Otfried von Weißenburg

Die ihr aufredet Gott so goldnen Munds
In euren jauchzenden und strengen Zungen,
Pauli Athen und der Apostel Rom:
Sollt ihr allein denn Ihm so hoch aufbeten,
Und nicht auch wir? Des Gottes drittes Reich,
Ziemt Römerhauch ihm und Hellenenton?

Soll endlich nicht volldonnernder zum Ohr
Gewappnet nahn in Brünne unsres Worts
Der neue Heiland? Nicht waldnächtiger Ruf,
Beschwörend antlitzloser Götter Seele,
Im Rabenwildschrei und Gestöhn der Fichten
Den Geist ersausen lassen Nikodems?
Soll nicht Jehovah, wütender Jäger, blau
Speerschüttler reiten nachtendem Wasgenwald?

O Christ, den Hagens Speer am Kreuze stach,
O Herr, Allvater wissenden Rabenrufs,
O Geist, du altarloser im Waldgestöhn:
Ja ruf ich euch am frühsten mit unsrem Spruch,
Ja red ich euch mit Rätselrunenkraft,
Euch, Führergötter, Volkerlöser ihr,
In unsrer Zunge, die aus Mitternächten

Des Geists fernzuckend grollt, ja schrei ich euch
Den neuen Lobgesang. Verwandeln will ich
In unsre Raben Jordans helle Taube,
In unser Wälderohr den milden Reim,
In unser altes Wort den jungen Christ.

(Ernst Bertram: Straßburg. Ein Kreis, Insel-Verlag, Leipzig 1920)

Keine Nebensache – die Nebenflüsse

Die Dreisam

1.1 Name und Definition

„Dreisam“, so sagt man, bedeute in der Mundart unvordenklicher Zeiten „die Fließende“.
Das mag stimmen oder nicht.
Vielleicht heißt das auch „glückliche Vagina“ oder sonst irgendwas.
Dieses Gewässer entwässert ein bestimmtes Segment des SCHWARZWALDES talwärts.
Durch das ebenso benamte DREISAMTAL werden die Wasser vermittels eines sehr stark regulierten, mithin also denaturierten, Bachlaufes dem VATER RHEIN, unser aller Schicksalsfluss, zugeführt.
Handelt es sich im eigentlichen Sinne doch um kaum mehr als einen munteren, etwas größer gestrickelten BACH, so kann im Falle ergiebigerer Niederschläge doch daraus durchaus ein WILDWASSER werden.
Der Volksmund munkelt, am SANDFANG (1) seien schon Pegelstände jenseits der Zweimetermarke beobachtet worden.
Auf jeden Fall reicht kinetische Energie, Wasserlauf und –menge dazu, Radfahrer und anderes Gesindel in die (zu den meisten Jahreszeiten) eiskalte Flut zu reißen.
Schon mancher entstellte Leichnam musste vom Unratgitter des LEOPOLDKANALES (worin die DREISAM mündet – für die restlichen Kilometer zu VATER RHEIN) entfernt werden …
„Trutz – Blanker Hans!“ (…)

2.2 Schifffahrt und Schicksal

Die DREISAM durcheilt mehrere Dörfer sowie Kleinstädte.
Doch auch die Kleinmetropole BOBBELELOCH wird von ihr durchflossen.
Anders als beispielweise zu JECKENSTEDT trennt sie nicht arm&reich, richtig&falsch etc., sondern einfach nur NORD und SÜD.
Zu BOBBELELOCH besorgt das die ebenso verlaufende EISENBAHN.
Arm und reich gliedert sich in „östlich“ und „westlich“ der BAHNLINIE.
Die DREISAM kann rein gar nichts dazu.
Der verdiente vorzeitliche Bürgermeister WINTERER sah das Gedeihen, Werden und Wachsen von dem RHEINSTROME anliegenden Gemeinwesen – das brachte ihm die göttliche Eingebung, auch sein aufstrebendes BOBBELELOCH bedürfe der Anbindung an den Schicksalsfluss.
Also müsse die DREISAM schiffbar gemacht und dem Gemeinwesen ein Binnenhafen angegliedert werden.
Jedoch verhinderten kleinkrämerische Geringgeister die Verwirklichung dieses kühnen Plans.
Der Versuch, das Gerücht zu streuen, HAGEN VON TRONJE habe den sagenhaften Sagenschatz der NIBELUNGEN nicht bei Worms in den RHEIN gekippt, sondern bei BOBBELELOCH in die DREISAM (diese sei dazumals eben noch durchaus schiffbar gewesen und gewissermaßen seitdem verlandet – ) verbracht worden, wusste nicht zu fruchten.
Statt der erhofften elementaren Ausbaggerung in Eigenarbeit stellten sich nur vereinzelte Irr- und Wirrköpfe ein, die lediglich dem BACHBETT einen gewissen Schaden zuzufügen vermochten.

3.1 Binnenseefahrer und Schicksal

Auf Grund der ausbleibenden Schiffbarkeit blieben die Binnenschiffer sitzen.
Gezwungenermaßen sitzen sie bis auf den heutigen Tag in der Hafenkneipe ohne Hafen, der Gaststätte REICHSADLER.
Die Umbenennung in GOLDENER ANKER wurde abgeschmettert, eine Lokalität für fußballbegeisterte Studienräte in einem der besseren Bürgerviertel kam diesem Ansinnen zuvor.
So warten die Binnenschiffer bis zum Ende aller Tage bzw. deren Anfang (2), wobei sie, gar nicht dumm, sich das beschwerliche Warten mit Produkten der alkoholischen Gärung und den Mädchen mit den losen Schenkeln fachmännisch zu verkürzen wissen.
Aber auch wenn Hopfen, Malz und Gerste, nicht zu vergessen das milde Brauwasser des SCHWARZWALDES, noch so fachmännisch zusammengerührt wurden und sich die Schenkel der lustigen losen Mädchen noch so wollüstig grätschen – spätestens wenn die Silberglocke der Wirtin die LETZTE RUNDE einläutet, damit ankündigt, so kommt Trauer und Schmerz in die Herzen der Fahrensleute.
Und ein Gefühl vom Vergehen des ERSTEN TAGES DER EWIGKEIT (3). (…)

3.3 Ausblick und Sendung

Mächtiger noch als die GÖTTER und GÖTTINNEN von Ebbe und Flut, Werden und Vergehen, sind die WASSERWIRTSCHAFTSÄMTER.
Und eben diese haben verfügt – „in Jahren mit gerader Zahl wird der BACH begradigt – in Jahren mit ungerader Zahl wird der BACH verkrümmt!“
Und also muss es geschehen in EWIGKEIT:
In Jahren mit gerader Zahl wird das Gewässer begradigt, in solchen mit ungerader Zahl gekrümmt.
Einzige Abwechslung im unaufhörlichen Auf und Ab der Zeiten: weil das vereinigte EUROPA fordert, dass der FISCH im Binnengewässer zu fördern sei, wurden geeignete Maßnahmen zur Verkehrstauglichkeit des Gewässers für ebendiese Lebensformen ergriffen – selbige, so hört man, dienen der Jugend aber auch den reiferen Bevölkerungsschichten gerne zur Ergetzung zu Sommerszeiten (Sitzbäder!).

Anmerkungen
(1) Eine Stauvorrichtung mithilfe derer die RUNZMEISTER die Wasser der DREISAM auf die örtlichen GEWERBEKANÄLE zu verteilen pflegten
(2) vgl. Kaiser BARBAROSSA im KIFFHÄUSER etc. usw. usf.
(3) vgl. das MÄRCHEN VOM VÖGELEIN, DAS WO SEINEN SCHNABEL AM GEBIRGE WETZT

Ein Gastbeitrag zum Wesen der Dreisam von Bdolf. rheinsein dankt!

Wie Volker vor Kriemhild von Siegfried sang und wie Siegfried nach Worms kam

hausmusik

Besinnlich geht es zu am Hof von Worms mit seinen geometrisch-schlichten Butterblumen(?)-Bodenfliesen in klassischem Schwarz-Weiß. Kriemhild bewahrt so blond es geht am Fenster, durch das kosmische Strahlung einzudringen droht, höfische Haltung. Barde Volker trägt in Vorwegnahme Bob Dylans Vernuscheltes zu Siegfrieds Einzigartigkeit vor. Aus der Amfore wird in Kürze, von dem bedächtigen Pagen in Lumpenclown-Outfit entfacht, ein wenig Wasserdampf als atmosfärischer Bühnennebel steigen. Ein höchst getragenes Konzertevent.

alberich

Unterdessen lauert stöckchenbekränzt (und später tarnbekappt) der zauselige Alberich in einer Baumspalte draußen vor der Stadt auf den frischbesungenen Drachentöter, der nackter Brust im Nebel auf einem reinweiß-glänzenden Schimmel einhergeritten kommt. Alberich springt den Reiter an, es entspinnt sich ein kurzer Kampf “Heros vs unsichtbarer Zwerg” mit bekanntem Ausgang: die fisselige, aber wirkungsvolle Tarnkappe wechselt den Besitzer und Alberich führt seinen Bezwinger durch rheinische Schluchten- und Höhlenlandschaften zum Nibelungenschatz, der von gefesselten Zwergensklaven wie ein Himmel unter der Erde emporgestemmt wird. Nebst unermeßlichem Geschmeide enthält er auch das Schwert Balmung, eine in Feuer und Blut geschmiedete Wunderwaffe, mit der Siegfried den Zwergenkönig tötet, als dieser ihn erneut attackiert. Endlich ist der

worms

Weg frei nach Worms (hier eine Stadtansicht mit Flachdachwächter) und zu Kriemhild mit den fast knielangen Zöpfen. Unterwegs haben sich Siegfried noch ungefähr zwölf Könige als Vasallen angeschlossen, hier queren Herr und Gefolge die Wormser Brücke, um von König Gunther entgegen Hagens Rat im Wormser Schloß mit seinem Elchgeweih und der deutlich gewagter als die Bodenfliesen gemusterten Bettwäsche bewillkommnet zu werden:

worms_brücke

Der zweite Gesang von Fritz Langs Nibelungen endet bei 49:31 Minuten mit dem berühmten Doppelehedeal. Zum Abschluß noch ein Portrait von Kriemhild (gespielt von Margarete Schön) mit den fast knielangen Zöpfen (hier nur schulterlang im Bild), die vor Siegfrieds Ankunft von einem schrecklichen Traum mit schwarzen Schattenaalen, die sich in lichttaubenschlagende Falken wandeln, heimgesucht wurde:

kriemhild_2

Rheinsein als virtuelles Museum: ein kurzer Ableitungsversuch

Nicht wenige kleine Provinzmuseen übten aufgrund ihrer vergleichsweise chaotischen Bestückung, ihres assoziativen, wilden Sammelsurium-Charakters nachhaltigere Eindrücke auf uns aus, als viele metropole Schauen mit ihren eher akribisch unter Kategorieaspekten sortierten Exponaten. Da war z.B. (und ist bis heute noch, jedoch vor Jahrzehnten zuletzt von uns besucht) das Fahrzeugmuseum in Marxzell, (gemeinsam mit dem Karlsruher Naturkundemuseum) der Lieblingsschauraum unserer Kindheit. Dort gab es vor dem Haus ausrangierte Lokomotiven und Bahnwagen, in die wir klettern durften, und drinnen vom Boden bis unters Dach Oldtimer, Draisinen und Hochräder (Fahrrad wie Auto, lautete die – durchaus fundierte – Suggestion, seien in der Gegend entwickelt worden), aber auch ein freaky siamesisches Rehkitz, ein magisches (mechanisches) Spinett und lustige Stummfilme auf riesigen Rollen, die noch lustiger wurden, wenn der Vorführer sie auf lautstarke Bitten erregter Grundschulklassen rückwärts abspulen ließ. Eindrückliche Museen späterer Jahre waren etwa das Teatre Museu Dalí in Figueres, eine Mischung aus Mausoleum und Gerümpelkammer, dessen scheinbar fahrlässige Hängung geniale Spuren aufwies. Dalís in Öl auf Leinwand gebannte Serien aus dem Himmel fallender Nägel bedeuteten ein Aha-Erlebnis: sie beeindruckten uns ungleich stärker als seine viel berühmteren, durch Abdrucke in tausend Bildbänden bekannten Gemälde. Traue deinen eigenen Empfindungen, statt den vorgekauten Meinungen des Kanons, sollte dieses Erlebnis bedeuten. Das Museo Insular von Santa Cruz de la Palma besaß zwar klar gegliederte Abteilungen – mehrere Ausstellungsstücke schienen das angestrebte Prinzip linearer Kulturvermittlung jedoch hochgradig unterlaufen zu wollen: Vitrinenmeter voll ausgestopfter Kanarienvögel, die eher subversiv zurechtgestoppelten Fantasiewesen glichen; eine siamesische Ziege erinnerte an das Marxzeller Urdoppelkitz. Wir lernten: über die Kräfte des Zufalls, der Bearbeitung und der Redundanz. Im Kumasi Cultural Centre sahen wir nebst einer Trommel, die den Schrei des Leoparden nachzuahmen vermag, den vergoldeten Schemel, den Okomfo Anokye vor 300 Jahren persönlich aus dem Himmel geholt hatte, um das Ashanti-Reich zu begründen und ein vom selben Mann vernähtes Schatzbündel: würde es jemals geöffnet, würde Ashanti vernichtet. Das Bündel befand sich recht ungeschützt hinter einer einfachen Vitrine. Hätten wir Ashantis Untergang gewünscht, wir hätten ihn selbst bewirken können. Oder auch nicht. Denn Okomfo Anokye war der stärkste Zauberpriester aller Zeiten: unweit des Cultural Centre befindet sich, auf dem heutigen Gelände des Lehrkrankenhauses von Kumasi, das unverrückbare Schwert, das Anokye dort in die Erde gerammt hat und das seitdem kein Mensch, nicht einmal mit schwerem Gerät, wieder herausbekommen hat, noch herausbekommen wird. Auf diese Weise erfuhren wir erstmals auf handfeste Art die nicht zu unterschätzenden mystischen Dimensionen von Geschichte. Das war in etwa so, als würde in Worms das Rheingold ausgestellt – mit Hagens Fingerabdrücken dran. Das Muzeul „Arta lemnului“ (Museum für die holzbearbeitenden Handwerke) im bukowinischen Câmpulung Moldovenesc zeigte neben dem kieferklappernden Hirschmenschen, dem wir kurz zuvor in Corlata leiblich bei einer Lesung unter den Apfel- und Birnbäumen des Dorfplatzes begegnet waren, auch einige sinister wirkende menschengroße Puppen: das Wissen um ihre Bedeutung sei über die Zeiten verschwunden – sie werden in der Region aber weiterhin hergestellt, um die Tradition aufrechtzuerhalten. Was uns umgehend an eine Anekdote des amerikanischen Wanderkünstlers Andrew Walther erinnerte: in einem nicht näher bezeichneten Museum habe er einmal einen Schiffskessel mit keltischer Inschrift gesehen. „Man knows nothing“, hätten die Museumsleute auf dem Erläuterungsschildchen angeschrieben gehabt, solle die Inschrift bedeuten – allerdings mit dem Zusatz: „We are not sure about the translation“. In einem solchen wie dem hier skizzierten Vorbild- und Spannungsgefüge soll auch Rheinsein, in seiner Eigenschaft als virtuelles Museum des gesamten Rheins und seiner Geschichte/n, pulsen und ausschlagen – gelegentlich auftretende Gewißheiten nicht ausgeschlossen.

Rheintöchter (2)

rheintoechter_leeke

Selten gesehene Wellenaufwürfe bietet der alte Vater Rhein in Ferdinand Leekes Gemälde “Die Rheintöchter ziehen Hagen in die Tiefe”, das wir zur weiteren Dramatisierung verrheinblaulicht haben. Die extremen Wasserlagen aller Beteiligten tun ihr Übriges. Ein Tag an dem es wenig später Blechdeckel geregnet haben dürfte.

Schikos Rhein

Hagen-in-WormsDer Düsseldorfer Fotograf Schiko (der Link führt zu seiner Website inkl. schönem Fotoblog) hat meine literarischen Anfänge in den frühen 90ern begleitet, mal als Aktionist in den stark rheinisch gefärbten Seminaren von Frau Cepl-Kaufmann, mal als Sänger meiner Lieder und natürlich mit der Kamera. Jüngst trafen wir uns bei der Rheinsein-Lesung in Neuss-Holzheim wieder, wo Schiko erzählte, daß er inzwischen den Rhein fotografiert habe. Ich werde nach und nach einige seiner Rheinszenen hier einstellen und, soweit bereits möglich, mit meinen Blicken abgleichen. Diese Aufnahme zeigt Hagen von Tronje beim Verklappen des Rheingolds in Worms. Gleich starte  ich den Versuch, mit dem Zug an Worms vorbeizufahren, und bin gespannt, ob es wirklich klappt. Evtl muß ich die Strecke am Laptop umleiten. Denn Worms und Umgebung fehlen bisher auf meiner Karte der abgeschrittenen Rheinstrecken – bestenfalls vage kann ich mich an einen Besuch der Stadt in meiner Kindheit erinnern: nichts als Kopfsteinpflaster.

Rheingold

Google liefert bald anderthalb Millionen Treffer zum Suchbegriff „Rheingold“, in Kürze wohl sogar noch einen mehr. Zeit, die Quellenlage zu wechseln. Paul Hübner schreibt in seinem Buch Der Rhein – Von den Quellen bis zu den Mündungen: „Im Jahre 1943 stellte ein im Reichsauftrag der „Gesellschaft für Lagerstättenforschung“ eigens für die Goldwäscherei konstruierter Schwimmbagger mit dem bezeichnenden Namen „Rheingold“, der 120 Kubikmeter in der Stunde schaufeln konnte, bei Illingen zwischen Rastatt und Karlsruhe seine Arbeit zur Suche nach Gold aus dem Rhein ein. Die nach Berlin geschickten Schürfberichte gingen im Krieg verloren. Der Erfolg lohnte den Aufwand nicht.“ Ganze 300 Gramm Gold soll Göring auf diese Weise aus dem Fluss erbeutet haben, berichtet an anderer Stelle das Nachrichtenmagazin Focus. So werden Traditionen beschlossen. Das Rheingold hat schließlich in mythische Zeitalter reichende Wurzeln, sowohl jenes, das von früheren Oberrheinern aus dem Strom herausgewaschen, als auch jenes, das von einäugigen Rächern in ihn hineingekippt wurde. So kamen in der sagenhaften Pfalz früher Bergmännlein gern zum Rhein, weil es dort Gold und Silber gab. Wahrscheinlich nachts, denn: „Morgenrot ist Zwergentod“. Das wußten schon (oder: noch?) die Verfasser der Edda. Laut Hübner „beschrieb der Mönch Rogkerus ums Jahr 1100 bereits die Technik des Goldwaschens genauso, wie sie von den letzten Goldwäschern bei Rastatt bis ins 20. Jahrhundert geübt wurde. Der letzte oberrheinische Goldwäscher starb 1944. (Nun, vielleicht auch nur der vorerst letzte, Anm. des Lesers.) Rogkerus schildert, wie der goldhaltige Sand auf Holztafeln übergossen wird, damit der Sand weggeschwemmt, und das schwere Gold, das von Quecksilber aufgesogen wird, übrigbleibt. Selbst die Darstellung des Schmelzens des so gewonnenen Rheingolds entspricht in den Einzelheiten dem bei den badischen Goldwäschern angewandten Verfahren.“ Ob der Fluß auch den Nibelungenhort feingerieben und der Sonne zugewaschen hat? Oder wo steckt der? Eine Quelle geht davon aus: im Loreleyfels, der, bevor er durch einen Bergsturz sein elbisches Echo verlor, hohl und von Felselben bewohnt war. Müßte wohl gesprengt werden, der Fels, um das rauszufinden. Oder liegt der Schatz weitab des heutigen Stromverlaufs unter rheinhessischer bzw. rheinpfälzischer Erde? Da wäre viel Platz zum Probebohren. Vielleicht hocken da unten auch noch ein paar antike Fabelwesen, grimmige, schatzbeschützende, mit reißenden Fängen? Die man mal zutage fördern könnte. Oder ist der Nibelungenhort längst ins Prägegold eingegangen, als hintergründig waberndes Gegengewicht zu all dem Papier, mit dem wir heute vordergründig bezahlen?