Den Sommer singen

Als ich am ersten Sonntage, den ich als Einwohner Heidelbergs erlebte, durch die Straßen ging, begegneten mir immer häufiger Kinder, ganz kleine und ganz große, die einen merkwürdigen Stecken trugen: auf einen geschälten, oben zugespitzten Stab war oben eine Bretzel fast immer gleicher Form gesteckt, zwischen die Bretzel ausgeblasene Eier oder Apfel, und um den ganzen Stecken herum buntes Papier und bunte Bänder. Ich wurde alle Augenblicke von Buben angelaufen, die in Blechbüchsen Geld schüttelten und dazu immer dieselben Verse sangen:

Strieh Strah Stroh, der Summerdag is do,
Der Sommer und der Winter
Das sinn Geschwisterkinder,
Summerdag Staab aus
Blost em Winter die Aage aus,
Strieh Strah Stroh, der Summerdag is do.

Ich hör’ die Schüssel klinge,
Was were se uns denn bringe,
Rote Wein un Bretzl drein,
Was noch dazu? Paar neue Schuh,
Strieh Strah Stroh, der Summerdag is do,
Heut übers Johr do sinn mer widr do.

Wer nichts bekam, sang:

O du alter Stockfisch,
Wenn mer kommt, do hoscht nix,
Gibscht uns alle Johr nix,
Strieh Strah Stroh, der Summerdag is do.

Weiterhin sah ich dann den großen „Sommertagszug”, in dem hundert und aber hundert Kinder mit Stecken, wie ich sie beschrieb, das Lied singend, das ich angab, durch Hauptstraße und Anlage zogen. Dieser Zug am Sonntag Lätare, denn der war es, ist erst im Jahre 1893 wieder neu eingerichtet worden, aber die Hauptzüge des Brauches sind alt; nachweislich z. B. auch am Ende des 17. Jahrhunderts aus den Briefen der Liselotte, die ihn mehrfach erwähnt, oder z. B. aus einem Eintrag in einem Ausgabenbuch des Pfalzgrafen Karl Ludwig: „Zwei Jungen, welche den Sommer gesungen, 1 Gulden 30 Kreuzer.“ In dem Zuge gingen denn auch in einer ganzen Reihe von Exemplaren der „Sommer“ und der „Winter”: Jungen, die, darunter versteckt bis auf die Füße, pyramidenartige Gestelle trugen, mit Stroh umwickelt, wenn sie den Winter, mit allerlei Tannengrün, wenn sie den Sommer darstellen sollten. Bis vor kurzem, so erfuhr ich, haben außerdem noch Kämpferpaare mit hölzernen Schwertern fechtend den Kampf des Sommers und Winters dargestellt. Das alte Motiv des Kampfes ist auch dann noch deutlicher zum Ausdruck gebracht, wenn die Knaben einen hölzernen Degen in der rechten Hand, die Bretzel in der Linken trugen und nun mit dem Degen den Winter austreiben halfen. So ist es an anderen Orten der Pfalz noch heute Brauch. Dort wird auch (in der Hinterpfalz) der Sommer mit Efeu umzogen, den erwachsene Burschen morgens in Körben aus dem Walde geholt haben. Mit Sommer und Winter ziehen wohl auch einher die „Rußebutzen”, die ihrem Namen entsprechend Gesicht und Hände stark überrußt haben. An manchen Orten — auch an Orten des Odenwaldes und Neckartales — gehen die Mädchen von 6—12 Jahren, mit Kränzen von Buchsbaum oder Efeu, mit Blumen und Bändern geziert, im Dorfe von Haus zu Haus und kündigen durch ihren Gesang den Frühling an. Das Lied, das dabei vielfach gesungen wird, will ich nur in einigen Wendungen hier wiederholen:

Heut ist Mitten Fasten,
Da leeren die Bauern den Kasten,
Tun sie die Kasten schon leeren,
Gott will was Neues bescheren…
Im Sommer da deihen die Früchte wohl,
Da kriegen sie Scheuern und Kasten voll…
Da schaut ein Herr zum Fenster heraus,
Er schaut hinaus und wieder hinein,
Er schenkt uns was ins Beutelein nein;
Wir wünschen dem Herrn ein goldenen Tisch,
Auf jedem Eck ein backenen Fisch,
Und mitten drein ‘nein
Eine Kanne voll Wein,
Da kann der Herr recht lustig sein.

(Albert Dieterich: Kleine Schriften, Leipzig 1905)

Die alten bösen Lieder

Die alten bösen Lieder
Die Träume schlimm und arg,
Die laßt uns jetzt begraben,
Holt einen großen Sarg.

Hinein leg ich gar Manches,
Doch sag ich noch nicht was;
Der Sarg muß sein noch größer
Wies Heidelberger Faß.

Und holt eine Totenbahre,
Von Brettern fest und dick:
Auch muß sie sein noch länger
Als wie zu Mainz die Brück.

Und holt mir auch zwölf Riesen,
Die müssen noch stärker sein
Als wie der heilige Christoph
Im Dom zu Köln am Rhein.

Die sollen den Sarg forttragen
Und senken ins Meer hinab,
Denn solchem großen Sarge
Gebührt ein großes Grab.

Wißt ihr, warum der Sarg wohl
So groß und schwer mag sein?
Ich legt auch meine Liebe
und meinen Schmerz hinein.

(Heinrich Heine: Buch der Lieder, Hamburg 1827)

Heidelberg am Rhein

I and my pupil dined as usual in Mrs. Fairfax’s parlour; the afternoon was wild and snowy, and we passed it in the schoolroom. At dark I allowed Adele to put away books and work, and to run downstairs; for, from the comparative silence below, and from the cessation of appeals to the door-bell, I conjectured that Mr. Rochester was now at liberty. Left alone, I walked to the window;
but nothing was to be seen thence: twilight and snowflakes together thickened the air, and hid the very shrubs on the lawn. I let down the curtain and went back to the fireside.

In the clear embers I was tracing a view, not unlike a picture I remembered to have seen of the castle of Heidelberg, on the Rhine, when Mrs. Fairfax came in, breaking up by her entrance the fiery mosaic I had been piercing together, and scattering too some heavy unwelcome thoughts that were beginning to throng on my solitude.

(aus Charlotte Brontë: Jane Eyre, 1847)

Presserückschau (März 2016)

1
“Eine Panne im umstrittenen Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass vor knapp zwei Jahren soll wesentlich dramatischer verlaufen sein als bisher bekannt. Einem Bericht der “Süddeutschen Zeitung” (…) zufolge waren am 9. April 2014 nach einer Überflutung wegen eines Lecks in Block 1 die Steuerstäbe zum Abschalten des Reaktors nicht mehr manövrierfähig. (…) Der Block wurde laut “SZ” erst durch Einleitung von Bor ins Kühlsystem abgeschaltet – ein äußert seltenes Vorgehen. Der Betreiber des Akw, der staatliche französische Stromkonzern EDF, hatte zwar von dem Leck berichtet, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Auf der achtstufigen internationalen Störfallskala Ines wurde der Vorfall lediglich auf Niveau 1 eingestuft. Die Überschwemmung habe damals eine “Abfolge von technischem Versagen und Chaos” nach sich gezogen (…). So sei eines der beiden parallelen Sicherheitssysteme ausgefallen, weil Wasser in Schaltschränke gelaufen sei.” (Donaukurier)

2
“Es gibt Szenarien, da muss man zweimal hingucken, um zu verstehen, dass man nicht völlig verrückt geworden ist. So ging es wohl einigen Duisburgern (…), als ein offensichtlich toter Pottwal auf der Ladefläche eines Transporters durch die Innenstadt rollte. Wenig später lag das fast 20 Meter lange Tier am Ufer des Rheinpreußenhafens in Homberg. Eine Schulklasse begutachtete es neugierig, die Kinder konnten kaum fassen, was sie da sahen. Wenig später kamen Forscher, um den Wal zu untersuchen. Auch das Duisburger Ordnungsamt kam zur Unfallstelle. Hatte sich der Wal vielleicht verirrt, ist er etwa über die Nordsee in den Rhein geschwommen und dann gestorben? Fehlanzeige: Der Pottwal am Duisburger Rheinufer hat nie gelebt. Es handelt sich um eine lebensgroße Attrappe, die zu den Aktionen des Kulturfestival Duisburger Akzente gehört.” (Rheinische Post)

3
“Die Ansicht ist wenig spektakulär: ein abgesperrtes Loch in der Erde, dessen Boden leicht mit Wasser bedeckt ist und auf dem ein Bagger und ein Container stehen. Trotzdem bedeutete der 16 Meter tiefe Schacht gestern Anlass zur Freude auf dem Chempark-Gelände Wiesdorf. Denn er ist der Anfang eines neuen Tunnels unter dem Rhein zwischen Leverkusen und Köln-Merkenich. Und so feierte Chempark-Betreiber Currenta mit mehreren Dutzend Gästen aus Unternehmen und der Politik die Taufe der Rheinunterquerung. Sie trägt nun den Namen “Martina”. Patin und Namensgeberin ist Currenta-Mitarbeiterin Martina Jacobs-Wellenberg, die das Projekt seit Beginn begleitet.” (Rheinische Post)

4
Loreena McKennitt feiert ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum, berichtet die Fachzeitschrift Powermetal im Stil einer Werbeanzeige: “Nun schiebt ihr Label Quinlan Road noch die Livescheibe “Troubadours On The Rhine” nach, wiederum strikt limitiert auf 5000 Kopien und in hochwertigem 180g-Vinyl. Doch neben der hochwertigen Aufmachung ist das Schöne daran natürlich in erster Linie das Schöne darin. Loreena spielte dieses Konzert auf Einladung des Radiosenders SWR1 (…) am 24. März 2011, in Mainz. (…) Insgesamt (…) eine (große, schwarze) runde Sache, die ein Muss für alle Folkfans darstellt. Und die Tatsache, dass die Aufnahmen vom schönen Mainz am Rhein stammen, sollte insbesondere die Rheinländer auf den Plan rufen. Da dürften die 5000 Exemplare schnell vergriffen sein.”

5
“Im Rahmen der 37. Duisburger Akzente “Nah und Fern – 300 Jahre Duisburger Hafen” läuft im Ruhrorter Museum der Deutschen Binnenschifffahrt noch bis zum 9. April die Sonderausstellung “Neue Horizonte – Dynamik im Fluss” über den Erfinder Paul Schatz (1898-1979), der als deutsch-jüdischer Emigrant in der Schweiz lebte (…). Dazu spielte (…) das “Ensemble Neue Horizonte Bern” (…) sein Programm “Im Fluss”. (…) Sämtliche Kompositionen von “Im Fluss” beschäftigen sich mit den Themenkomplexen Fluss, Wasser und Hafen, aber auch Strömung, Schleuse, Handelsumschlagplatz, Schwäne, Rhein, Donau und Moldau sowie weiterem Nahen oder Fernen. Der formale Rahmen leitet sich von Paul Schatz und seinem umstülpbaren Würfel ab (den übrigens der Westdeutsche Rundfunk vor 50 Jahren zum Logo seines Dritten Fernsehprogramms machte). Der taumelnden Bewegung des Oloids passt sich auch die in jedem Konzert andere Reihenfolge der Stücke an. Genauer gesagt, bleibt die Abfolge gleich, nur Anfang und Ende verschieben sich.” (Rheinische Post)

6
Rettung aus Rheinnot: mehrere Schafe hatten sich laut Anrufen von Spaziergängern bei der Krefelder Feuerwehr im Fluß befunden: “Ein freilaufender Hund hat (…) eine Schafsherde in Panik versetzt. Ein Tier wurde in den Hals gebissen. Es wusste sich nicht anders zu retten, als in den Rhein zu springen. Ein Passant und ein Polizist in zivil, retteten das verletzte Tier in Ufernähe aus dem Wasser. Vom Hund keine Spur.” (Rheinische Post) Der Verbleib der restlichen Schafe, die sich ebenfalls in den Fluß gestürzt haben sollen, ist ungeklärt.

7
“Ein ausgebüxtes Rind hat (…) einen Polizeieinsatz der Stadtpolizei Chur verursacht. Das Tier war zuerst stadtauswärts auf den Zuggeleisen unterwegs. Danach stapfte es zum Rheinufer. (…) Als eine Polizeipatrouille vor Ort eintraf, waren bereits mehrere Personen dabei, das entwichene Rind von den Geleisen wegzutreiben. (…) Nach einiger Zeit ging das Rind zum Rheinufer und überquerte den Fluss schwimmend. Es strandete völlig erschöpft am gegenüberliegenden Ufer von Haldenstein. Dort konnte das Tier schliesslich von Bauern mit einem Seil hochgezogen werden.” (Schweizer Bauer)

8
“In Baden-Württemberg hat ein 22-Jähriger sein Auto versehentlich in den Rhein gelenkt. Er und sein Beifahrer kamen glimpflich davon. Ein Passant hatte (…) den Zwischenfall in Breisach am Rhein beobachtet und den Notruf gewählt. (…) Kurz darauf meldete sich (…) der Fahrer des Wagens. Er und sein ebenfalls 22 Jahre alter Beifahrer hatten sich alleine befreit und waren durchs eiskalte Wasser zum Ufer geschwommen. Danach gingen beide nach Hause, um die nassen Kleider zu wechseln. Der Polizei zufolge ist der Unfallverlauf inzwischen geklärt: Der Fahrer war (…) beim Rückwärtsfahren auf einen Grünstreifen geraten und hatte die Kontrolle über das Auto verloren. Der Wagen rollte daraufhin die Böschung zum Rhein hinunter und stürzte in den Fluss. Das Fahrzeug ging unter und soll nun geborgen werden.” (Spiegel)

9
“Erneut haben Unbekannte zwei große Bäume an der Rheinallee (in Königswinter; Anm.: rheinsein) vergiftet. (…) Eine stolze Platane und ein Ahorn mussten deshalb (…) in Höhe der Hubertusstraße am Rheinufer gefällt werden. Ebenfalls (…) wurden zwei weitere Bäume gefällt, die bereits im vergangenen Jahr Opfer von Giftanschlägen geworden waren, und eine Pappel, die unmittelbar am Rheinufer stand und angesägt worden war. Die Stadt hat innerhalb von nur neun Monaten insgesamt fünf Strafanzeigen gegen Unbekannt bei der Polizei erstattet.” (General-Anzeiger)

10
“Jubel bei den Rhine River Rhinos: Die Rollstuhl-Basketballer aus Wiesbaden haben den Aufstieg in die Erste Bundesliga perfekt gemacht. Die Mannschaft von Cheftrainer Cliff Fisher setzte sich am letzten Spieltag bei den SKG Rolling Choclate in Heidelberg mit 89:53 durch und sicherte sich die Meisterschaft in der Zweiten Liga.” (Wiesbadener Tagblatt)

11
“Die Programmiersprache rhine aus der Feder von Ramkumar Ramachandra ist eine typisierte, von Elixir inspirierte Sprache, die die LLVM-Just-in-time-Kompilierung nutzt und einen vollständigen abstrakten Syntaxbaum, sowie N-D-Tensoren, First-Class-Funktionen und Typinferenz bietet. Die von Ramachandra im GitHub-Repositorium des Projekts vorgestellten Sprachfeatures umfassen beispielsweise die Typannotation ~Int (In rhine werden nur Argumenttypen kommentiert; Rückgabetypen werden inferiert) sowie die Funktion ~Function(Int -> Int -> Int. Letztere nimmt zwei Integer auf und gibt einen zurück, wobei etwas Haskell-Syntax eingestreut wird. (…) Eine Besonderheit von rhine ist der AST. Dieser nimmt starke Anleihen bei der LLVM-Zwischenschicht (IR), umfasst jedoch auch einige höher angesiedelte Konzepte, wie beispielsweise Tensoren. Er ist Ramachandra zufolge als SSA zu betrachten und verfügt über einen eingebetteten UseDef-Graph, weshalb Analysen und Transformationen sich besonders leicht gestalten sollen.” (Jaxenter)

12
“Einsatzkräfte der Polizei und der Rheinhausener Feuerwehr haben in Duisburg-Friemersheim die Reste einer Leiche aus dem Rhein geborgen. Ausgerückt waren auch ein Boot der Wasserschutzpolizei sowie Taucher. Da der Torso relativ ufernah im Rhein trieb, kamen letztere nicht zum Einsatz. Zur Identität der toten Person ist noch nichts bekannt. (…) Fingerabdrücke der aufgefundenen linken Hand werden derzeit ausgewertet. “Die Leiche ist auch nicht mehr ganz frisch”, sagt Feuerwehr-Einsatzleiter Thorsten Stolz. Sie sei vermutlich schon eine Weile stromabwärts getrieben und auch in Kontakt mit Schiffschrauben gekommen.” (WAZ) “In Duisburg hat eine Passantin am Rheinufer Leichenteile gefunden. Der menschliche Unterkörper war im Bereich Alsumer Steigs angeschwemmt worden (…). Erst vergangene Woche war rheinaufwärts beim Duisburger Ortsteil Friemersheim ein lebloser Oberkörper geborgen worden. Taucher der Feuerwehr zogen die Leiche aus dem Wasser. Eine DNA-Analyse soll nun klären, ob die Leichteile von der selben Person stammen. (…)” (Welt)

13
“Die Quecksilber-Belastung deutscher Flüsse liegt (…) vielerorts weit über dem zulässigen Grenzwert. Die Umweltqualitätsnorm von 20 Mikrogramm Quecksilber je Kilogramm Fisch werde in den großen Flussgebieten Rhein, Elbe und Donau dauerhaft und flächendeckend um das fünf- bis 15-fache überschritten (…). Quelle dafür sei eine Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Parlamentsanfrage. Zwar stoßen Dutzende deutsche Braun- und Steinkohlekraftwerke in geringen Dosen Quecksilber aus, Umweltschützer machen aber vor allem giftige Dämpfe aus Braunkohlekraftwerken für die Umweltbelastung mit dem Schwermetall verantwortlich.” (n-tv)

Hymn for the Boatmen, as They Approach the Rapids under the Castle of Heidelberg

JESU! bless our slender Boat,
By the current swept along;
Loud its threatenings – let them not
Drown the music of a song
Breathed thy mercy to implore,
Where these troubled waters roar!

Saviour, in thy image, seen
Bleeding on that precious Rood;
If, while through the meadows green
Gently wound the peaceful flood,
We forgot Thee, do not Thou
Disregard thy Suppliants now!

Hither, like yon ancient Tower
Watching o’er the River’s bed,
Fling the shadow of thy power,
Else we sleep among the dead;
Thou who trodd’st the billowy sea,
Shield us in our jeopardy!

Guide our Bark among the waves;
Through the rocks our passage smooth;
Where the whirlpool frets and raves
Let thy love its anger soothe:
All our hope is placed in Thee;
‘Miserere Domine!’

(William Wordsworth, Memorials of a tour on the continent, 1820)

Heidelberg

Lange lieb ich dich schon, möchte dich, mir zur Lust,
Mutter nennen und dir schenken ein kunstlos Lied,
Du, der Vaterlandsstädte
Ländlichschönste, so viel ich sah.

Wie der Vogel des Walds über die Gipfel fliegt,
Schwingt sich über den Strom, wo er vorbei dir glänzt,
Leicht und kräftig die Brücke,
Die von Wagen und Menschen tönt.

Wie von Göttern gesandt, fesselt’ ein Zauber einst
Auf die Brücke mich an, da ich vorüber ging
Und herein in die Berge
Mir die reizende Ferne schien,

Und der Jüngling, der Strom, fort in die Ebne zog,
Traurigfroh, wie das Herz, wenn es, sich selbst zu schön,
Liebend unterzugehen,
In die Fluten der Zeit sich wirft.

Quellen hattest du ihm, hattest dem Flüchtigen
Kühle Schatten geschenkt, und die Gestade sahn
All’ ihm nach, und es bebte
Aus den Wellen ihr lieblich Bild.

Aber schwer in das Tal hing die gigantische,
Schicksalskundige Burg nieder bis auf den Grund,
Von den Wettern zerrissen;
Doch die ewige Sonne goß

Ihr verjüngendes Licht über das alternde
Riesenbild, und umher grünte lebendiger
Efeu; freundliche Wälder
Rauschten über die Burg herab.

Sträuche blühten herab, bis wo im heitern Tal,
An den Hügel gelehnt oder dem Ufer hold,
Deine fröhlichen Gassen
Unter duftenden Gärten ruhn.

(Friedrich Hölderlin)

Presserückschau (November 2013)

Nach einem (für die Jahreszeit ungewöhnlichen) Flautemonat spülte der November nun wieder zahlreiche hübsche Pressemeldungen von den Rheingestaden ins Netz. Unsere Auswahl, heute aus bosporidischer, dem Rhein durchaus verschwisterter Ferne zusammengestellt:

1
Dem Windsurfing auf dem Rhein in der Mittelheimer Bucht widmet die FAZ eine Reportage: “Der Wind muss aus Südwest kommen. Nur dann bläst er genau entgegengesetzt zur Fließrichtung des Stroms. Nur dann bilden sich die richtigen Wellen mit Schaumkrönchen, die bis zu einem Meter hoch werden. Und nur dann können die Windsurfer den Rhein kreuzen, ohne an Höhe zu verlieren. Von Oestrich nach Ingelheim und zurück, immer und immer wieder, am liebsten den ganzen Tag.”

2
Ebenfalls die FAZ begleitet die Vorarbeiten zur möglichen Wiederaufnahme der Erdölförderung am Rhein: “Ein Hauch von Denver und Dallas weht durch Südhessen: Nach rund 20 Jahren Pause könnte eine Erdölquelle in der Region wieder sprudeln. Eine Probebohrung der Firma Rhein Petroleum GmbH auf einem früheren Erdölfeld bei Riedstadt-Crumstadt im Süden des Landes sei erfolgreich gewesen, teilte das Heidelberger Unternehmen am Donnerstag mit.”

3
Eine schöne Nachricht, die keine ist und obendrein veraltet, verbreitet Die Welt: “Auf dem Deck eines Rheindampfers bei Koblenz stand der Honda S500 bei seinem ersten Deutschland-Besuch im August 1963. In leuchtendem Rot und mit geöffnetem Verdeck, sodass jeder sehen konnte, dass der japanische Roadster sein Lenkrad ausnahmsweise auf der linken Seite hatte. Das war Teil der perfekt inszenierten Werbeveranstaltung, an der sogar Soichiro Honda, der Gründer des Unternehmens, teilnahm. (…) Den Preis für den Roadster gab Honda anfangs noch nicht bekannt. Stattdessen platzierte das Unternehmen eine Werbung als Quiz. Die Japaner sollten den Kaufpreis des S500 erraten. Mehr als fünf Millionen Preisvorschläge wurden gezählt, am häufigsten die Summe von 485.000 Yen. Nach dem aktuellen Kurs wären das 3650 Euro. Kurz darauf nannte Honda den tatsächlichen Preis: Der Zweisitzer sollte 459.000 Yen kosten. Möglicherweise wollte die Marketingabteilung mit diesem Quiz nur herausfinden, was die Bevölkerung bereit gewesen wäre, für ein Auto von Honda auszugeben. Trotz der eindrucksvollen Präsentation auf dem Rheindampfer wurde der Roadster nie auf dem deutschen Markt angeboten. Es sollte noch vier weitere Jahre dauern, bis mit dem S800, einer Weiterentwicklung des S500, der erste Honda in Deutschland verkauft wurde.”

4
Von hochrangigen Barbaren unter dem Industriepark von Obernai im Elsaß berichtet Der Spiegel in einem Wissenschaftsartikel mit Grabungsleiter Clément Féliu: “Im frühen 5. Jahrhundert war die Völkerwanderungszeit im vollen Gange. Ganze Völker und Stämme verließen ihre Heimat und zogen in neue Gebiete – was bekanntermaßen nicht immer friedlich ablief. Um die Grenzen zu sichern, holten die Römer oft Hilfe vom einen Ende des Reiches ans andere. “Es handelt sich bei den Toten aus Obernai vielleicht um eine kleine Gruppe östlicher Barbaren, die von den Römern hierher geholt wurden, um den Limes zu bewachen.(…) Es ist jedenfalls das erste Mal, dass wir einen ganzen Friedhof von Sarmaten, Alanen oder Hunnen im Elsass gefunden haben.”"

5
Daß der erste Eindruck des Rheins an vielen Stellen vor allem ein lauter ist, bestätigt (abermals) die FAZ: “Täglich passieren rechtsrheinisch 180 bis 200 Güterzüge innerhalb von 24 Stunden das Mittelrheintal, linksrheinisch sind es 70 Güterzüge. Der Dauerschallpegel liegt nach Messungen des hessischen Umweltministeriums in der Nacht bei fast 80 Dezibel.” Der Bund, die angrenzenden Länder und einige Bürgerinitiativen wollen dem nun mit einer Untersuchung, wie der Lärm zu reduzieren sei, entgegenwirken, nachdem die Kanzlerin im Zuge des Wahlkampfs geäußert hatte, daß “man da etwas machen müsse”.

6
“Das Herz der deutschen Wirtschaft schlägt am Rhein”, meint der rheinland-pfälzische Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD). Daß mehr Güterverkehr auf den Rhein umgelegt werden soll, darüber sind sich die vier deutschen Rhein-Bundesländer einig: “Ein Binnenschiff könne immerhin 150 Lkw-Ladungen befördern. Der technische Zustand der Infrastruktur in Deutschland mit seinen Straßen-, Schienen- und Wasserstraßennetzen sei besorgniserregend (…). Die zusammen mit Bayern erarbeitete “Düsseldorfer Liste” enthält 36 Schlüsselprojekte – davon zehn Ausbauprojekte an Wasserstraßen sowie je 13 zentrale Verbindungsprojekte zu Häfen über Schiene und Straßen. Auf der Liste stehe unter anderem der Ausbau einiger Schiffschleusen mit einer zweiten Kammer, die Erneuerung und Verlängerung der Neckarschleusen und die Vertiefung des Rheins, damit er an einigen Stellen auch bei niedrigem Wasserstand befahren werden kann. Im Bereich der Straßenprojekte sei etwa die Rheinquerung Wörth-Karlsruhe aufgenommen worden, die Erneuerung der Hochstraße in Ludwigshafen und die Erweiterung der Biewerbachtalbrücke an der A 64 bei Trier (…).” (SWR)

7
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. So berichtet der Remscheider General-Anzeiger bereits jetzt über die Ankunft der “Seherin vom Rhein” Lilo von Kiesenwetter in Remscheid, die für Anfang Januar geplant ist: “Am 2. Januar (…) kommt die Wahrsagerin in voller Montur (…) ins (Allee-)Center: Drei Tage lang residiert sie in einem Zelt neben der Rolltreppe – und wird von ihrem goldenen Thron aus den Remscheidern die Zukunft vorhersagen.”

8
Das Bornheimer Rheinufer droht abzustürzen, meldet der Kölner Stadt-Anzeiger: “Auf einer Länge von zwei Kilometern ist in Bornheim der Rheinuferhang nicht sicher. In einem Treffen mit der Bezirksregierung und Vertretern des Rhein-Sieg-Kreises wurden der Bornheimer Stadtverwaltung sofortige Maßnahmen vorgeschlagen, um das Risiko für Fußgänger und Anwohner des Rheinufers zwischen Rheinuferweg und Rheinterrassen zu minimieren. Bereits veranlasst wurde eine Sperrung des Leinpfads zwischen der Böschung und dem Ufer selbst.”