscheinend
zum Großspektakel.
So auch eine größere Familie, welche,
Irrtum möglich, doch allem politisch korrekten Anschein nach
vermutlich Sinti oder Roma sind, und die
zu beschreiben sich im bestverstandenen Sinn lohnt:
mit entspanntem Selbstbewusstsein
in eleganter Festtagskleidung nehmen sie den Fußweg
in fast protokollarischer Reihenfolge ein
vornweg die Jungs, Prinzen fast,
dann die Herren,
dahinter – in einigem Abstand – Damen in schönen Gewändern
sowie ein junger Mann um die siebzehn, im Sakko,
ein edelstein- oder jedenfalls zirkonian-verziertes Smartphone
in der Hand, der fragt:
„Entschuldigung, ich brauche 50 Cent fürs Telefonieren. Haben Sie?“
Dreist?
Nun, bei sachlicher Betrachtung…geschäftstüchtig!
Trotz und gerade wegen des Kirmesrummels
ist der Augenblick günstig
einen der bemerkenswertesten optischen Eindrücke Duisburgs
zu würdigen, den Blick vom linksrheinisch gelegenen Homberg
über den Rhein auf Ruhrort zuflanierend, auf die dortigen
beiden rechtsrheinischen Brückentürme,
Relikte der 1945 gesprengten Vorgängerbrücke.
Die jetzige, nach Friedrich Ebert benannte Brücke wurde
1954 erbaut (möglicherweise noch aus Marshallplan-Mitteln?).
Beschaulicher als die große Kirmes im Hafen
zeigt sich eine Woche darauf
(zeitgeschichtlich fünf Tage nach der
Kanzlerin-und-Entourage-Stippvisite zu Marxloh)
das tradierte Volksfest in Beeck.
Vom Köpi-Ausschank fällt der Blick
auf das Kulturzentrum
Friedrich Ebert- Ecke Lehnhofstraße
und die dort laufende Leuchtschrift
„Der Islam verabscheut den Terror.“
An den Händen ihrer Eltern begeistern sich
die Jüngsten, Jahrgänge 2010plus,
an Zuckerwatte und Luftballons,
multilingual, kulturell vielfältig.
Eine Kellnerin zur anderen, hübsche Blonde beide,
in einer Zapfpause die Blicke auf
ihre jeweiligen Smartphones gesenkt,
„Jetzt verpass ich meinen Film, mein Film fängt grad an.“
„Welcher Film?“
„Der Tatort.“
Zur Lautsprechermelodie findet sich das
Glück im Zug nach Osnabrück
(Schlager hin oder her, hundertfach gehört,
man braucht es nicht zu mögen, aber der Refrain
von Andreas Zaron und Verena Rendtorff bleibt pfiffig
und war zu recht erfolgreich).
Kirmes in Beeck laut Emblem seit 1539,
einem Jahr, in dem der Blick auf die Thyssen-Industrieanlagen
noch für einige Jahrhunderte nicht vorstellbar war.
An der roten Ampel wummert der schwere Motor
eines tief liegenden BMW, in Bulgarien zugelassen,
aus dem lautstark GangstaRap, Musik zum Dampfablassen,
es mit den Volksfestgeräuschen aufzunehmen scheint.
Dann düsen quietschende Reifen von dannen.
Auf dem Beecker Marktplatz eine Live-Band.
Mittelalte Paare, die in ihrer Jugend
offenbar Tanzschulen besucht haben,
bewegen sich in erlernten Schritten tadellos zum Rhythmus.
Ebenfalls, der Musik in freien Schritten korrespondierend
und ihrem Bewegungsdrang Lauf lassend, einige Roma-Kinder.
Und, kein Klischee, zu welchem Song? „A-tem-los“.
Genau so isses, wahrhaftig.
Könnte klappen, ein jeder nach seiner Facon.
Beim Tanzen klappt es schon.

(Ein Gastbeitrag von GrIngo Lahr)

Ermittlung der Rheinlänge durch Ockhart (2)

Nähere Bestimmung der verschiedenen Distanzen, welche der Rhein von seinem Ursprunge, bis zu seiner Theilung in Holland, und von da bis zu dem Ausflusse seiner verschiedenen Arme in das Meer durchläuft.

A) Allgemeine Distanzen nach dem Laufe des Flusses

1. Von den Quellen bis nach Chur ohngefähr 20 Stunden
2. Von da bis zu dem Eintritt in den Bodensee 24
3. Lauf durch den Bodensee bis Constanz 9
4. Von Constanz bis Schaffhausen 9
5. Von da bis Basel 33
6. Von da bis Strasburg 32
7. Von da bis Neuburg 15
8. Von da bis Schröck 6
9. Von da bis Mannheim 18 1/2
10. Von da bis Mainz 15 1/2
11. Von da bis Caub 9 1/2
12. Von da bis Coblenz 10 1/4
13. Von da bis Andernach 5 1/4
14. Von da bis Linz 4 1/2
15. Von da bis Cöln 12 1/4
16. Von da bis Düsseldorf 10 1/2
17. Von da bis Homberg 7 1/2
18. Von da bis Wesel 7
19. Von da bis Emmerich 9 3/4
20. Von da bis Lobith 3
21. Von da bis Nimwegen 4
22. Von da bis Rossum 9 1/2
23. Von da bis Gorcum 9
24. Von da bis Dortrecht 5 1/2
25. bis zum Meer 14

303 1/2

Nach dieser möglichst genauen Bestimmung der Distanzen, die der Rhein in seinem Laufe zurücklegt, sieht man, mit wie wenig Grund Norrmann in der 6ten Auflage der Büschingischen Vorbereitung zur Europäischen Länder- und Staatenkunde Seite 103, die Länge des Laufs dieses Flusses, wie wir oben schon gesagt haben, auf 350 Meilen hat angeben wollen, und dass Fabri eben so Unrecht hat, wenn derselbe in seinem Abriss der natürlichen Erdkunde Seite 450 behauptet, dass der Rhein in seinen Laufe einen Weg von 360 Meilen zurücklege.

(aus: Josef Franz Ockhart – Der Rhein, nach der Länge seines Laufs und der Beschaffenheit seines Strombettes, mit Beziehung auf dessen Schifffahrtsverhältnisse betrachtet: Ein Beitrag zur nähern Kunde der deutschen Flußschifffahrt, 1816)