De Kinäs mach d’Rhii gäl!

De Urhahn

Wenn de Urhan balzä düät
Des goht eim siedig heiß ins Blüäd -
Maidli – chum!“

(Gerhard Jung: „De Urhahn“)

He!
„De Kinäs hett de Geli Fluss – un’ mir hän de Rhii“, so denkt sich de Greger Max. Nochdenklich lässt er si Zittig sinke.
„Greger Max“, hießt er bii de jungi Lüt – er striicht doch immer gern durch Mülle, nachts, un’ frogt jungi Lüt, ob sie mit ihm nicht wond mitem heimgo – „er hätt doch au ganz tolli Musik vum Greger Max!“, so said er immer.
Wege sellere Musik vom Greger Max wird er no halt Greger Max gheisset.
G’hirotet isch er scho, aber er macht scho ä arg schwule Iidruck – do denk doch gli, der wott der an die Wäschi go – auch wenn sini Aldi im Neschd nebendra liegt.
Überhaupt sini Aldi… di isch immer im Edeka an de Kass un goscht umenand – ihre Alde goht wenn’s nur goht uff Friburg in die „Regina-Bar“, des isch so ä Puffbar, wo die lose Wiiber mit obe rum nix a umenander hocke, jo, so goschd’s Wib vom Greger Max umenand.
Wenn de selle Kerle nachts triffsch, no frogt er dich au gern: „No sag ämol – kenn mer kaini, die wo de Schlitz quer hätt? Wenn de mir eini bringsch, no kriegsch hundert Mark vu mer.“
Aber obwohl er ä Aldi hätt und immer vu Wiiber schwätzt, macht er doch ä schwuli Iidruck.
Do wärsch bigott froh, wenn e numhes einä zum Mitsuffä sücht und de mit heilem Fidele wieder us dr Stub chömmsch.
Hüt het er ä güäts z’Niini cha – z’schaffä hätt er jo eh nit, d’Chies kummt jo vu d’ Wohlfahrt – und er hätt Zittig gläsä, do hän sie gschriebe, de Kinäs isch ganz mächtig am vorwärts go.
Wütig springt er uff.
„No losemol…“, denkt er do bi sich, „wenn di nu alli chömma – Herrgottsdundergipfel – no wird’s do eng bi üs im Ländle…!“
Uff de Schreck brucht er nu erst ämol ä Chriisiwässerle.
Heidenei, des tüät güäd!
Scho cha er viel besser überlege -
Vu selle Kinäse gits doch glatt Milliarde – he! Wenn selli alli do akomme wodde – Jo leck mich doch am Stengel! Do hätts ni wieder ä Platz nit! Di fresse dr noch’s allerletschd Hoor vom Nischel! Di sinn imstand!
Do müäsch doch ebbis düä! D’Regierung holt am End no die alle ins Land – Und denn wird usm Rhii de Gel’ Fluss!
Uff de Schreck muss sich de Greger Max noch ä Chriisiwässerle extra genehmige…

(Ein Gaschtbeitrag von Bdolf (2013), rheinsein dankt.)

Rheindaumenkino

Der Daumenkinograf Volker Gerling ist den Rhein entlang von Konstanz bis ans Meer gewandert und hat dabei für die Ausstellung “Rhein und Gelber Fluss” 2008 im Wissenschaftszentrum Bonn Menschen auf dem Weg portraitiert: in 36 schnell hintereinander geschossenen Bildern, die schließlich als Daumenkino fungieren. Gerling schreibt selbst auf seiner Website: „(…) Am Rheinfall treffe ich den Tuareg aus der Sahara, der zum ersten Mal den Rhein sieht und sich sorgfältig notiert, wie viel Wasser in jeder Sekunde hinabstürzt. Im Elsass begegne ich dem Koch, der die Stelle im Restaurant am Rhein erst vor fünf Tagen bekommen hat und vorher im Obdachlosenheim gelebt hat. In Koblenz dem Fährmann, der seit vielen Jahren Menschen über die Mosel fährt und sich nicht viel aus dem Rhein macht, der direkt vor seinen Augen vorbeifließt. (…)“ Doch bei der Ausstellung bleibt es nicht, die gesamte Aktion erfährt eine poetische Auflösung: „Mit den Geschichten und Bildern, die ich meiner Reise entlang des Rheins zu verdanken habe, kehre ich später an den Fluss zurück. Ich blättere die Daumenkinos auf einer Brücke stehend ab und lasse sie anschließend fallen. Sie wirbeln durch die Luft und schwimmen davon, den Rhein hinab (…). Bis die Fotos das Meer erreicht haben werden, wird das Flusswasser die Bildschicht vom Papierträger weggewaschen haben. (…) Die Nordsee erreichen weiße Bilder. So weiß und leer, wie die Seiten meiner Notizbücher am Anfang der Reise.“