Japanische Rheinbetrachtungen

Gelungen oder mißraten – Versuche, den eigenen Blickwinkel auf den Rhein ein wenig zu exotisieren, heute: indem japanische Betrachtensweisen zum deutschen Strom im Internet aufgespürt werden sollten, führen, vermutlich nicht zuletzt aufgrund der Sprachbarriere, zwar zu einigen Ergebnissen, die aber kaum zu befriedigen wissen, da sie a) garnicht von Japanern, sondern meist von urdeutschen Menschenexemplaren stammen und b) bestenfalls in der hierzuland seit Jahrzehnten als hochoriginell verbuchten Ansicht kulminieren, japanische Touristen, die ja alles und jedes nur durch die Displays ihrer Foto- und Filmkameras betrachteten, würden sich dann eben zuhause (auf welche Weise auch immer, wahrscheinlich die typisch japanische) mit den gefilmten Burgen, Weinbergen, Loreleyfelsen auseinandersetzen. So läßt sich quantitativ viel und dabei doch Hochredundantes über den japanischen Rheintouristen und die sexuellen Neigungen seiner Frau an sich – aus sicher berufenem (berufsverbotsfernem) Munde – erfahren. Dann doch noch tiefgründigeres: eine namentlich nicht gekennzeichnete, beeindruckend ausführliche, stellenweise poetisierte Rede über den Rhein in der Literatur wie sie haufenweise gestapelt mein Arbeitszimmer bewächst. Diese Rede, eine sehr ordentliche, passenderweise gehalten vor einer Ordensgesellschaft (allein die Vorstellung: da hocken noch Ritter mitten unter uns!), liefert von Ichweißesnicht über Nurichweißbescheid via Früherwarallesbesser bis Esmußwaspassieren ein reiches Spektrum purdeutscher Anschauungsweisen, die mir plötzlich selbst ganz exotisch vorkommen. Die Vorstellung auch einer Gesellschaftsschicht, die unsere besten Dichter erst respektiert (wenn überhaupt), nachdem sie ihnen weidlich beim Dahindarben oder Wahnsinnigwerden zugeschaut hat, bis sie dermaßen tot vorliegen, daß sies Maul beim besten Willen nicht mehr aufbekommen: selbstexotisierend! Am vorläufigen Ende der Suche dann noch der Loreley-Song von George und Ira Gershwin, interpretiert von Miku Hatsune, reichlich versöhnlicher Abschluß des heutigen Rechercheleerlaufs, der in leichtgewichtigen Gedanken zu einem fiktiven Volk synthetischer, zum Leben erweckter Gartenzwerge mündet.