Le Rhin c`est moi

Gestern gemeinschaftliche Lesung mit Richard Pietraß zu neuen Papier- und Steinarbeiten Helena Beckers in der Residenz des liechtensteinischen Botschafters zu Berlin. Auf Grunewalds Straßen kam uns auf dem Hinweg Jack White, ein ziemlicher Rheinländer, entgegen, und grüßte, ganz seinem Namen zu Ehren, mit schlagerpoppigem Schneegeriesel. Soviel und nicht mehr zum Frühlingsanfang, zugleich Welttag des Glücks, wie Deutschlandradio die Tageslosung für alle, denen es an sonstigen Konversationsstichworten mangeln würde, am Morgen höchst hilfreich verkündet hatte. Pietraß las, mit dem Schnee war inzwischen auch ein weniges an Nacht über die Hauptstadt gefallen, u.a. sein Gedicht über den jungen Rhein und erzählte die Anekdote, wie er dasselbe Gedicht vor einigen Jahren dem leibhaftigen Fürsten von Liechtenstein vorgetragen hätte, der sich daraufhin in Pietraß` Text wiedergefunden und in etwa gesagt haben solle, dieser junge, kraftvoll drängende, doch von Deichen gebändigte Pietraßsche Jung- und Alpenrhein, das sei er selbst, also der Fürst, also sein Leben, also eine Metafer dafür, zumindest. „Le Rhin c`est moi“ entfuhr es uns spontan und im ausschließlich geladenen Publikum, das teils die nicht unerhebliche Anreisedistanz aus der raren kleinen Alpenmonarchie in Kauf genommen hatte, erhob sich ob unserer an europäisch-monarchische Historie knüpfenden Anwandlung kurzfristig flackerndes Gelächter. Direkt anschließend befragte uns der kunstsinnige Botschafter überraschenderweise zu den Verdächtigkeitsgraden liechtensteinischer Kühe, so wie in Das Lachen der Hühner bedichtet und Wolfgang Heyder, der sich ebenfalls die liechtensteinische Kuh lyrisch zur Brust genommen hatte, drückte uns seinen  druckfrisch duftenden Achill in Vaduz in die Hand, von dem auf rheinsein noch zu reden sein wird. Berlinerisch-liechtensteinisch korrekt mit Fürstenwein und Currywurst unterfüttert tänzelte der Abend unter anhaltendem white und zahlreichen Stehgesprächen schließlich in zunehmender Bewußtheit dem heutigen, den Welttag des Glücks ablösenden, vom Lachen der Hühner als Basisbeat durch die Schneenacht vorangetriebenen, schliddernd Fahrt aufnehmenden, “offiziellen” Welttag der Poesie entgegen. Und so empfiehlt rheinsein für heut, gestern und morgen (und bei Bedarf weit über diese ca. drei Tage hinaus): poetisiert euch!

Das Lachen der Hühner – Sonderedition (4)

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z` Planka

die Hänge: total verhanniwenzelt; aus Märzenbechern
mit ihrem hellgrünen Geruch schwappt Bärlauchsuppe
über die Waldpfade. im Hirschen hockt der Smyrk bei
Chäsröschti und Bier, hockt dött im kühlen Mittagslicht

hockt zwischen den Stunden, versonnen, versunken
im Keller seiner Heiligkeit, hockt dött und nimmts
nicht zu schwer, nimmt den Menschen ihre Sorgen ab
die in seinem Kopf fortklingen als stille Gedichte

voll Munkenfett, Rüfengang, Zauberstaben. durch die
Allradgetriebene jagen. ein Zentaur der Smyrk hockt er
dött an den Tresen genagelt, hängt von der Wand mit

seinem Feiertagsgeweih, der Smyrk, der ausm Osten
übern Grat kam. dessen Gebete sie murmeln. der aus
dem Internet kam mit seinen unerklärlichen Geschichten

***

z`Planka hatten wir auf diesen Seiten einst in einer Vorversion des Textes, der später in Das Lachen der Hühner erscheinen sollte, eingestellt. Die obige ist nun die dritte veröffentlichte Version, so wie in der aktuellen Sonderedition von Das Lachen der Hühner zu finden.
Auf Helena Beckers neuem Papierschnitt zum Gedicht ist unter anderem der Smyrk zu sehen: mit hoher Wahrscheinlichkeit das weltweit erste Bildzeugnis dieses Wesens.

Das Lachen der Hühner – Sonderedition (3)

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Nachdem wir vorgestern die Bände der limitierten Sonderedition signierten, sind sie nun auch geheftet und offiziell bei der parasitenpresse gelistet. Die neuen Schnitte Helena Beckers wirken, anders als die ursprüngliche Serie, die weitgehend unabhängig von den Texten entstanden war und in erster Linie die liechtensteinischen Gemeinden portraitierte, interpretierend und verstärkend. Besonders auffallend ist der im Vergleich zur ersten Serie formell sehr viel rundere, bisweilen geradezu zirkulierende Schnitt und die gebrochenen bzw panelartigen Perspektiven, welche die Kurven und Sprünge der Sonette aufzunehmen scheinen. (Foto: parasitenpresse)

Das Lachen der Hühner – Sonderedition (2)

Dieser Tage erscheint in der Kölner parasitenpresse eine Sonderedition von Das Lachen der Hühner. Liechtenstein-Gedichte und Papierschnitte. Was die Sonderedition besonders macht:

- Sie enthält eine komplett neue Papierschnittserie von Helena Becker. Die neue Serie wurde erstmals im September 2012 im Kunstmuseum Liechtenstein präsentiert.
Beckers Schnitte für die reguläre Ausgabe von Das Lachen der Hühner waren unabhängig von den Texten entstanden. Ihr erster Liechtenstein-Schnittezyklus zeigt in zumeist reduzierten Linien augenfällige ortstypische Architektur der fürstentümlichen Gemeinden, jeweils in alltagsschamanischer Kombination mit einem landesüblichen Tier.
Der Zyklus der Sonderedition befaßt sich nun konkret mit Textinhalten der ihnen gegenüberstehenden Gedichte. Die Schnitte sind im Vergleich zur ersten Serie häufig verspielter und insgesamt deutlich detailreicher ausgeführt.

- Die Gedichte haben wir für die Sonderedition nochmals überarbeitet. Einige kleine Änderungen da, ein beinahe neu geschriebenes Sonett dort (z`Planka), etwa die Hälfte der Texte blieb unverändert.

- Auch der Titel des Bandes hat sich für die Sonderedition ein wenig geändert, und zwar im Untertitel, der nun präzisierender Liechtenstein-Sonette (statt Liechtenstein-Gedichte) aufführt. Letzteres auf Anregung von Rainer Stöckli, der auch die Sonderedition als solche maßgeblich angeregt und unterstützt, und mit einem lose beiliegenden Geleitwort versehen hat.

- Die Auflage der Sonderedition ist auf 60 Exemplare limitiert, numeriert und von Helena Becker und uns handsigniert. Knapp die Hälfte dieser Edition ist bereits vor Erscheinen vergriffen. Die parasitenpresse liefert im Falle der Sonderediton also nur bis Exemplar Nr. 60/60 – während die reguläre Ausgabe weiterhin aufgelegt wird. Der Preis für die Sonderausgabe beträgt 15 Euro, und für die reguläre Ausgabe 9 Euro (bei Sendungen innerhalb Deutschlands jeweils inklusive Porto und Verpackung).

Bestellungen bitte direkt bei der parasitenpresse: hier!

Das Lachen der Hühner – Sonderedition

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Helena Beckers in Papier geschnittene Variation über unser Sonett An Sonntagen, aus der in wenigen Tagen lieferbaren Sonderedition von Das Lachen der Hühner: Der märchenböse Zauber des vor sonntäglichen Säften strotzenden Liechtensteiner Bergwalds mit seinen insektuös-gottsuchenden Kraftübertragungen im Schwarzweiß einer sich hinfortkontrastierenden Ahnung.

rheinsein unterwegs im September

rheinsein war im September als Gast bei drei Abendveranstaltungen auf der Bühne, zwei davon in Museen im liechtensteinischen Vaduz.

Im sehenswerten Kunstmuseum Liechtenstein fand zu Monatsbeginn unser erster Gemeinschaftsauftritt mit Helena Becker statt, die für Das Lachen der Hühner die Dorfansichten (hier ein Beispiel) geschnitten hatte. Mithilfe projizierter Screenshots der Website stellten wir rheinsein als multiple Projektform vor, moderierten unsere kleine, randseitige, von den Postkartenständern der Vaduzer Innenstadt jedenfalls deutlich abweichende liechtensteinische Fotokollektion – und brachten Texte zum Vortrag, welche die nicht allzufernen Quellregionen und das Fürstentum selbst betrafen, darunter natürlich auch Gedichte aus Das Lachen der Hühner, zu denen Helena eine neue Papierschnittserie angefertigt hatte, welche nun Motive aus den Sonetten auf- und sich an den Museumswänden prächtig ausnahm.
Das Lachen der Hühner, vor anderthalb Jahren bei der parasitenpresse herausgekommen, befindet sich mittlerweile in der dritten Auflage; derzeit laufen Verhandlungen über eine limitierte Sonderedition mit Helenas im Kunstmuseum erstmals präsentierten neuen Schnitten an. Der Auftritt fand anderntags Niederschlag in der Printausgabe des Liechtensteiner Vaterlands.

Schräg gegenüber des Kunstmuseums Liechtenstein befindet sich das ebenfalls sehenswerte Liechtensteinische Landesmuseum. Während der Termin im Kunstmuseum ein gutes halbes Jahr im voraus feststand, ergab sich der Termin im Landesmuseum vorort ganz kurzfristig zwischen zwei Gläsern Wein. Über die Vernissage zur Bleuler-Ausstellung hatten wir seinerzeit kurz berichtet, nun kamen wir im Gespräch mit Rainer Vollkommer, dem neuen Direktor des Landesmuseums überein, rheinsein mit dem Bleuler-Konvolut des Museums zu kombinieren: nicht mit den Originalen, denn die sind derzeit in Baden-Baden zu sehen, sondern mit Diaprojektionen, die Bleulersche Spätromantik in einer textlichen Zeitreise zu spiegeln, von präromantischen Ausschnitten über damals zeitgenössische bis hin zu aktuellen, über Städte wie Leverkusen etwa, die es zu Bleulers Zeit noch garnicht gab. Vlado Franjević kreierte aus unserem Auftritt drei kurze Videos für das Museum: ein Interview vor der Veranstaltung, sowie Mitschnitte eines seefiebrigen Textes über Konstanz und eines Rhein-Gedichts aus Das Lachen der Hühner, die nun auf Youtube zu finden sind. Sehenswert für alle Liechtensteininteressierten ist sicherlich Vlados Interviewserie mit Besuchern aus aller Welt, zu finden in der Verwandtschaftsspalte.

Zurück in Köln präparierten wir uns sogleich für einen alpinen Abend mit Hartmut Abendschein und Egon Zähringer im überaus netten kleinen kunstraum dellbrück weit draußen auf der Bergisch-Gladbacher-Straße (also fast schon in Polen), welche alles in allem eine der sehenswertesten Straßen Deutschlands, wenn nicht der ganzen Welt vorstellt. Der Abend stand unter dem Motto „es ist fast gar keine Stimmung vorhanden“ – eine Zeile aus unserem Nendeln-Gedicht. Die Markgräfler Weinbatterien des Kunstraums jedoch schufen zunehmend Stimmung, Hartmut zeigte seine Flooksbooks, las aus seiner Neuerscheinung Dranmor über Dranmor, einen Berner Randgänger, Egon Zähringer jodelte und sang deutsch-schweizer Wirtschaftsnachrichten zum Örgeli, das für den Abend geborgte Murmeltier unseres Sohnes sorgte für Ordnung im Stall und alles in allem ging wieder einmal eine knappe halbe Auflage über den Tresen. Ein paar Bilder der Veranstaltung gibt es bei Hartmut Abendschein.

Das Lachen der Hühner: Rezension (4)

Die baden-württembergische Literaturzeitschrift allmende fokussiert, dokumentiert und begleitet seit gut drei Jahrzehnten das literarische Geschehen am Ober-, Hoch- und Alpenrhein. In der soeben erschienenen Nr. 89 schreibt Simone Nitsche über Das Lachen der Hühner:
“Auf gut 20 Seiten umweltfreundlichen Papiers entfalten Stan Lafleur und Helena Becker eine gewitzte Bestandsaufnahme ihrer Liechtensteiner Umgebung in Wort und Bild. Elf poetisch außerordentlich komplexe Sonette werden von ebenso vielen Papierschnitten begleitet, die der Bewegtheit der Gedichte als ruhender Pol gegenüberstehen. Die leicht gelbliche Färbung des Papiers verleiht Helena Beckers Arbeiten ein gewisse Sanftheit, wodurch die Radikalität der Landschaftsbilder, die Stan Lafleurs Lyrik entwirft, etwas gemildert wird. Lafleur erfasst punktgenau das Eindringen der Globalisierung in die beschauliche Ländlichkeit des Fürstentums Liechtenstein. Seine mitunter von Dialekt durchsetzte und zugleich poetisch klare Sprache bildet den Soundtrack einer Verzerrung, der Verzerrung des Althergebrachten. Hier, wo die Natur geradezu aufdringlich wirkt – in An Sonntagen dichtet Lafleur: „nach Waschmittel riecht der Wald (…) voll aufgedrehtes Bächleinplätschern“ – inmitten dieser Hochglanzidylle also entwickelt sich die Natur in Anbetracht des nie versiegenden Touristenstroms zu einer Parodie ihrer selbst. Frei nach der Formel: „Tausche Postkartenkulisse gegen Realität“ liefern Helena Becker und Stan Lafleur mit ihrem schmalen Band Das Lachen der Hühner einen aufschlussreichen Einblick in die Art und Weise, in der sich unsere Welt verändert.”

Das Lachen der Hühner: Rezension (3)

Unter dem Titel „Anreden an Kühe und andere Liechtensteinerinnen oder Ist die Sonett-Form eigentlich eine Untote?“ nimmt Rainer Stöckli im gerade präsentierten jahrbuch 6/2011 schnitt des Liechtensteinischen Literaturhauses Das Lachen der Hühner zum Anlaß, fünf Seiten lang über die Sonett-Form nachzudenken und kommt u.a. zum Schluß, es gebe für diese „uutöödige“ (Dialekt für „nicht zu tötende“) Form mit unserm Band nun über einen Zeitraum von genau 100 Jahren einen eigentümlichen Schulterschluß fürstentümlicher bzw. Liechtenstein-Sonette zwischen „Du mein Liechtenstein“-Anreden seinerzeit und unsrer „o Kühe“-Anrede heutigentags. Dem ist nicht zu widersprechen. Doch während Stöckli eine Sonderform des fürstentümlichen bzw Liechtenstein-Sonetts beschwört, was uns garnicht unlieb ist, begreifen wir unsere Liechtenstein-Texte eher als Fusion (globaler) Heimat- mit Punkdichtung im postmodern geflashten Retro-Sonettkorsett. rheinsein hat Stöcklis Text zur Verfügung. Wir zitieren zwei kurze Ausschnitte und empfehlen zur Vertiefung den Erwerb des Jahbuchs (s.u.):

“Viel Schelte und viel Spott stecken im Heftlein (…). Die Papierschnitte von Helena Becker machen einiges wieder gut (…). Ein Übriges leistet die Form der Gedichte, die Sonett-Form. Wer seine Sprachkunst unter anderem der Fauna, Flora und Topografie eines Fürstentums widmet und das in Quartetten und Terzetten kundtut, die weiss Gott listenreich verreimt, verassonanziert oder anders verbandelt sind, dem ist die halbe Schuld, dass er das Ländchen zwischen Flussbett und Bergköpfen verruft, erlassen.”

Oha! Mit der andern uns freimütig zugewiesenen bzw zurückgespielten Schuldhälfte (der Schuldbegriff taucht in einigen der angesprochenen Sonette in unterschiedlicher Prägung auf) werden wir uns in Liechtenstein vermutlich noch auseinanderzusetzen haben:

“Helena Beckers Schnitte in/aus Papierbogen mittels Schere und Skalpell – sie treffen ins Schwarze (so wie Schnitte mit Messer in Linoleum oder, jahrhundertelang schon, in Lindenholzplatten oder „Stöcke“ von der Weymuthskiefer ins Schwarze treffen). Beckers Arbeiten stellen zu Lafleurs Lachen der Hühner ein prächtiges Komplement dar: Sie beheimaten die Leserschaft des Sprachvirtuosen wieder – uns, die angesichts der artistischen Texte „befremdet“ dasassen bzw. (wie der Smyrk im Sonett „z`Planka“) doo oder dött hockten, „an (unseren) Stuhl genagelt“, und uns Sorgen gemacht haben über allzu kecke Liechtenstein-Dichtung.”

Eine wunderbare Vorstellung: daß ein Leser bei der Lektüre bemerkt, wie er sich für einen Moment einer im Gedicht auftretenden Kunstfigur angleicht, vielleicht sogar überlagert, um sich sogleich wieder der Realität zuzuwenden, in die das Gedicht jedoch (auf welche Weise auch immer) nun hineinfärbt.

Der vollständige Text ist nebst vielen weiteren von vorwiegend lokalen Autoren enthalten in:

Jahrbuch 6|2011 schnitt (Hrsg.: Literaturhaus Liechtenstein)
160 Seiten Inhalt, Broschur mit Schutzumschlag, zwei Laserschnitte und zahlreiche Abbildungen, Format 17 x 27 cm.
ISBN 978-3-9523379-5-0, CHF 30.– (bei Versand plus CHF 6.– Spesen)
Zu bestellen über den Buchhandel.

Das Lachen der Hühner: Rezension (2)

In der aktuellen Juni-Ausgabe von Kultur, dem Monatsblatt für ebensolche und Gesellschaft in Vorarlberg ist eine Rezension zu Das Lachen der Hühner von Karin Jenny erschienen:

“Ein kleiner Lyrikband mit Sonetten handelt von Liechtenstein. Geschrieben von Stan Lafleur, dem Autor, der in Köln am Rhein lebt und sich den Rhein zum Bruder machte. Unzählige Veröffentlichungen erzählen von dieser Affinität. Ein möglicher Grund, warum er für einige Monate in Liechtenstein lebte und als Stipendiat der Kulturstiftung Liechtenstein seinen Blick auf das Fürstentum warf.

In dem kleinen Band „Das Lachen der Hühner“ veröffentlicht Stan Lafleur elf Gedichte/Geschichten, symbolisch für die elf Gemeinden Liechtensteins. Ergänzt werden die Texte durch Scherenschnitte von Helena Becker, die jede der elf Gemeinden Liechtensteins darstellt. Ihre Arbeiten sind losgelöst von den Texten Lafleurs entstanden und bilden einen eigenartigen Kontrast zu dessen sperrigen Texten.

„Fast keine Stimmung vorhanden. Autos parken
ein und aus. tauschen ihre schnell vergänglichen Menschen
in den Pausen dazwischen erneuert sich, ziellos, der Mittag
breiige Sonne, die mit zwei überschüssigen Strahlen die
Fahrbahn beschiesst: Softeis schmilzt auf Asfalt, die Strassen
fliessen sanft entlang an warmgestellten Einfamilienhäusern
vereinzeltes Himbeerblinken, bisweilen durchsegelt die
Luft ein ausgebleichter Geldschein. Wo liegt morgen,
wo gestern, wo heute?…“

Soviel zu Nendeln, dem Strassendorf im Liechtensteiner Unterland. Lafleur nimmt in seinen Texten die Befindlichkeit der „Fremdstauner“ auf, jener Auswärtigen, die der Tristesse dieses Strassendorfes erliegen. „Bremsspurenmandalas zieren Abzweige zu Seitenstrassen…“ Lafleur schmückt seine Sprache aus, als ob er dem Dorf dadurch einen neuen Glanz geben wollte, als ob es ihm leid tun würde, dass der Glanz nicht von selbst da ist. Die von ihm gewählte Interpunktion, die Anfänge mittendrin, das Mittendrin am Anfang verstärken die spröde Atmosphäre, die allem innewohnt. Er setzt die Syntax gegen die Form, das heisst, Lafleur geht damit über die Form hinaus. Er benutzt eine traditionelle lyrische Form „…geruch gärenden geldes“, nämlich die des Sonetts und setzt eine kritisch beobachtende Alltagssprache dagegen.

Seine Texte zu Eschen, Triesen oder anderen Orten sind nicht weniger sperrig, gleichwohl erlebt man sie als schön, wenn man es mag, dass da einer den Spagat zwischen schmückenden Wörtern und entlarvenden Gesten macht. Lafleur entlarvt, kennt kein Erbarmen und scheint doch ein Liebender zu sein, einer, der das, was er so schonungslos beschreibt, liebt.

Vielleicht ist es dieser gelungene Spagat, der diesen kleinen, von schlichten Klammern gehaltenen Band so einzigartig macht. Vielleicht ist es auch deshalb, weil Liechtenstein so schroff keiner beschreiben würde, der in dieser Rheinregion beheimatet ist. Der Rhein in diesen Breitengraden zeigt anderes als jener um Köln. Keine Erkenntnis, die vom Hocker haut – aber eine Möglichkeit, frühere Einfachheit aufzuspüren, sie heute noch zu orten und ihr eine Sprache zu geben. Lafleur schenkt Liechtenstein mit diesem Bändchen ein wunderbares sprachliches Werk, das lange nachklingt. (…)”

***

Stan Lafleur / Helena Becker: Das Lachen der Hühner. Liechtenstein-Gedichte und Papierschnitte, parasitenpresse, Köln 2011. 24 Seiten, ca. DIN A5-Format. Keine ISBN-Nummer.

Bestellbar über den lyrikvertreibenden Buchhandel oder direkt beim Verlag: parasitenpresse@hotmail.com
Bei rheinsein eingehende Bestellungen werden an den Verlag weitergeleitet.
In Liechtenstein sind die Bände in den Buchhandlungen Bücherwurm/Vaduz, GMG/Schaan und Omni/Eschen vorrätig.

Preis für Besteller aus Deutschland: 9 Euro (inklusive Porto und Verpackung)
Preis für Besteller außerhalb Deutschlands: 9 Euro / 12 Schweizer Franken (plus Portopauschale)
Ladenpreis: 9 Euro / 12 Schweizer Franken

Das Lachen der Hühner: Rezension

Eine erste Rezension (von Janine Köpfli) zu Das Lachen der Hühner erschien, flankiert von einem Foto des aufgeschlagenen Bändchens,  gestern im liechtensteinischen Kultur-Monatsmagazin KuL:

“Ein kleines, einfaches Heft, mit Heftklammern gebunden, gibt einen besonderen Eindruck von Liechtenstein. Stan Lafleur und Helena Becker kombinieren Gedichte und Papierschnitte – hübsch, kritisch und zum Schmunzeln.

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Bewusst unscheinbar und schlicht scheint Helena Beckers und Stan Lafleurs Büchlein gestaltet worden zu sein. Es erinnert ein wenig an selbst gebastelte Hefte – so wie man sie in der eigenen Schulzeit fertigte, um die ersten selbst geschriebenen Geschichten und passend dazu die Zeichnungen zu binden. Ein umweltschützendes Trennblatt, das ein bisschen dicker ist als normales Papier, dient als Umschlag – einfach, ohne Schnickschnack, kurz und bündig: «Das Lachen der Hühner» von Stan Lafleur und Helena Becker. Und doch ist es wie jenes Geschichtenheft aus der Schulzeit, das das Kind mit Stolz in den Händen hält, weil es viel mehr ist, als auf den ersten Blick ersichtlich. Schon das grobe Durchblättern zeigt die Qualität, die von der Schlichtheit – von diesem unspektakulären Schwarz und Weiss – ausgeht. Helena Beckers Papierschnitte zeigen Szenen aus Liechtenstein, vornehmlich architektonische Aspekte der elf Gemeinden, wie es in einem Pressetext zum Büchlein heisst. Ortstypische Tiere stehen im Vordergrund, Störche in Ruggell, Hasen in Schellenberg oder Maikäfer in Vaduz. Elf Papierschnitte, die nicht immer zu Stan Lafleurs Gedichten passen. Dies sei aber auch nicht die Absicht gewesen, denn Texte und Bilder entstanden «zu weit überwiegenden Teilen unabhängig voneinander», heisst es. Es sind zwei nebeneinander laufende Zyklen, Eindrücke, die selten die ländliche Idylle zeigen, die so gerne mit Liechtenstein verbunden wird. Vor allem Lafleurs Gedichte beschreiben die Aussensicht auf den Kleinstaat. Der Autor lebte mehrere Wochen und Monate in Liechtenstein. Er beschreibt Gottesreste und Strassenlärm, Almrausch und Geldkäfer, Treuhändersümpfe und zahnspangige Teenies, die sich in Fremdenfeindlichkeit üben und ihre Lehrer beleidigen. Papierschnitte und Texte gehen ihre eigenen Wege, im Gemeinschaftsband schreiten sie Liechtenstein aber parallel in Nord-Süd-Richtung ab und weisen hie und da thematische Gemeinsamkeiten auf. Herausgebracht hat das Heft voller Liechtenstein-Gedichten und Papierschnitten die Kölner «parasitenpresse» anlässlich der Leipziger Buchmesse vom 17. bis 20. März. Ein originelles Heft – einfach und unspektakulär und doch einzigartig in seiner Offenheit und Ehrlichkeit.”

Das Lachen der Hühner: Bonusmaterial

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Das Lachen der Hühner ist womöglich die erste künstlerisch-literarische Kompaktbeschreibung des Fürstentums Liechtenstein in der Moderne. Von Anfang an war der Band auf je elf Gedichte und Bilder veranschlagt, den elf Gemeinden des Landes zu entsprechen. Rheinsein zeigt nun in einer Miniserie, exklusiv und den Start des Bandes begleitend, etwas Bonusmaterial: Bilder und Texte, die es nicht in den Band schafften. Den Auftakt macht eine Stadtansicht von Vaduz (von Helena Becker).

Stan Lafleur / Helena Becker: Das Lachen der Hühner. Liechtenstein-Gedichte und Papierschnitte, parasitenpresse, Köln 2011. 24 Seiten, ca. DIN A5-Format. Keine ISBN-Nummer.

Bestellbar über den lyrikvertreibenden Buchhandel oder direkt beim Verlag: parasitenpresse@hotmail.com
Bei Rheinsein eingehende Bestellungen werden an den Verlag weitergeleitet.
In Liechtenstein sind die Bände in den Buchhandlungen Bücherwurm/Vaduz, GMG/Schaan und Omni/Eschen vorrätig.

Preis für Besteller aus Deutschland: 9 Euro (inklusive Porto und Verpackung)
Preis für Besteller außerhalb Deutschlands: 9 Euro / 12 Schweizer Franken (plus Portopauschale)
Ladenpreis: 9 Euro / 12 Schweizer Franken

Das Lachen der Hühner: Mauren

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Das Lachen der Hühner besteht zur Hälfte aus einer Papierschnitt-Serie Helena Beckers. Schwarze und weiße Flächen sind das Ausgangsmaterial, aus dem die Schaaner Künstlerin ihre Gemeindeportraits aufbaut: teils verspielt und mit filigranem Dekor, teils dynamisch wie Föhnböen, teils auf den von wenigen Umrißlinien bezeichneten Kern reduziert (wie in diesem Fall der Blick auf Mauren).

Das Lachen der Hühner

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Die Entstehensgeschichte von Das Lachen der Hühner unterschied sich in einigen Punkten maßgeblich vom Entstehen früherer Gedichtbände. Zu diesen Punkten gehörte unter anderem die für uns ungewöhnliche Gelingens-Fürbitte bei lokal situierten höheren Mächten im Vorfeld der Arbeit an Text und Bild. In diesem Fall wandten wir uns, veranlaßt von der einheimischen Künstlerin Helena Becker, welcher der Bildpart zugedacht war und die auch die für solche Fürbitten notwendigen katholischen Rituale kannte und für alle Beteiligten vollzog, an die wohl- und heiltätige Heilige Muttergottes von Lourdes zu Bendern (oben im Bild). Die Bendner Lourdes-Grotte ist der originalen, heißt es, 1:1 nachempfunden. Mehrere in der Grotte angebrachte Votivtafeln (nicht im Bild) zeugen von erhörten Gebeten. Unser Band kam nun ebenfalls zustande. Zum Dank erhielt die Madonna einen Strauß weißer Tulpen (unten im Bild) niedergelegt und Kerzen (nicht im Bild) angezündet. Kaum hatten wir die Grotte verlassen, sprang uns im liechtensteinischen Galeriewaldkorridor ein Dutzend Rehe entgegen: ganz offenbar ein Zeichen – das wir zwar nicht genau zu deuten wissen, das jedoch in seiner Komposition aus Scheu und frühlingshafter Energie gefühltermaßen eher eine positive Auflösung der uns so gänzlich ungewohnten Fürbittensituation darzustellen schien.

Liechtenstein-Gedichtband ab sofort erhältlich

Zur Leipziger Buchmesse erscheint in der Kölner parasitenpresse ein neues Substrat unseres großen Forschungs- und Neubeschreibensprojekts zur rheinischen Kulturgeschichte und Gegenwart: Das Lachen der Hühner, ein Gemeinschaftsband mit Helena Becker, versammelt in zwei nebeneinander laufenden Zyklen aus Papierschnitten und Sonetten Eindrücke aus dem Fürstentum Liechtenstein.
Helena Becker lebt seit jeher in Liechtenstein. Ihre nach Sujet reduzierten oder dynamischen Papierschnitte zeigen vornehmlich architektonische Aspekte der elf Landesgemeinden. Die Stimmung der einzelnen Bilder wird von ortstypischen einheimischen Tieren variiert.
Die Gedichte hingegen stehen als Außensicht auf den Kleinstaat, in dem wir, teils stipendiert, Wochen und Monate verbrachten. Sie handeln von einem sagenumwobenen Flecken in Zentraleuropa, in dem die sogenannte ländliche Idylle, die selten tatsächlich eine war, gegen neue Lebensformen vertauscht wurde: Gottesreste und Straßenlärm, Almrausch und Geldkäfer spielen hierbei tragende Rollen, nicht zuletzt der verbliebene Einfluß einer von Bergen und Rhein geprägten Landschaft auf den modernen Weltprovinz-Menschen.

Stan Lafleur / Helena Becker: Das Lachen der Hühner. Liechtenstein-Gedichte und Papierschnitte, parasitenpresse, Köln 2011. 24 Seiten, ca. DIN A5-Format. Keine ISBN-Nummer.

Bestellbar über den lyrikvertreibenden Buchhandel oder direkt beim Verlag: parasitenpresse@hotmail.com
Bei Rheinsein eingehende Bestellungen werden an den Verlag weitergeleitet.
In Liechtenstein werden die Bände voraussichtlich in Bälde im Buchhandel und im Kunstmuseum vorrätig sein.

Preis für Besteller aus Deutschland: 9 Euro (inklusive Porto und Verpackung)
Preis für Besteller außerhalb Deutschlands: 9 Euro / 12 Schweizer Franken (plus Portopauschale)
Ladenpreis: 9 Euro / 12 Schweizer Franken

Blick in den Himmel im Rhein bei Liechtenstein

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(Bild: Helena Becker)