Gewitter-Idiot

gewitteridiot
Beim allsonntäglich-gemütlichen Scrollen durch die unter der Woche angefallenen Rheinmeldungen schreckte uns heute mit einmal die drastische Schlagzeilensprache der Boulevardpresse auf. Im zugehörigen Artikel, der kaum mehr Zeichen als die Überschrift besitzt, bleibt dann allerdings ungeklärt, ob der offenbar nicht gänzlich nackte, sondern mit Shorts bekleidete Mann von der Brücke gesprungen war (was die Wortwahl “Stunt” nahelegt) oder in Höhe der Brücke  ein Bad genommen hatte. Wie auch immer: “Gewitter-Idiot” könnte als Wortneuschöpfung in den Mythenschatz eingehen, eine Verbindungslinie zur germanischen Gottheit Thor läßt sich ebenso denken wie zur griechisch-römischen Linie (Zeus und Jupiter), worauf letztere der Idiotenbegriff (ἰδιώτης) besonders gut passen würde, der im antiken Griechenland den Menschen schlechthin bezeichnete (wie unser Lateinlehrer zu sagen pflegte), bzw. etwas spezifischer: der in der altgriechischen Polis Personen bezeichnete “die sich aus öffentlichen-politischen Angelegenheiten heraushielten und keine Ämter wahrnahmen, auch wenn ihnen das möglich war” (wie Wikipedia ausführt), mithin ein schöner Kontrast zur Götterwelt: der dauerbreite Donner-Depp in Gummistiefeln, der Bikini-Blitzbaddel in der Hochwasser-Pfütze, der sockentragende Starkregen-Schwachkopf auf dem Schiffsanleger wären denkbare Brudergestalten des Gewitter-Idioten, den kölschen Mythos fortzuschreiben.

Ein Grieche endet im Rhein

Chalampe-Neuenburg-SchiffbrückeSchiffsbrücke Chalampé-Neuenburg

Über die Brücken vom badischen Neuenburg ins elsässische Chalampé, weiter auf der Rheinstraße in nördlicher Richtung. Nach 9 Kilometer links ab nach Blodelsheim in die „Rue du Canal d’Alsace“ bis zur Kirche. Jetzt rechts in die „Rue de l’Église“, hier auf den Parkplatz und zum Nordeingang. Beim Betreten des Friedhofs den Blick nach rechts hinten wenden. Eine weiße Marmorplatte erinnert an ein tragisches Ereignis:

grabstein spiro sklawunos

Er kannte Deutschland gut, war in Hamburg, Leipzig und anderen Städten, arbeitete beim Frankfurter Baukonzern Philipp Holzmann, war Mitglied in einer Ortsgruppe der Deutsch-Griechischen Gesellschaft in Patras. Nach erfolgreich abgeschlossenem Ingenieurstudium an der Technischen Universität in Karlsruhe, plante er vor der Heimreise nach Hellas eine Bootsfahrt auf dem Rhein. Zusammen mit einem Freund als Begleiter, in einem Kahn stromabwärts vom Hochrhein bis nach Mainz. Über 400 Kilometer auf dem schon seit Wochen Hochwasser führenden Strom.
Doch die Reise endete jäh bei Rheinkilometer 199 vor Neuenburg. Das Boot zerbrach bei der Kollision mit der 200 Meter langen Schiffbrücke, welche hier seit 1873 über den Rhein führte. Kurz zuvor hatten sie noch die alte Eisenbahnbrücke unterquert, vielleicht abgelenkt vom imposanten Bauwerk, sahen sie die sich schnell nähernde Gefahrenstelle zu spät.
Sein Begleiter schaffte es gerade noch ans deutsche Ufer, während Spiro Sklawunos von den schäumenden Wellen verschluckt wurde.

Sechs Wochen später, am 12. September fand man am französischen Ufer bei Blodelsheim eine männliche Leiche. Vielleicht 25 bis 30 Jahre alt, eher klein. In der rechten Hosentasche eine Reichsmark und eine Uhr, sonst nichts. Da die Identität nicht feststellbar war, begrub man den Unbekannten anonym auf dem Friedhof der elsässischen Gemeinde. Erst später und nach längeren Ermittlungen konnte die griechische Familie den Verbleib des 23-jährigen klären und die letzte Ruhestätte ausfindig machen. Die Eheleute Albertine und Eugen Sitterle aus Blodelsheim pflegten dann das Grab die ganzen Jahre, obwohl sie den jungen Mann und seine Familie nicht kannten. Die Gedenktafel des Grabes wurde nach abgelaufener Ruhezeit auf Initiative von Emile Decker, einem Heimatforscher aus Blodelsheim, an der jetzigen Stelle angebracht. Die traurige Geschichte vom Neuenburger Stadtarchivar Winfried Studer veröffentlicht, der dazu schrieb:

„Die Tafel erinnert auch daran, dass eine Blodelsheimer Familie einem ihr nicht bekannten jungen Mann, der zufällig auf der Gemarkung Blodelsheim gefunden wurde, einen letzten Dienst erwiesen hat.“ Vergelt‘s Gott…! kann der Europäer da nur sagen.

(Für rheinsein zusammengestellt von Bruno Haase)

The Source of the Danube

NOT, like his great Compeers, indignantly
Doth DANUBE spring to life! The wandering Stream
(Who loves the Cross, yet to the Crescent’s gleam
Unfolds a willing breast) with infant glee
Slips from his prison walls: and Fancy, free
To follow in his track of silver light,
Reaches, with one brief moment’s rapid flight,
The vast Encincture of that gloomy sea
Whose waves the Orphean lyre forbad to meet
In conflict; whose rough winds forgot their jars -
To waft the heroic progeny of Greece,
When the first Ship sailed for the Golden Fleece,
ARGO, exalted for that daring feat
To bear in heaven her shape distinct with stars.

(William Wordsworth, Memorials of a tour on the continent, 1820)

40 Tage nach „Y“

Hinten in der S-Bahn eine Frauenstimme,
laut, erregt und mit stämmig-tomatigem Klang:
“Ich bin sauer…vor Jahren…ganze Schweinerei…”
offenbar in ein Mobiltelephon
(da nur ihr Monologanteil vernehmbar).

Himmel eisheilig,
sein Grau frischer als die matten
Stahl- und Glasfassaden der Bürotürme.

Ansonsten das seit zwei, drei Jahren
üblich gewordene Bild:
acht von zehn Passagieren tippen
beidhändig in ihre
handtellergroßen Kommunikationsgeräteplatten
mit Glattberührungsoberfläche.

Weiter mit der Straßenbahn.
Worringer Platz; ein Hochglanzaufkleber
auf dem Müllbehälter: “Pfand gehört daneben”.
Kölner Ecke Börnestr.; ein Daimler Benz Coupe
wie Bobby Ewing vor 30 Jahren eines in Dallas fuhr,
statt rot allerdings in silbergrau.

Pempelforter Ecke Wehrhahn.
Gelbe Kunststoffzäune mit warnblinkfähigem Gelämp,
dahinter drahtige Baustellenzäune übermannhoch,
Betonwände metertief in die Straßengrube eingegossen,
LKWs und Kräne.

Unweit des nahen Brauereiausschanks
ein Ladenlokal mit Bistro oder ähnlichem darin.
“Das war früher eine feine Kneipe“, lässt sie wissen,
“da saßen wir mittags in Anzug und Kostüm zum
Pausenbier.”
(Im Wochenblatt steht, dass in Alt-Erkrath, dem Nachbarstädtchen,
die nach der Post benannte Wirtschaft endgültig geschlossen habe –
Traditionslokal seit Jahrzehnten.
Das strenggestrenge über alle Stränge allzu enge Totalrauchverbot
In Räumen mag der vorletzte Sargnagel gewesen sein, der letzte
wohl die in Kürze beginnende erkennbar überflüssig zu nennende
Erneuerung des Fußgängerzonenpflasters – praktisch das Ende der
Außengastronomie.)

712 Richtung Ratingen.
“Baschelll…” murmelt seine Phonetik…
“gibt’s immer noch”, ergänzt sie;
alteingesessene Düsseldorfer Druckerei an der Grafenberger Allee.

Immer schön, die griechische Fahne in Europa
wehen zu sehen.

Im Erdgeschoss des Konsulatsgebäudes
eine Arztpraxis für Hämatologie.
In deren Empfangsbereich in einer Blumenvase
drei rote Rosen und zwei weiße Nelken –
Symbol vielleicht für das gesunde Mischverhältnis
der Blutkörperchen.
Spontaner Gedanke:
Die Werte der Leber sind nicht immer die der Gesellschaft.

Hier soll nur eine Unterlage für jemanden abgeholt werden.
Stattdessen dauert es, Patientenschlange vorm Anmeldetresen.
Neue PCs werden installiert, ein Computermann starrt emsig auf
einen Bildschirm, ein weiterer Techniker fuhrwerkt am Drucker.
“1969″, sagt hinten in der Schlange
ein Wartender zu einer Wartenden, “war bei den
Banken noch ein menschlicheres Arbeiten. Es wurde miteinander
gesprochen. Heute glotzt jeder nur in sein Gerät.”
Vorne ähnliche Befunde:
“Mit dieser Maus kann ich nicht arbeiten. Diese Maus macht mich rasend“,
lüftet die Sprechstundenhilfe ihre Seele,
angespannt auf einen Flachbildschirm stierend.

Zurück in der Bahn, junge Mutter mit Kinderwagen,
gepflegtes Äußeres, schämt sich beim Lächeln nicht
ihrer Zahnlücke.
So weit sind die Zeiten also schon, mag manch einer denken.
So weit sind die Zeiten schon wieder, denkt vielleicht ein Älterer.

Vermehrt Goldankaufläden.
Bruch- / Zahn- / Alt-gold. Neueröffnung.

Gleichviel, ob Bekleidungsdiscounter oder Markengeschäft,
das Etikett in den Stoffen schreibt überwiegend „Made in Bang!!! La Desh“.

Vor rund 40 Tagen schrieb der Dichter GrIngo Lahr:
“Y-Stelen.
Einst 1000 Füße. Wie einsame Zahnruinen in einem zahnlosen Kiefer, umgeben von
Schutthügeln aus Beton und verbogenem Stahl,
dahinter emblemloses Dreischeibenhaus & blauer Himmel
TOCK-TOCK-TOCK-TOCK-TOCK-TOCK-TOCK…
Gewaltiger Kran mit fünfgliedrigem Langarm. Abbruch/Hauer/Hammer,
im ganzen Viertel hör- & spürbar, zerstückelt die Leiche der Autobrücke.
Ein zweiter Aasfresser von der anderen Seite, Großkran, vier- oder fünfgliedriger Arm
Mit schlangenartigem Greifgebiss: „RRRffRRRffRRRff“. Plopp plopp Staub.
Hämmern und Fräsen um die Wette an beiden Seiten des Torso.” [***]

Knapp 40 Tage später statt Schuttbergen nun ein Saugbagger.
Ein Fahrzeug, ähnlich der Form von Wasserwerfern der Polizei bei Krawallen,
statt grün (künftig blau) hier jedoch in orange und mit umgekehrter Funktion.

Kräne von Bill Finger, lieber Herr und Woll! Wo?
Motto der Abbruchfirma, sie schaffe Platz für Neues.
Bahnschwellen, älter wohl als die 1960er/70er Jahre
aus dem Erdreich geborgen und sorgsam aufgestapelt.
Ein Kranbohrgerät bearbeitet einen neuen Kanaleingang:
!wie-wieCH wie-wieCH wie-wieCHCH…”

Vor Schaufenstern zigarettenrauchende Damen.
Bis vor zwei Wochen durften sie das noch im Cafe
auf Stühlen an Tischen sitzend,
hinter Glas zwar, wie im Terrarium
(aber damit waren Raucher wie Nichtraucher einverstanden gewesen).
Seit 14 Tagen würden die Damen sich illegal verhalten,
folgten sie weiterhin ihren bürgerlichen Gewohnheiten,
zum Kaffee zu rauchen.
Ihr Menschlich-Sein wurde quasi über Nacht kriminalisiert.

Historische oder apokalyptische Vergleiche seien hier,
die political correctness zweckhalber zum Stilmittel umbiegend,
schlicht verschwiegen, aber ist es nicht George Orwell,
der da aus dem Jenseits murmelt:
“Kommt`s noch so weit, dass Steuern auf die Atemluft erhoben werden?”

© GrIngo Lahr 15.05.2013

[***] Quelle: Literatur-Flyer „Lit-Single“, © GrIngo Lahr, vom 07.04.2013 (Titel „Y“), Wuppertal 2013

Seit 1993, seit nunmehr 20 Jahren bringt GrIngo Lahr seine Lit-Singles betitelten Literatur-Flyer “zur privaten Zirkulation im Freundeskreis und in der literarischen Fachöffentlichkeit” unter die Leute. 40 Tage nach Y ist ein literarischer Streifzug durch Düsseldorf, der an Lahrs im Text zitierte Lit-Single “Y” anschließt und exklusiv für rheinsein entstand. Die Y-Stelen meinen die Träger des vor wenigen Monaten abgerissenen “Tausendfüßlers”, einer ehemaligen Hochtrasse, seinerzeit eines der architektonischen Wahrzeichen der Stadt. rheinsein dankt GrIngo Lahr für den Text und für seine Meldung nach all den Jahren!

Griechischer Rhein

Vor allem weil die Handlung in Karlsruhe spiele, machte unser Kaiserswerther Korrespondent uns auf die Herbst-Neuerscheinung „Beim Griechen“ von Alexandros Stefanidis aufmerksam. Eine Familiengeschichte griechischer Einwanderer, die, aus der Perspektive des jüngsten Sohnes (A. S. eben), die deutsche Geschichte der letzten 40 Jahre spiegelt. „grills sind ok“, kam uns sogleich in den Sinn, die hauseigene 90er Jahre Trash-Eloge auf den Schnellimbiß als Restaurant des kleinen Mannes, darunter nicht wenige Griechen mit ihren gemischten Platten (Olympia-Teller), deren Fleischberge häufig alpine Ausmaße erreichten, welche uns wenige Studenten aus einfacheren Verhältnissen bei unseren sonntäglichen Besuchen in der Düsseldorfer Gyros- und Souvlaki-Szene für kleines Geld mit ausreichend Kalorien für eine ganze harte Studienwoche versorgten, teils begleitet von der Gastgeberlandkultur assimilierten gereimten Sinnsprüchen: „Dick und satt / wie schön is dat!“ – und dem unvermeidlichen Ouzo zum Abschluß. Doch der hier beschriebene Grieche wurzelt vor der Imbißschwemme und hat den Ouzo aufs Haus womöglich sogar erfunden: es handelt sich um das erste griechische Restaurant in Karlsruhe und seine direkten Nachfolger, deren letztes nach rund 40 Jahren vergangenes Jahr u.a. auch unter der Imbißwelle begraben wurde. Stefanidis ist sieben Jahre jünger als der Autor dieser Zeilen und ebenfalls gebürtiger/aufgewachsener Karlsruher. Karlsruher Kolorit kommt in seinem Buch kaum vor, die Handlung ist straff am Familienbetrieb ausgerichtet und reicht kaum einmal über dessen Hinterhof hinaus; dennoch finden wir, trotz des Altersunterschieds, einige Überschneidungen: die beinahe täglichen Zoobesuche als Kleinkind, später die Faszination für Yps-Hefte, die Unfähigkeit Rubik`s Cube aufzulösen, die Schauburg als bevorzugtes Kino. Hinzu kommen zwei historische Marken: die Ermordung Siegfried Bubacks, Wolfgang Göbels und Georg Wursters durch die RAF und die Versammlungen der frühen Grünen, die nach der Gründungsversammlung zu Udo Jürgens und peloponnesischem Roten in überlangen Wollpullovern bei der Stefanidis-Familie feierten. Alexandros Stefanidis erinnert sich an Jutta Ditfurth als schöne, intelligente Frau; meine Erinnerung ruft eine selbstzufriedene Populistin wach, deren platte Sprüche mich als Teenager zur Flucht aus einer frühen Versammlung bewogen. Ein paar stadtbekannte Namen überspannen den Altersunterschied, und ein paar türkische Vornamen, was das gemeinsame Kicken anbelangt, zu meiner Zeit noch im Verein, aus dem sich die türkischen Kinder aber zurückzogen, weil sie von der Mehrheit der deutschen Mitspieler nicht akzeptiert wurden: so bolzten sie in den folgenden Jahren mit dem jungen Alexandros in der Südstadt; heute dürften sie die ein oder andere Vereins-Jugendmannschaft dominieren. Ansonsten bleibt aus dem Buch, was Karlsruhe betrifft, noch das lakonische Statement, daß Karlsruhe eben nicht Berlin sei zu vermelden. Und was über Karlsruhe hinaus geht, nämlich praktisch alles an diesem Buch: daß selbst orientierungslos durch Statistiken kreuchende Gestalten wie Thilo Sarrazin mithilfe der Lektüre das Einnehmen simpler Vogelperspektiven erlernen könnten.

Wie die Römer vor zeiten so hart vnd lang wider das Teütsch land gestritten haben.

MJt was grosser müh vnd arbeit / ia kosten vnd verlust die Römer vorzeiten haben gestritten wider das Teütsch land / ist niemand on wissen der echter gelesen hat die alte historien. Es ist jnen gering gewesen vnder jren gewalt zubringen Hispaniam / Galliam / Britanniam / Greciam / Asiam / Egypten / Macedoniam vn ander villänder / aber Teütsch land wolt sich nit also liederlich ergeben / besunder das Teütsch land das der Rhein von occident / vnnd die Tonaw gegen mittag als starcke rinckmauren beschleüßt. Es hat manch tausent man müssen darüber zu grund ghan zu beiden seiten / wie du hören wirst. Dan die Teütschen theten solichen gewaltigen widerstand den Römern vnd allen jren fyenden / das vnder jren nachbauren ein solich sprichwort auß gieng. Will einer übel streiten / so reib er sich an die. Teütschen. Vnd wil einer streich lösen / so fahe er an ein zäck mit den Teütschen. Es habe die grausamme vnnd stäte überfäl der Teütsche gegen jren nachbauren den Römern so vil zu schaffen geben / das sie an eroberug Germanien offtermals verzweifflet / allein understünden jre prouintzen gegen den Teütschen vor überfal zu beschirmen / deshalb sie beide flüß Rhein vnd Tonaw auff jrer seiten mit vil trefflichen stetten vnd befestigungen verwaretend / als dan seind am Rhein / Bingen / Bopparten / Jngelheim / Mentz / Wormß / Speier / Rheinzabern / Seltz / Straßburg / Augst ob Basel / Keyserstul / Costentz / Arbon / vnd an der Tonaw / Augspurg / Regenspurg / Passaw / etc. Durch dies stett habe die Römer verhütet / das die Teütschen mit den jren / noch sie hinwider mit den Teütschen kein gemeinschafft dorffte haben. Der starck vnd namhafftig held Julius der erst keyser / legt sich zum ersten wider die Teütschen / vnd nam jnen die stett so an dem Rhein gelegen waren / die vor zeiten vnder den Galliern waren gewesen / aber durch die Teütsche erobert vnnd den Galliern ab getrungen / alsdann fürhin gemeldet ist / wie die Teütschen mit grossen scharen über den Rhein gefaren / die besten länder yngenommen vnd besessen haben. Do nun die Römer begerten des Rheinstroms vn den mit gewalt jnen zuziehen wolten / haben sich die Teütsche nit gesaumpt / sunder jnen fräuenlichen widerstand gethan. Doch mochte sie den Rheinstrom vo Basel an biß ghen Mentz nit behalten / sunder die Römer brachte jn zeitlich vnder jren gewalt / vnd besetzten alle stett vnd vn wärhafftige flecken mit haupleüten vnd kriegern. Die machten prouintzen darauß vnd vogteien / vnnd gaben den eroberten Teütschen ländern herzliche tittel vnd setzten grauen vnd hertzogen daryn. Die erst vnd gröst prouintz begreifft in jr Heluetiam / Sequanos vnd Rauracos/ das ist / Schweytzerland gegen Burgud / das Sunggöw biß ghen Bisantz vnd Baßler ladschafft biß ghen Colmar. Der hauptman diser prouintz hielt sich zu Bisantz / vnnd der vnder jm ander hauptleüt / vnder welchen einer sich hielt / bey Basel im Hole / der wartet das die Teütschen nitt über Rhein kämen / vnd den Römern in das land fielen. Nach diser prouintz kam Tractus Argentoratensis / das ist der Straßburger strich / vnd fieng an ob Schletstatt vnd gieng biß vnder Straßburg / wölche landschafft wir ietz zumal das vnder Elsaß nennen. Jr vorweser hieß der Straßburger graue / vnd was dem hertzogen zu Mentz vnderworffen. Do gieng an das erst Germania vnd begriff vnder jm das Straßburger land / Speirer land / Wormsser land vn Mentzer land. Die andern nennen es das ober Germaniam / vnd strecket sich biß in Lothringen. Ptolemäus streckt es biß an die Mosel / die er Obrincam nent. Sein oberster vorweser oder hauptman saß zu Mentz / vn her vnder jm eylff vögt / die hatten jre sitz / einer zu Salerion / das ist Seltz / einer zu Zabern / einer zu Vico Julio / jch acht es sey Weyssenburg oder Landaw / einer zu Speier / einer zu Alta ripa vnder Speier / das jetz heißt Altrip / einer zu Worms / einer zu Mentz / einer zu Bingen / einer zu Bodobriga / jetzunt Boppart / einer zu Confluentz oder Cobolentz / vn einer zu Antonaco / jetzunt Andernach. (Aus Sebastian Münsters Cosmographia)