Neues von doazmol

Karin Lehner hat vor Weihnachten mit Kulinarische Geschichte(n) und Rezepte ein Kochbuch der Rheintaler Bauerntradition veröffentlicht und damit vom Aussterben bedrohten lokalen Rezepten ein küchenliterarisches Reservat geschaffen. Für den nördlicheren Rheinanwohner mögen Gerichte wie Türggaribl, Oufächuächä oder Grüüba zunächst unverständlich bis exotisch klingen, doch sobald die Dialektbegriffe geklärt sind, stellt sich flugs einige Verwandtschaft etwa zur rheinländischen Küche (Himmel und Ääd) ein: Grundzutaten für die Rheintaler Gerichte sind Mais, Kartoffeln, Äpfel und Birnen, von denen hauptsächlich der Mais samt seiner Verarbeitungsformen als exklusive Rheintaler Spezialität gelten darf. Die alten Zubereitungsarten enthalten u.a. die Herstellung von Speiseeis ohne Tiefkühlgerät oder das Reinigen von Backfett mithilfe von Wasser. Das Buch zählt 148 Seiten und ist in der Schweiz und Liechtenstein für 27 Schweizer Franken im regionalen Buchhandel oder über doazmol direkt bei der Autorin erhältlich. (Für andere Länder dürften sich die Versandkosten leicht erhöhen.)

Ähnlich wie rheinsein kombiniert doazmol Blogelektronik mit Printpublikationen. (Weitere Ähnlichkeiten findet der/die geneigte Leser/in leicht im Vergleich etwa der Seitendesigns.) Viele alte Rezepte des St. Galler Rheintals finden sich daher auch auf dem ganz der Bauernkulinarik gewidmeten Sonderableger doazmols.

Auf der doazmol-Hauptseite wiederum findet sich ein Rezept für Chörbliwasser samt Gedicht, von dem wir nicht annehmen, daß beide im oben vorgestellten Buch enthalten sind, weil es sich bei Chörbliwasser eher um ein Hausapotheken-Mittelchen als um ein Getränk handelt:

S’Chörbliwasser

Wenn’s di ufem Maage tuät trugge,
und es zwiggt di gad onò ufem Rugge,
häsch e òffes Bei, oder sus ötschwo e Wunne,
vilicht sogär dr Chopf iibunne,
churzum, es chò dr weäh tòä wo’s dr will
un Medizin vum Tòggter nützt o numme vil,
denn muescht gär nid lòng ummepfuttere,
griefsch sofort zur Chörbliwasser-Guttere.
Nimmscht allpòtt en waggere Schlugg dervu,
un scho glii wört’s dr wieder besser gu.
Chörbliwasser brennt mä us Chrutt wo so guet schmeggt,
as eim wieder alli Lebesgeischter weggt.
Mä tarsch uni wittersch o de Goofe gih,
s’ischt nämli gär ken Alkohol dri.
Jetz frögen d’Lüt sicher gònz gwunnerig
wo mä echt das Wasser überchöm, das bsunnerig.
S’ischt nid schwär, das Örtli z’finne,
am Grabserberg lit’s, eäner echli hinne.
Unnerwies heisst’s, en Huffe Lüt wüssen das,
döt git’s Chörbliwasser, wenn wotsch ä gònzes Fass.

Dieses Lobgedicht auf das aus Kerbel gewonnene Elixier als ein Beispiel unter vielen für die wunderbaren, seltenen und aussagekräftigen Materialien zum ehemaligen Dorfleben, die Karin Lehner auf ihrer Website zusammenstellt, zuletzt u.a. eine Annonce zur Versteigerung von Schulhausgülle und derzeit, als neuer Jahresschwerpunkt, wetterprognostizierende Bauernregeln in Fülle.