Ermittlung der Rheinlänge durch Ockhart (2)

Nähere Bestimmung der verschiedenen Distanzen, welche der Rhein von seinem Ursprunge, bis zu seiner Theilung in Holland, und von da bis zu dem Ausflusse seiner verschiedenen Arme in das Meer durchläuft.

A) Allgemeine Distanzen nach dem Laufe des Flusses

1. Von den Quellen bis nach Chur ohngefähr 20 Stunden
2. Von da bis zu dem Eintritt in den Bodensee 24
3. Lauf durch den Bodensee bis Constanz 9
4. Von Constanz bis Schaffhausen 9
5. Von da bis Basel 33
6. Von da bis Strasburg 32
7. Von da bis Neuburg 15
8. Von da bis Schröck 6
9. Von da bis Mannheim 18 1/2
10. Von da bis Mainz 15 1/2
11. Von da bis Caub 9 1/2
12. Von da bis Coblenz 10 1/4
13. Von da bis Andernach 5 1/4
14. Von da bis Linz 4 1/2
15. Von da bis Cöln 12 1/4
16. Von da bis Düsseldorf 10 1/2
17. Von da bis Homberg 7 1/2
18. Von da bis Wesel 7
19. Von da bis Emmerich 9 3/4
20. Von da bis Lobith 3
21. Von da bis Nimwegen 4
22. Von da bis Rossum 9 1/2
23. Von da bis Gorcum 9
24. Von da bis Dortrecht 5 1/2
25. bis zum Meer 14

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Nach dieser möglichst genauen Bestimmung der Distanzen, die der Rhein in seinem Laufe zurücklegt, sieht man, mit wie wenig Grund Norrmann in der 6ten Auflage der Büschingischen Vorbereitung zur Europäischen Länder- und Staatenkunde Seite 103, die Länge des Laufs dieses Flusses, wie wir oben schon gesagt haben, auf 350 Meilen hat angeben wollen, und dass Fabri eben so Unrecht hat, wenn derselbe in seinem Abriss der natürlichen Erdkunde Seite 450 behauptet, dass der Rhein in seinen Laufe einen Weg von 360 Meilen zurücklege.

(aus: Josef Franz Ockhart – Der Rhein, nach der Länge seines Laufs und der Beschaffenheit seines Strombettes, mit Beziehung auf dessen Schifffahrtsverhältnisse betrachtet: Ein Beitrag zur nähern Kunde der deutschen Flußschifffahrt, 1816)

Ermittlung der Rheinlänge durch Ockhart

Der Rhein hat bekanntlich seinen dreifachen Ursprung in den höhern Gebirgen des Graubündner Landes. Durch das Zusammenfliessen mehrerer kleinerer Bäche, werden besonders der Vorder- und der Hinterrhein, mit welchem erstem sich der Mittelrhein vereinigt, bald zu brausenden Waldströmen, die zum Theil zwischen rauhen Felsen oft Stunden weit von Fall zu Fall fortstürzen, zuweilen aber auch in einem ebenern Bette durch Thäler sanft dahinfliessen, und sich endlich bei Reichenau miteinander vereinigen.

Auffallend hat man es in neuern Zeiten gefunden, dass drei verschiedene Gewässer, die in ziemlich weiter Entfernung von einander entspringen, mit dem gleichen Namen belegt worden sind, und dass man selbige als Arme eines und desselben Stromes hat ansehen wollen; allein ob es gleich nicht zu läugnen ist, dass die drei Quellen des Rheins ohngefähr 5 Stunden von einander entfernt sind, so entspringen dieselben doch aus der gleichen Kette des Gebürgs, welches zu den höchsten der Rhaetischen Alpen gehört, und nehmen ihren Lauf in der gleichen Richtung von Süden gegen Norden.

Ohngeachtet der Hinterrhein von einer etwas weitern Entfernung und von einem grösseren Gletscher herkommt, als der Vorderrhein, so steht doch dieser letztere dem erstern in der Stärke seiner Gewässer wenig nach; beide sind, nachdem der Hinterrhein in seinen Krümmungen die Strecke von beiläufig 21 Stunden, der Vorderrhein aber die von 19 1/2 Stunden zurük gelegt haben, nach ihrer Vereinigung bei Reichenau ohngefähr 230 Fuss breit.

So allgemein auch von jeher die “Wichtigkeit des Rheins für die Handelsverhältnisse des westlichen Theils von Europa anerkannt worden ist, so findet man doch bisher noch wenig sichere Data über die wahre Länge seines Laufs, so wie über die eigentliche Beschaffenheit seines Strombettes aufgestellt.

Selbst sehr ausgezeichnete Geographen, wie Norrmann und Fabri, haben in der Bestimmung der Distanzen, welche dieser Fluss zu durchlaufen hat, und die der Erste auf 350, der Zweite aber auf 360 Meilen angiebt, sehr geirrt; da, wie wir in der Folge dieses Werks beweisen werden, sich ein ganz anderes Datum hierunter herausstellt. Indem wir hier einige allgemeine Betrachtungen über das Strombett des Rheins und dessen verschiedene Abtheilungen vorausschicken, werden wir demnächst die eigentliche Länge des Laufs dieses Flusses näher zu bestimmen suchen.

(aus: Josef Franz Ockhart – Der Rhein, nch der Länge seines Laufs und der Beschaffenheit seines Strombettes, mit Beziehung auf dessen Schifffahrtsverhältnisse betrachtet: Ein Beitrag zur nähern Kunde der deutschen Flußschifffahrt, 1816)