Der Rhein des Herrn Predigers Bodenburg (2)

(…) Viel der Najaden bewohnen des Gotthards wolkige Scheitel.
Dort auch sind die verborgenen Hallen des Siebengeschwisters,
Weitgepriesen und herrlich vor allen Najaden des Alplands.
Jede gebahr einen mächtigen Strom; es wallet der eine
Unter Hesperiens Myrthen dahin; nach Gallien wandte
Rhodan den Lauf, und Rhenus, der stärk`re, zum Land der Germanen.
Nymphe des Rheines, du liebtest das Land des kühneren Mannes;
Zu ihm leitest du nieder dein lauteres Felsengewässer,
Dass er stähle den nervigten Arm im Bad deiner Wellen.
O, dess` preise dich teutscher Gesang! — Erhabne, vernimm mich
Von der entlegenen Flur, und tönet auch schwach nur die Harfe,
Wie der Bach meines Thals in der Stille des feiernden Haines.

Auf meine heimische Flur sank einst der Abend hernieder,
Und die Stille bezog des Haines umdämmerte Lauben;
Friedlich tönte des Baches Gemurmel, (die still`re Najade
Windet ihn sanft durch die Moose und Blumen und zitternde Schilfe.)
Hocherglühtes Gewölk entschwebte allmälig dem Meere;
Hinter dem goldenen Schleier entschlüpfte die Göttin des Tages,
Und dann thürmte das Wolkengebirge mit flammendem Saume
Kühn seine Nebelgebilde empor zu dem schimmernden Aether,

O, da fühlt` ich den Busen umfangen von glühender Sehnsucht,
Und gezogen zum Lande, wo Tellus zum Himmel hinaufstrebt,
Und ihr strahlenbekränztes Haupt tief badet im Lichtmeer.
Zwiefach fühlt ich ihn da, den Schmerz der gebundenen Psyche.
Plözlich vernahm ich des Genius Wink — und Schlummer umfing mich,
Und er gab mir die Schwingen des Traumes; — da sah ich des Alplands
Purpurglühende Höhen und dich, gewaltiger Gotthard.
Aber ich forschte vor allem nach dir, o verborgene Nymphe,
Dir Erhabnen, ein Opfer zu bringen, nicht ohne Begeist`rung —
Und es ward mir gewähret, des Rhenus Najade zu schauen,
Wie sie gelehnt an den schattenden Felsen, mit sinnendem Antliz,
Doch voll göttlicher Milde, bükt auf der Wellen Gesprudel.
Perlen bethauen den Kranz an der Stirn und die zarten Gewände.
In der kristallenen Grotte entwallt der gefülleten Urne
Lieblich tönend die silberne Fluth, des himmlischen Thaues
Zarte geläuterte Tropfen. Es streuet dann goldene Perlen
In das Gewässer die Hand der Najade und bindet des Aethers
Flüchtige Stoffe, dem Strome verleihend belebende Kräfte.

Ach, es fielen auch Thränen der Nymphe hinab in die Wellen;
Denn sie gedachte des nahmlosen Jammers und wilder Verwüstung
Unter der furchtbaren Hand der Erinnen in friedlichen Thälern.
Weithin sah sie Verheerung am Strome, die schönen Gestade
All` ihres Schmuckes beraubt und bedekt mit unendlicher Trümmer.
Aräs durchflog die Gefilde mit wildem Gespanne, die Lanze
Tief getaucht in das Blut der Erschlagnen; es stampfen die Rosse
Sprühende Lohe zum Himmel empor auf schreklicher Brandstätt.
Durch Helvetia`s Thäler schleichet der siechende Hunger,
Und es stöhnet des Jammers Gewinsel herauf aus den Thälern.
Trauer erfüllte die Brust der milden Najade, die sorgsam
Fluren zu segnen sich mühet, indess` die verheerende Zwietracht
Weithin schleudert die Fackel des Krieges, und Menschen bethöret,
Dass sie verblendet die Werke wohlthätiger Götter zerstören.
Zürnend verhüllte die Nymphe das Haupt, sich wendend zur Grotte.
Und ich erwachte vom Schlummer, geschreckt von verhassten Gestalten.
Friedlich rollte der Bach seine Wellen im Schimmer des Spätroths,
Doch bald werden auch ihn Orkane empören, es rollen
Schwere Wetter dumpftobend herauf, und stürmender Hagel
Wird seine Fläche zerschlagen, den Spiegel der stillen Seläne.

Ja hienieden ist ewiger Kampf! Es binden und lösen
Sich im ewigen Wechsel die ringenden Stoffe, es gehen
Neue Gestalten hervor; dem Tode entkeimet das Leben,
Rastlos wirkt die Natur, doch ewig nach weisem Gesezze;
Formend zerrüttet sie immer — sie regelt und ordnet auch wieder,
Zieret ihr Wundergebäude mit unvergänglicher Schöne,
Und der Ernährerin Hand ist immer geöfnet zum Geben.
Tausend bei tausend Begehrenden reicht sie aus ewiger Fülle.

Dem sie so vieles gewähret, — nur ihn ersättigt sie nimmer,
Ihn, dem wilde Begierden verderblich den Busen entzünden.
Wo sie bauet und ordnet, und segnet mit gütigen Händen,
Da zerstöret der Wilde, getrieben vom Fluch der Erinnen,
Und entblättert ihn selber den lieblichsten Kranz seiner Freuden;
Denn er trägt sie nicht lange, des Friedens beglückende Ruhe.

Rhenus, es zeuge dein Ufer! — Ich stimme die Harfe zur Wehmut,
Wende den traurenden Blick hinweg vom entstellten Gestade!
Fluch der verwegenen Hand, die so deines Schmucks dich beraubte!
Zehnmal trat nun der Frühling, der Blumenumkränzte, vergebens
Hin zu deinem Gestade; den Teppich der Flora zerstampfen
Donnernde Hufe der stöhnenden Rosse im Schlachten-Gewühle.
Ceres, Autumnus, Pomona, und Fülleverleihende Götter —
Zehnmal traten sie nun vergebens mit reichen Geschenken
Auf die rheinische Flur, — sie scheuchte des Krieges Getümmel
Und die vertilgenden Donner der Schlachten hinweg von dem Blutfeld.

Eilest du zürnend hinab, o Rhenus, zum heiligen Weltmeer,
Fliehend die Greuel des Krieges, dich dort in der Tiefe zu bergen?
Dort auch wirst du ihn finden den streitbegehrenden Menschen;
Auch des Ozeanus weite Behausung hat Aräs beflecket.
Stolze Geschwader belasten die wallende Fläche und schleudern
Kühnbeflügelt die Flammen des Krieges von Ufer zu Ufer.

Nenne Gesang die Heroen, auf welche die Völker nun hoffen.
Unter dem Schirm der Aegide durchwandelt der Eine das Schlachtfeld,
Und es grünt in der Rechten dem Andern ein friedlicher Oelzweig.

Furchtbar wüthete Aräs, im Männervertilgenden Kampfe,
Da entführten ihn eilends die Götter dem blutigen Schlachtfeld,
Dass er die Welt nicht veröde, der unersättliche Krieger;
Und sie gaben des Gottes Gespann einem menschlichen Helden.
Bonaparte, du führest seitdem die Lanze des Aräs,
Zügelst sein wildes Gespann, doch unter dem Erz der Aegide
Schlägt dir ein menschliches Herz. — O, könnte mein Lied dich erreichen!
Du aus der Vorwelt Wundertagen erstandener Heros,
Bist du des Hannibal Geist? — Des Grösten von allen Achäern?
Franke, dir weichen sie alle! — Du unbezwungener Krieger
Bist an dem Busen der Kühnheit gesäugt, dir gaben die Götter
Weisheit, und sicher wägenden Blick zu schneller Entscheidung,
Und den besonnenen Geist, den ruhigen unter Gefahren,
Roma`s Genius selbst und des heldenberühmten Achaja
Haben dich heimlich erzogen und selber gerüstet zu Thaten.
Glorreich hast du vollendet; — der Sieger entsaget dem Kampfe!

Neben dir ragt er hervor, der glücklichen Brennen Beherrscher.
Grösse mit Waffen errungen, wie leicht entnimmt sie das Schicksal!
Friedrich Wilhelm die deine ward nicht mit dem Blut der Gefallnen,
Nicht mit Thränen erkauft, sie kündet kein Donner der Feldschlacht;
Dir ist das glückliche Land der weite Tempel des Ruhmes.
Du mit dem zügelnden Ernst, du Ordner nach weisem Gesezze,
Wandelst so prunklos und einfach, mir hold der lauteren Warheit,
Festen Schrittes voll Spartischem Geist, und schaffest mit Weisheit;
Und es reifen viel Früchte des emsigen Fleisses dem Lande
In Saturnischen Tagen. — Ihm Heil, dem Herrscher der Brennen!
Ihm erblühe der Kranz seines Ruhmes auf glücklichen Fluren!

Tretet ihr Göttergeliebte voran, zwei Boten des Friedens,
Dass Irene dem Himmel entschwebe, und senke den Oelzweig
In des Schlachtfelds graunvolle Oede, damit sie der Nachwelt
Alle die Trümmer verdecke, aus Tagen entarteter Menschen,
Wo wildtobende Völker das Recht und die Warheit verschmähten,
Und die Freien sich dünkten durch jeglicher Tugend Entsagung.

Heimathlos durchirren nun viele die Wüste des Lebens,
Und ein unendlicher Schmerz hat tief das Leben verwundet!-
Viel sind der Edlen gefallen — auch viel der verworfenen Menschen!
Tobende Völker, wie habt ihr gewüthet — Du himmlischer Friede
Wecke nun mildres Gefühl in dem Busen und heile vom Wahne.

Bald so nahet die lezte der Horen des stolzen Jahrhundert! —
O, wie wähnte der Mensch, er habe den Gipfel erstiegen,
Wo er entbunden und frey, und kühn die Wahrheit umfasse!
Aber den Stolzen verliess die zürnende Göttin der Weisheit;
Von Phantomen getäuscht, entsank er der schwindelnden Höhe,
Und nun steht er voll Wunden und blutet, der sterbliche Halbgott.

Du, der Menschheit Genius, bist du zürnend entwichen?
Neige dich hin zu dem armen Geschlecht, und heb` den Gefallnen.
Gieb ihn nicht ewig der Thorheit zum Sklaven, entbind` ihn vom Irthum,
Reife doch endlich den Geist, und stärke des Schwankenden Tritte,
Dass er regle die irrenden Wünsche, im Kampf der Begierde.
Und Eunomia herrsche hinfort und Themis und Dike,
Dass ein glüklich Geschlecht bewohne den heiligen Erdkreis.

Nymphe des Rheines, ermüde du nimmer die Fluren zu segnen,
Lass sie der Urne entströmen, die lebenernährenden Wasser.
Zürne du Göttliche nicht, wenn Undank lohnt deine Milde.
Leichter entartet der Mensch, je reicher die Fülle ihm zuströmt!
Harre der besseren Tage, wo einst in friedlicher Ruhe
Menschen voll Warheit und Treue dein liebliches Ufer umwohnen.

(aus: Der Rhein, Fragment aus einem Gedicht: Die Ströme, vom Herrn Prediger Bodenburg. Womit zu dem mit den abgehenden Primanern des Johanneums, Heinr. Schmeichel, Ernst Carl Dav. Behm und Eduard Loder, am 22sten März von 9 bis 1 Uhr anzustellenden Maturitäts-Examen ehrerbietigst einladet J. Gurlitt, Professor am Gymnasium, Director und erster Professor des Johanneums. Hamburg 1804)

Der Rhein des Herrn Predigers Bodenburg

Der Rhein.

Rhenus, gepriesener Strom, ich trage zu deinem Gestade,
Zu dem Hall deiner Wogen, zuerst die Harfe, und horche
Auf der Wellen melodisches Spiel an dem klingenden Felsen,
Dass mich hebe dein stürmender Gang zu kühnerem Fluge.

Felsgebohrner, dich hat die Najade zum Schuzze gebettet
An die Schwelle des Landes, und längs Germania`s Fluren
Streckest du hin den Riesenarm, mit donnerndem Fusstritt
Niederstürmend ins Thal von dem bebenden Felsengebirge.
Hoch in der Wolken Umschattung gebahr dich die mächtige Nymphe,
In der entlegenen Grotte nicht lange den Liebling verbergend.
Segnend sandte sie dich hinab zu dem heiligen Weltmeer.

Eh` du die Bahn dir geebnet, da tobte die Kraft der Vulkane,
Wo nun Trauben sich sonnen, und stämmte Gebirg` an Gebirge;
Aber almälig erloschen die quellenden Gluthen; dann sprengtest
Du mit eilendem Fusse die Pforten der hemmenden Felsen

Also sprach, da einst dich gebahr die milde Najade:
„Auf, und belebe die schweigende Oede des Thales! — Entschlüpfe
„Muthig der Grott` und dem Hochgebirge von Klippe zu Klippe.
„Wenn du zur Ebne gekommen, dann läutre von neuem die Welle
„Dort in dem ruhigen See, und tritt mit dem silbernen Fusse
„Auf der Germanier Flur; dann wandle du Starker vom Alpland
„Unter melodischem Rauschen zum strömeversammelnden Meere.
„Hemmen dich Felsen im Lauf und dränget die Schlucht deine Seiten,
„Dann bestürme du kühn und unablässig die Klippe;
„Du bezwingest almälig den Fels mit der nagenden Woge.
„Wenn du Ozeanus nahest, wird banges Erstaunen ihn fassen,
„Hört er den stürmenden Drang deiner Wogen, — und fürchtend, du mögtest
„Ihm die Behausung erschüttern, erhebt er das Haupt aus den Wellen;
„Rufend den Nereiden, gebietet dann also der Meergott:”‘

„Seht, dort braust mit verheerender Stärke der Rhenus vom Hochland!
„Ihn erzogen die Nymphen der Berge, — der kühne erschüttert
„Fels und Land mit unendlicher Kraft, und eilet zum Meere,
„Gleich als wollt` er mich selber versuchen, und meine Behausung
„In der Tiefe zertrümmern und wild mir die Wogen empören.
„Hemmt ihn im stürmenden Lauf, und zähmt mir den kühnsten der Ströme,
„Dass er Ozeanus Herrschaft erkenne, und alle die Ströme
„Ferner sich scheuen mit wildem Getös` meine Wogen zu drängen.”

„Hemmen wird er dich dann, der stärkre, im fröhlichen Tanze;
„Flaches Vorland breitet er hin, da wirst du mit Mühe,
„Mit ermattetem Fusse die sandigen Pfade durchschleichen,
„Und des Ozeanus weite Behausung still wandelnd betreten,

„Doch dies kümmre dich nicht, — die Kraft von jeglichem Strome
„Löset Ozeanus auf — sprach weiter die milde Najade;
„Wirst du doch glorreich vollenden, und Fluren und Völker erfreuen,
„In dem Schmuck der Gestade, vor jeglichem Strome verherrlicht.

„Ferne Wanderer kommen und staunen dem Sturz deiner Wasser,
„Weit erschallet der Ruhm des lieblich umuferten Rheines.
„Ceres, Pomona, Dryaden und Flora und freundliche Nymphen,
„Werden zu deinem Gestade sich wenden; dort dringen die Halme
„Schlanker empor, der Flora Teppich ist reicher, Pomona
„Sammelt da schönere Früchte, es heben weitschattende Eichen
„Kühner zum Himmel das Haupt, wo du die Fluren bewässerst.

„Zahlreich werden die Völker dein reicheres Ufer umlagern,
„Mit vielschaffendem Fleiss die lachenden Fluren zu bauen.
„Wildniss hauset nicht lang an dem Bett` der belebenden Ströme!
„Die in den Wellen des Rhenus sich spiegeln, die zahllosen Städte —
„Wer vermögte sie alle zu nennen? — Der Nachen Gewimmel
„Gleitet hinab und hinauf, und decket die wogende Strombahn.

„Steig` hinab vom Gebirge, du König der Ströme, und herrsche
„Ueber des Thales Gewässer, und bringe den darbenden Fluren
„Der Najaden Geschenke, die sorgsam aus Wolken wir sammeln.,,

So die unsterbliche Nymphe, und du entschlüpftest der Urne.
Rhenus, erfüllt ist der Mutter Verheissung — dein Tempel vollendet!

Erst umruhte dich einsame Still` an dem wilden Gestade
Unter den Trümmern zerspaltener Klippen von Dornen umwuchert.
Nur das Toben der Stürme, Geheul raubspähender Thiere
Und der Fittig des Adlers durchtönte die nachtvolle Waldung.
Heerden wandelten nicht vom Hügel, am Strome zu trinken.
Nirgend ein Rebengewinde, wo wild nur rankte der Epheu.

Aber es trat der Germane bald näher zum lockenden Ufer;
Nieder legt er den Speer, entsagend den mühvollen Jagden
Tritt er in schwankende Nachen und zehrt von den Gaben des Stromes.
Bald so reihen sich Hütten an Hütten auf freierem Ufer;
Goldene Halme durchwogen die Niedrung, an grünenden Höhen
Wandeln und ruhen gesättigte Heerden im Schatten der Buche;
An dem sonnigen Hügel, von glühenden Trauben umhangen
Weilet Liäus, der fröhliche Gott, den Winzer belehrend.
Völker drängen sich dichter zusammen im lieblichen Rheinthal.
Welch` ein bethürmtes Gestade zur Rechten und Linken! Es ragen
Kühne Vesten gen Himmel; es hallet der zahllosen Städte
Reges Gewühl von Ufer zu Ufer; es furchet die Fichte
Reichbeladen und rastlos die Wogen, nicht scheuend die Brandung.
Wenn dann Luna den Felsen erklimmt, entsteigen der Tiefe,
Die dein Gewässer bewohnen, und spielen auf silberner Fläche,
Und es lauschen Dryaden und Nymphen vom waldigen Ufer
Hin nach dem Tanze der stillen Seläne auf wallender Strombahn.

Reicht mir den duftenden Becher, den Nectar der rheinischen Traube,
Dass in die heiligen Fluthen ich träufl` ein Opfer der Nymphe!
Die du thronst unter goldenem Saum des bestrahlten Gewölkes,
Und in des Gotthards Klüften kristallene Hallen bewohnest,
Rinnende Perlen mit fleissiger Hand in die Urne dir sammelst, —
O, wohlthätige Nymphe, dich preisen die Töne des Liedes,
Beben sie schwach nur hinauf zu dir von dankenden Lippen!

Doch, wer zeigt mir die Bahn zu dem Wolkensiz der Najade?
Mich gelüstet die Hehre zu schauen, damit ich sie singe!
Komm, o Genius, leite den Sänger zum hohen Gebirgspfad!
Wo die Kette der stolzen Graniten im Gaue der Urner
Näher dem Himmel sich thürmet, von Donnergewölken umgürtet,
Ewigen Kampf mit den Stürmen besteht und den spaltenden Blitzen,
Ruhet des Gotthards weitgespreitetes Riesengebäude,
Schwerbelastet vom nimmerzerrinnenden, wachsenden Eismeer,
Stets umdampft von den streifenden Nebeln des hohen Gewölkes.
Eine der Seiten strekt er Hesperiens Frühling entgegen,
Rauherem Norden die andere. Klippe streichet an Klippe
Tiefgespalten zum Abgrund nieder, voll grausigem Dunkel.
Furchtbar donnern die Ströme hinunter von bebenden Felsen,
Und es dampfen in Nebel empor die stiebenden Fluthen. (…)

(aus: Der Rhein, Fragment aus einem Gedicht: Die Ströme, vom Herrn Prediger Bodenburg. Womit zu dem mit den abgehenden Primanern des Johanneums, Heinr. Schmeichel, Ernst Carl Dav. Behm und Eduard Loder, am 22sten März von 9 bis 1 Uhr anzustellenden Maturitäts-Examen ehrerbietigst einladet J. Gurlitt, Professor am Gymnasium, Director und erster Professor des Johanneums. Hamburg 1804)