Türkischer Rhein: im Herbscht het ma da Türgga gholt

„Im Herbscht het ma da Türgga gholt vom Riet, vo Hand uusbroche und di Fueder mit em Fuehrwerch hoa transportiert. D’Froue hend d’Stube uusgruumt und denn het ma di ganzi Laadig vo Türggachölba mit de Zoane i d’Stube ietroat. A mengem Ort hets bis mindeschtens uf di halb Fänschterhöachi Hüüffe ka, di ganz Stube voll, so dass nu no Platz ka het für en Bangg oder en Harass zum Druufhogge, um Chölba uuszhöltscha. Nachbuure und Helfer sind zur Mitärebet iiglaade worde. Es ischt gsellig und gmüetlig gse, me het gsunge, verzellt und viil glachet.

Me het vorzue d’Bletter abgrupft bis uf zwoa bis vier Bletter und die omme zämmeknüpft. Di grichtete Chölbe het ma i Zoane toa und d’Manne hend dia i d’Obertiili uetroat, wo si vo andere vorzue zum Trüchne uufghenggt worde sind. D’Obertiiline sind mit so Holzliischtene oder Dröht uusgrüschtet gse, damit me dia Chölba het chönne uufhengge. Das ischt denn en ganze Johresvorroot gse. Dia Chölba het ma im Louf vom Johr abegno, abgribblet und denn i d’Mühli broocht uf Sennwald. De Müller het denn das Türggamehl wider vertoalt, jede het sis eigne Mehl zrugg übercho. De Türgga het ma o als Hennefuetter bruucht, früeher hond fascht alli Lüt Henne ums Huus ka.“

(Der Originalbeitrag steht auf Doazmol in der Rubrik “Frümsner Bräuche” unter dem Titel “De Höltschät” und ist dort auch als Audiofile nachzuhören. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Türgga bezeichnet im St. Galler Rheintal und im Liechtensteinischen eine Maissorte, die bis vor einigen Jahrzehnten für die inzwischen kaum noch verbreitete bäuerliche Basisspeise Ribel verwendet wurde. Im westlichen Österreich wird der Mais allgemein als Türken bezeichnet. Die Bezeichnung rührt offenbar daher, daß der Mais in Mitteleuropa über die Türkei und den Balkan seine Verbreitung fand. rheinsein dankt Doazmol fürs Überlassen des Beitrags!)

Felsrose

Wahnsinn, diese Alpen! Mit der Frümsener Luftseilbahn hoch auf den Stauberen (1750 Meter). In der Kabine der Werdenberger Chronist samt Gattin, die frohgemut Rheinlieder anzusingen beginnt, als sie von meiner Profession erfährt. Rachiges Schwyzerdütsch, felsiger Singsang. Kuhglocken und Sennhütten, restlos unglaubhaft für einen Höhenschwindligen, aber sie existieren, auf ihre extrem steilheitsannehmende Art und Weise. Oben: atemberaubende Blicke aufs Fürstentum im Dunst, seinen kantig eingefaßten Rhein, das vorarlbergische Österreich, Appenzell, den Bodensee, wie der klaffende Kiefer eines Tyrannosaurus Rex spannt ein zerfurchter Gipfel zur Linken, zur Rechten der Hohe Kasten, blumenübersäte Alpen (Teufelskralle, Felsrose, Pulsatilla, Siebenmänteli, Pimpinelle, Knorpellattich, Rindsauge… von rund 360 Alpenblumensorten gedeihen auf diesen Wiesen angeblich und glaubhaft 320) beflattert von sommerisch torkelnden Widderchen, Trostlosfaltern und Schwalbenschwänzen. Rasend ziehen Dunstfelder hangan, verschwinden überm Gipfel, lösen sich auf in strahlendes Nichts. Es ist eine alpenrheingeborne Muse, die mich führt in zeitloser Schönheit, ein paar hundert Meter in diese Richtung, ein paar hundert Meter in jene, bis eben immer zum allergeilsten Ausblick, „fall nicht!“, sie ist besorgt um mein Verhältnis zum Sog, den solche Höhen auf mich ausüben. Sie quatscht und quatscht, die Muse, läßt alles Lebenswichtige Revue passieren, für mich, vor diesem Panorama, lacht über meine kargen Repliken, sorgt sich, nimmt mich, wo ich zu taumeln drohe ob all der ungeheuren, massiv energetischen Pracht, zärtlich bei der Hand, schimpft auf das ferne Meer, lobt die letzten zerrieselnden Schneefelder auf den Hängen, bestellt Apfelmost in der Hütte, während ich mir ein dünnes Appenzeller Quellwasserbier genehmige. Tadelnde Fragen, ob mir dieser Ausblick denn poetisch etwas eingebracht habe. Sie spielt und sie meint es ernst. Ein Leben haben wir auf Erden.