Rheinfahrt.

(Ein Gastbeitrag von Enno Stahl)

Niemand mag die Deutsche Bahn, aber bei dieser Strecke werd’ ich jedes Mal mild: erst durch die Kölner Bucht (hinten raucht die Ville im Dunst), nun das linksrheinische Tal entlang auf Mevissens alten Schienenwegen… Gelassen räkelt sich der Strom, darüber wacht the castled crag of Drachenfels…

Remagen mit seiner Brücke, Koblenz vorbei und dann stößt man ins Wunderhorn: verwittert die Basalte, trümmernd die Burgen… Ein schwarzer Vogel stürzt sich freudig hinab, wo der Rhein den Fuß der grünen Berge küsst, schießt eine Handbreit über der Wasserlinie entlang… Terrassenförmige Talflanken, lange Schlingen, enge Kehren, weißliche Sonne gleißt überm Fluss: Spiegelblitze von Zauberinnen… Etwas Unwirkliches bemächtigt sich unser auf den schmutzigen Polstern des ICE-Bistros… Vergangenheit spricht und Nebenwelt…

Halb geflutete Inseln, Kribben wellen Minipli… Wolkengas über den Hügeln: eine Möwe schwebt verloren in der plötzlichen Suppe – die Wetterscheide ein weiteres Geheimnis dieser Sagenwelt, die Frachtschiffe drosseln die Geschwindigkeit >>eingeschränkte Sicht!<<, die Krüppelbäume im Uferbereich sehen jetzt tatsächlich aus wie tot, Stille, Starre, Ende, überwucherte Materialbuden der Bahn, verlassener Parkplatz, verfallener Bauplatz (Raab Karcher), Yachthafen, alles hört auf, Stille, Starre, Bingen, aus.

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Rheinfahrt. ist ein Auszug aus Enno Stahls frisch erschienenem Buch “Heimat & Weltall. 2 Prosazyklen”. Mehr Informationen und direkte Bestellmöglichkeit auf der Website des Ritter Verlags.