Duddelsheim-Billingen

An der Badischen Riviera* zwischen Herrstetten und Zupfingen gelegen wartet diese Doppelgemeinde mit zwei völlig unterschiedlichen Ortsteilen auf. Das deutlich ältere Duddelsheim ist bis heute zu drei Vierteln von Auwald umgeben. Steinzeitliche Besiedlung wird angenommen. Auf der Duddelsheimer Gemarkung findet sich das sogenannte Römeräckerle mit Münz- und Scherbenfunden aus der römischen Besatzungszeit. Reste einer römischen Villa zerstörte wahrscheinlich der Kornbauer Fritz Eggerle, als er die Gefahr erkannte, Teile seines Grundstücks an die Landesarchäologie zu verlieren. Das vermutete Sprengloch dient heute als Karpfenteich. Aufgrund seiner versteckten Lage ist Duddelsheim nicht nur historisch gewachsen, sondern wurde auch bei allfälligen Kriegszerstörungen übersehen. Der Dorfkern könnte generell als erhalten betrachtet werden, jedoch wird in Duddelsheim traditionell schlecht gebaut, sodaß kaum ein Haus eine Haltbarkeit von mehr als 50 Jahren aufweist. In etwa im Zentrum steht die etwas windschiefe Kirche mit angeschlossener Hobbitinerabtei. Um die Kirche herum gruppieren sich Wohnhäuser, die in unterschiedlichen Abständen zur Straße stehen, was letzten Endes das Problem unübersichtlicher Kreuzungen und eine entsprechende Unfallhäufigkeit nach sich zieht. Durch die schlechte Bauqualität ist das Dorf sozusagen ständig im Wandel, in Duddelsheim selbst spricht man von „nervöse Häusle“. Zudem setzt kaum ein Neubau auf den Grundmauern des Vorgängers auf. Wichtigstes Ereignis in Duddelsheim ist fraglos die alljährliche Kerwe, die auf die erste Juniwoche fällt. Bei Riesling und Rheinfischen herrscht für drei Tage der Ausnahmezustand, der in besonders heftigen Jahren zum berüchtigten Kerwezorn führen kann, unter dessen Einfluß die Einwohnerschaft schon mehrmals größere Dorfteile zerstört haben soll. Bei der Kerwe kommt es traditionell auch zu Rivalitäten mit Besuchern aus der Brudergemeinde Billingen, insbesondere beim sonntäglichen Schweinerennen, das stets mit hohem Konsum von Knollenschnaps einhergeht. Der berühmte badische Satz „der isch uff der Sau ausm Dorf naus g`ritte“ geht direkt auf das Duddelsheimer Schweinerennen zurück. Der nicht aus Duddelsheim-Billingen stammende badische Heimatdichter H. Binkele hat eine Ballade über die Strapazen und Gefahren dieses Rennens verfaßt. Der Duddelsheimer Dialekt wiederum hat sich, ebenfalls aufgrund der versteckten Lage, sehr abseitig entwickelt und kennt zahlreiche eigene Wörter, die außerhalb Duddelsheims unbekannt sind. Auf den Straßen Duddelsheims sind wenige Menschen anzutreffen. Diese wenigen wirken von herzlicher, rotwangig-grobschlächtiger Art, was ihnen bewußt ist, sie sagen sogar, es seien niemals feinere zugezogen und ihre Kinder, die in Herrstetten oder Zupfingen zur Schule gingen, müßten heute noch denselben Spott erdulden, den auch sie und ihre Vorväter schon zu erdulden hatten, was man aber nicht übel nähme, denn zum Ausgleich besäße man, anders als Herrstetten oder Zupfingen, eine herrliche Kerwe und guten Zugang zum Rhein und dessen alten Armen, über die man ein paar Dinge wisse, vor denen die aus Herrstetten und Zupfingen, obgleich das ja deutlich größere, weltzugewandte Ortschaften seien, sich abgründig fürchteten. So sei Duddelsheim auch eine der wenigen Ortschaften im gesamten Rheingraben, deren Bauern noch nicht auf Konzernmais umgestellt hätten, man hätte da einen Vertrag mit der Natur, der schon in die Zeiten vor Christus zurückginge. Genau in der Mitte zwischen Duddelsheim und Billingen liegt der Nahkauf-Supermarkt, der beide Ortschaften versorgt und allgemein als Nahkampf bezeichnet wird.

* Badische Riviera heißen im Jargon der einheimischen Tourismusbranche fast alle Gebiete Badens, die in unmittelbarer Wassernähe liegen.

Flückiger See in Betzehause

hinnerem Ufersaum vom Flückiger See ducke
un recke sich d`Etaaschebaute wo ausschaue
als wäre se für d`Asylante nagschtellt worre
Asylante wo`d vom Fernseh kennsch wo`d
se als winke sieksch von brennende Balkön

überem glatte Spiegel vom Flückiger See d`
Schwän wo ausschaue wie der Flieger do
d`Konkord beim Abhebe wie knapp vorem
Absturz mit ihrene viel z`weit hinne abrachte
Tragfläche, nur kleppret se annerschter un

über allenem throne d`Schwarzwaldkuppe
schön isch es, kannsch sage was`d willsch

(H. Binkele, 1992)