Pfeffel (2)

Der Dogge und der Fleischerhund (1806)

Ein Dogge, der, laut alten Sagen,
Bei einem General als Torwart stund,
Sah seinen Nachbar, einen Fleischerhund,
Zwei Ochsen in das Schlachthaus jagen.
»Verworfner Sklave! schäme dich,
Das Amt des Büttels auszuüben«,
Rief er ihm nach. Der Nachbar wandte sich:
»Das hat«, erwidert er, »dein Herr vor mir getrieben;
Er, der sobald sein Fürst die Trommel rührt
Die Menschen herdenweis zur Schlachtbank führt.«

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Auf des Robespierres Staatsbericht über das höchste Wesen (1794)

Darfst, lieber Gott, nun wieder sein;
So wills der Schach der Franken.
Laß flugs durch ein paar Engelein
Dich schön bei ihm bedanken.

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(rheinsein erkennt bei der Lektüre Pfeffels einmal mehr, wie sich des Autors gelegentlich publizierte Polit- und Kampfhundlyrik in Traditionen einreiht…)

Pfeffel

Gottlieb Konrad Pfeffel schuf Unmengen humoristisch-erbaulicher Lehrgedichte um Blutegel, Meerkatzen, Esel und tollwütige Hunde. Zwar ist der Autor strikt oberrheinischer Herkunft, der Rhein selbst findet im Werk aber kaum Erwähnung (etwa in „Die Tabakspfeife“), Pfeffel rechnete lieber aufs Allgemeine hoch wie bei dieser Flußallegorie:

Der Knabe und der Kahn
(1809)

Ein wilder Bauernjunge fand
Ein Schiffchen an des Flusses Rand,
Der an dem Dorf vorüber brauste.
Er springt hinein, löst es vom Pfahl.
Und ob er gleich zum erstenmal
In dem Gebiet der Nymphen hauste,
So ließ er doch, auf gutes Glück,
Das Fahrzeug durch des Stromes Krümmen
Ganz unbesorgt hinunter schwimmen.
Von ungefähr warf er den Blick
Aufs Land und rief dem bangen Haufen
Der Dörfler zu: wo eilt ihr hin?
Ich seh euch alle rückwärts laufen.
Ei, ei! selbst Dorf und Kirche fliehn.
Die Leute rangen stumm die Hände;
Indes flog er mit seinem Kahn
schnell wie ein Pfeil davon. Am Ende
Verlor er sich im Ozean.

Anstatt die Zeit vergehn zu sehen,
Sind wir es selber, die vergehen.