Tuffi

Plötzliche heftige Vorstellung einer Elefantenschwemme im Rhein. Ubootende rüsselschnorchelnde Herden. Bedrohlicher Pegelanstieg aufgrund der von den Tieren verdrängten Wassermassen. Die rheingrauen Aquafanten assimilieren sich und degredieren evtl sogar (was im Flußdunkel bleibt: zu Mastodon, Moeritherium), verschwimmen, versteinern. Nur ein Traum. Eine Denkblase. Umblende: Im Sommer 1950 stürzt das junge Elefantenweibchen Tuffi in Panik aus der Wuppertaler Schwebebahn in die darunter fließende Wupper. Tuffi überlebt den Sturz, obwohl die Wupper an der betreffenden Stelle kaum einen halben Meter tief ist und die Masse eines Elefanten, insbesondere bei Stürzen, stark zur Selbstzerdrängung tendiert. Ein weiteres rheinisches Tierwunder! Das Internet bietet eine nachkolorierte Bilderstrecke zum historischen Vorfall: Tuffi trottet, begleitet von einem Mitarbeiter des Zirkus Althoff, durch die Wuppertaler Nachkriegstrümmerberge – Tuffi langt bei der einzigartigen Schwebebahn an und kauft eine Fahrkarte – Tuffis Sturz (dieses weithin berühmte Motiv freilich ist seinerzeit für die Berichterstattung nachgestellt worden) – Tuffi wird aus der Wupper und zurück in den Zirkus getrieben. Die Folgen: Während ihrer Panikattacke (auf das Quietschen der Schwebebahn in einer Kurve reagierte Tuffi erregt mit Trompeten und Ohrklappen, daraufhin gerieten die unzähligen Reporter in Panik, was wiederum Tuffis Panik verstärkt haben mochte) zerdrückte die junge Elefantin eine Sitzbank, einen Fotoapparat und schlug zwei der eigens wegen ihr mitreisenden Berichterstatter mit dem Rüssel nieder. Zirkusdirektor Franz Althoff und der Fahrdienstleiter der Verkehrsbetriebe wurden daraufhin gerichtlich zur Rechenschaft gezogen, weil die Beförderungsbedingungen der Wuppertaler Schwebebahn die Mitnahme von Elefanten nicht gestattet. Tuffi lebte noch weitere 39 Jahre als Zirkuselefant. Über ihr Seelenleben ist nichts bekannt, aber es heißt allgemein, daß Elefanten ein elefantöses Gedächtnis besäßen. Schwebebahn ist Tuffi jedenfalls nie wieder gefahren. Die Milchwerke Köln-Wuppertal mit ihren damals futuristischen, bollernden und pfeifenden Abfüllanlagen benannten ihre Produktserien nach Tuffi. Auch diese fantastischen Werke, für die der Autor nebst vielen vielen Kollegen einst um wenig Dank und viel Milch in drei Schichten gearbeitet hat, ohne dabei jemals eine Kuh zu Gesicht zu bekommen, haben mittlerweile das Zeitliche gesegnet.