Diese Caffeehäuser sind meistens schmutzige Löcher, in denen man es keine Viertelstunde aushalten kann

„(…) Nun eile ich dem Rheine zu. – Ich werde den schönen Fluß wieder sehen, von dem ich acht Jahre entfernt war. Damals waren seine grünen Fluten noch nicht von blutigen Leichnamen gefärbt, damals wogte der prächtige Strom durch paradiesische Gefilde von wohlhabenden und glücklichen Menschen bewohnt; – von seinen Rebenufern schallten die Gesänge der Dörferinnen, die Bacchus Geschenke sammelten. Seit langen Jahren hatte man hier den furchtbaren Ton des Kriegsgeschützes nicht gehört. Nur in der fröhlichen Weinlese brannte man unter Jubel und Gesang die kleinen Böller zur Verherrlichung des Festes los, und ergötzte sich an dem vielfach ertönenden Wiederhall.

Ich werde sehen, wie es ist, und sagen, wie es damals war. Aber der Genius der Menschheit steht neben mir, und zeigt mir traurend in der Ferne die zerstörten Fluren, die Gräber der Erschlagenen und die in Schutt und Asche gelegten Wohnungen.

Des Winzers Hochgesang verstummte längst am Rheine,
Wo schaudernd nun die Sonne steigt;
Und von Erschlagenen rings die dorrenden Gebeine
Auf allen Rebhöh`n bleicht. (Matthißon) (…)

Wer die Befestigungen von Cassel sieht, muß über den Aufwand von Kunst erstaunen, der dabei verschwendet ist. Hier muß die Kraft der tapfersten Heere scheitern. Selbst Suwarow mit seinen stürmenden Grenadieren würde hier vergeblich die Gräber mit Leichnamen füllen, welche die Batterien umgeben. Die Erde würde sich aufthun, die Kühnen zu verschlingen, oder ihre Gebeine in die Luft zu schleudern, die sich diesen Schanzen nahen. Selbst die Eroberung einer Batterie würde ihnen verderblich seyn, weil jede die andere deckt, jede eine eigene Festung ist. Während der ganzen Belagerung von Mainz war es den tapferen Preußen und Sachsen unmöglich, hier nur die geringsten Fortschritte zu machen. Ueberall auf der weiten Ebene ist der Angreifende den feuerspeienden Schlünden ausgesetzt, nirgends gedeckt, überall trift ihn das donnernde Geschütz. (…) Nach der Uebergabe von Mainz an die Alliierten wurde Castel von den Oesterreichern noch stärker befestigt, und die schadhaften Werke ausgebessert.

Dieser ehemals so wohlhabende Flecken ist jetzt arm und öde. Er scheint eine einzige große Caserne zu seyn; überall sieht man nichts als Schmutz und Armseligkeit. Vielen Kaufleuten dient er zur Niederlage ihrer Waaren, die sie dann von da nach und nach heimlich in Mainz einzubringen suchen (…) – Es giebt hier eine Menge Caffeehäuser, die auf das Bedürfniß des französischen Soldaten berechnet sind, der einen Ort haben muß, wo er sich mit seinen Cameraden unterhält, und seinen Sold vertrinkt. Meistens sind sie mit anlockenden Inschriften versehen, wie: Caffée francais, bon vin, bonne bière mousseuse, excellent eau de vie de France – Caffée militaire – Rendés vous des Francais. Caffée republicain u. s. w. Diese Caffeehäuser sind meistens schmutzige Löcher, in denen man es keine Viertelstunde aushalten kann. Indessen ist es für den stillen Beobachter unterhaltend, hier die Gespräche dieser Leute zu belauschen. Man kann sich nicht verhehlen, daß in der Masse dieses Volks eine unendlich größere Menge von dem, was man bon sens, oder gesunden Menschenverstand nennt, vorhanden ist, als in irgend einer anderen Nation. (…)“

Friedrich Albrecht Klebe: Reise auf dem Rhein, durch die teutschen Rheinländer und durch die französischen Departements des Donnersbergs, des Rheins und der Mosel und der Roer; im Sommer und Herbst 1800, Frankfurt 1801