Presserückschau (August 2017)

1
Grusel-Schleim
“Ein gelber Schleim löste (…) einen Großeinsatz am Düsseldorfer Rhein aus. Die Feuerwehr rätselte, um was es sich bei der Substanz handeln könne, die kilometerweit am Ufer klebte. Das Landesumweltamt entnahm Proben (…). Jedoch berichtet die „Bild“, dass es sich bei dem Schlamm wahrscheinlich um Motoren-Fett handele. Die bestätigte ein Sprecher des Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (…).” (Der Westen)
“Tagelang sorgte eine widerliche Schleim-Brühe am Rheinufer für Aufsehen (…). Lange war unklar, um was es sich bei der klebrigen Masse handelte. Besonders bei Düsseldorf, Dormagen, Monheim und Leverkusen wurde die Substanz angespült. (…) Eine Untersuchung von Proben durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz hat ergeben: Es ist ein Gemisch verschiedener Fette. Allerdings handelt es sich offenbar nicht um Betriebsfette von Schiffen, sondern um eine Zusammensetzung, die in ganz alltäglichen Produkten vorkommen wie etwa Butter, Olivenöl, Sonnenblumenöl und ähnlichem. Wie die Fettspur ins Wasser gelangen konnte, ist unterdessen noch unbekannt.” (Express)

2
Rhi-Schwumm
“Unter dunklen Gewitterwolken und bei schwüler Hitze haben sich in Basel 4500 Schwimmer in den Rhein gestürzt. Beim 37. Rheinschwimmen ließen sie sich (…) im 21 Grad warmen Wasser knapp zwei Kilometer flussabwärts zur Johanniterbrücke treiben. Blitze und Regen blieben aus und alle Teilnehmer sind unversehrt wieder an Land gekommen, wie die Organisatoren mitteilten.
Das Rheinschwimmen veranstaltet die Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG). Sie will damit für das Schwimmen in natürlichen Gewässern werben, aber auch auf damit verbundene Gefahren hinweisen.” (Südkurier)

3
Sprung
“Weil sich ein Tankschiff seinem Sportboot bedrohlich näherte, ist ein Angler in den Rhein gesprungen. Der Motor seines Bootes sei (…) in der Nähe von Bingen ausgefallen – ausgerechnet auf Höhe des Tankers, teilte die Wasserschutzpolizei mit. Versuche, den Motor zu starten, scheiterten. Als das Schiff noch rund 20 Meter von ihm entfernt war, ging der Angler von Bord. Ein Tourist am Ufer des Flusses sprang daraufhin mit einem Treibholz in den Rhein. Er habe den total erschöpften Mann gerettet, so die Polizei. Das Boot des Anglers wurde wenig später in einen Hafen gebracht.” (Welt)

4
Canyoning
“Viamala heißt „schlechter Weg“. Für die römischen Legionäre war der „schlechte Weg“ die Alternative zur Brennerroute, um an die nordischen Grenzen ihres Weltreiches zu gelangen. Später versuchten mittelalterliche Kaufleute, ihre Ochsenkarren entlang der steil aufragenden Felsen durch die Schlucht zu bugsieren. Manche stürzten in die Schlucht hinab. Heute nehmen die Reisenden nicht mehr den „schlechten Weg“ durch die Schlucht, sondern die schweizerische Autobahn A13. Manche fahren in Thusis-Süd ab und machen einen Zwischenstopp an der Aussichtsplattform, die an einer der spektakulärsten Stellen der Viamala hoch über dem Hinterrhein liegt. Wer an diesem sonnigen Sommermorgen hinabblickt in die Schlucht, sieht sechs Gestalten in Neoprenanzügen, die auf steilen Treppenstufen zum Fluss hinabsteigen. Von oben ist kaum vorstellbar, dass sich Sportler tatsächlich gefahrlos in das sprudelnde Wasser begeben können. Tatsächlich gehört die Viamala-Schlucht zu jenen Stellen in den Alpen, an denen Outdoor-Anbieter Canyoning-Touren veranstalten.” (Schwäbische)

5
Jahrmillionen
“Bis der Rhein seine heutige Fließrichtung gefunden hat, vergehen Millionen von Jahren. (…) Gemessen am Alter der Erde formt die geologische Erdneuzeit nur eine bescheidene Zeitspanne von rund 60 Millionen Jahren. Doch gerade in der jüngsten Tertiärstufe, vor etwa zehn Millionen Jahren, nahmen unsere umgebenden Gebirge, die Alpen, der Tafeljura, Kaiserstuhl und Hegauvulkane Gestalt an. Zwischen den ursprünglich zusammenhängenden Vogesen und dem Schwarzwald brach der Oberrheingraben ein. Erst danach veränderten sich die alten Flusssysteme mehrmals. Es bildeten sich unsere Flüsse in der heutigen Fließrichtung (…). Im Quartär überzogen vier Kaltzeiten weite Teile Europas. Sie modellierten durch Gewicht und Druck die unter dem Eis liegenden Landschaften. Die eisfreien Zonen wurden durch Regen und Schmelzwässer gestaltet und Stürme formten die heutigen Lössgebiete. Die Maximalvereisung der Risskaltzeit (etwa 340 000 bis 130 000 Jahre vor heute) brachte den riesigen Rhein-Aare-Gletscher von den Alpen bis in die Gegend von Möhlin, zwölf Kilometer unterhalb Bad Säckingen, wo die äußersten Moränen nachgewiesen wurden. (…) Der aus dem abtauenden Gletscher abströmende Fluss (Rhein) querte das Stadenhauser Feld nach Westen und floss durch das heutige Laufenburg/AG südlich der heutigen SBB-Linie ab.”
(Südkurier)

6
Fiktive Stadt
“Oberucken, ein idyllisches Städtchen, liegt im Herzen des Rhein-Sieg-Kreises zwischen Niederkassel und Sankt Augustin.
(…) Doch wer Oberucken sucht, wird es nicht finden: Die fiktive Stadt am Rhein steht lediglich im Zentrum einer gleichnamigen Comedy-Serie. Die handelt von der fettleibigen Witwe Adelheid und ihrem Lebensgefährten Bernd, der seit einem „Arbeitsunfall“ außerhalb der Arbeit frühverrentet ist. Die beiden werden auf eine harte Probe gestellt, nachdem Adelheids Schwester und Schwager bei einem Hausbrand versterben und ihr Neffe Niklas bei ihnen einzieht. Die Serie ist eine sogenannte Mockumentary, also eine offensive Karikatur der klassischen Dokumentation.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

7
Tinker Belles
“Rund 500 Tinker aus Irland sind aktuell in NRW unterwegs. Erst waren sie in Kevelaer, dann in Neuss. (…) Die irischen Landarbeiter aus Irland campen ohne Genehmigung mit ihren Caravans nahe der Rheinkniebrücke. Knapp bekleidete junge Mädchen und ihre Luxuskarossen sorgen für Aufsehen. Erlaubt ist das nicht.” (Der Westen)

8
Kindertheater
“Am (…) 1. Oktober 2017 (…) bringt das pappmobil Kindertheater das Theaterstück “Bin im Bett! Vater Rhein” auf die Bühne des Kindertheaters in Wanne Eickel (…). Vater Rhein selber beauftragt den Theaterdiener, die herrlichen Geschichten von den Ufern des größten deutschen Flusses zu erzählen.” (halloherne)

9
Rheintote
“Ein neun Jahre altes Mädchen ist (…) bei Duisburg in den Rhein gerutscht und untergegangen. Es sei wenig später in einem Krankenhaus gestorben, teilte die Polizei mit. Das Mädchen war mit seiner 35-jährigen Mutter und seinem sechs Jahre alten Bruder am Rheinufer unterwegs. Die Neunjährige saß den Angaben nach bei Friemersheim auf einem Stein und rutschte plötzlich ins Wasser.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

“Beim Baggern im Rhein machten Arbeiter in Rees (…) einen gruseligen Fund. Sie zogen einen menschlichen Oberkörper aus dem Wasser! Die Arbeiten fanden in einem mit dem Rhein verbundenen Baggerloch statt, als plötzlich der stark verweste Oberkörper auftauchte. Wohl weil die Leiche wohl schon länger im Rhein trieb, waren Unterkörper und Arme abgefallen, nur Torso und Kopf sind übrig. Die Identität der Leiche ist noch ungeklärt, genauso das Geschlecht. Die Kriminalpolizei Kleve hat Ermittlungen eingeleitet, die menschlichen Überreste werden zeitnah obduziert.” (Der Westen)

Mit der Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Konstanz (3)

Wir steigen aus auf der Baar, um einherzuwandeln. Der Bordkaffee (1 Euro!) hat uns gepusht, es hält uns nicht länger auf dem Sitze. Allmählich zeigt sich die Nacht zur schwarzen Gänze und spendet feinen Niesel. Gorrh reibt die Straßenbeläge damit ab. Das gibt einen eigenartigen Geruch. Der Glanz des Tristen, an frischer Luft. Out of Bräunlingen. Aus der Dunkelheit heulen, plunksen, grummeln Wesen. Künden die Stunde der Landgaschthöf und Moschtschöpfle. In deren geräumigen Innern trachtentragende Serviertöchter überdimensionierte Wurstsalat-Portionen jonglieren. Deren geräumige Innere bauchige Fiolen bergen, in denen wiederum der Mirabellenbrand auf genauer Zimmertemperatur seine weitreichendsten Effekte heranalchimisiert. Deren geräumige Innere so geräumig sein müssen, weil die von den Wänden prangenden Trofäen sonst versehentlich die besten Gäste aufspießen würden: solch mächtiges Gehörn und Geweih trägt weit und breit einzig das sagenumwobene Schwarzwaldwild. Der Geist der Mirabelle schärft den unsern, wenngleich bisweilen attackiert vom Geist der Zibarte. Als das geräumige Gasthofinnere sich gegen alle Raumgesetze durch eine wabernde Tür verengt, betreten wir den kühlen glatten Abendhimmel, an dessen Ende der Mond in Form und Farbe einer wunderbaren Mirabelle lockt. Gorrh hat ihn dorthin geschnalzt, als letzten Tagesakt. Wir folgen dem Mond, er führt uns im Kreis, das geht ein paarmal gut, dann steigen wir wieder ein, wo wir niemals ausgestiegen sind, entlang der jungen Donau gleitet die Schwarzwaldbahn Richtung Immendingen, 658 Meter über dem Meer. So steht es am Bahnhof angeschrieben und wird seit geraumer Zeit nicht mehr korrigiert worden sein. Nun sind aber Meeresspiegel eine bewegliche Sache und 658 Meter zwar ein ordentliches Stück, aber nicht die Welt, in Klimafasen- und Tiefseedimensionen gedacht. Das künftige Immendinger Unterwasserbahnhofsschild wird 23 Meter unter dem Meer anzeigen. Wir fahren weiter nach Engen. Das seinen Namen verdientermaßen zu tragen und aus lauter Einfamilienhäusern zu bestehen scheint, eine Art dicht beieinanderstehende Herde Familienglücker, fürimmerisiert in traulichem Beton. Da wohnen Lackabs neben Lustigs, da wohnen aber auch noch ganz andere. Die freistehenden Vulkankegel des Hegaus wissen das schon länger. An Singen verwundert uns die Schinderhannes Bar. Ist Johannes Bückler damals tatsächlich soweit in den Süden ausgewichen, oder existiert am Ort eine zeitversetzte Sympathisantenszene unter Maggi- und Schiesser-Mitarbeitern? In Radolfzell schließlich das Anschwappen des Bodensees, begleitet von einem neobeckettschen Dialog unter Mittelstuflern: „Kennsch n Panker namens John?“ „Sein Koffer isch schon da.“ Die Wasservögel am Ufer sind teils wohl Skulpturen. Allensbach: das mit dem Institut? Jedenfalls das mit einigem Fachwerk. In neobeckettschem Stumpfsinn: „Kennsch n Panker namens Allen?“ „Sein Bach isch schon da.“ Einfahrt nach Konstanz, Queren des Seerheins. Die Stadt ist voller Dichter. Das kann ja noch was werden!

Vom Hohentwiel

Es gibt in der rheinisch-deutschen Sferiferie eine Menge dieser mittelhohen bis schon ganz ordentlichen, plastisch benamten Berge, die einst zu erklimmen – wenigstens aber mit dem Auto auf ihren Gipfelparkplatz vorzufahren – ich mir schon lange vorgenommen habe: Drachenfels, Feldberg, Hornisgrinde, Schauinsland, Wattkopf usw. usw., nun also der winterliche Hohentwiel, seiner markanten Form halber bestens bekannt aus Funk-, Fernseh-, und Fotodokus. Der Hegau bietet mehrere dieser bizarren Vulkanschlote aus Klingstein und Basalt und trägt daher den kratzigen Beinamen „des Herrgotts Kegelspiel“. Der Hohentwiel wiederum trägt eine imposante Festungsruine an Kopfes statt, die auf dem Drachenfels ist Pipifax dagegen. (Dafür hat der Drachenfels tiefer in die Mythentüte gelangt.) Vom Parkplatz aus kreist der Weg noch ein beachtliches Stückchen steil bergan, dem fysisch zerbrechlichen Wanderer wird klar: solche Festung möchtest du weder erstürmen, noch erbauen; jedenfalls nicht als Fußvolk. Gekeuche beim Ausblick: über den einzigartigen Hegau mit seiner ungekünstelten A81 im Abendschein, hinter den Wolken dort, das sind ein paar Alpenspitzen, dies unverkennbar der Bodensee, Radolfzell (bekommt auch noch mindestens einen Eintrag hier, besitzt wie Engen eine Schiesser-Fabrik), unten Singen mit der Maggi-Fabrik, das sind ja zentrale Produktionsstätten der Grundausstattung deutscher Durchschnittshaushalte, hier wurden und werden Muster fürs Sexleben und den hohen Geschmack ganzer Generationen vorgefertigt, es ist eine liebliche Gegend, nur die Sprache klingt leicht angerauht, der Winter wirkt eher wie so ein Schneekugelding, im Sommer blüht reichlich der Ysop, es ist ein Paradies auf Erden, genau so eines wie Büsingen direkt gegenüberliegt, wie es mich umgibt, die Luft ist weich, schmiegt sich flauschig in die Lungen, macht es sich dort gemütlich, schaltet die Tagesschau ein, die äußere Kälte schmilzt, von geistigen Heizkörpern bestrahlt, drunt die Reichenau mit ihren Klosterschätzen und Gewächshaustomaten, wie strich ich dort einst durch Obst und Gemüse, Italien ist nicht fern, was sag ich, nichtmal Jugoslawien, d.h. Kroatien, d.h. dies ist die Gegend, von der ich als Junge immer träumte: einmal zum Bodensee!, aber einmal reicht eben nicht, auch zweimal nicht, auch nicht dreimal.