Börsen und Baden

Die Börse stürzt ins Bodenlose.
Ich stürz mich auf die Badehose,
Dann auf mein Rad. Der DAX bricht ein.
Ich breche auf in Richtung Rhein.

Der Crash walzt Renten zu Ragout.
Ich roll vorbei an einer Kuh.
Dann bieg ich links in laues Licht.
Der Geldmarkt kriegt die Biege nicht.

Derweil viel Kapital verfällt,
Folg ich erblühter Uferwelt
Und stoppe dann im kühlen Wald.
Der Schuldenanstieg kennt kein Halt.

Old Sam ächzt unterm Pleitejoch.
Ich jauchze auf: das Baggerloch!
Ich stürm hinein, ich schwimm hinaus.
Aus Dollar, Euro flieht man raus.

Die Dicke und der Gnome de France,
Die taumeln haltlos wie in Trance.
Dagegen zieh ich elegant
Durchs Blau zehn Bahnen. Dann an Land.

Und wie ich froh nach Hause rausche,
Find ich ‘nen Euro, den ich tausche
Beim Italiener gegen Eis.
Der kann ihn brauchen. Und: Wer weiß?
Gibt’s Euros auch noch nächstes Jahr?

Wenn nicht – der See ist ja noch da.

(von Georg Raabe, mit freundlicher Genehmigung des Autors, auf dessen neues Hörbuch “Die halbe Wahrheit” aus seinen Texten für die taz wir hier gerne hinweisen.)

Prinzenreklamation

Ein Rest Rotweiß umschlingt noch die Laternen,
zerzaust und nass. Der Dunst aus den Tavernen.
Ein Wind treibt schlappe Jecken um die Ecken.
Der Dom kratzt sich, als hätte er die Zecken.

Die Stadt, klamm und verkatert, macht sich klein.
Und am Museum hebt ein junger Hund sein Bein.
Den Rest Konfetti picken fette Tauben.
Die öffentliche Hand geht ans Entstauben.

Dem Rhein, auf Durchreise, ists einerlei.
In seinem Alter weiß er: Alles geht vorbei.
„Auch meine Zeit ist um. Isch ließ eusch lachen.
Für den Verein, da tat isch alles machen.

Mehr ging nisch, war nisch drin. Ein letzter Gruß.
Gern blieb isch. Doch die Bandscheibe, der Fuß:
Kaputt. Isch hab am Bein escht einfach voll die-
se Seuche. Tschüss! Prinz Karne… äh… Prinz Poldi

(Zum Aschermittwoch ein Gast-Gedicht von Georg Raabe, mit bestem Dank vorab und hinterher und auch an den frisch Isla Volante-Literaturpreis gekrönten Hartmut Abendschein, der den Text als letzten Teil einer Raabeschen Karnevalstrilogie fürs Netz isoliert und darin zum Vorschein gebracht hat! Der finale Endreim “voll die(se)/Poldi”, konkurriert, nebenbei gesagt, fürderhin inoffiziell mit dem meinen “coesfeld/erdrosselt” (aus dem Mittelfeld meines berühmten Kampfhundgedichts “frau krauses tat”) um den schlechtesten Endreim der gesamtdeutschen, wenn nicht gar der gesamteuropäischen Lyrikgeschichte.)