Karnevals-Body Count

Unter dem Übertitel „Weiberfastnacht“ resümiert der Kölner Stadt-Anzeiger aktenkundige Geschehnisse im Zusammenhang mit dem heimischen Karnevalsauftakt als kommentierte Liste: „In Worringen starb eine Frau, als sie beim Verlassen einer Gaststätte auf die Straße fiel und dort von einem Auto überfahren wurde.“ Laut Polizei sei sie im Beisein von Familienangehörigen einfach gestolpert und hingefallen. Am Hans-Böckler-Platz wurde ein Mann in einer Bahn von einem anderen Mann bei einer Messerstecherei schwer verletzt. Der Täter wurde festgenommen, gegen ihn wird wegen versuchter Tötung ermittelt. Ansonsten hätten Polizei und Feuerwehr einen überwiegend friedlichen Start in den Straßenkarneval zu verzeichnen: „insgesamt wurden bis zum Abend 594 Rettungseinsätze gefahren. (…) Vereinzelt mussten die Beamten Schlägereien schlichten, 66 Personen wurden vorläufig in Gewahrsam genommen. (…)“ Kräfte des Ordnungsamts „nahmen 48 Jugendlichen alkoholische Getränke ab. Gegen acht Kioskbesitzer wurde ein Verfahren wegen Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz eingeleitet“. Zwei schwere Unfälle mit Straßenbahnen werden ebenfalls dem Einfluß des Karnevals zugerechnet.
Weiberfastnacht fiel heuer auf den zweiten Jahrestag des Stadtarchiv-Einsturzes. In Köln ist Karneval stärker als jede Trauer: die städtische Gedenkfeier für die Einsturzopfer wurde einen Tag vorverlegt. Dem entgegen findet sich eine Gedenkgemeinde um die Bürgerinitiative Köln kann auch anders am tatsächlichen Einsturztag am Waidmarkt ein, die trotzig behauptet Karneval und Archiveinsturz gehörten in Köln jetzt zusammen. Während der Rest der Stadt tobt, wird hier zu Hunderten der beiden jugendlichen Einsturzopfer gedacht und ungebrochen Aufklärung angemahnt.