Vor weiß-, grau-, spätburgunderfarbnen Nächten

Natursatan & Industriesatan, kläffen sich an
gestreamt von Banksatan, tragen sportive Unter-
wäsche. Ursatan tanzt auf Kupplung, Bremse, Gas
in den Randgebieten der Virilität, in den Ecken
blankpolierter Bars (tragen Namen wie „Damage“)
fließt der Sprit fließt auch die Straße lang
gehäutete Mäuse, geheutete Leute schlürfen Glas-
nudeln in der Ha Long Bucht, deren System ver-
vielfachter Schönheit als Imbiß aus dem Boden
zu sprießen rund um die Welt. In Rüfenabgängen
verfliechtensteinerte, geschliechtensteinigte
Relikte, spinxen auf Rheinwäsche, der Fels saugt
die Himmel an, inhaliert, mitm Strohhalm, zu
Maden geformte Föhnwolken, machtn Bäuerchen
das zu Geld gekommen ist, das es ausschwitzt
vor der prachtvollen Kulisse jener markant
gezackten Bergwelt in seinem Gesicht auf den
Illustrierten an den Tankstellen die drallen, in
knappe gelbe Gummianzüge gezwängten Mädchen
mit wiederkehrender Dauerwelle & halbgerauchten
Zigaretten, aus denen der Geschmack ganzer
Dekaden spricht, deren feine Rauchfahnen die
Fluchtlinien aufzeigen, entlang derer der Tod
gestärkt von Schokoriegeln & Bergkäse, mit
seiner lässigen Sonnenbrille das Tal aufmischt

Schaan

Rheinsein erobert seinen Lieblingszwergstaat, das Fürstentum Liechtenstein, verortet sich zumindest im dortigen Schaan. Genauer gesagt: ziemlich exakt zwischen lokalem Programmkino und Migros, umspült von jeher kühl und klar schießenden, mit improvisierten, nichtsdestotrotz vertrauenswürdigen Bretterkonstruktionen überbrückten Gießen, unweit der restlos alle sieben Wochentage bis zum Schluß geöffneten Damage Bar, gegenüber dem an die Durchgangsstraße zur Schweiz eingebuchteten Ha Long Take-Away. Schaan… hat Elan, behauptet die Eigenwerbung dieser mit der fürstlich-liechtensteinischen Hauptstadt Vaduz mittlerweile zum kaum mehr überschaubaren Agglomerationsgebiet zusammengewachsenen Rheinmetropole. In der Tat, Schaan… hat Elan: die Bautätigkeit ist enorm, die Busse fahren grob nach Plan. Auch alpenbestanden büßt das Rheintal nichts von seinen verkehrs- und baulärmerischen Qualitäten ein. Zumindest nicht in Liechtenstein. In den Gärten reifen auf verheißungsvollste Art formschöne Spalierbirnen, wälzen sich frühe Glasäpfel waidwund auf meditativ rasierten Rasenflächen. Spielerisch, ungelenk und sinnlos sich bespringende Kühe mitten im stets Richtung Zukunft orientierten Schaaner Zentrum; Geruch frischgebügelter Fränklinoten mit Akzenten von Pferdeschweiß. Im össara Loma schießt der Ribelmais. In den Vorgärten schwellen Hortensien: kalbskopfgroße Blumenmonster saisonaler Schönheit zwischen den Bergrücken. Es muß mal gesagt sein: von der Eisenbahntrasse zwischen Sargans und Buchs sieht Liechtenstein sehr niedlich und winzig aus, ziemlich genau so wie in allen billigen Witzen über dieses erstaunliche Land – doch ist dieser äußerst rare Flecken erst einmal betreten, weitet und vertieft er sich plötzlich ungemein, die Straßen werfen, nebst ihren Baustellen, lauter bedeutungsschwere Häuser auf. In denen lauter ungewöhnliche Begriffe lagern. Wie Zustupf (dt.: Geldgabe/Spende) z.B. Dies nur als kleiner, randseitiger, beliebig mit tausend anderen multiplizierbarer Ansatz interkulturellen Verstehens, Scheiterns, Liebens etc. Rheinsein jedenfalls ist soeben erst in der Alpenregion angekommen, sucht noch ein wenig Orientierung, und mag jubelnd vermelden, daß der Geist des Schaaner Autors Stefan Sprenger sich dankenswerterweise einfach mal so, aus dem angewandten Weltverständnishandgelenk, als guter Stern über alle anstehenden Regionalerkundungen an den Rheinsein aktuell verfügbaren Abendhimmel emporgeschwungen hat; welch letzterer mit den Sternbildern des Milchbrötchens und des iMacs in übernatürlicher Klarheit protzt, eine seltene stellare Konstellation, die sowohl auf übermäßigen Wortfluß hinweist, als auch auf feinste (resp. gröbste) alpine Zerdrängung.