Die eingefrorene Dynamik des Rheins

lautet der Titel einer Fotografie-Ausstellung von Sepp Köppel im Kunstraum Engländerbau in Vaduz (noch bis 21. Oktober 2012). Zu sehen sind beinahe unwahrscheinliche, außerirdisch anmutende, leicht durchscheinende Oberflächen des Rheinstroms. Wellenprogrammierte Fraktale, gottmodellierte Strömungsrippel, aquatische Landschaftsabstrakta. Reliefige, den Betrachter ansaugende Urformen. Unter kirchenfenstrigen Eisschichten lauert das All, koppelt in den Rhein, mit dem Rhein zurück, verteilt sich um: flüssiger Kosmos, beim Werden im Schaufenster der Ewigkeit erwischt. Inmitten der Ewigkeit ist jeder Ausschnitt der Ewigkeit ein zentraler. Farnartig aus halbversenkten Kieseln

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wachsende Sandrinnen, von Krähenspuren umgeben: archaische Reinheit und Hadesdrift. Die Kraft der Lebensprozesse wirkt in Köppels Bildern. Unter den Oberflächen schimmern tiefere Gründe. Die Bilder hier sind

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Details, zufällige Ausschnitte der großformatigen Fotografien, Fotos von Fotos, die nicht nur an den Wänden angebracht sind, sondern auch, teilweise hinterleuchtet, als Bodeninseln. Wir haben vor geraumer Zeit die liechtensteinische Alltagslärmsituation zum Anlaß genommen, mehr Noise Art einzufordern, insbesondere in engen Rheintälern, in denen die Geräuschsituation eine allzeit schwebende, höchsterfüllte genannt werden kann. Sepp Köppel erfüllt mit seiner Ausstellung dies Postulat

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mit dezent eingesetzten originalen Rheinklängen: die Bilderschau wird begleitet von Grummeln, Mümmeln, Krachen, Dröhnen, Knacken, Knirschen, den natürlichen Sounds des alpinen Flußlaufs. rheinsein empfiehlt: Hingehn! Anschaun! Zuhörn!