Rheinische Persönlichkeiten (4)

helmut

Horst Wurst: Helmut Kohl
(Scherenschnitt/Collage; 30 x 40 cm; Farb- und Geschenkpapier auf Karton; 2000)

Preis: 50 Euro (Mindestgebot), bei Nichtabholern zuzüglich Versandkosten

rheinsein präsentiert eine kleine Reihe “rheinischer Persönlichkeiten” aus der Werkstatt von Horst Wurst. Die Scherenschnitt-Collagen entstanden im Jahr 2000 und wurden damals in der Kölner Calcographie gezeigt.

Der Künstler hat uns ermächtigt, seine Werke zum Verkauf anzubieten. Wir bitten um verbindliche Gebote via E-Mail oder Kommentarfunktion bis zum 31. Juli 2011.

Tod auf dem Rhein

Ludwigshafen entvölkert sich stückerweise, somit drastisch, nach und nach, zumindest in der Schiffsbauer- und Motorrennstallszene, und Kommissarin Odenthal joggt über/durch Pfälzer und badisch Beton`n`Unkraut aus Achtzigerjahreschablonen (Licht: Deutschlands schönstes Aschermittwochsgrau, von unentschiedenen Pastellwerten aufgelockert), aus denen auch die Haarschnitte des Personals rühren, unterfüttert das Ganze von schlaffördernden Kameraeinstellungen, Schnitten, Dialogen, produziert im laufenden Jahr 2010. Der Rhein: dargestellt als pissige Feindseligkeit oder vergrützte Hafenbrühe, befahren von einfältiger, pointenloser Wasserpolizei. Dann jene gesichtszerpickte Leiche („Möwen!“ – obgleich der Kopf nach unten im Schlamm lag: Schlammmöwen womöglich) aus dem Grundkurs Schminken und wieder schwappt da etwas von der Kamera degradiertes im Hintergrund, das in all seiner orkischen Reduziertheit dennoch unmöglich als Deutschlands Schicksalsstrom durchgehen darf. Viel zu pieselig. Würdelos. Klein. Kurz vorm Umschalten ein Umschalten in tiefere (tiefergelegte?) Gedanken, als simple Fragen formuliert: ist das alles etwa Absicht? Gemeint als Reminiszenz an den schlechten Geschmack und seine stilbildenden Ausgeburten unserer Jugendjahre? Gab es ein unausgesprochenes Regieexperiment? Wurde versucht, mit Helmut Kohls ästhetischen Maßstäben zu agieren? Mit David Hasselhoffs? Mit beider? Der Rhein floß schon durch einige Tatortfolgen (Duisburg, Düsseldorf, Köln), ein so abgebracktes Antlitz wie in diesem Ludwigshafen-Hockenheimer zeigte er dabei selten. Ähnlich wie damals die Achtzigerjahre löst sich dieser Tatort schließlich mehr oder weniger von selbst. Und bleibt trotzdem unangenehm hängen.

Wer den Rhein gebaut hat

Gestern im Internet. Unversehens läuft so ein Mathias Richling-Mitschnitt. Auf einem jener Portale, welche potente Nutzungsrechteinhaber gern als vor- bis vollverantwortlich für den Untergang des Abendlandes geißeln. Der quäkende hektische Mann erklärt offenbar gerade deutsche Geschichte, ich muß zweimal hinhören, also wiederholt Richling: „Die CDU hat den Rhein gebaut.“ Er hält inne. Wiederholt den Satz erneut. Fährt dann fort: „Und die Autobahnen noch dazu.“ Richling wirkt konfus, von den eigenen Worten überrascht. Doch schnell korrigiert er: „Ich muß mich entschuldigen, es war nicht die CDU, die die Autobahnen gebaut hat, nein, das waren Leute, die später bei der CDU untergekommen sind.“ Aha, hier spricht offenbar einer, der Fehler nicht nur zugeben, sondern sogar ausräumen kann. Rare Spezies. Das mit dem Rhein aber läßt Richling stehen. Ich kann mich nicht erinnern, wer den Rhein in Wirklichkeit gebaut hat, das fällt ins Dunkel meiner Kindheit, völlig aus der Luft gegriffen aber ist Richlings These sicher nicht. Den Rhein gibt’s schließlich bereits seit den 60er, 70er Jahren, logischerweise muß hier von der alten CDU die Rede sein. Mit der ich persönlich nur gute Erfahrungen gemacht habe, nämlich eine einzige: im Jahr 1987 schickte ich eine Vierwort-Postkarte an die CDU-Zentrale: „brauche dringend kohl-poster“. Zwei Tage später war das Poster da. Die CDU hatte fähige Leute damals, wohl nicht nur beim Posterversand. Schnelle Reaktion, keine unnötigen Rückfragen. Und Kohl – der kam schließlich auch vom Rhein.