Jules und Jim am Rhein

jules und jim

jules und jim_2

Jules et Jim von François Truffaut, ein vielschichtiger Schwarz-Weiß-Klassiker der Nouvelle Vague, handelt von einer deutsch-französischen Männerfreundschaft. Jules (gespielt von Oskar Werner) und Jim (Henri Serre) lernen sich 1912 in der Pariser Künstlerszene kennen. Sie teilen ihre Vorlieben für Literatur, Kickboxen und Frauen und werden unzertrennlich. Als Jules Catherine (Jeanne Moreau) kennenlernt, deren Gesicht einem gemeinsamen Idealbild der Freunde entspricht, nimmt ein feingesponnenes Drama Anlauf. Jules und Catherine heiraten. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs ziehen sie nach Deutschland, wo sie eine Tochter bekommen. Beide Freunde dienen im Krieg als Soldaten und sorgen sich, den jeweils anderen im Frontgewirr zu erschießen; beide überleben, ohne im Krieg aufeinandergetroffen zu sein. Nach Kriegsende laden Jules und Catherine Jim nach Deutschland ein. Ihr “Häuschen am Rhein” scheint eher abseits am Rande eines Gebirgsdorfes zu stehen; der Fluß ist in keiner Szene zu sehen. Jules eröffnet Jim nun, daß Catherine sich verändert habe und daß er fürchte, sie zu verlieren. Um Catherines Flucht zu verhindern, beginnen sie eine tödlich endende ménage à trois.
Das im Film vorkommende “Häuschen am Rhein”, tatsächlich ein ausgewachsenes, alleinstehendes Haus erinnerte uns an Oskar Werners versteckten Rückzugsort in Liechtenstein in den Hängen oberhalb des am Alpenrhein gelegenen Dorfes Triesen. So wie die Künstlertypen im Film das Mißtrauen der Dorfbewohner erregen, war auch der Schauspieler Werner in Liechtenstein ungelitten – die Triesener konnten mit dem zurückgezogen lebenden und für exzentrisch geltenden Weltstar nichts anfangen und Werners Versuch, in den 70ern ein Theaterfestival in Liechtenstein aus der Taufe zu heben, schlug fehl. Werner behielt bis zuletzt seine Liechtensteiner Zuflucht und wurde auf dem Triesner Dorffriedhof begraben.