Presserückschau (Mai 2016)

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“Es wurde an alles gedacht bei der Filmpremiere zu “Mannheim – Neurosen zwischen Rhein und Neckar”. An den roten Teppich, an Sekt, an “Meet & Greet” sogar an einen Pressebereich. Und so verwandelte sich das Cinemaxx-Kino (…) in eine Szenerie, der man einen winzigen Hauch Hollywood nicht verleugnen kann. Die (…) eher unbekannten Schauspieler und Filmemacher mutierten zu kleinen Stars, wurden gefilmt, fotografiert, interviewt und nach Autogrammen gefragt. (…) Nach ein paar einführenden Worten und den zwei Live-Songs “Seelenlied” und “Mannemer Dreck”, die auch im Film eine Rolle spielen, ging es direkt los. (…) Rund eine Stunde und 15 Minuten später dann tosender Applaus. Ja, der Film kam an. Es wurde viel gelacht. Auch gestaunt über die Qualität des Streifens, der immerhin mit nur knapp über 30 000 Euro Budget entstanden ist und dennoch (…) einen Filmverleih gefunden hat, der ihn deutschlandweit in die Kinos bringt. Und damit ein Stück Mannheim-Atmosphäre, Charme und Lebensart.” (Rhein-Neckar-Zeitung)

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“Im Rhein ist jetzt eine Industriechemikalie aufgetaucht, die nie zuvor in Gewässern gefunden worden ist und mit der auch niemand gerechnet hat. (…) “Bei den Substanzen geht’s um Triphenylphosphonium-Verbindungen. Das sind Chemikalien, die großtechnisch bei der Synthese von organischen Molekülen wie zum Beispiel Vitamin A oder Beta-Carotin eingesetzt werden können (…).” Klar sei bisher nur, dass es sich um biologisch schwer abbaubare Stoffe handele, die sich im Sediment von Flüssen anreichern. Und dass die Phosphonium-Salze die Abwasserbehandlung in den Betrieben überstehen, aus denen sie stammen.” (Deutschlandfunk)

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“Wenn das Channel-Netzwerk comTeam zur Systemhauskonferenz einlädt, stehen ITK-Trends genauso im Fokus wie entspanntes Networking. Die „R(H)EINGOLD-TOUR 2016“ kombiniert beides als Flussfahrt auf dem Rhein mit anschließender Beachparty. (…) Ob zielgerichtete Kundenansprache, Servicesteuerung oder Fokusthemen wie Transformation und managed service – die Beispiele aus der Praxis bieten für die Systemhäuser spannenden Mehrwert. Als Keynote Speaker „entert“ Top-Schiedsrichter Dr. Markus Merk die Bühne, um unter dem Motto „Hier und Jetzt – Das Leben findet heute statt“ interessante Impulse jenseits des Berufsalltags zu geben.” (electronicpartner.com)

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“Der Stör steht in NRW auf der Roten Liste unter der Kategorie Null, weil er zu den Arten gehört, die sich nicht mehr vermehren und verschollen sind. Wiederansiedlungsprogramme für den Stör machen im Rhein nach Meinung von Fachleuten so lange keinen Sinn, so lange die Verbindung zum Meer durch die Schleusen des Haringvlietdamms unterbrochen ist, der 1971 zum Schutz vor Hochwasser und Sturmflut im Rheinmündungsdelta errichtet wurde. Die Stauwerke stellen für Wanderfische ein großes Hindernis dar. Die Niederländer sind aber dabei, die Öffnungszeiten zu optimieren, damit der Stör die Barriere ungehindert passieren kann. Weil der Stör in NRW als verschollen gilt, hat ist er nicht von planungsrelevanter Bedeutung, etwa bei Hafenausbauten.” (WAZ)

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“Das letzte Mal hat man so einen Anblick 1977 in dem Bond-Streifen “Der Spion, der mich liebte” gesehen, als 007 alias Roger Moore in einem Lotus, der auch ein Boot und U-Boot war, einen Strand hochfuhr. Und so staunten (…) Spaziergänger am Uerdinger Rheinufer nicht schlecht, als sie (…) auf dem Rhein Gefährte entdeckten, die sich wie Schiffe benahmen, aber wie Autos aussahen: Über Pfingsten fand in Krefeld ein Bundestreffen der sogenannten “Amphicars” statt, also schwimmfähiger Autos. Rund 30 Wagen waren angemeldet. (…) Amphicars wurden zwischen 1958 und 1963 in Berlin und Lübeck gebaut (…). Geplant war der Bau von 25.000 Wagen; da der Verkauf aber nicht den Erwartungen entsprach, war nach Nummer 3878 Schluss. Die weitaus meisten Fahrzeuge gingen in die USA.” (Rheinische Post)

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Im Rhein ertrunken: “Die Leiche des Mannes war (…) am Ufer an der Kreisgrenze in der Nähe des “Stummen Deichs” entdeckt und geborgen worden. Die Polizei geht von einem tragischen Unglücksfall aus. Nach den bisherigen Ermittlungen kam der Mann zusammen mit zwei Freunden auf die Idee, durch das Duisburger Hafenbecken zu schwimmen. Während die beiden Kollegen das andere Ufer erreichten, verließen den 37-Jährigen unterwegs offenbar die Kräfte. Er versank in den Fluten. Die Strömung trieb den Körper ab, der viele Kilometer weiter dann zwischen Haffen-Mehr und Bislich ans Ufer gespült wurde. Die Polizei obduzierte den Leichnam und stellte fest, dass es sich nicht um ein Verbrechen handelt.” (Rheinische Post)

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“Wegen “gemeinschädlicher Sachbeschädigung” hat die Polizei in Laufenburg zwei 15 und 18 Jahre alte Tatverdächtige angezeigt. Das Duo wurde nach einer Pressemitteilung der Polizei (…) beschuldigt, am Pfingstmontagabend bei der Codmananlage eine Sitzbank in den Rhein geworfen zu haben. Ein Zeuge hatte die Polizei darüber unterrichtet. Die beiden Jugendliche wollten gemäß den Schilderungen gerade eine zweite Bank versenken, als zwei Mädchen hinzukamen. Daraufhin hätten sie von ihrem Vorhaben abgelassen. Die herbeigerufene Polizei traf die beiden vor Ort an.” (Badische Zeitung)

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“Der Text, den Christian Mueller in das Gesetz schreiben will, ist einfach: «Von der Johanniterbrücke in den Rhein führt auf Kleinbasler Seite eine Wasserrutschbahn.» (…) Sein Wahlkampf-Thema – die Rhein-Rutschbahn – könnte ihm beim Sprung ins Parlament helfen. Die Rutschbahn soll über drei Spuren verfügen und in einem Auslaufbecken über dem Rhein enden. Nur so könne die Rutschbahn auch von Nicht-Schwimmern und Kindern benutzt werden. Die Kosten schätzt Mueller auf rund eine Million Franken. Beim ersten Projekt ging er noch von einer halben Million aus.” (Tageswoche)

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“Die Obduktion der Leiche, die (…) aus dem Rhein in Lüttingen geborgen worden war, hat keine Hinweise auf eine Todesursache durch Gewalteinwirkung ergeben. (…) Die Ermittler halten unteressen einen Zusammenhang mit einem Fall in Bonn (…) für möglich. Damals (im vergangenen April; Anm. rheinsein) beobachteten Zeugen (…) einen unbekannten Mann, der von der Kennedybrücke in den Rhein gesprungen sein soll. Eine Suche durch Polizeikräfte, Feuerwehr, DLRG und einem Polizeihubschrauber verlief ergebnislos. Nach Aussagen von Zeugen in Bonn könnte es sich vielleicht um den in Höhe von Schloß Lüttingen entdeckten Leiche übereinstimmen, so die Polizei. Eine Vermisstenanzeige, die auf die Beschreibung des Brückenspringers passen könnte, liegt bis heute nicht vor.” (Rheinische Post)

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“Fünf Passanten, die einem in Not geratenen Schwimmer (…) im Rhein bei Bonn zu Hilfe eilen wollten, sind selbst in Not geraten. Nach Angaben der Feuerwehr (…) wollten sie einem waghalsigen Schwimmer helfen, der im Wasser trieb. Mit einem Rettungsboot und über Land konnten Einsatzkräfte von Feuerwehr und DLRG schließlich alle Personen retten. Nach ersten Erkenntnissen hatte der Mann ein Bad nehmen wollen, seine Kräfte aber überschätzt. Die Einsatzkräfte seien durch viele Schaulustige behindert und bedrängt worden (…). Mehr als 200 Unbeteiligte (…) seien zeitweise am Ufer gewesen.” (WDR)

Die Brücke von Arnheim (2)

arnhem_die brücke von arnheim_2Die John Frostbrug über den Nederrijn ist in Deutschland über den Umweg Hollywood bekannt als “Die Brücke von Arnheim”. Benannt wurde die Brücke nach dem britischen Generalmajor John Frost (im Film dargestellt von Anthony Hopkins), der ihr Nordende mit seinen Fallschirmjägern im Rahmen der Operation Market Garden gegen eine deutsche Übermacht einnahm und zeitweise verteidigte. Heute überqueren in Arnhem vier Brücken den Nederrijn, der touristische Fokus liegt deutlich auf der John Frostbrug, die das Zentrum mit den südlich gelegenen Stadtteilen verbindet. Die pinkfarbenen Radler weisen auf den Giro d’Italia, dessen zweite und dritte Etappe dieses Jahr abwechselnd Start und Ziel in Arnhem und der am südlichen Rheinarm Waal gelegenen Nachbarstadt Nijmegen nahmen.

arnhem_die brücke von arnheimAm nördlichen Brückenende sind Schautafeln und ein Weltkriegsgeschütz aufgestellt, die über die Wendungen und Zerstörungen der Schlacht um Arnhem informieren.

arnhem_die brücke von arnheim_3Spiegelfragiler Brückenaufbau in den Scheiben eines Gebäudes an der Rijnkade, der Arnheimer Uferpromenade.

arnhem_die brücke_strichcodeAuf rätselhafte Weise applizierter Strichcode am nördlichen, im Wasser stehenden Stützpfeiler. Den Pfeiler zu sprengen war im Krieg ein Job, von dem keine Rückkehr eingeplant war.

De Waal

nijmegen_waalWaalabbildung auf der Rampe eines Gastronomieschiffs

Waal lautet der niederländische Name des südlichen Rheinarms nach der Flußspaltung wenige Kilometer hinter der deutsch-niederländischen Grenze. Erste große Stadt an der Waal ist Nijmegen (deutsch: Nimwegen), das auf ein Römerkastell zurückgeht und mit Maastricht um den Titel “älteste Stadt der Niederlande” konkurriert. Der Fluss begrenzte die Stadt lange Zeit im Norden, mittlerweile setzt sich Nijmegen zaghaft, aber deutlich erkennbar am nördlichen Waalufer fort. Drei Brücken überspannen die Waal auf dem Stadtgebiet, die jüngste davon, De Oversteek (Die Überquerung), wurde 2013 eröffnet: ihr Name soll u.a. an die Operation Market Garden der Alliierten während des Zweiten Weltkriegs erinnern, die mit “A Bridge Too Far” von Hollywood mit großem Staraufgebot verfilmt wurde.

nijmegen_waalbrugPromenade und Waalbrücke

Das Waalufer ist in Nijmegen als Promenade angelegt, Caféterrassen, Gastronomieschiffe und ein staatliches Spielcasino bilden die Hauptattraktionen, das Verkehrsaufkommen auf dem Wasser ist erheblich, zwischen den nach Osten und nach Westen ziehenden Frachtern schippert De Pannenkoekenboot, ein Rundfahrtschiff, dessen Gäste mit dem Versprechen auf unbegrenzten Pfannkuchenverzehr gelockt werden. Vom Zentrum fällt der Blick gen Osten auf die direkt anschließende Naturlandschaft Ooijpolder, aus der wir während der Bus-Anfahrt Störche aufsteigen sahen, dieweil ein Hase sich ins Grün entlang der Straße duckte. Von Kribben getrennte Buchten reihen sich dort so weit der Blick reicht: die Natur beginnt nur drei kräftige Steinwürfe vom Zentrum der Großstadt entfernt.

nijmegen_brückenEisenbahnbrücke und De Oversteek

NIJMEGEN, GASTVRIJ und REFUGEES WELCOME steht in weißer Farbe weithin sichtbar auf die Flußpfeiler der Waalbrug gepinselt. Als sie 1936 eröffnet wurde, wies sie (wie es wohl kaum eine Rheinbrücke ohne irgendeinen Rekord gibt) die “größte Stützweite einer Bogenbrücke in Europa” auf. Vom Valkhofpark, der von der Uferpromenade über Treppen zu erreichen ist, läßt sich der Fluß noch besser überblicken. Aussichtspunkte bieten ein Münzfernglas und das Zitat “quem dabis haec possit qui dare cuncta locum” des Nijmeger Dichters Johannes Smetius (1590-1651), der beim Ersinnen des Verses ebenfalls am Geländer gelehnt haben mag wie 400 Jahre später nun wir plus gelegentlich auftauchende Touristen.

nijmegen_segwaySegway-Tourismus an der Waalkade

Weltrekordversuch mit Übermensch-Methode

Polyfasische Schlafmuster und Übermensch-Methode: es läuft seit heute mal wieder ein Weltrekordversuch auf dem Rhein. Ein solcher braucht nicht nur monatelange Vorbereitung, sondern, um von den Medien wahrgenommen zu werden, vor allem einen Slogan: „Erfolgreich auf der Welle deines Lebens!“ lautet der von Chris Ley, der auf einem sogenannten Stand Up Paddle Board (SUP), einer Art Surfbrett, den Rhein „von der Quelle bei Chur“ (wie der WDR recht großzügig berichtet) bis zur Mündung bei Hoek van Holland in sieben Tagen und Nächten stehend mit einem Stechpaddel bewältigen möchte. Das wäre die schnellste Zeit, in welcher die Distanz offiziell von einem Paddler durchmessen wäre.

Stand Up Paddling gilt unseren Medien als „Trendsport aus Hollywood“. Die Ursprünge des Sports, weiß Wikipedia, seien tahitisch bzw hawaiianisch: Hoe he’e nalu lautet die hawaiianische Bezeichnung für das Stehendpaddeln auf dem Brett. Das allerdings als langwieriger gilt als das Paddeln etwa im Kajak.

Leys Start ins Weltrekordabenteuer war heute (geplant für 6.30 Uhr) irgendwo in Chur. Sein Brett sollte geeignet sein, die Schnellen des Alpenrheins gleichsam surfend zu bewältigen. Das Tagebuch des Rekordversuchs gibt für heute noch keine Auskünfte über den Start und die ersten Kilometer. Überhaupt ist der letzte Eintrag bereits drei Tage alt. Etwas näher am Geschehen sind Leys Facebook-Einträge. Ob die im Vorfeld antrainierte „Übermensch-Methode“ (nämlich pro Rekordversuchtag nur zwei Stunden zu schlafen und ansonsten durchzupaddeln), dem Sportsmann wirklich Zeit freischaffen wird, noch Tagebuch zu führen, werden wir jedenfalls mit nicht geringem Interesse verfolgen. Auch ein Kitetracker auf Leys Website, mit dem seine Position (“rheinchallenge”) zu verfolgen sein soll, liefert derzeit keine Daten.

Preisverfall

immobilien-wahnsinn

Diesen 500000 Euro teuren Rheinblick (oben) hatte der Kölner Express heute für 70 Cent im Angebot. Bei rheinsein gibt es ihn sogar (nebst vielen weiteren Rheinblicken mehr!) vollkommen gratis!

Rheinische Kloppe

Naturkosmetik auf Scharlachwangen, Straßen-
heilige aus entzündlichen Schönheitssalons für
Hunde und Katzen. Eine alevitische Kneipe mit
Tarnnamen und Türstehern aus lizenziertem
Sonnenbankfleisch. Isch bin ene kölsche Jung
Die Koordinaten kommen per SMS. Am Fabrik-
zaun im Auwäldchen, ne halbe Stunde nach
dem Spiel. Höchstens fünfzehn von uns gegen
mindestens zwanzig von denen. Da machste
nix, mal steckt einer im Knast, der andre hat
plötzlich Familie, und manchmal steht es auch
umgekehrt. Das ist wie Sport, nur freier. Deine
Regeln, die du sonst so kennst, die nützen dir
dabei wenig. Du weißt Gott über dir, dann los
mit den Hörnern des Geißbocks. Einfach nur
schnell und zäh. Wer den ersten Niederschlag
überlebt, der ist für immer getauft. Draußen
im lauen Frühlingswind schnattern ein paar
von den Ischen, nippen an glitzernden Drinks
Straffen ihre Tops, ziehen den Lippenstift nach
Hollywood liegt um die Ecke. Hinterm Bezirks-
amt links. Dat Mäus wohnt da mit dem Ali, die
feiern am Wochenende öfter im Krankenhaus

Die Brücke von Remagen

„March 1945 – The Obercassel Bridge. In the final months of World War II, the armies of the Third Reich are in full retreat across the great moat that guards the heart of Germany – the river Rhine.“ Mit dieser kurzen poetischen Einführung beginnt der Hollywood-Film „The Bridge at Remagen“, gedreht in den übernatürlichen Farben der 60er, und mit ein paar großzügigen Schwenks auf das weltkulturerbeträchtige Mittelrheinpanorama: zu Elmer Bernsteins bolero-inspirierten Orchesterklängen dringen amerikanische Panzereinheiten wie am Schnürchen durchs schmale Tal, schleppen sich deutsche Flüchtlinge desorganisiert und mit letzter Kraft Richtung einzig verbliebener Planke über den Fluß. So schön ist diese Kulisse, daß sie ohne es zu wollen auf die Schauspieler abstrahlt, selbst noch wenn all das mittelalterliche Fachwerk („Bis Abend seid ihr in Meckenheim!“) von Panzergeschützen getroffen in sich zusammenfällt, ganze Straßenzüge in Staub aufgehen und der Film im Folgenden vornehmlich vom Kampfgeballer um die Ludendorff-Brücke geprägt wird. Was haben wir da nur für einen Landstrich!, bin ich geneigt auszurufen (Luftaufnahmen in Technicolor!), doch in diesem Fall ist weder der Rhein, noch die ihn ehmals überspannende Brücke kongruent mit sich selbst – denn gedreht wurden die Szenen in Davle an der Moldau in der ehemaligen CSSR. Die echte Brücke fiel 1945, wenige Tage nach ihrer legendären Eroberung, vor Überlastung zusammen und wurde nicht wieder neu errichtet. Ihre Türme ragen allerdings bis heute links und rechts des Rheins aus dem Erdreich und wirken, je nach Wetterlage, recht martialisch: wie abgetrennte und verbrannte Beinstümpfe kam mir in den Sinn, als ich sie vor Jahren mit einem Ausflugsschiff passierte, dunkel jedenfalls, abschreckend und aufs Übelste schicksalbehaftet, als sei ein Gestein/Gebein aus dem Reich der Fabeln und Märchen versehentlich in die Realwelt gerutscht. Es zuckte im Fluß, als hätte sich auf dem Grund ein riesiger grauer Fisch geräkelt, das Urtier, das im Laufe der rheinischen Besiedlung schon soviele Soldatenleichen geaast und nurmehr aufs Touristenerschrecken spezialisiert subtile Vibrationen sendet, sobald an der Oberfläche klischeeisierte Gedanken flottieren. Ich machte rasch ein Foto. Und dachte an den schattenbärtigen Angel (gespielt von Ben Gazzara), der im Film gern gegnerische Leichen fleddert und im Laufe der Brückeneroberung in den Fluß fällt, aus dem er am Ende seltsam verwundet als allamerikanischer Glückspilz wieder auftaucht, das Strahlen des Rheingolds im Gesicht.