Das Kirchlein am St. Luzisteig

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(…) Der Tag des Gerichts ist da, die Toten klettern in ihren weissen Langhemden unbeholfen aus ihren Grablöchern, sie ringen die Hände und schneiden bange Grimassen; gute Laune hat einzig, schadenfreudig grinsend, Satan mit seiner Vokuhila-Frisur wie ein Gölä-Band-Mitglied. (…)“

Das Zitat entstammt einem Wege zur Schweiz-Band über die Region Walensee, der wiederum die Weltwoche zitiert, für die Thomas Widmer die Wandgemälde in der Kirche am St. Luzisteig beschrieben hat. Noch heute ist leicht zu erkennen, daß die comichaften Bilder einst komplett die Kirchwände bedeckt haben durften. Im Dreißigjährigen Krieg (und wohl noch bei späteren Verwüstungsgelegenheiten) wurden sie zerstört und erst 1945 anläßlich einer Restaurierung die Überbleibsel freigelegt. Erhalten blieb vor allem die Darstellung des Jüngsten Gerichts: während Jesus (oder ein geflügelter Bischof/Papst) auf der linken Bildhälfte die Unsicheren, Bedröppelten und Zerstörtnasigen empfängt, schleppt der Teufel in der rechten Bildhälfte einen Betrüger/Geizling, welcher vergeblich im letzten Moment sein Geld loszuwerden trachtet, mit dem Hanfstrick in seinen Hoheitsbezirk. Über der Szenerie schwebt Jesus oder Gott (als Bärtiger/Gerechter) auf einem künstlerisch gewagten Wolkenthron, eine langstielige Lilie geht ihm durch beide Ohren, dieweil er mit den Händen garnicht unsynchron an heutigen Toilettenbedarf gemahnende Papierrollen auswirft: das ganze in seinem schlichten, dabei ausdrucksstarken und zwischen den Mahlsteinen der Jahrhunderte umdeutbaren Strich machte uns einen großartigen Eindruck und ist neben der Zilliser Decke eines der sehenswertesten Stücke Kirchenwandmalerei, das uns bisher am Rhein untergekommen ist. (Den Schlüssel zum Kirchportal gibts, sollte St. Luzius verschlossen sein, in der Beiz nebenan. Es ist kein ganz kleiner Schlüssel. Es lohnt die Erfahrung, wenigstens einmal im Leben mit einem solchen Schlüssel eine Kirche aufzuschließen und, sobald das Portal knarrend ins Schloß zurückfällt, das Jüngste Gericht szenisch vorwegzunehmen.)