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	<title>rheinsein &#187; Friedrich Hölderlin</title>
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	<description>stan lafleur schlafwandelt durch die rheinische sferiferie</description>
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		<title>Heinse über den Rheinfall</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Apr 2011 15:06:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Victor Hugo am Rheinfall war, der junge Lenz, Mörike, Hölderlin, Jean Paul, Klopstock, die Droste, wir selbst bereits ein paarmal, dann muß auch Goethe dort gewesen sein, möchte man meinen und meinte mans wirklich, so meinte mans natürlich zurecht. Goethes Gedanken zum Rheinfall werden hier noch präsentiert, in der Zwischenzeit stießen wir auf Wilhelm Heinse, der in seinem Tagebuch notierte:</p>
<p>&#8220;Neuhausen bei Schaffhausen, den 14. August 1870<br />
Der Rhein bei Schaffhausen tut einen solchen Schuß in die Tiefe, daß er das Laufen vergißt und sich besinnt, ob er Dunst werden oder Wasser bleiben will. Wenn man ihn zum ersten erblickt: so sieht man lauter Dunststaub wie Silberrauch in der Luft. Sein Brausen in der Ferne scheint wie Harmonie, in welche einzelne Flutenschläge die Melodie machen. Er sieht ganz wild und ernst aus und stürmt trotzig über die Felsen hin, kühn und sicher, nicht zu vergehen. Es ist eine erschreckliche Gewalt, und man erstaunt, wie die Felsen dagegen aushalten können. Das Wasser scheint von der heftigen Bewegung zu Feuer zu werden und raucht; aber sein Dampf ist Silber, so rein, wie sein Element ist.&#8221;</p>
<p>Treffende Worte in schönem Fluß. Heinses Beobachtungen am Rheinfall gehen indes noch deutlich weiter, in einem Brief an den Kollegen Friedrich Jacobi:</p>
<p>&#8220;Es ist, als ob eine Wasserwelt in den Abgrund aus den Gesetzen der Natur hinausrollte. Die Gewölbe der Schaumwogen im wütenden Schuß flammt ein glühender Regenbogen wie ein Geist des Zorns schräg herab. Keine Erinnerung, der stärkste Schwung der Phantasie kann`s der gegenwärtigen Empfindung nachsagen. Die Natur zeigt sich ganz in ihrer Größe. Die Allmacht ihrer Kräfte zieht dauernd die kochenden Fluten herab und gibt den ungeheuern Wassermassen die Eile des Blitzes. Es ist die allerhöchste Stärke, der wütendste Sturm des größten Lebens, das menschliche Sinnen fassen können. Der Mensch steht klein wie ein Nichts davor da und kann nur bis ins Innerste gerührt den Aufruhr betrachten. Selbst der Schlaffste muß des Wassergebirggetümmels nicht satt werden können. Der kälteste Philosoph muß sagen, es ist eine von den ungeheuersten Wirkungen der anziehenden Kraft, die in die Sinne fallen. Und wenn man es das hundertstemal sieht, so ergreift`s einen wieder von neuem, als ob man es noch nicht gesehen hätte. Es ist ein Riesensturm, und man wird endlich ungeduldig, daß man ein so kleines festes mechanisches zerbrechliches Ding ist und nicht mit hineinkann. Der Perlenstaub, der überall wie von einem großen wütenden Feuer herumdampft und wie von einem Wirbelwind herumgejagt wird und allen den großen Massen einen Schatten erteilt oder sie gewitterwolkicht macht, bildet ein fürchterliches Ganzes mit dem Flug und Schuß und Drang, und An- und Abprallen, und Wirbeln und Sieden und Schäumen in der Tiefe, und dem Brausen und dem majestätischen, erdbebenartigen Krachen dazwischen&#8230; O Gott, welche Musik, welches Donnerbrausen, welch ein Sturm durch all mein Wesen! Heilig! heilig! heilig! brüllt es in Mark und Gebein&#8230; Es ist mir, als ob ich in der geheimsten Werkstatt der Schöpfung mich befände, wo das Element von fürchterlicher Allgewalt gezwungen sich zeigen muß, wie es ist, in zerstürmten und ungeheuern großen Massen. Und doch läßt das ihm eigentümliche Leben sich nicht ganz bändigen und schäumt und wütet und brüllt, daß die Felsen und die Berge nebenan erzittern und erklingen und der Himmel davor sein klares Antlitz verhüllt und die flammende Sommersonne mit mildern Strahlen dreinschaut. –<br />
Es ist der Rheinstrom: und man steht davor wie vor dem Inbegriff aller Quellen, so aufgelöst ist er; und doch sind die Massen so stark, daß sie das Gefühl statt des Auges ergreifen, und die Bewegung so trümmernd heftig, daß dieser Sinn ihr nicht nachkann und die Empfindung immer neu bleibt und ewig schauervoll und entzückend.<br />
Man hört und fühlt sich selbst nicht mehr, das Auge sieht nicht mehr und läßt nur Eindruck auf sich machen; so wird man ergriffen und von nie empfundenen Regungen durchdrungen. Oben und unten sind kochende Staubwolken, und in der Mitte wälzt sich blitzschnell die dicke Flut wie grünlichtes Metall mit Silberschaum im Fluß; unten stürzt es mit allmächtiger Gewalt durch den kochenden Schaum in den Abgrund, daß er wie von einer heftigen Feuersbrunst sich in Dampf und Rauch auflöst und sich über das weite Becken wirbelt und kräuselt. An der linken Seite, wo sein Strom am stärksten sich hereinwälzt, fliegt der Schuß wie Ballen zerstäubter Kanonenkugeln weit ins Becken und gibt Stöße an die Felsenwand wie ein Erdbeben. Rundum weiterhin ist alles Toben und Wüten, und das Herz und die Pulse schlagen dem Wassergotte wie einem Alexander nach gewonnener Schlacht.&#8221;</p>
<p>Existiert da noch besseres? Heinse jedenfalls, auf den wir heut erst stießen, hat noch schöne Anmerkungen zu weiteren rheinischen Gefilden in petto, die gelegentlich hier auftauchen dürften. Ob Goethe da mithalten konnte oder angesichts des Naturereignisses in eine seiner kleinkrämerischen Brillanzpausen verfiel &#8211; verpassen Sie`s auf keinen Fall, demnächst, an dieser Stelle!</p>
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		<title>Der Rhein bei Maurice Genevoix: die weltweit immergleiche Heidelbergerinnerung</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Nov 2010 09:52:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Fortgesetzt bürgerlich-akademisch-romantische Vorstellungswelten bringt Genevoix in der  Heidelberg-Passage seines Lorelei-Romans zum Klingen. Die restliche Handlung spielt wohl deswegen großteils in Offenbach am Main, um proletarische Perfidie gegenüber dem sinnsuchenden jungen Bürgerhelden aufbauen zu können. In Heidelberg aber geht es ideal und idealer zu: „Die Universität hatte ihre Tore der Ferien wegen geschlossen. Die Straßen der Altstadt waren fast leergefegt. Unter dem Gasthausschild vom „Roten Ochsen“ (&#8230;) fanden sie die Weinstube halb offen, verschlafen in der Straßensonne und drinnen absolut still. Sie waren dann wiederum unter dem Brückentor zum rechten Neckarufer hinübergegangen und noch einmal zum Philosophenweg aufgestiegen. Der Abend tauchte jetzt das ganze Tal in ein durchsichtiges, vergoldetes Licht. Unter einem Behang von Zweigen und über Blumenbeeten und Rasen genossen sie die Aussicht auf den langsam und majestätisch fließenden Fluß. Ruderboote, bunt angestrichen, glitten vorüber; wenn die Ruder aus dem Wasser tauchten, gleißte Sonnenuntergangslicht auf ihren Blättern.“ War das Idyll vor der Epoche idyllenbestätigender kamerabehängter Touristenhorden wirklich ein Idyll (für wen)? Der Neckar ein majestätischer Fluß? Brentano, Arnim, Hölderlin nicht eher Schwärmer mit fehlender Wahrnehmungsgabe für schweißige Unterströme rheinischen Elends? Die Heidelberger Tourismusindustrie schien lt. Genevoix jedenfalls bereits vor dem Ersten Weltkrieg mit Raffinesse angelaufen: „Im großen fenstertürigen Speisesaal aßen sie vorzüglich vorbereitete Flußforellen, hielten in langstieligen Gläsern einen feurigen Johannisberger im Gegenlicht hoch. Dabei schauten sie zu, wie eine fröhlich schwatzende Menschenmenge sich den Weg herabwälzte und auf die Alte Brücke losmarschierte. Unmerklich war es unterdessen über Wasser und Hügeln dunkler geworden. Von Zeit zu Zeit fuhr ein flacher Schleppkahn auf dem Fluß dahin, geriet in einen seidenglatten Strudel. (&#8230;)“ Unter Ahs und Ohs betrachtet die Reisegruppe nun eine Schwanenfamilie.  Doch es kommt noch dicker: „Die drei Schwäne entschwanden in der Dunkelheit. Gleichzeitig wurden die Wälder um Heiligenberg von einer Geschoßgarbe von Raketen beleuchtet; sie stiegen in den Himmel empor, fielen als Regen roter, grüner, blauer Sterne herab, wurden ein Stückchen abgetrieben, ein kosmisches Geknatter am Himmel, indes eine letzte, irgendwo hinverirrt, losging und durch die Nacht dröhnte. (&#8230;)“ Der Fokus wechselt alsbald auf den unvermeidlichen Höhepunkt eines solchen Heidelbergbesuchs, die allabendliche Gothic-Show am Schloß: „Bengalische Feuer hatten die gewaltige Fassade lichterloh erhellt. Zugleich wurden ganze Reihen von leeren Fensterhöhlen illuminiert. Die beleuchteten Dächer der einzelnen Bauten, der Turmspitzen, dann wieder Winkel und Ecken in unheimlichem Dunkel, das plötzlich tausendfältige Zischen der Raketen und Leuchtkugeln &#8211; man hätte glauben können, ein riesiges Ölgemälde, magisch aus dem Nichts heraufgeholt, eine feenhafte Theaterkulisse, erscheine ihnen vor Augen. Der Stadt unten, ihren Dächern, ihren Türmen, ihren Kirchturmspitzen, dem Fluß, ja den Menschen selber haftete, wenn sie sie anschauten, etwas Phantastisches, Festliches an: ein Traum von einem Deutschland, außerhalb aller Zeiten.“ </p>
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		<title>Am Rande des Rhein-Lech-Kontinuums</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 17:12:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In Augsburg am Lech traf Rheinsein während des Brecht-Festivals u.a. Monika Rinck wieder. Wir waren uns elektronisch aus dem Forum der 13 und erstweltend von der ein oder anderen Gelegenheit bekannt. Monika Rinck betreibt nicht nur ein höchst besuchenswertes Begriffsstudio, sondern schreibt und liest mit die wohlklingendste und anspielungsreichste Lyrik der Gegenwart &#8211; somit lag [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Augsburg am Lech traf Rheinsein während des Brecht-Festivals u.a. Monika Rinck wieder. Wir waren uns elektronisch aus dem <a href="http://www.forum-der-13.de">Forum der 13</a> und erstweltend von der ein oder anderen Gelegenheit bekannt. Monika Rinck betreibt nicht nur ein höchst besuchenswertes <a href="http://www.begriffsstudio.de/">Begriffsstudio</a>, sondern schreibt und liest mit die wohlklingendste und anspielungsreichste Lyrik der Gegenwart &#8211; somit lag die Frage nah, ob sie den Rhein in einem ihrer Texte behandelt habe (spinxend natürlich auf einen Rheinsein-Gastbeitrag). Habe sie in ihrer Dichtung bisher nicht, sagte Monika (und zog umgehend ein Büchlein aus ihrer Tasche hervor), aber ob mich dieses vielleicht interessiere:</p>
<p>&#8220;A riddle is the purely originated.&#8221; In its context, this sentence begins the fourth strophe of Hölderlin&#8217;s DER RHEIN and can be read backward and forward. Origin as riddle. Riddle as origin. Like the source of the Rhine, pure origin is hard to specify. &#8220;Even poetry can scarcely unveil it,&#8221; says the poet. I suspect Celan likes the pun that informs Hölderlin&#8217;s riddle. His line breaks and word divisions emphasize the parts of Hölderlin&#8217;s German word Reinentsprungenes, which means &#8220;purely originated&#8221; but also sounds like &#8220;Rhine-originated&#8221; and perhaps even suggests &#8220;Der Rhein-originated.&#8221; Pure source, the river Rhine and the poem &#8220;Rhine&#8221; come together on one point from which the rich sense flows. If language were a commerce, punning words would be its usury. Aristotle tells us that usury is the most unnatural sort of wealth-getting because it allows money to breed money out of itself instead of being spent as it was intended. Analogously, punning generates an unnatural supplement of significance from a sound that properly expends itself in one meaning alone.&#8221;<br />
(aus: Anne Carson &#8211; Economy of the Unlost. (Reading Simonides of Keos with Paul Celan) 1999.)</p>
<p>Doch, das interessierte mich sehr, schließlich bin ich Verfechter der Tausendrheinthese, die besagt, daß der Ursprung des Rheins zum einen ein vielfacher, zum andern unenträtselt ist und somit einen Tick eher in poetischen als geologischen Gefilden liegt, noch eher aber in den kosmischen mit ihren (von uns) un/entdeckten Zugängen (zu uns) &#8211; und ich dachte oder besser: empfand, so sollte es eigentlich immer sein: du stellst eine Frage und dein Gegenüber packt in Hinterkopf und/oder Tasche und holt eine strahlende Assoziation hervor.</p>
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		<title>Ils reins</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Aug 2009 11:08:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Leo Tuor, der romanisch schreibende Autor aus der Surselva, hat die ganzen historischen Rheinstellen gelesen, Caesar, Seneca, Spescha, Hölderlin natürlich, nur den seltenen Dielhelm vielleicht nicht. Als Bergler versteht er in seinem Essay „Ils reins“ die gewachsene und weiter wachsende Berg-, Tal-, Bach- und Flußnomenklatur des Vorder- und Hinterrheins zu entwirren, sich gleichzeitig tief ins System der Täler zu begeben, wo bei Wetterumschwüngen jeder automatisch in die Irre gerät und, um sie zu bannen, um zu überleben, ein paar passende Worte zur Hand haben muß; denn die Natur wechselt unaufhaltsam ihre Positionen, Täler und Flüsse verschieben sich oder verschwinden, Regionen dehnen sich aus und ziehen sich zusammen, Wälder wandern und dünnen aus, erweitert um Prozesse aus Beton, also Wall- und Schanzarbeiten, und erstmals lese ich ernsthaft bestätigt, deutlich ernsthafter als bei Spescha, was ich droben bei den Quellen empfand: sie festlegen zu wollen sei grober Unfug, Wasser sei nun mal nicht festzulegen, Tuor redet beim Rhein von hunderten Flüssen, und davon, daß niemand wisse, wer der Rhein sei, weil er ein Zauberer sei, ein Meister der Verwandlung. Ich empfand die Quellszenerie als touristisch unbeachtetes Weltwunder und die prächtigen Fortbewegungsarten des entspringenden Wassers als Stilmittel der größten Erzählung überhaupt, die Zeit und Raum überbrückend im selbsterzeugten Rauschen aufgeht. Tuor gesteht dem Rhein 12000 Verlaufskilometer zu und meint vielleicht eine Addition seiner Seitentäler plus seiner historischen, wie Krampfadern aus der Landschaft gezogenen Windungen, vielleicht auch der Flüße unter dem Fluß. Tuor bezeichnet die Bergwässer als Drachen, dessen Zungen bis unter die Gletscher und weiter hinein in die Dunkelheit reichen und zitiert zur Sicherung den Engadiner Durich Chiampell mit einem Notat aus dem 16. Jahrhundert: „Obwohl unser hochgebirge mit ewigem schnee bedeckt ist, hatt dasselbe dennoch viele sonnige Felspartien, höhlen, gegen mittag geöffnet, wo der lintwurm sich gerne aufhält und nach art der schlangen und eidechsen an der sonne liegt.“ Auch berichtet Tuor von einem frühmorgendlichen Gang durchs dunkle neblige Gebirge, als er plötzlich im Schein seiner Lampe zwei gelbe Augen antraf, die (meine sofortige Vermutung: „der böse Anogl“ weder bestätigend noch verwerfend) womöglich nur einem Fantasma gehörten, das ihn immerhin an Don Cirongilio de Thracias Kampf mit der Wasserschlange erinnerte; es gibt im Dunkeln, unter Wasser und hinterm Fels diese anderen Tiere, frühe Schriften bezeugen das, und wer lange genug dem Rheinrauschen lauscht, differenziert darin auch die Botschaften solcher kryptischen Spezies. Steinige und plätschernde Elemente der romanischen Sprache bringt Tuor in seinem abschließenden Statement besonders zum Klingen: „Sco ei ha entschiet, aschia cala ei: Ina aua en pliras auas, dapertut e negliu. Inagada alvas e blauas. Sereinas ni neras els lags. Aur tgietschen ellas palius. Sgurghigliem verd e bugliadetsch. Spema, ramur, mar.“</p>
<p>Der Essay „Ils reins“ findet sich im Bildband: Der Rhein &#8211; quellnah. Fotografien von Catja Rauschenbach &#8211; ein Jahreslauf, u.a. mit Essays von Wolfgang Mörth, Hansjörg Quaderer, Leo Tuor, herausgegeben vom Bündner Naturmuseum Chur, Küefer Martis Huus Ruggell und Museum Rhein-Schauen Lustenau im Alpenland Verlag </p>
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		<title>Gefährte und Gefahr</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Jul 2009 07:32:57 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Blind gegriffen drei Texte aus Hansjörg Quaderers wunderbar klar verdichtetem Buchkunst-Band „Stromschwärzen der Landschaft. Ein Libretto“ über den liechtensteinischen Rhein, anläßlich eines dort geplanten, nicht zustandegekommenen Kraftwerkbaus, mit freundlicher Genehmigung des Autors:
Eine Hommage an die Kiesbanknomaden
Die Kiesbänke schaffen Lebensraum für scheue Kreaturen, Kieselalgen und Organismen. Auf einer Sand- und Kiesbank finden Pantomimen ein sensibles Feld, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Blind gegriffen drei Texte aus Hansjörg Quaderers wunderbar klar verdichtetem Buchkunst-Band „Stromschwärzen der Landschaft. Ein Libretto“ über den liechtensteinischen Rhein, anläßlich eines dort geplanten, nicht zustandegekommenen Kraftwerkbaus, mit freundlicher Genehmigung des Autors:</p>
<p>Eine Hommage an die Kiesbanknomaden<br />
Die Kiesbänke schaffen Lebensraum für scheue Kreaturen, Kieselalgen und Organismen. Auf einer Sand- und Kiesbank finden Pantomimen ein sensibles Feld, eine gegebene Fläche für eine Inszenierung: Idee einer Sequenz sehr langsamer Bewegungen bestimmter Reiher&#8230;, die tauchenden Bewegungen dem Ursprung zu: Gleichsam eine Hommage an alle Minderheiten, Zugvögel und Zaungäste, die ohne Kiesbänke auf der Strecke bleiben.</p>
<p>Wem gehört der Rhein?<br />
Der adäquaten Idee.</p>
<p>Plädoyer für den Rhein<br />
Der Rhein ist als Aorta des Tales von jeher Wahrzeichen dieser Landschaft und darf als solche nicht unterbunden werden. Der Rhein und sein Stiefbruder Föhn prägen das Tal. Der Rhein war früher ein Fluch, das Tal war ihm unterworfen. Die Heimsuchung durch ihn brachte Not und Schrecken: Man fesselte ihn aus existentieller Notwendigkeit in ein festes Dammbett, um das Land sicher und verlässlich zu bestellen. Das Gesicht des Rheins wandelte sich. Aus dem ungestümen Landvogt Rhein wurde ein der Landschaft gewährter Schlichter. Der Rhein, in seiner gelenkten Fassung, der verhaltene, nur bisweilen sich noch aufbäumende Fluss, bleibt eine unberechenbare, die unbekannte Grösse im Tal. Er begleitet uns als Gefährte und Gefahr, anziehend und abweisend zugleich. Die Ambivalenz der grossen Dinge durchzieht den Fluss: Fluch ist er nicht mehr, Segen lässt man ihn nicht sein. Was ist seine Bestimmung? Fest steht, dass der Rhein Grundwasser bildet. Die Stimme des freigebornen Rheins aber lehrt manche, schlicht und rein zu werden. Die Rheinkraftwerke siedeln im arglosen, banal-verschütteten Bewusstsein. Die geplanten Kraftwerke bedrohen das Rheintal, ungeachtet der ungelösten Grundwasserfrage, in seiner Identität. Der Fluss, seine Mäander, Sedimente und Strömung weisen in eine verborgene Topographie. Der Rhein berührt uns in unverfügbaren Schichten. Der innere Rhein verpflichtet, ist verbindlich aufzufassen: Seien wir einfach und loyal, lassen wir den Rhein Lebensfluss sein! Der zentralen Flussfigur unserer Landschaft gebührt ein unveräusserliches, konstitutionelles Flussrecht. Die den Rhein verraten, den Verbau des Rheins ins Kraftwerk zulassen, den Rhein stauen, stillegen und vivisezieren wollen, geben damit preis, was sie mit ihrem Ursprung verbindet. Lässt der Liechtensteiner die Kraftwerke zu, verachtet und verleugnet er seine Zugehörigkeit zum Rheintal: Er wird unrettbar sein Gesicht verlieren.</p>
<p>Quaderer zitiert dazu fußnötig Martin Heidegger aus Die Technik und die Kehre, Pfullingen 1962: „Das Wasserkraftwerk ist nicht in den Rheinstrom gebaut wie die alte Holzbrücke, die seit Jahrhunderten Ufer mit Ufer verbindet. Vielmehr ist der Strom in das Kraftwerk verbaut. Er ist, was er jetzt als Strom ist, nämlich Wasserdrucklieferant, aus dem Wesen des Kraftwerks. Achten wir doch, um das Ungeheuere, das hier waltet, auch nur entfernt zu ermessen, für einen Augenblick auf den Gegensatz, der sich in den beiden Titeln ausspricht: Der Rhein, verbaut in das Kraftwerk, und „Der Rhein“, gesagt aus dem Kunstwerk der gleichnamigen Hymne Hölderlins.“</p>
<p>Weitere Texte des Autors zum Rhein und Bestellmöglichkeiten auf der Website der <a href="http://www.eupalinos.li/">edition eupalinos</a></p>
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		<title>Gorrh (4)</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Jun 2009 10:28:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gorrhs früheres und späteres Denken entwickelte sich aufgrund einer Initialzündung, die er noch im Larvenstadium, geborgen im Asfalt der A5, im Jahre 2009 n. Chr., mittels seismofysischer Nervenanwandlung seinem Wesen überschirmte und im Laufe seiner Frühstentwicklung sich neurologisch einverleibte. Gott, Darwin, Hölderlin, Nietzsche, Freud und Konsorten streiten seitdem über die Deutungshoheit: Mit einer Prügelei haben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gorrhs früheres und späteres Denken entwickelte sich aufgrund einer Initialzündung, die er noch im Larvenstadium, geborgen im Asfalt der A5, im Jahre 2009 n. Chr., mittels seismofysischer Nervenanwandlung seinem Wesen überschirmte und im Laufe seiner Frühstentwicklung sich neurologisch einverleibte. Gott, Darwin, Hölderlin, Nietzsche, Freud und Konsorten streiten seitdem über die Deutungshoheit: Mit einer Prügelei haben eine Frau und ein Mann versucht, nach einem Unfall auf der A5 die Schuldfrage zu klären. Die beiden hatten sich in die Wolle bekommen, nachdem die Frau den Wagen des Mannes bei Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) gestreift hatte. Daraufhin stoppten beide auf dem Standstreifen und tauschten statt der Personalien Schläge aus. Stimmen (wie jene von Schwuttke und Strondtner), die Gorrhs Aufderweltsein nicht mit  klassischer Metamorfose, sondern eher mit Schnittstellengeburt erklären, schreiben seine Eigenschaften elektromagnetischen Fänomenen zu. Daß der Faustschlag einer Frau oder eines Mannes auf dem Standstreifen der A5 bei Weinheim globale Folgen nach sich ziehen kann, ist jedenfalls seit Gorrhs was auch immer geschuldetem Erscheinen einer der Kernsätze der sogenannten Chaostheorie.</p>
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		<title>Hölderlinien</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Mar 2009 12:08:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Friedrich Gottlieb Klopstock]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich Hölderlin]]></category>
		<category><![CDATA[Isaac von Sinclair]]></category>
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		<description><![CDATA[Das meiste vermag die Geburt, und der Lichtstrahl, der dem Neugeborenen begegnet. Weswegen letzterer jauchzt. Gott will aber seinen Söhnen das eilende Leben sparen und lächelt, wenn unaufhaltsam, aber gehemmt von heiligen Alpen, ihm in der Tiefe die Ströme zürnen. In solch alpiner Esse würde dann auch alles Lautere geschmiedet, und schön sei`s, wie er, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das meiste vermag die Geburt, und der Lichtstrahl, der dem Neugeborenen begegnet. Weswegen letzterer jauchzt. Gott will aber seinen Söhnen das eilende Leben sparen und lächelt, wenn unaufhaltsam, aber gehemmt von heiligen Alpen, ihm in der Tiefe die Ströme zürnen. In solch alpiner Esse würde dann auch alles Lautere geschmiedet, und schön sei`s, wie er, nachdem er die Berge verlassen, stillwandelnd sich im deutschen Lande begnügt und das Sehnen stillt, nach- oder indem er das gute Land erst baut, der alte Vater Rhein, und liebe Kinder nährt, in biederen Städten, die er gegründet, meint und deliriert recht wortgetreu der Dichter Friedrich Hölderlin in seinen Rhein-Hymnen. Das klingt alles schön, vielleicht anderthalb Spuren zu schwärmerisch und überkommen (aber durchaus brauchbar als originelles Zeitkolorit), die üppigen, seinem Freund Sinclair gewidmeten Zeilen mögen darob heuer kaum mehr Leser finden als das Klopstocksche Gesamtwerk, das besonders gern (ich finde: zu Unrecht) als verquast abgetan wird. Dafür leihen beide Dichter nach wie vor einer ansehnlichen Zahl Wohnstraßen ihre klingenden Namen. Hölderlin stammt vom gelbschlammigen Neckar, den er seine letzten rund 40 Lebensjahre aus einem schicken Tübinger Turmzimmerchen betrachten durfte. Dieses Türmchen erreiche ich auf Umwegen durch das trügerischere Wirrwarr schwäbischer Landstraßen im trüben Abenddämmer eines weiteren vernieselten Februartages: schließlich geht’s hinein nach Tübingen, das ich nach 23 Jahren wiedersehe, die Eingänge zur historischen Altstadt sind mit Tü amo-Bannern geschmückt, irgendwelche Italien-Kulturtage, ich fühle mich etwas fehl im studentischen Dunst, der abwassergleich aus allen Stadtporen fließt, am Frauenbuchladen grüßt mich eine alte Bekannte (ich kenne sie nicht) und erzählt mir, wie es Fritzi (die ich ebenfalls nicht kenne &#8211; vielleicht eine feminisierte Form von Hölderlins Vornamen, der/die als guter Geist durch die Stadtmauern wandelt?) in der Zwischenzeit ergangen ist. Im Frauenbuchladen selbst sitzt eine Dame, die ich nur vom Typus her kenne. Old school in lila, wenig entspanntes Lächeln. In diesen süßen kleinen Universitätsstädtchen voller Fachwerk und Nickelbrillentradition, in denen die Alternativkultur über die Jahre tatsächlich gesiegt und zum Mainstream sich ausgewachsen hat atmet es sich schwer touristisch; daß am Stadttor kein Eintritt genommen wird, kann sich einzig stundenlangen hitzigen Debatten in kulturpolitischen Plenen verdanken oder der generellen Gutartigkeit der TübingerInnen, mit der sie auch ihren Turmdichter pflegten, den Herrn Scardanelli seiner langen späten Jahre. Dem mag auf heißem Pfade unter Tannen oder im Dunkel des umgebenden Eichwalds, gehüllt in Stahl, Gott erschienen sein, oder auch in Wolken, er wird ihn jedenfalls gekannt haben, persönlich, schließlich war er beseelt von des Guten Kraft, nur später, als ihm das Lächeln des Herrschers verborgen blieb bei Tage, wenn fieberhaft und angekettet das Lebendige schien oder auch bei Nacht, wenn alles gemischt war, ordnungslos und wiederkehrend &#8211; so versuchte ich mich in Hölderlin einzufühlen, in langen stillen Sekunden am Grunde seines Turms, der noch zehn Minuten geöffnet hatte für Besucher, im Dämmer, im Niesel, direkt am schlammigen Neckar, da stand ich und verdrehte die Augen und es überkam mich und ich spürte sie haarfein und genau, die uralte Verwirrung.</p>
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