morgensonne

durch das fenster und nichts neues
im radio ein lied ja das ist karneval das
bild an der wand das schwarz und
weiß der birke und das frische grün

durchleuchten das ufer
plug in and click
verändern die landschaft
wachsen ein in ihrem gesicht

ein bild ohne segel
auf aus der stille des sees
und es weiß es geriet
mal eben so dazwischen

betonvögel fliegen
schnipp die krawatte
nicht schlapp das neue modem
und ich lese 56 kb pro sec sagte

kürzlich ein informatiker namens RAO
als er ab zur weiberfastnacht
tief hinein schaute in die strukturen
auf diesen daten zieht ein weißer kahn

(Ein Gedicht von Helmund Wiese zum Auftakt des Straßenkarnevals. rheinsein dankt!)

von den wespen

und von der entwesung
in der wechselstube
und vom fahrenden volk
es leben hoch die toten steine

heute blutrausch in der behörde
ratz fatz warm aufgerührt
die ernte wird eingefahren
madonna ein lied die reinheit der lilie

flocken von der erdnuß alles in butter
unverdrossen in der pixelhöllenhöhle
tippen und tappen die pinguine
schwarzweiß auf wachstuch und öl

papier eilige luftpost auf der überholspur
die nieswurz wuchert wo à capella
die schmetterlinge vergehen lästlinge
schwarzgelb überaus taillierte talente

schwirren an den gestaden des rheins
lärmende launische luftikusse
mißlich wie rapunzeln im punsch
mäkeln am libretto

(Dieweil die letzten Oktoberwespen in den Umfeldern Neuköllner Backwarenauslagen lufttaumeln und -trudeln, erreicht uns dieser Gastbeitrag von Helmund Wiese. rheinsein dankt!)

mir graut

das haar
ich weiß nicht
was soll es bedeuten
rheinselige kehlen auf der suche

im abendsonnenschein
noch einmal die
wundersame melodei
zerschollen am felsenriffe

(Ein Gastbeitrag von Helmund Wiese. Rheinsein dankt!)

Rheinauengedicht

Helmund Wiese schickt Rheinsein folgenden lyrischen Gastbeitrag, der exakt in den von Rheinsein jüngst bereisten badisch-amazonischen Urwäldern angesiedelt oder wie von einem Atemhauch hinter den Spiegeln von ihnen beeinflußt sein mag. Wir wissen es nicht, aber was wissen wir schon. Rheinsein jedenfalls sagt merci – et voilà!

im sonnenlicht

taumeln

die nebel
subversive quellengeister

seltsam verhuscht
in quirligen girlanden
die mädels mit dem sphärenhaar

streuen den morgentau
in der rheinischen aue

liebäugeln