Echo des Poseidon

Der Ex-Kanzler kannte Duisburg nur aus den Schimanski-Filmen. Ein geringfügiges Manko, das er nun ausbügeln konnte: anläßlich der Enthüllung einer sechs, mit Sockel zehn Meter hohen und elf Tonnen schweren Skulptur seines Freundes (und unseres Düsseldorfer Ex-Nachbarn) Markus Lüpertz namens “Echo des Poseidon” war Gerhard Schröder, eigenen Worten zufolge, erstmals in der Stadt mit Deutschlands größtem Binnenhafen zu Gast. Im Vergleich zu den Filmkulissen aus den 80ern habe sich die Stadt sehr positiv entwickelt, befand der gelernte Staatenlenker und Gazprom-Angestellte. Die Einweihungsfeier der Skulptur in Ruhrort, die an die Moai auf der Osterinsel erinnert, blieb einer exklusiven Clique vorbehalten. Das Gesicht der Skulptur ist dem Rhein zugewandt, Anwohner blicken auf den Hinterkopf. Der persönlich anwesende Künstler lobte sein Werk als hochgradig gelungen. Die Duisburger Lokalzeit hat das historische Ereignis für das Volk in Bild und Ton festgehalten.

Fehlfarben: Rhein in Flammen

“Die Plakate am Zaun sagen die Zeit bleibt stehn
Die Mahnungen zu Haus das Gegenteil
Musik will niemand mehr hören, nur noch sehn
15 Minuten sind schnell vorbei”

Amerikanische Bands entdecken neuerdings den Rhein, indem sie seine Wellen ein paar Jährchen nach der Hauptromantik zu Neofolk genannten musikalischen Hippiemoden verklären. Rheinische Bands hingegen kennen den Rhein schon etwas länger und haben ihm sein Hippietum im Rahmen von Punk und Elektro mit Schmackes ausgetrieben. Eine der innovativsten rheinischen Bands war zu Beginn der 80er Jahre Fehlfarben aus Düsseldorf, deren “Monarchie und Alltag”-Album (1980) neue Maßstäbe für deutschsprachige Popalben setzte. “Wir sind die Türken von morgen” heißt es dort verwirrend hellsichtig und verstörend nostalgisch: “Es liegt ein Grauschleier über der Stadt, den meine Mutter noch nicht weggewaschen hat”. Die Fehlfarben gibt es bis heute, auf dem Album mit dem großartigen Schröderära-Titel “Knietief im Dispo” (2002) hört man die Band sich selbst zitieren, wofür sie nichtmal eine Extraportion Ironie benötigt, allwo rotzig vorgetragene Mehrdeutigkeit seit jeher als Stärke der seinerzeit im Ratinger Hof gezüchteten Truppe gilt. Im Lied “Rhein in Flammen” variiert Sänger Peter Hein den Tod der Menschheit über die Gesundheitsaspekte des Euros und der unter Düsseldorfer Dealern grassierenden Angewohnheit, ihre Geschäfte in die Straßenbahn zu verlegen.

Das aktuell teuerste Foto der Welt

ist eigentlich ein digitales Gemälde, ein sogenannter C-Print auf Plexiglas, heißt Rhein II, zeigt einen Rheinabschnitt bei Düsseldorf, stammt von Andreas Gursky und ging am vorgestrigen 08. November für 4.338.500 Dollar bei Christie`s in New York über den Tresen. Einen vergleichsweise kostengünstigen, wenngleich niedrig aufgelösten und gegenüber dem zwei mal dreieinhalb Meter messenden Original stark verkleinerten Anblick des Werks bietet Wikipedia.

Das Rekordfoto diente im Jahre 2002 auch als Wahlwerbung für Rot-Grün unter Gerhard Schröder. Bilder, die Rhein II an verschiedenen Düsseldorfer Standorten mit aufgedruckten Parteiemblemen zeigen und ein Interview mit dem Künstler finden sich auf der Website der NRW-SPD.