Die Harald Schmidt Show zu Gast auf Vater Rhein

Allerjüngste Rheindokus warben und werben mit angeblich sensationell neuen Luftaufnahmetechniken (wir berichteten). Aufnahmen, die sich gegen Gewohntes deutlich abgehoben hätten, blieben in den Endprodukten bisher eher rar. Womöglich ist die jeweils neueste Luftaufnahmetechnik bereits seit Anbeginn des Luftaufnahmezeitalters Produktionsgrund für die jeweils neueste Rheindokumentation im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Im September 2003 veranstaltete Harald Schmidt seine Show, damals auf Sat. 1, über rund drei Stunden auf dem Rhein. Sicherlich ein Höhepunkt der fernsehgeschichtlichen Beschäftigung mit dem Fluß. Schmidt füllt den Niedrigwasser führenden Rhein („Ist das nicht hochtoxisch, das Wasser?“ (Anke Engelke)) ua symbolisch mit kohlensäurefreiem Mineralwasser auf und chefentläßt, knapp an den Schiffsschrauben vorbei, satte Aale in die liebe Wasserheimat. Wir bekommen grandios gescheiterte Sketche der deutschen Unterhaltungselite geboten, Megafonansprachen an die Bewohner der Ufernester, auf dem Gipfel des Privatfernsehens zieht sich der Moderator nackich aus, um, sobald der Gipfel überwunden ist, das Deck zu schrubben.

Aber sehen Sie selbst: nebst dem Schiff, auf dem die Show stattfand, charterte Schmidts Team auch einen Begleithubschrauber, um Show, Landschaft und Rheinatmosfäre von oben einzufangen. Nun sollten wir ein Showformat natürlich nicht mit Dokumentationen vergleichen, und Livebilder nicht mit solchen, die einen längeren Produktionsprozeß durchlaufen. Wo wirs insgeheim dennoch tun, möchten wir geneigten Lesern die Möglichkeit nicht vorenthalten, sich selbst ein Bild machen zu können: „Vater Rhein und Mutter Elbe – ist für viele fast dasselbe.“

Nebenbei: wie lange dieser Link zum Ziel führen wird, können wir nicht sagen/garantieren. Auf rheinsein existieren mittlerweile eine ganze Reihe toter Links. Die durchschnittliche Lebenserwartung haltbarer Netzseiten ist nicht nur auf Youtube eine niedrige. Insbesondere Videodateien tauchen nach ihrem Ableben in Zombiemanier häufig wieder aus ihren Gräbern auf, bis sie erneut in die Gruft versenkt werden. Die toten Links auf rheinsein betrachten wir als historische Abbruchszeugnisse und überlassen dem gewitzten Surfer, der es immer wieder auf unsere Seite schafft, das evtl Wiederauffinden der Inhalte gekappter Links in den unfaßbaren Kulturräumen des Netzes.

Schaan (2)

Siedlungsgeschichte besitzt Schaan wie soviele rheinische Flecken seit über 6000 Jahren. Die Kelten und andres sinistres Volk: die Römer errichteten ihrerzeit auf Schaaner Grund einen antialemannischen Schutzwall. Die heutigen Römer und Alemannen ficht das nurmehr archäologisch. Vom römischen Scana rührt der gleichnamige Konservenkonzern aus der geniösen Hilti-Familie, die mit ihren elektropneumatischen, auf Baustellen „religiös verehrten“ (Harald Schmidt) Bohrhämmern an der weltweit progredierenden Abrißgeschichte schreibt. Die neugotische St. Laurentiuskirche mit ihrem schlanken 81 Meter hohen Turm geht vektoriell konform mit den dahinterliegenden Bergspitzen, auf die sie weist, bis und damit diese wiederum auf den Himmel weisen, eine Bahn nachdeutend, die Gottes Sohn zu Christi Himmelfahrt und unser aller Heil vorgeflogen haben mag. Dem Vater des Volkes, dem Helfer der Armen, dem Freunde des Friedens, dem Hirten der Kunst, kurz: Fürst Johann dem Guten (1840 – 1858 – 1929) ist ein an sozialistischen Realismus erinnerndes Relief an der talzugewandten Westseite gewidmet, daß der wenigen guten Leute gedacht werde, im Himmel wie auf Erden. Sechs Kilometer lang ist der Schaaner Kulturweg mit einigen dreißig Stationen, das Rheindenkmal eine Felstafel-Erinnerung an die große nationale Überflutungs-Katastrofe von 1927 mit Danksagung an die edlen Helfer und Spender in der Not plus Höchstwassermarkierung. Am Rheinhof künden skulpturierte Wasserspiele von der genauen Lage Schaans nach heute gängigen Vorgaben (*), der Zollimbiss offeriert „Echte Döner Kebap!!! Nur von Kalbs Plätzli“. 1943 notwasserte ein US-Kampfflieger im Schaaner Rhein, um Zentimeter auf der Schweizer Grenze, also im Buchser Rhein. Die Umbauten im Schaaner Zentrum erinnern an jene vom Potsdamer Platz, während sich von Süden her mit einigem Selbstbewußtsein die Ortschaft Triesen der Schaan-Vaduzer Megalopolis (Schaduz? Vaaan?) nähert, während sich die imposanten Holzhäuser nach und nach in der Mischarchitektur verkrümeln. Ich habe mitten im Ort ein flüchtiges Wesen mit rheinblauen Augen erkannt und mir ist es gelungen, einen Schnellzug den Schaan-Vaduzer Bahnhof passieren zu sehen.

(*) Schweizer und deutscher Nullpunkt sollen sich bei einem rheinüberschreitenden Brückenbau verhindernd ausgewirkt haben: ersterer liegt am Mittelmeer, letzterer an der Nordsee und dazwischen entscheidende Höhenzentimeter.