Rote Baskenmütze

Wir erreichten Düsseldorf und wurden am Planetarium in der Nähe der zerstörten Rheinbrücke, die im Wasser lag, abgeladen. Wir Landser umarmten uns, und jeder ging seiner eigenen Wege. Ich stand da, überglücklich in der Heimat zu sein, an meinem so geliebten Rheinstrom, der nichts von seiner gewaltigen Schönheit verloren hatte. Trotz vollgeschissener Hose und kahlgeschorenem Kopf war ich dem Weinen nahe und doch überglücklich. Ich ging zurück in Richtung Altstadt und sah sie in Trümmern liegen. Der Kunstakademie fehlte zum größten Teil das Dach und sie hatte auch äußerliche Schäden. Das war kein schöner Anblick, unsere Heimatstadt so zerstört zu sehen. Die Amerikaner hatten die Stadt von der Oberkasseler Seite aus beschossen und viele Altstadthäuser waren Ruinen.
Durch Zufall traf ich Kaplan Dr. Merzbach, der zum Ende der Naziära die Reste der Düsseldorfer Sturmschar betreut hatte. Es war ein freudiges Wiedersehen, hörte von ihm aber, daß viele aus der früheren Schar leider gefallen seien, was mich sehr traurig stimmte. Er sah meinen kahlgeschorenen Kopf, griff spontan in seine Aktentasche und holte eine rote Baskenmütze heraus, die er irgendwo gefunden hatte. Er schenkte sie mir, und ich hatte meine erste Kopfbedeckung, als käme ich aus einer unbekannten Einheit. Er meinte, sie stünde mir gut. Dr. Merzbach war einer von den Leuten, die die Stadt an die Amerikaner übergeben und dadurch noch weiteres Unheil verhindert hatten. (…)
Ich überlegte, wo ich zuerst hingehen sollte. Unser Elternhaus am Wehrhahn, mein Zuhause, war in der Bombennacht auf Pfingsten 1943 vollkommen zerstört worden und nur noch eine trostlose Ruine. (…) Die Sonne schien, der Rhein floß in seinem alten Bett. Die Gebäude der alten Gesolei, der so genannte Ehrenhof, waren ohne große Schäden davongekommen, der Straßenbahnverkehr zum größten Teil zusammengebrochen. Geld hatte ich keins, woher auch sollte ich solches haben. Der Hunger war etwas gestillt, da Dr. Merzbach mir eines seiner Butterbrote gegeben hatte.
Auf nach Golzheim zur Künstlersiedlung. Also machte ich mich auf den Weg. Unterwegs, hinter einem Gebüsch, zog ich meine voll geschissene Hose aus und versuchte recht und schlecht, mich davon zu befreien. Ein Büschel Gras, eine alte Zeitung waren brauchbare Putzmittel. Ich war ein wenig erleichtert und ging auf Golzheim zu. Groß war das Wiedersehen, wir umarmten uns und waren alle glücklich. (…) Was war das für ein Vergnügen, unter einer Brause zu duschen, mal wieder ein Stück Seife in der Hand zu haben. Es war ein Geschenk, das mit Geld nicht zu bezahlen war. Eine Tasse Muckefuck, eine Scheibe Brot mit etwas Tomatenmark, welch Köstlichkeit. Nachbarn kamen herüber und freuten sich mit uns. Jeder hatte zu berichten, alle hatten Schlimmes erlebt.

(aus Hannes Esser: Heute hier und morgen gestern, Düsseldorf 2002)

Türkischer Rhein: Dönerschiff Düsstanbul

“Hüseyin Soylu kann es kaum noch erwarten. Denn wenn nichts mehr dazwischen kommt, wird Ende September mit der Düsstanbul das erste Dönerschiff seinen Betrieb aufnehmen und die Kunden mit traditionellem Döner und Bratfisch nach Istanbuler Art versorgen. In der türkischen Metropole am Bosporus wird der Fisch frisch aus dem Wasser geangelt und an die umliegenden Händler verkauft. Im Golzheimer Hafen kommt der Fisch frisch vom Duisburger Großmarkt auf den Teller. Seinen Hafen wird das Schiff nicht verlassen, es bleibt fest im Yachthafen liegen”, schreibt die WZ und täuscht sich in einem Punkt: die Makrelen für die Fischbrötchen (balık ekmek), wie sie etwa in Eminönü am Goldenen Horn unter osmanischen Clownereien auf heftig schaukelnden Booten gebraten und in unüberschaubaren Mengen, begleitet von Steckrübensaft (şalgam suyu) unters Volk gebracht werden, stammen heuer großteils aus Norwegen. Der Bosporus gilt als überfischt und aus dem Rhein ziehen Angler seit ein zwei Jahren vornehmlich Grundeln, ohne daß die Grundel bisher die heimische Kultur des belegten Brötchens maßgeblich bereichert hätte.