Bergfinkeninvasion am Hochrhein

bergfink bei lörrachSüdwestdeutsche Medien berichten von Millionen skandinavischer Bergfinken, die derzeit in Hasel bei Lörrach die Bucheckernbestände plündern.

bergfinken bei lörrachMorgens und abends zeichnen die Schwärme bewegliche Pointilismen an den Himmel überm Schwarzwald.

bergfinken bei lörrach_2Im kahlen Wintergesträuch wirken die Vögel wie verdorrte, aber ziepende Früchte und Blätter. (Die Bilder sind bearbeitete Stills aus einem Kurzbeitrag des SWR.)

Leuchttürme des Rheins: die HEROLDe zu Rheinfelden

Die Törichten bezichtigen den Hochrhein als nicht schiffbar.

Doch höret des HERRN Wort: „Verdammnis und Verderbnis aller Körpersäfte, sintemalen der Fortpflanzungssubstanz, den KLEINGLÄUBIGEN…!“, ja so spricht der HERR und hat Recht – dem munteren Fahrensmann ist auf dem Hochrhein soviel Wasser unter dem Kiel wie dem Kleingeist kurz vor Rotterdam – Rheinfelden, das für Banausen, Ignoranten, Idioten, Kleingeister, Schwachköpfe und Querulanten das Ende der „Schiffbarkeit“ markiert, hin oder her – wer das Pergament und die heiligen Tätowierungen seines Kapitänspatentes auch nur für drei Groschen würdig ist, befährt ohne Schuld und Angst den Hochrhein, der Loter lotet so oder so die Wassertiefe und wer es wert ist, ein Steuerruder in seinen verschwielten Händen zu führen, der segelt dortselbst wie in der Gnadenmutter Schoß – so sicher und unangefochten wie zwischen Bingen und St. Täublein – der Rest mag sich mit Wanderungen zu Lande aufhalten –

Diffiziler als Wasserstand und Flachwassernavigation ist allerdings die Schwierigkeit der Wirklichkeit.

Die Klugen wissen es: unzählig ist die Zahl der Welten, die sich parallel zueinander schmiegen – und manchmal verwechselt es, gerade im Zuge der Bewegung, den Strang, auf dem man sich beweget, lebet – gefährliche, ja höchst verderbliche Wechsel mögen vorkommen, Verhängnis, ja Verdammnis liegt im Wesen dieses Phänomens –

Justament vor Rheinfelden gabelt sich die Wirklichkeit – ostwärts wie westwärts – und mehrere parallele Welten schmiegen sich an den noch jugendlichen Rhein …

Zu warnen den Fahrensmann und die Fahrensfrau, so wurden errichtet die stolzen Leuchttürme „HEROLD OST“ im Westen und „HEROLD WEST“ im Osten, jeweils exakt fünf dreiviertel archimedäische Meilen vom Stromkilometer Sechsundsechzig, angezeigt durch einen Monolithen aus kaschubischem Obsidian auf dem Pier des Flachwasserhafens von Rheinfelden.

Nur wer die Lichtzeichen rechtzeitig achtet, bleibt auf dem ihm angestammten Pfad durch Realität und Existenz, den schaurigen Rest holen die Flußnymphen – so ist es eingerichtet seit der Zeit vor der Zeit von unserem HERRN und der Gnadenmutter höchstselbst –

(Ein Gastbeitrag und achter Teil der Exklusivserie “Leuchttürme des Rheins” von Bdolf. rheinsein dankt!)

Der Rhein im und aus dem Weltall

Seit Ende Mai und noch bis Mitte November ist Alexander Gerst “unser” Mann im All auf der internationalen Raumstation ISS. Seine Astronauten-Ausbildung absolvierte Gerst in Köln beim Europäischen Astronautenzentrum (EAC). Auf seiner Mission fotografiert er immer wieder aus rund 420 Kilometern Höhe die Erde mit ihren Landschaften und Wetterfänomenen sowie Szenen aus dem Alltagsleben auf der Raumstation und stellt die Bilder mit knappen Kommentaren auf Facebook, wo sie sich einer riesigen Fangemeinde erfreuen. Auch rheinsein ist begeistert von Gersts täglichen Facebook-Einträgen und den durchweg großartigen Aufnahmen. Gersts Kommentare zeugen vom Glück gleichwie von Demut und Bescheidenheit anbetrachts seiner privilegierten Blickwinkel auf unseren Planeten. Vor einigen Tagen gestand die Mission dem Astronauten zu, eine halbe Stunde lang Fragen der Erdlinge zu seiner Mission auf Facebook zu beantworten. Unseren Lesern möchten wir Gersts Facebook-Präsenz wärmstens empfehlen. Besonders gefreut haben wir uns natürlich über Gersts Fotoeinträge zu Köln und zum Rhein und möchten sie an dieser Stelle gerne teilen:

alexander gerst_alpen mit rhein bodensee_klRheinursprünge in den Alpen, Bodensee, Hochrhein, Oberrheintal

alexander gerst_tatort im weltall_klKöln im Weltall: Tatortfolge mit Wurstbraterei, Groß St. Martin, Rhein und Dom auf der ISS; ESA-Maus aus Die Sendung mit der Maus als Maskottchen

Köln aus dem Weltall: Alexander Gersts flickr-Präsenz bietet fantastische Aufnahmen von der ISS. Durchklicken! (Am besten via voranstehendem Link zu flickr!)

“Es gibt keine Worte dafür, wie es sich anfühlt durch eine Aurora hindurch zu fliegen. / Words can’t describe how it feels flying through an aurora. I wouldn’t even know where to begin…” kommentierte Gerst jüngst zwei seiner Fotos, die von der Erdatmosfäre in den Weltraum abstrahlende Polarlichter zeigen. In den vergangenen Jahrzehnten rangen die vorwiegend naturwissenschaftlich ausgebildeten Astronauten immer wieder staunend um Worte, die Fänomene des Alls adäquat zu beschreiben und so dürfte die Zeit für den/die erste/n WeltraumdichterIn näherrücken.

Alexander Gerst stellt seine Bilder im Übrigen unter der Creative Commons-Lizenz zur freien unkommerziellen Verbreitung ins Netz. Das Copyright der Fotos bleibt bei ihm.

rheinsein wünscht Alexander Gerst weiterhin eine inspirierende Zeit in der Erdumlaufbahn und eine sichere Heimkehr!

Presserückschau (Juli 2014)

Die Rheinmeldungen des Juli-Sommerlochs handeln von Rückständen und Schwimmern im Fluß, sowie saisontypisch von Tieren, darunter einem selten gesehenen Besucher:

1
Den Rhein auf kleinste Plastikpartikeln untersucht der Basler Student Thomas Mani: “”Es gibt Hochrechnungen, laut denen täglich mehr als vier Tonnen kleinste Plastikteile via Donau ins Schwarze Meer gelangen. Mit meiner Masterarbeit will ich prüfen, ob es dieses Problem auch im Rhein gibt.” In einer 15-tägigen (…) Reise mit einem Kleinbus wird er an zehn Stellen zwischen Basel und Rotterdam rund 4,5 Millionen Liter Rheinwasser filtern und die darin enthaltenen Schwebestoffe zurück ins Labor bringen. Dort werden die winzigen Plastikteile Stück für Stück unter dem Binokular untersucht, fotografiert und gewogen. Danach wird ein externes Forschungsinstitut mittels Infrarot-Spektroskopie ermitteln, von welchen Produkten der Mikroplastik möglicherweise stammt.” (20 minuten)

2
Noch ein Probenentnehmer kündigt sich in der Presse an: der Chemiker Andreas Fath möchte den Rhein ab Ende Juli der Länge nach durchschwimmen. “So will man erforschen, wie sauber der Rhein wirklich ist und was darin so alles schwimmt. Unter anderem erwarten die Wissenschaftler zu finden: Spuren von der Droge Crystal Meth, Psychopharmaka, Pestizide sowie einen Wirkstoff aus der Anti-Baby-Pille. Ein Fokus liege auf Mikroplastik, erläutert Fath, also mikroskopisch kleinen Plastikteilchen, etwa von PET-Flaschen. Die Ergebnisse könnten laut dem Chemiker dabei helfen, Verfahren zu entwickeln, bestimmte Stoffe aus dem Abwasser zu filtern. Der Wissenschaftler sieht es auch als sportliche Herausforderung: Vor ihm hat nur der Bonner Klaus Pechstein den Rhein bezwungen, in 30 Tagen, 1969 war das.” (Morgenweb)

3
Dieweil Andreas Fath (siehe 2) mit der Ankündigung seiner Rheindurchschwimmung die deutsche Presselandschaft des Sommerlochs im Sturm erobert, ist Ernst Bromeis bereits mit seiner “Expedition 2014″ im Rhein unterwegs. Im Mai 2012 hatte Bromeis einen ersten Versuch gestartet, den gesamten Rhein zu durchschwimmen – kurz hinter Basel gab er damals auf. Im Vorfeld hatte die Presse seinerzeit ausführlich berichtet. Dieses Mal hält sich deutsche Presse im Vorfeld und auch während der laufenden Aktion (mit Ausnahme eines längeren, lesenswerten Artikels in der FAZ) vornehm zurück, während die Schweizer Presse auch Bromeis’ zweite Expedition begleitet: “Zu Beginn der dritten Expeditionswoche erlebte das Team um Ernst Bromeis (…) eine unangenehme Überraschung: Am Stauwehr des Kraftwerks Laufenburg (Aargau) wurde ihnen mitgeteilt, dass bis auf weiteres keine Boote passieren können, weil der Hochrhein für den Schiffsverkehr teilweise gesperrt sei. Grund dafür sind die ergiebigen Niederschläge der letzten Tage und Wochen vor allem im Einzugsgebiet der Aare, die weiter oben in den Rhein mündet. «Ohne Begleitboot kann ich im Moment nicht weiterschwimmen,» fasst Bromeis die Situation zusammen. Er war mit seiner «Expedition 2014» am 7. Juli an der Rheinquelle im Lago di Dentro gestartet, um zur Rheinmündung in Holland zu schwimmen. Die ersten sieben Tage hatten ihm die sehr tiefen Wassertemperaturen zu schaffen gemacht.” (Südostschweiz)

4
Von “Teufelszeug auf dem Vormarsch” berichtet die Frankfurter Rundschau und meint das oben (siehe 2) angesprochene Crystal Meth. Ein verwandter Artikel derselben Ausgabe schildert womöglich erste Auswirkungen der Droge: “Äußerst aggressiv sollen zwei Männer in Bingen reagiert haben, als sie von Wachleuten beim Nacktbaden im Rhein gestört wurden. Die Sicherheitsleute hatten sie am Freitagabend auf dem Gelände der Landesgartenschau erwischt und zum Verlassen des Parks aufgefordert (…). Daraufhin hätten die unbekleideten Schwimmer die Wachleute wüst beschimpft und mit der Faust zugeschlagen.”

5
Am Oberrhein, wo sie entlang des Rheins am häufigsten vorkommen, heißen die Stechmücken Schnaken (Dialekt: Schnooke bzw in diversen Schreibweisen). Ihre Brutgebiete liegen in den dümpelnden Altrheinarmen. Seit 1976 werden sie Jahr für Jahr vom Menschen bekämpft, die Kriegstaktik ging dabei von anfänglich massiven Einsätzen der chemischen Keule zu biologischen Kampfstoffen über: “Monsunartige Regenfälle in Kombination mit tropischen Temperaturen: Das ist eine Wettermischung, die den Stechmückenbekämpfern am Rhein gar nicht gefällt. Vor wenigen Tagen erst sind die Hubschraubereinsätze zu Ende gegangen, bei denen der für Schnakenlarven tödliche Eiweißstoff Bacillus thuringiensis israelensis (BTI) aus der Luft über einer Fläche von rund 6000 Quadratkilometern abgeworfen wurde. Da rollt schon die nächste Hochwasserwelle den Fluss hinab. So dass in den Brutgewässern links und rechts des Stroms, in denen die dort abgelegten Eier durchaus bis zu zehn Jahre auf den für sie „richtigen Moment“ warten können, abermals neue Plagegeister heranwachsen” schreibt die FAZ. Die Kampfeinsätze finden vom Kaiserstuhl bis Bingen statt, neben Helikoptern sind ganze Hundertschaften Infanterie mit Sprühgeräten im Einsatz. Veterane der Anti-Schnaken-Bewegung erinnern sich noch an die Zeit vor 1976, als viele Rheinanwohner die Sommerabende im eigenen Garten nur in Neoprenanzügen überstehen konnten.

6
Zum ersten mal habe sich ein Seeadler im niederländisch-deutschen Grenzgebiet dauerhaft niedergelassen, schreibt derwesten: “Mit einer Flügelspannweite bis 2,40 Meter gleitet der Seeadler fast geräuschlos am Himmel, elegant und immer aufmerksam auf der Suche nach Nahrung. Der Seeadler gehört zu den größten Raubvögeln in Mitteleuropa und in diesem Jahr ist er zum ersten Mal auch ein Sommergast in der deutsch-niederländischen Grenzregion. Ornithologe Bert Beekers beobachtet den Vogel seit ein paar Monaten am Kaliwaal bei Kekerdom in der Millinger Waard, im Ooijpolder, entlang der Altrheinarme in Lobith und in der deutschen Düffel.”

Fliegende Fische

fliegende-fische_schleuse fliegende-fische_schleuse_2 fliegende-fische_schleuse_3“Fliegende Fische müssen ins Meer” ist der Name einer Schweizer Filmkomödie von Güzin Kar aus dem Jahr 2011, die unlängst in der ARD Mediathek vorrätig war und in der die vielgelobte Meret Becker (als alleinerziehende Schlampe Roberta Meininger) eine der beiden Hauptrollen spielt. Selten kommt es vor, daß wir einen Spielfilm, zumal wenn er am Rhein angesiedelt ist, entgeistert abschalten. In diesem Fall war es nach einer halben Stunde so weit. Nicht jeden Tag sind wir für Aneinanderreihungen gezuckerter Klischees empfänglich. Es scheint, soviel wagen wir nach der gesehenen halben Stunde zu behaupten, sich bei “Fliegende Fische” um die Sorte Film zu handeln, die mit hoher Sicherheit häufig in der ARD plus Partnersendern wiederholt werden und somit reichlich Gelegenheit geben, sie bei entsprechender Laune zu Ende zu schauen. Unsere bearbeiteten Screenshots zeigen Szenen, die an einer Staustufe spielen, welche Elisa Schlott (als 15jährige Filmtochter Nana Meiniger) als Schleusenwartin bedient. Der fiktive Handlungsort bleibt im Film ohne Namen. Klar ist aber, daß es sich um eine kleine touristische Ortschaft am Hochrhein handelt.

Presserückschau (Oktober 2013)

Ob am Rhein praktisch nichts mehr passiert, ob wir aufgrund andauernder Rheinferne ein wenig den Blick für doch vorhandene Geschehnisse verloren haben, ob die Oktobersonne das Sommerloch erneut aufgerissen hat oder unsere ausgeklügelten Suchalgorithmen sich nur noch auf Irrelevantes stürzen: der Oktober wartet mit gerade einmal vier archivierenswerten Meldungen auf, von denen die erste und die letzte vor allem deswegen aufgenommen wurden, weil sie eine tausendjährige Tradition mit einer weiteren Tausendjahresgarantie verknüpfen. Daß die anderen beiden von wenig mehr handeln, als daß Steine in den Rhein geschüttet werden, veranlaßt uns darüber nachzudenken, ob künftig an dieser Stelle auch – notfalls selbstproduzierte – Meldungen über Uferbesucher plaziert werden sollten, die Steine übers Wasser hüpfen lassen:

1
Aus einer Ankündigung für die Sendung Rhein kulinarisch des SR Fersehens: „Hier “huldigt” man “Weck, Worscht und Woi”, denn kulinarisch lieben es die Mainzer durchaus deftig. Auf dem Wochenmarkt präsentieren die Bauern der Region ihr reichhaltiges Angebot. Und was ein echter “Meenzer” ist, der lässt sich beim Bummel die heiße Fleischwurst nicht entgehen.“

2
Die Axpo schüttet für Millionen Franken Kies in den Hochrhein zwischen Koblenz und Rheinau, meldet der Landbote. Als Besitzerin des Wasserkraftwerks Eglisau-Glattfelden sei sie dazu verpflichtet, um den Geschiebebetrieb des Rheins aufrechtzuerhalten: “Ein solcher Betrieb meint, dass ein Fluss Steine an einem Ort ab- und an einem anderen Ort wieder antransportiert. Da ein Kraftwerk nicht nur Wasser, sondern auch Geschiebe staut, ist der natürliche Geschiebehaushalt gestört.”

3
Auch bei Spijk wurde der Rhein mit rund 425.000 Tonnen Basalt und Kalkstein aus Steinbrüchen in Belgien und Deutschland aufgefüllt. In der Grenzregion hatten sich bis zu fünf Meter tiefe Kolke in der Rheinsohle gebildet. Wo es am Hochrhein um bessere Laichmöglichkeiten, somit um den Erhalt mehr oder minder gefährdeter Fischarten (siehe Meldung 2) geht, geht es am Niederrhein um die Aufrechterhaltung der Schifffahrt: “Ungefähr 200 Schiffsladungen (…) wurden unter Wasser eingebaut. Schiffe mit geteiltem Laderaum und Ortungsgeräten – sogenannte Klappschuten – brachten das Gestein ins Wasser. Mittels Satellitennavigation wurde es exakt und passgenau auf dem Grund des Rheins verteilt. (…) Erstmals kam das Schiff “Catharina 6″ einer niederländischen Firma erfolgreich zum Einsatz. Der rund 20 Meter lange Schlepper mit Heimathafen Rotterdam ist mit einer Art Unterwasser-Egge ausgerüstet”, weiß 02elf.net zu berichten.

4
Und noch eine kulinarische Nachricht aus dem Rheingau: “Wenn die letzten Trauben vom Stock geschnitten sind und es in den Kellern brodelt, dann sind die Rüdesheimer wieder unter sich. „Jetzt wird’s gemütlich“, sagen sie (…). Den Federweißen feiern die Rüdesheimer nun schon seit über 25 Jahren. Mit Budenzauber der Rheingauer Art und vielen (oft ganz spontanen) Darbietungen, mit Zwibbelkuche und Schmalzebrote und mit ganz viel persönlichem Einsatz. Auch die Herbst-Muck ist unterwegs mit Rebenkranz und Tonscherbe. (…)” – so steht es auf rheingau.net zu lesen.

Weil das keineswegs alles gewesen sein kann, holen wir den Läusekamm und suchen die Nachrichten nochmals genaustens ab. Und siehe da, es läßt sich doch noch ein verstecktes Ei hervorzaubern: ”Auf der Rhein-Ministerkonferenz (…) haben sich die Rhein-Anrainerstaaten darauf verständigt, dass der Lachs in Zukunft leichter aus dem Atlantik den Rhein bis nach Basel hochwandern kann. Konkret geht es darum, dass die Stauwehre durch Fischtreppen durchlässiger für den Lachs werden sollen. (…) Die Rhein-Ministerkonferenz mit Deutschland, der Schweiz, Österreich, Liechtenstein, Frankreich und dem belgischen Wallonien hatte zuletzt vor sechs Jahren getagt. Jetzt beschlossen die Umweltminister außerdem, die Wasserqualität des Rheins zu verbessern. Dazu sollen Rückstände von Medikamenten, Insektiziden und Hormonen bekämpft werden.” (SWR, Landesschau aktuell)

Rheinfelden AG

schweizerdeutsch: Rhyfälde, ist eine Kleinstadt und Einwohnergemeinde in der Schweiz sowie Hauptort des gleichnamigen Bezirks. Sie liegt am Hochrhein an der Grenze zu Deutschland im Westen der Region Fricktal, am östlichen Rand des Ballungsraum der Stadt Basel. (Wikipedia)

„Er ging durch ein kleines Tor in der Ringmauer, er kam in eine andere Welt. Eine schattige Gasse, die sich nach dreißig Metern teilte. Haus an Haus, zwei- oder dreistöckig, organisch gewachsen wie ein Wald, Oleander und Schaukelpferde vor der Tür, Rosmarin und Thymian an den Simsen, Doppelnamen neben den Klingeln. Natale-Meier, Tomscyk-Casali, Hunziker-Kupferschmid.
Er ging kreuz und quer den Gassen nach, ließ sich führen durchs Fuchsloch, Jagdgasse, Propstgasse. Er stieg die abfallende Tempelgasse hinunter zum Rhein und kam zum Schweizer Zoll. Durchfahrt für Autos von 8 bis 17 Uhr, für Radfahrer frei rund um die Uhr. Dahinter die Brücke, leicht ansteigend zu einer Insel, die schroff aus dem Fluß ragte, ein Eiland aus Kalk. Burgstell hieß es, wie auf einer Tafel zu lesen war. Hier hatte Rudolf von Rheinfelden im 11. Jahrhundert seine Burg gehabt. Es war nichts mehr zu sehen von Mauerresten, nur Buchen, Eichen, Kastanien.
Er überquerte die Insel und sah unten eine Landzunge liegen. Erlen und Weiden, links eine Sandbank, rechts der aufreißende Fluß. Inseli hieß dieses Stück Land, auch das stand auf der Tafel. Ein Paradies für Badende wohl. Er beschloß, in den nächsten Tagen hier schwimmen zu gehen.
Er kehrte um zur Brücke, die nach rechts abknickte zum deutschen Ufer hin. In der Mitte blieb er stehen und schaute zurück auf das Städtchen, das durch den Nebel schimmerte.
Zurück in der Marktgasse glaubte er, in einem südlichen Land in den Ferien zu sein. Die Geschäfte hatten geöffnet, Laden an Laden, Metzgerei, Schuhladen, Blumengeschäft, Hotel Schiff, Wirtschaft zur doppelten Sichel, zum Meerhafen. Diese Poesie gefiel ihm, er beschloß einzukehren. Er holte drinnen zwei Zeitungen, bestellte einen Espresso und setzte sich an ein Tischchen auf der Gasse.
(…)
Hunkeler schaute die Gasse hinunter, die sich parallel zum Rhein hinzog. Er sah die Wirte, die ihre Tische für die Gäste bereit machten. Die Händler, die ihre Waren auslegten. Schräg gegenüber stand ein mächtiges, rötlich gestrichenes Haus. Es war die Brasserie zum Salmen, wie auf der Frontseite zu lesen war. Bis 1884 Braustätte vom Rheinfelder Urbräu, vormals Dietschys Bierhaus, begründet von Franz Dietschy 1799.
Was für ein vernünftiger Mann, dieser Dietschy, dachte er. Der hatte im Kiesbett des Rheins nach altem, gutem Wasser gesucht, heraufgepumpt und daraus Bier gebraut, ein Labsal für jung und alt. Er hatte damit so viel Geld verdient, daß er mitten in Rheinfelden dieses große Haus bauen und seinen Namen draufschreiben konnte.”

Die oben ausgelassene Passage mit den beiden Zeitungen deutet Kommissär Hunkelers aktuellen Fall an, einen Mord im Schwulenmilieu, begangen im Solebad des (fiktiven) Hotels Marina im beschaulichen Rheinfelden. Wie stets in den Hunkeler-Krimis fällt der Fall zunächst hinter mehr oder minder vertrackte psychologische Gebilde. So treten im aargauischen Rheinfelden und um das aargauische Rheinfelden herum Polizeibefugnisse, Rückenschmerzen, der Hotzenwälder Dialekt oder obskure Schweizer Lakota samt Almbisons, falls nötig stampedeartig, in den Vordergrund. “Das sind schlichtweg die besten deutschsprachigen Kriminalromane, die derzeit geschrieben werden”, urteilte Björn Kuhligk über die Hunkeler-Reihe einst im Berliner Tip. Ohne die deutschsprachige Krimiszene zu überschauen, schließen wir uns dem Urteil gerne an: es sind sehr lesenswerte und unbedingt rheinische Bücher zudem:

Hansjörg Schneider, Hunkeler und die goldene Hand, Ammann Verlag, Zürich 2008

Der Rhein ist tatsächlich ein Fluß, der vom Himmel fällt

wilder-rhein_rheindelta

Ein Ausschnitt des niederländischen Rheindeltas, vom Himmel aus gesehen. Per Zoom aufs reichlich vorhandene Grün läßt sich womöglich ein Kampfläufer zwischen den Halmen entdecken.

Auf Arte lief gestern die Schlußfolge der zweiteiligen Dokumentation Wilder Rhein (Regie: Jan Haft, 2013), der sich hauptsächlich der Tierwelt entlang des Stroms widmet und den Rhein vom Meer her aufzäumt: beginnend im verzweigten niederländischen Mündungsgebiet arbeitet sich der Film in gemessenen Sprüngen zum Tomasee hinauf. Die Tieraufnahmen sind beachtenswert gelungen und auf den Punkt ästhetisiert: die Kamera scheint im Unterwassergeschehen mitzuleben, lugt in Gebüsche, verläßt den Boden und analysiert das Flugverhalten diverser Luftbewohner. Die sparsamen Kommentare erreichen hin und wieder poetisches Niveau. Eher eine Seltenheit, daß in (deutschen) Rheindokus den niederländischen Flußparts zureichend Aufmerksamkeit zuteil wird: Wilder Rhein hält sich eine geschlagene Viertelstunde mit den Niederlanden auf, berichtet von “Gewinnern und Verlierern des Klimawandels” (Zugvögel, die erstmals oder nicht mehr an der Nordsee erscheinen), von Fischen, die mit der Flut in die Rheinläufe schwemmen und sowohl mit Salz- wie auch mit Süßwasser klarkommen, sowie von den rheinwasserschöpfenden Poldermühlen von Kinderdijk. Natürlich geht eine Rheindoku nicht ohne Schwenk auf den Kölner Dom, für die Kölner Tierwelt kommen überraschenderweise die winzigen Feenkrebse zum Zuge, wie sie in Pfützen der Wahner Heide anzutreffen sind. Weinhähnchen, Puppenräuber, Pappelglucke: welche Tiere diese sprechenden Namen tragen, hätten wir nicht auf Anhieb zu bestimmen vermocht. Im Taubergießen beobachten wir einen Hecht beim Beute machen, am Hochrhein ertönt das eigenartige Geräusch saugwilliger Biberbabies, der Kommentator gibt zu, daß er nicht weiß “ob Gänse beim Flügelschlagen auf das Wasser so etwas wie Glück empfinden” und beschließt die beiden Folgen angesichts des verschneiten Tomasees (der ebenfalls eine Art Delta aus ihm zulaufenden Gebirgsbächen besitzt), indem er ein auf rheinsein einst deutlich geäußertes Credo variiert: “Der Rhein ist tatsächlich ein Fluß, der vom Himmel fällt.”
(Die Dokumentation ist derzeit in der Videothek von Arte online abrufbar.)

Presserückschau (Juni 2013)

Den süddeutschen Hochwassern galten auch die rheinischen Schlagzeilen zu Monatsanfang. Hoch- und Oberrhein waren von den Fluten allerdings deutlich schwächer betroffen als Überschwemmungsgebiete in Bayern, Thüringen und Sachsen: die Wasserstände der großen Flut von 1978 wurden nicht erreicht, die befürchtete Interimsozeanik blieb somit am Rhein weitgehend aus – allerdings mußte die Feuerwehr zwei Goldsucher vor dem steigenden Wasser von einer Altrheininsel bei Bad Bellingen evakuieren. Weitere interessante Meldungen des Junis:

1
Das „Entwicklungskonzept Alpenrhein“ setzt auf Renaturierung und sieht Rheinverbeiterungen im Heidiland vor, wie die Südostschweiz meldet: „In ein schnurgerades, 110 Meter breites Flussbett getrimmt, fliesst der Rhein bei Maienfeld und Bad Ragaz vorbei. Ein Projekt (…) will dies ändern und den Fluss an besagter Stelle auf einer Länge von drei Kilometern auf 260 Meter verbreitern. Vorausgesetzt das Projekt wird (…) gutgeheissen, könnte im Winter 2016 mit dem Bau begonnen werden.“

2
Mit Hilfe von Flachwassersonaren wollen Archäologen 2000 Jahre alte römische Hafenanlagen in Bonn und Königswinter nachweisen. Die Deutsche Welle informiert: „Die Idee, dass es in Bonn und Königswinter römische Häfen gab, kam bereits in den 1970er Jahren auf. Damals entdeckte ein Archäologe eine sichelförmige Struktur im Wasser bei Königswinter und deutete das als Hafenkaimauer. Kurz danach flog ein Luftbildarchäologe die Region ab und sah das Gleiche in Bonn: eine sichelförmige Kaianlage direkt vor dem früheren römischen Legionslager, das in der Nähe der Bonner Nordbrücke stand.“

3
Die „Vogel Gryff“, einer der drei Basler Gierfähren, ist zu Monatsbeginn bei einer Überfahrt mit elf Personen das Gierseil gerissen, berichtet die Neue Zürcher Zeitung. Bevor die somit ihres Lenkantriebs beraubte Fähre Richtung Nordsee abdriften konnte, konnte die Berufsfeuerwehr die Fähre mit einem Löschboot stoppen: „Möglicherweise war der Fährimann (…) zu schnell unterwegs und nicht so sanft, wie es eigentlich vorgeschrieben war.“

4
Um den Weltkulturerbe-Status geht es am Mittelrhein, denn der Icomos (International Council on Monuments and Sites) fordert den Abbau der Koblenzer Seilbahn wie auch der Sommerrodelbahn auf der Loreley, um den Status weiterhin anzuerkennen: “Die Rhein-Zeitung in Koblenz hat ihre Facebook-Fans und Twitter-Follower dazu aufgerufen, sich einen „Seilbahn-Stempel“ ins Profilbild zu bauen, und hat eine offizielle Petition zum Erhalt der Bahn beim Bürgerbeauftragten des Landes Rheinland-Pfalz beantragt. „Die Seilbahn hat sich als kluger und dezenter Bestandteil des Oberen Mittelrheintals etabliert, um einen umfassenden und beeindruckenden Blick für jedermann auf die Natur zu ermöglichen, ohne auch nur einen Fußtritt eines Touristen als beeinträchtigend zu bewirken“, heißt es in der Begründung. „Ein umfassender Ausblick auf dieses Weltkulturerbe wird ohne Beeinträchtigungen der Landschaft überhaupt erst durch die Seilbahn ermöglicht”, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger.

5
Der Ortsfeuerwehr Nofels gelang die Rettung eines Rinds, das aus ungeklärten Gründen von seiner Herde im Bodensee-Rheindelta abgekommen und in den Fluß geraten war, wie der ORF berichtet: “Auf der Schweizer Seite des Rheins wurde es zuerst entdeckt. Ein Rind, treibend auf dem Rhein. Die Meldung ging an die Österreichischen Behörden, worauf sich die Feuerwehr Nofels auf die Suche nach dem vermissten Tier machte. Das Rind wurde dann auf Höhe der Rheinbrücke in Bangs am österreichischen Ufer gefunden werden. Es hatte sich nach etwa einem Kilometer aus eigener Kraft zwar im Wasser, aber mit festen Boden unter den Füßen halten können. 13 Männer der Ortsfeuerwehr Nofels konnten das Tier schließlich sichern und nach etwa einer Stunde mithilfe eines Krans bergen.”

6
DerWesten berichtet über eine für Juli geplante Wagner-Inszenierung auf dem Rhein” “Eigentlich ist die „Orania“ ein ganz normales Binnenschiff, mit dem Schiffsführer Cor Klein auf dem Rhein unterwegs ist. Woche für Woche pendelt er zwischen Rotterdam und Duisburg, transportiert Getreide, Lebensmittel und Sand. Mit einer Oper hatte er zuvor noch nie etwas am Hut. Für die Produktion „Rheingold op Rijn“ wird im Bauch des Schiffes eine 35 Meter lange und 14 Meter breite Bühne aufgebaut. Unter Deck soll Platz für 90 Musiker, 14 Sängerinnen und Sänger aus der niederländischen Opern-Szene, einer 30-köpfigen Mannschaft und bis zu 500 Zuhörern und Zuschauern sein.”

7
“Ein Polizeifahrzeug hat sich (…) in Bad Säckingen selbstständig gemacht und ist unauffindbar im Rhein versunken. Die Beamten waren ausgestiegen, um am Rheinuferweg Passanten zu kontrollieren.” Trotz Suche mit Booten und Hubschrauber, schreibt die Badische Zeitung, blieb der zuvor abschüssig geparkte Wagen, der seinen hinterhetzenden Insassen führerlos in den Rhein enteilt sei, verschwunden.

8
Nach einem Großbrand wird aus Ludwigshafen, kurz nach der Kölner Maggikalypse, die nächste Menschheitsdämmerung gemeldet, und sogar in der Hauptstadt wahrgenommen, und zwar vom Berliner Kurier: “”Die Rauchsäule ist über 100 Meter hoch, Augenzeugen berichten: „Es sieht aus wie beim Weltuntergang!“.”

Presserückschau (Mai 2013)

Erneut nimmt die Konfrontation von Mensch und Tier (aber auch von Mensch und Mensch) einen beträchtlichen Teil der Schwerpunkte in der Presseberichterstattung entlang der Rheinschiene ein. Hier in kurzen Zusammenfassungen die wichtigsten Meldungen des diesjährigen Wonnemonats:

1
Zu einem kalkulierten Skandal geriet die Tannhäuser-Premiere im Wagner-Jahr in Düsseldorf. Die WZ schreibt vom Aufstand des Opernpublikums: “„Geh in Therapie!“, „Aufhören!“ „Das ist keine Kunst!“ und immer wieder „Sch…!“ – lautstark haben Zuschauer in der Rheinoper ihrem Ärger und Entsetzen Luft gemacht. Provoziert von einem Bühnenbild, das Kammern zeigt, in denen nackte Frauen und Männer mit Nebel scheinbar vergast werden, einem Tannhäuser, der mit Nazibinde am Arm seine Familie exekutiert. Für einige gab es schon in der ersten halben Stunde kein Halten mehr. Türenknallend verließen sie die Oper. Der überwiegende Teil blieb. Nicht zuletzt, um Regisseur Burkhard C. Kosminski beim Schlussapplaus auf der Bühne niederzubuhen. Einige pöbelten ihn bei der anschließenden Premierenfeier rüde an.” Das Thema hielt sich schließlich den gesamten Monat in der Presse, nachdem die theatrale Aufführung von Intendant Christoph Meyer zugunsten einer rein konzertanten abgesetzt wurde, um das Gesundheitsrisiko des Publikums zu mindern, nachdem zahlreiche Premierenbesucher ärztliche Hilfe benötigt hätten.

2
Warum es am Rhein so schön ist, ist eine häufig beantwortete Frage. Die Frankfurter Rundschau reiht sich mit einem Bericht über die Ausstellung “Еrhabene Natur, vaterländischer Strom, romantischer Rhein” im Flörsheimer Heimatmuseum in den Reigen ein: “Sanft geschwungene Hügel, in Abendrot getauchte Burgen und Fischer, die sich vergnügt am Ufer unterhalten – in den Bildern des in Flörsheim geborenen Malers Christian Georg Schütz dem Älteren zeigt sich eine Idealvorstellung der Rheinlandschaften, in dessen Mittelpunkt stets der mächtige Fluss steht. Zusammen mit seinem Neffen und Patenkind Christian Georg Schütz dem Jüngeren prägte er Mitte des 18. bis ins erste Viertel des 19. Jahrhunderts die Idee der Rheinromantik und war daran beteiligt, den Rhein vom schnöden Transportweg zum Reiseziel für gut Betuchte zu stilisieren.”

3
Auf dem Koblenzer Bahnhofsvorplatz vor dem McDonalds-Restaurant hat ein Mann am Pfingstsonntag eine Ratte gehäutet und verspeist, berichtet die Rhein-Zeitung: „Anschließend sei er mit der Haut auf seinem Gesicht auf dem Bahnhofsvorplatz umhergelaufen.“

4
Am Pfingstmontag spielte ein Reh mit der Basler Bevölkerung Katz und Maus. An verschiedenen Stellen der Stadt, darunter im Rhein, sei das Tier auf- und abgetaucht wie die Basler Zeitung berichtet: „Es wurde schliesslich unter dem Applaus von Passantinnen und Passanten von Mitarbeitenden der Polizei aus dem Rhein gefischt und später im Wald bei Bettingen wieder ausgewildert, wie das Justiz- und Sicherheitsdepartement Basel-Stadt mitteilte.“

5
Bei Hinterrhein hat ein Wolf zunächst ein Reh und einige Tage später ein Schaf gerissen. Mit Hilfe seines Fernrohrs schoß ein Wildhüter Handyfotos des Räubers über seiner Wildbeute, von denen eines auf der Webpräsenz der Südostschweiz publiziert wurde. Die seit Generationen von Schafzucht lebenden Bewohner Hinterrheins befürchten unterdessen, daß die Obrigkeit den Wolf schützt, sodaß er nach und nach ihre Herden auffressen werde.

6
“Drogen, Waffen, Geldverschiebung – der deutsch-schweizerische Grenzübergang auf der A5 in Weil am Rhein ist das Tor zur EU und die Reuse für Schmuggelgut jeder Art”, konstatiert auto motor und sport und informiert seine Leserschaft über Arbeitsmethoden der Grenzwächter: “Sieben oder acht Mal hat der Zollbetriebsinspektor schon die Geldzählmaschine vor sich gefüttert, doch sie gibt immer wieder mit vernehmlichem Piepsen Fehlermeldungen von sich. Schließlich nimmt der Apparat doch noch die Arbeit auf und quittiert artig den Durchlauf der beiden Bündel mit 500-Euro-Scheinen: 100.000 Euro, die ein Mann aus Belgien bei sich trug, als er aus der Schweiz nach Deutschland einreisen wollte.”

7
Der Sonntag aus Freiburg berichtet von einer vertrackten Situation: nach EU-Richtlinien sei vom Baden an Hoch- und Oberrhein abzuraten, weil es insbesondere bei empfindlicheren Personen zu Haut- und Schleimhautreizungen oder Magen-Darm-Beschwerden führen könne, dieweil die Schweizer Behörden das Baden an genau denselben Stellen der Entscheidung des Bürgers überlassen. Immerhin: „Der Rhein ist so sauber, daß sich sogar der Lachs wieder darin wohlfühlt.“

8
Die “Rheinwoche” gilt als “längste Fluss-Segelregatta Europas”, klärt die Rheinische Post auf. Sie führt in drei Tagesetappen von Hitdorf über Krefeld und Rees nach Emmerich. Die Teilnehmer segeln um das “Blaue Band vom Rhein” und dürfen sogar auf Sensationen entlang der Rennstrecke hoffen: “Bei gutem Wetter bereitet auch die Jugendfeuerwehr der Stadt Rees im Rahmen ihres Pfingstzeltlagers den Seglern einen unvergesslichen Empfang. Denn in Höhe des Pegelturmes wollen die jungen Feuerwehrleute die vorbeifahrenden Schiffe mit einer spektakulären Wasserwand begrüßen.”

Presserückschau (März 2013)

Der März war arm an rheinspezifischen Meldungen. Die aufregendste Nachricht, nämlich daß Google Maps den Rhein gegen die Ruhr vertauschte, haben wir an anderer Stelle bereits dokumentiert. Schließlich tauschte Google den neuen Ruhrverlauf so zügig wieder zurück gegen den des alten Rheins, daß vielen Zeitungen, die darüber berichteten, nicht einmal mehr der  Screenshot-Beweis gelang. Hier die restliche Auswahl unserer Pressedurchsicht:

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Von rheinischen Hauptbaumarten und Ahorn-Sechsern im Waldlotto kündet der Bonner General-Anzeiger: „(…) Das Holz aus den Wäldern zwischen Siebengebirge und Kottenforst hat bundesweit einen sehr guten Ruf. Die sogenannte Wertholzversteigerung Rheinland war in diesem Jahr geprägt durch eine gute Nachfrage und stabile Preise. 23 Bieter gaben Angebote für 508 Stämme von 19 verschiedenen Baumarten (insgesamt 713 Festmeter Holz) ab. (…) Die Eiche war die Hauptbaumart, die zur Versteigerung kam. (…) Dieses Mal gab es allerdings keinen Stamm, der sich preislich von der Masse absetzen konnte. Im Vorjahr hatte ein Ahorn bei der Versteigerung 7650 Euro erzielt.“

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Über die Wittelsbacher-Ausstellung in Speyer befindet der Deutschlandfunk: „Die berühmtesten Pfälzer der näheren Zeitgeschichte sind Fritz Walter und Helmut Kohl. Sie finden sich, allerdings nur als Pappmaschee, in einer Art Walhalla großer Söhne (und einiger Töchter) der Pfalz am Ende der Ausstellung. Dort sieht man auch Max Slevogt und Ernst Bloch, den BASF-Gründer Friedrich Engelhorn und Henry John Heinz, der als Kind pfälzischer Einwanderer in den USA die segensreiche Ketchupsoße erfand. Diese doch eher virtuelle Versammlung pfälzischer Persönlichkeiten macht auch schon das Grundproblem der Ausstellung deutlich: Es war unheimlich schwer, Exponate zu finden. Eigentlich soll die Zeit der Wittelsbacher bebildert werden, also jenes Jahrhundert zwischen 1816 und 1918, in dem die linksrheinische Pfalz von Bayern aus regiert wurde.“

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Warum der Rhein auf dem Landeswappen von Nordrhein-Westfalen seit Jahrzehnten in die falsche Richtung fließt erklärt die Rheinische Post: „Die Landesflagge von Nordrhein-Westfalen hat (…) grün-weiß-rote Querstreifen. Das wurde (…) so in einem Gesetz festgelegt. Es ist vor 60 Jahren, am 10. März 1953, in Kraft getreten. Die FDP wollte damals Schwarz-Rot-Gold auch für NRW, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Das Grün, so wurde im Landtag erläutert, stehe für das Rheinland und das Rot für die rote Erde Westfalens. Das Gesetz von 1953 bestätigt zugleich die Gestaltung des Landeswappens: Es zeigt im linken Feld einen “linksschrägen” silbernen Wellenbalken, der den Rhein symbolisiert. Dass der Flusslauf in die falsche Richtung weist, nämlich von Südwest nach Nordost, ist keine Schludrigkeit des Wappengestalters, sondern den Regeln der Heraldik geschuldet. Im rechten Feld ist das traditionelle westfälische Ross zu sehen und unten im Wappenschild die lippische Rose.“

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„Der Kies im Rhein soll wieder rollen“ titelt die Badische Zeitung in Anlehnung an einen berühmten Bob Dylan-Song. Der „Masterplan Geschiebe“ soll dafür sorgen, das Geschiebe am Hochrhein wieder in Gang zu bringen und damit die Lebensgrundlagen für Fische und Kleintiere im Rhein zu erhalten: „Mit dem Bau der insgesamt elf Kraftwerke am Hochrhein habe der Rhein einen großen Teil seiner Selbstreinigungskraft verloren, nur noch bei den kleineren Kraftwerken funktioniere sie einigermaßen. Vor dem Stau sei durch die natürliche Strömung das sogenannte Geschiebe – Kies – ständig über den Flussboden gerollt und habe dabei die Sedimente aufgewirbelt. Nach dem Stau sei es damit insbesondere bei den großen Kraftwerken vorbei gewesen, Kies und Sedimente verbacken, den Fischen fehlen Laichmöglichkeiten. Das Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt etwa sei eine regelrechte Geschiebefalle. Dort liege eine regelrechte Schlammwand. Es könne nur helfen, wenn jetzt an geeigneten Stellen Kies ans Ufer geschüttet und bei Hochwasser immer wieder etwas davon mitgeschwemmt werde.“

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Tierische Sensation am Hochrhein: „Die Welt der Romane hat Moby Dick, den weißen Wal; Freunden des Katastrophenfilms bleibt der weiße Hai auf ewig unvergessen. Weil am Rhein hat nun sein weißes Reh.“ Der sportliche Leiter, Platzwart und Jugendtrainer des FV Haltingen hat es auf einem Bolzplaz entdeckt und gefilmt, schreibt die Badische Zeitung und erklärt: „Nach Ansicht der Fachzeitschrift “pm”, die sich dem Thema “Albinos” ausführlich gewidmet hat, ist es wahrscheinlicher vom Blitz getroffen zu werden, als ein solches Tier zu Gesicht zu bekommen.“

Daß Papst Franziskus einst als Jorge Mario Bergoglio in Boppard die deutsche Sprache erlernte und daß auf der Rheinfähre Kaiseraugst-Herten nun Käsefondue angeboten wird, beschließt die Meldungen für diesen Monat.

Presserückschau (Januar 2013)

„Houston am Rhein“ (Kölner Stadt-Anzeiger) oder „Schilda am Rhein“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung): die Einschätzungen Kölns klaffen weiterhin auseinander. Langweilig wird es in der Stadt, die auf altem Rheinsand steht, so schnell nicht. Seit Jahren sorgt der U-Bahnausbau in Köln für bundesweite Schlagzeilen, in diesem Monat wieder (siehe unten, 4). Doch au woannerschter am Rhoi isch ebbes los:

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„Im Herzen Europas, wo der Rhein Frankreich, Deutschland und die Schweiz verbindet, liegt das Upper Rhine Valley. Die Region ist mit über 21.000 qkm fast so groß wie die Toskana. Wie diese lockt sie seit Jahrhunderten Touristen an, die Kunst, Kultur und gutes Essen lieben. Upper Rhine Valley ist eine kompakte, landschaftlich und kulturell enorm vielfältige Region. In den sehens- und liebenswerten Städten Baden-Baden, Basel, Colmar, Freiburg, Karlsruhe, Mulhouse und Strasbourg sowie zahlreichen weiteren Städtchen und Dörfern auf beiden Seiten des Rheintals lassen sich Natur, Kunst und Kultur erleben und das Leben genießen. Und: Die wirtschaftlich prosperierende Region mit rund 6 Millionen Einwohnern ist leicht erreichbar und gut erschlossen. Drei Länder in einem Tag, auch das ist hier leicht machbar.“ (regiotrends.de)

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Über essentielle Unterschiede zwischen Biber und Mensch im Verhältnis zum Rhein (in Grenzach) schreibt die Badische Zeitung: „Während man bei der Gemeinde darüber nachdenkt, wie man den Rhein als Standortvorteil nutzen, wie der Fluss mehr in den Alltag der Bürger rücken könnte, geht der Biber viel spontaner vor. Die Nagetiere, die sich seit den 90er Jahren wieder am Hochrhein wohlfühlen, sind vor vier Jahren auch in Grenzach angekommen. Statt die Regionalplanung zu bemühen und Bebauungspläne erstellen zu müssen, haben sie sich nur wenige Meter vom Hochrheinwanderweg einen Bau errichtet, dessen Größe auch die Biberexpertin des Regierungspräsidiums beeindruckt.“

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Infolge der Sperrung der Leverkusener Brücke für den Schwerlastverkehr im vergangenen Dezember ist nun auch die benachbarte Mülheimer Brücke für größere Transportfahrzeuge teilgesperrt, nachdem das Kölner Amt für Brücken und Stadtbahnbau festgestellt hatte, daß der Schwerlastverkehr auf die Nachbarbrücke ausgewichen war, wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet: „Man müsse (…) jetzt reagieren, um zu vermeiden, dass an der Mülheimer Brücke ähnliche Schäden entstehen wie an der Leverkusener Autobahnbrücke.“

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Das Zittern des Kölner Domes ist sogar bis hoch in den Norden zu spüren, wo das Ereignis vom Hamburger Abendblatt verbreitet wird: „Eine neue U-Bahn-Verbindung lässt den Kölner Dom erzittern. Deshalb seien Gebäudeschäden zu befürchten, sagte Dompropst Norbert Feldhoff (…). Das historische Gemäuer sei “für derartige Belastungen nicht ausgelegt”. Man könne ein Zittern wahrnehmen und auch ein Rauschen. Es sei unstrittig, dass dies auf den U-Bahn-Verkehr zurückgehe, sagte Feldhoff.“ (Anm. rheinsein: Unser Test im Dominnern fiel, was U-Bahn-induziertes Zittern und Rauschen belangt, negativ aus. Es kann aber gleichwohl spirituell induziertes Zittern und Rauschen auftreten, weniger am Dom, als vielmehr im Schädel des/der Dombesuchenden.)

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„In Deutschland, China und anderen Industrienationen macht sich der stark angestiegene Verbrauch von Seltenen Erden nun auch verstärkt in der Umwelt bemerkbar. Hochtechnologie-Metalle, die zu den Seltenen Erden gehören, sind zum Beispiel ein wichtiger Bestandteil von Windturbinen und anderer moderner Elektronik; ihr Verbrauch steigt weltweit. Flüsse sind mittlerweile in vielen Ländern auch mit dem in der medizinischen Diagnostik verwendeten Kontrastmittel Gadolinium belastet. Eine neue Studie der Geochemiker Michael Bau und Serkan Kulaksiz zeigt, dass der Rhein darüber hinaus mit Lanthan und seit einigen Monaten auch mit Samarium verschmutzt ist. Der Rhein ist damit von den großen Flüssen der Erde derjenige, der am deutlichsten mit Seltenen Erden kontaminiert ist. Wie die Jacobs-Geochemiker nachweisen konnten, gelangen pro Jahr mehrere Tonnen dieser Hochtechnologie-Metalle mit Industrieabwässern nördlich von Worms ins Flusswasser und werden dann in die Nordsee, aber auch ins Trinkwasser von Rheinanliegern eingetragen.“ (idw-online)

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„Der Verein Schwanenschutzkomitee Hochrhein ist am Hochrhein und darüber hinaus bis Breisach im Einsatz. (…) Aktuelle Situation: Der Rhein ist derzeit so sauber wie noch nie. Fischbestände und Artenvielfalt werden reduziert. Das Wachstum von Wasserpflanzen, die Nahrungsgrundlage der meisten Wasservögel, geht zurück. Das Schwanenkomitee findet bereits im Herbst abgemagerte Schwäne und Wasservögel, die aufgebaut werden müssen.“ (Südkurier)

Außerdem erinnert die Klever Ausgabe der Rheinischen Post an die Geschehnisse im Januar vor 50 Jahren, als der Rhein von der Loreley bis zur holländischen Grenze „zum Stehen kam“: bei bis zu minus 32 Grad war der Fluß Mitte Januar 1963 zum bisher letzten Mal zugefroren. Auch der Bonner General-Anzeiger ruft das Ereignis mit seiner damaligen Titelschlagzeile wach: „Auf dem Rhein tanzen und flüstern die Schollen“ und die FAZ legt nach: „Glühweinstände mitten auf dem Rhein“.

Salmanlandung

Einen Fasnachtsbrauch der Narro Alt-Fischerzunft von 1386, einer der ältesten Gruppierungen dieser Art in Europa, gelegen in Laufenburg am Hochrhein, zeigt dieses Video, das hier einzubetten leider mißlang. Der Lachs, einst in rauhen Mengen gefangen, denn Laufenburg und Umgebung waren lange das größte Lachsfanggebiet Europas, wird mit einem Weidling auf dem Wasser des Rheines gebracht und anschließend mit der Tschättermusik durch die Stadt getragen.  rheinsein sagt danke an Roland Kroell, den Autor und Kommentator des Videos.

Tauchervideos vom/im Hochrhein

Die meisten TV-Dokus über den Rhein vernachlässigen die Taucherperspektive zugunsten von Luftaufnahmen. Dabei lassen sich unter Wasser mindestens ebenso sehenswerte Aufnahmen einfangen. Bei Youtube gibt es einige innerrheinische Videos, die nahelegen, daß insbesondere der Hochrhein ein lohnenswertes Tauchrevier darstellt. Wir möchten gerne auf zwei Kurzfilme hinweisen, die exemplarisch für spezifische Tauchgänge stehen mögen. Einen stellenweise leicht gespenstischen Nachttauchgang bei Wagenhausen im Thurgauischen dokumentiert dieses Video (4:12 Minuten). Das Licht stammt aus einer Stablampe. Wir sehen offenbar schlafende/aus dem Schlaf aufgescheuchte Fische über grundbestrüppten Unterwasserwüsteneien. (Die illustrierende Musik läßt sich bei Bedarf ausschalten.) Hochwertige Tagaufnahmen an einer nicht näher bezeichneten Stelle des Hochrheins bietet dieses Video (7:02 Minuten) zu streckenweise recht passenden, den Unterwasservorgängen synchronen Haydnklängen. In wunderbaren Farben strömende, fischbewohnte Kleindschungel aus Ofeliahaar lassen an ein perfekt inszeniertes Aquarium denken. In den Verwandtschaftsspalten finden sich weitere Rheintaucher-Videos, etwa zum Strömungstauchen bei Schaffhausen: darin sehr gut ersichtlich die Flußgeschwindigkeit.

Das Lachen der Hühner: Rezension (4)

Die baden-württembergische Literaturzeitschrift allmende fokussiert, dokumentiert und begleitet seit gut drei Jahrzehnten das literarische Geschehen am Ober-, Hoch- und Alpenrhein. In der soeben erschienenen Nr. 89 schreibt Simone Nitsche über Das Lachen der Hühner:
“Auf gut 20 Seiten umweltfreundlichen Papiers entfalten Stan Lafleur und Helena Becker eine gewitzte Bestandsaufnahme ihrer Liechtensteiner Umgebung in Wort und Bild. Elf poetisch außerordentlich komplexe Sonette werden von ebenso vielen Papierschnitten begleitet, die der Bewegtheit der Gedichte als ruhender Pol gegenüberstehen. Die leicht gelbliche Färbung des Papiers verleiht Helena Beckers Arbeiten ein gewisse Sanftheit, wodurch die Radikalität der Landschaftsbilder, die Stan Lafleurs Lyrik entwirft, etwas gemildert wird. Lafleur erfasst punktgenau das Eindringen der Globalisierung in die beschauliche Ländlichkeit des Fürstentums Liechtenstein. Seine mitunter von Dialekt durchsetzte und zugleich poetisch klare Sprache bildet den Soundtrack einer Verzerrung, der Verzerrung des Althergebrachten. Hier, wo die Natur geradezu aufdringlich wirkt – in An Sonntagen dichtet Lafleur: „nach Waschmittel riecht der Wald (…) voll aufgedrehtes Bächleinplätschern“ – inmitten dieser Hochglanzidylle also entwickelt sich die Natur in Anbetracht des nie versiegenden Touristenstroms zu einer Parodie ihrer selbst. Frei nach der Formel: „Tausche Postkartenkulisse gegen Realität“ liefern Helena Becker und Stan Lafleur mit ihrem schmalen Band Das Lachen der Hühner einen aufschlussreichen Einblick in die Art und Weise, in der sich unsere Welt verändert.”

Fischadler

Versuche zur Wiederansiedlung des Fischadlers am Hochrhein vermeldete vor Kurzem die Südwest Presse. Dafür werden derzeit in den Kronen geheimgehaltener, starker Kiefern Horste (Vorhorste?) angebracht, eine Kooperation des Naturschutzbundes mit örtlichen Förstern. Ob und wann die Fischadler zurückkehren, bleibt allerdings ungewiß. Das letzte Brutpaar am Hochrhein verschwand vor 106 Jahren, nachdem ihm seine Hauskiefer unterm Hintern weggesägt worden war. Der Artikel enthält nebst der Hoffnung auf die Rückkehr des Adlers eine bemerkenswerte kleine Geschichte, die sich zu Volksglauben auswuchs:

“Immer dann, wenn er (Daniel Schmidt, der Horstbauer; Anm. rheinsein) Menschen in Dörfern den Hochrhein entlang darüber aufklärt, dass der Fischadler eine wunderbare Tierart ist und sich womöglich bald wieder in ihrer Nähe ansiedelt, dann ist das Publikum aufgeschlossen, freundlich – und will wissen, ob es tatsächlich stimmt, dass der Vogel bei der Jagd manchmal ertrinkt. “Das geht zurück auf eine fingierte Geschichte, die vor 30 Jahren einmal in einem Naturheft stand. Bis heute hält sie sich in der Öffentlichkeit.”"

Existiert nicht die fatale Gesetzmäßigkeit, daß alles, was denkbar ist, eines Tages auch geschehen wird? Wohl bezieht sich dieses Gesetz nur auf denkfähige Gottesgeschöpfe. Wie auch immer. Bevor er sich am Rhein frisch ausbreiten oder ertrinken kann, wird der Fischadler sich zunächst an den Ort der Vertreibung seiner Ahnen zurücklocken lassen müssen.