Groppenfasnacht, Groppen allgemein und eine spezielle Groppe

Mit Fischknusperli ging, wie die Thurgauer Zeitung berichtet, am gestrigen Sonntag der „Große Groppenumzug“ im bodensee-schweizerischen Ermatingen über die Bühne. Die Gemeinde Ermatingen erklärt dieses Lokalereignis wie folgt: „Mitten in der Fastenzeit, wenn das Narrentreiben anderswo längst abgeklungen ist, rüstet sich Ermatingen alljährlich “zur letzten Fasnacht der Welt”. Diese erlebt alle drei Jahre mit dem Grossen Groppenumzug ihren Höhepunkt. Rund 20’000 Besucher wohnen jeweils dem in seiner Form einzigartigen Fischer-, Frühlings- und Fasnachtsumzug bei. Ihren Namen hat die Ermatinger Fasnacht von der Groppe, einem kleinen Fisch, der heute kaum mehr vorkommt. Noch vor 100 Jahren wurden Groppen aber mit dem Schleppnetz zu Tausenden auf einen Zug gefangen. Mit Salz bestreut und in der Pfanne gebraten galten sie als besondere Delikatesse.“ Die Knusperli dürften somit kaum aus Groppe bestanden haben. Weiterführende Informationen über die Spätfasnacht finden sich auf deren eigener Website. Nebst Informationen zur uneindeutigen Herkunft des Brauchs, der mindestens aufs Konzil von Konstanz zurückreichen soll, lesen wir dort über die Groppe: „Der Gropp gehört zur Familie der Knochenfische und ist auf der nördlichen Halbkugel in rund 300 verschiedenen Arten bekannt, die meisten davon sind typische Meeresbewohner. Die verbreitetste Süsswasserart, die Groppe (auch Koppe, Dolm, Cottus gobio) wird bis etwa 15 cm lang. Es sind oberseits grau bis bräunliche Fische mit dunkler Marmorierung. Nachdem der Gropp (oder eben die Groppe) im Bodensee jahrzehntelang als Folge der Gewässerverschmutzung als ausgestorben galt, ist der kleine Raubfisch heute wieder vereinzelt im See zu finden. Seine frühere Population wird er aber kaum jemals wieder erreichen. Das Gleiche gilt für seine kulinarische Bedeutung. Der kleine Fisch, dessen Fleisch von Knochen und Gräten durchsetzt ist, entspricht nicht mehr den Ansprüchen der heutigen Fischliebhaber.“ Über die Dickköpfigkeit der Groppe stand nichts zu lesen. rheinsein geht, ohne der Groppenfasnacht je beigewohnt zu haben, davon aus, daß diese spezielle Eigenschaft des Fischs in die Fasnachtsriten eingebunden sein dürfte und ist jedenfalls angetan von der groppigen Tradition am Schweizer Seeufer. Denn bei einer Wanderung durch die Ruinaulta, den „Schweizer Grand Canyon“, hatten wir einst Gelegenheit, uns mit einem leibhaftigen Exemplar dieser aktuell so seltenen Spezies zu unterhalten. Es handelte sich um eine gestrandete Groppe namens Ueli, die wir nach einigem unerquicklichen verbalen Hin und Her (vulgo: sinnlosen Diskussionen) aus ihrer mißlichen Lage, dem Eingeklemmtsein zwischen größeren rundgeschliffenen Alpenrheinkieseln, per Fingerschnips befreiten (die Groppe flog für einen Moment und das sah teuflisch elegant aus; „Groppendynamik“ flirrte uns ein beschreibendes Kompositum für ihr Flugverhalten durch den Schädel), woraufhin der geschnipste Fisch, dem all das offensichtlich peinlich war, grummelnd davonflösselnd, und auf eine Art und Weise vernuschelt, damit nur jeder wüßte, wie schwer ihm die Sache fiel, uns drei von ihm zu erfüllende Wünsche zugestand, eine fortgesetzt unangenehme Situation also, die wir seinerzeit nicht zuletzt wegen akuter Wunschlosigkeit mit lediglich dem Wunsch eines „Guten Tages“ quittierten, welcher auf die Groppe zurückfallen sollte. Wir haben nie wieder von ihm/ihr gehört.

Ruinaulta

Was der Rhein alles ist und wie er sich zeigt, schreibt Victor Hugo in „Le Rhin. Lettres à un ami“: „Er ist mal breit, mal schmal, er ist meergrün, durchsichtig, schnell, freudig und ganz erfüllt von der großen Freude, die allem Machtvollen eigen ist.“ Hinter Castrisch fällt er plötzlich in eine Schlucht. Sein Wasser wird turmalinfarben, bleibt zugleich durchsichtig. Pfeifend und rumantsch plappernd dringt die Rhätische Bahn in die Ruinaulta, neben einem schmalen Fußpfad bedeutet ihre Schmalspur die einzige Verkehrstrasse in einem Gelände voll herrlicher Wildheit und Anspielungen auf Kulissen und Koloration der Winnetou-Filme. Über 1000 Gipfel, 614 Seen und 150 Täler soll Graubünden aufweisen. Doch diese Schlucht, die auch als Schweizer Grand Canyon bezeichnet wird, mag sie alle an Faszination übertreffen – was aus dem Zugabteil leicht Reden ist und nach Möglichkeit bei der ein oder anderen Fußwanderung überprüft werden soll. Vor gut einem Jahr habe ich diese beeindruckende Schlucht samt Flimser Bergsturz ehrfürchtig bis gethrillt und sowieso höhenschwindlig von weit oben an der Asfaltstraße durch eine passende Baumlücke betrachtet; jetzt zockle ich auf ihrem Grunde durch sie hindurch und kann weder diese Vorgaben an Idyll noch die Möglichkeit, sie per Eisenbahn zu queren, richtig fassen. Der Mittelrhein ist ein Abklatsch davon. Ein aufgepumpter. Klassischer Fall für Verlust qua Potenzierung, Mediokrität nach sich ziehende Kulturvervielfältigung. Hier jedoch springt der Fluß wie die Konsonanten der romanischen Sprache, er felselt, besteht aus mehr Kies als Wasser, rauscht, knautscht und gautscht. Nach seinen Taten und Sagen muß man suchen, sie werden einem nicht aufs Auge gedrückt. Kaum jemand hält sich in dieser unsäglich attraktiven Wildnis auf. Die Zugpassagiere wollen allesamt nach Chur. Die Schluchtbahnhöfe liegen weit unterhalb der Ortschaften mit Namen Valendas-Sagogn, Versam-Safien, Trin (Halt bei Bedarf). Kurz vor Reichenau tritt der Lauf aus der Schlucht, das türkisfarbne Wasser fügt sich zum geschmeidigen Dreischneuß des Zusammenfluß`, über den die Rhätische Bahn hinwegschwebt. Die Schneegrenze wird zur Grenze vereisten kalten Schweißes, denn ab Domat-Ems schwitzen die Berge ihre erdrückenden Depressionen aus. Unterhalb Chur bewirbt ein Plakat: www.gottkenner.ch (Fehler! Die von Ihnen aufgerufene Adresse http://www.gottkenner.ch/ ist zurzeit nicht erreichbar. Bitte überprüfen Sie die korrekte Schreibweise der Webadresse (URL) und versuchen Sie dann die Seite neu zu laden.)