Büchner an Gutzkow

Lieber Freund!

War ich lange genug stumm? Was soll ich Ihnen sagen? Ich saß auch im Gefängniß und im langweiligsten unter der Sonne, ich habe eine Abhandlung geschrieben in die Länge, Breite und Tiefe. Tag und Nacht über der ekelhaften Geschichte, ich begreife nicht, wo ich die Geduld hergenommen. Ich habe nämlich die fixe Idee, im nächsten Semester zu Zürich einen Kurs über die Entwickelung der deutschen Philosophie seit Cartesius zu lesen; dazu muß ich mein Diplom haben und die Leute scheinen gar nicht geneigt, meinem lieben Sohn Danton den Doktorhut aufzusetzen.

Was war da zu machen?

Sie sind in Frankfurt, und unangefochten?

Es ist mir leid und doch wieder lieb, daß Sie noch nicht im Rebstöckel angeklopft haben. Ueber den Stand der modernen Literatur in Deutschland weiß ich so gut als nichts; nur einige versprengte Broschüren, die, ich weiß nicht wie, über den Rhein gekommen, fielen mir in die Hände.

Es zeigt sich in dem Kampf gegen Sie eine gründliche Niederträchtigkeit, eine recht gesunde Niederträchtigkeit, ich begreife gar nicht, wie wir noch so natürlich sein können! Und Menzels Hohn über die politischen Narren in den deutschen Festungen – und das von Leuten! mein Gott, ich könnte Ihnen übrigens erbauliche Geschichten erzählen.

Es hat mich im Tiefsten empört; meine armen Freunde! Glauben Sie nicht, daß Menzel nächstens eine Professur in München erhält?

Uebrigens; um aufrichtig zu sein, Sie und Ihre Freunde scheinen mir nicht grade den klügsten Weg gegangen zu sein. Die Gesellschaft mittelst der Idee, von der gebildeten Klasse aus reformiren? Unmöglich! Unsere Zeit ist rein materiell, wären Sie je directer politisch zu Werke gegangen, so wären Sie bald auf den Punkt gekommen, wo die Reform von selbst aufgehört hätte. Sie werden nie über den Riß zwischen der gebildeten und ungebildeten Gesellschaft hinauskommen.

Ich habe mich überzeugt, die gebildete und wohlhabende Minorität, so viel Concessionen sie auch von der Gewalt für sich begehrt, wird nie ihr spitzes Verhältniß zur großen Klasse aufgeben wollen. Und die große Klasse selbst? Für die gibt es nur zwei Hebel, materielles Elend und religiöser Fanatismus. Jede Parthei, welche dieße Hebel anzusetzen versteht, wird siegen. Unsre Zeit braucht Eisen und Brod – und dann ein Kreuz oder sonst so was. Ich glaube, man muß in socialen Dingen von einem absoluten Rechtsgrundsatz ausgehen, die Bildung eines neuen geistigen Lebens im Volk suchen und die abgelebte moderne Gesellschaft zum Teufel gehen lassen. Zu was soll ein Ding, wie dieße, zwischen Himmel und Erde herumlaufen? Das ganze Leben desselben besteht nur in Versuchen, sich die entsetzlichste Langeweile zu vertreiben. Sie mag aussterben, das ist das einzig Neue, was sie noch erleben kann.

(Georg Büchner, ungefähr am 01. Juni 1836 aus Straßburg an Karl Gutzkow)

das alte, poetische Straßenpflaster

Mitten im lieblichen Kinzigtale des an wunderbaren Talgründen so reichen Badnerlandes erhebt sich meine kleine Vaterstadt Haslach, im Volksmunde Hasle genannt. Hohe Berge, mit stolzen Tannen und Buchen gekrönt, üppige Matten und der silberhelle Bergluß schließen das Paradies meiner Jugendzeit ein.
Es sind bald sechzig Jahre mit mir durchs Leben gegangen, seitdem ich das erste Bild des Städtchens in meine Seele aufnahm. Meiner Großmutter Schwester, die uralte “Lenebas”, der greise Schutzengel meiner Jugend, führte mich eines Tages auf die Zinne des kleinen “Schänzleberges” und zeigte mir die Herrlichkeit der Heimat. Sie wies zuerst hin auf den mit “Silber” beschlagenen Kirchturm, von dem ich bis zur Stunde manchmal träume aus der Kinderzeit, als zöge ich an seinen Glocken oder hörte die alte Turmuhr schlagen.
Sei mir heute wieder gegrüßt, du erster Himmelszeuge meiner Kindheit! Zwar weiß ich schon längst, daß dein Silber eitel Blech ist; – aber dieses Blech glänzt wie heller, echter Silberschein in meine Jugenderinnerungen, und um dich reihen sich die Häuser, Straßen, Gassen und Gäßchen, durch die meine Kinderseele ihre Hochzeit hielt alle Tage. Du bist der Mittelpunkt meiner Erinnerungen an die Heimat, an die ich nicht denken kann, ohne daß dein “Silberhaupt” zuerst mir entgegenstrahlt, um welches alles andere sich im Geiste gestaltet! Von dir geht mir das Städtchen aus.
“Eng ist der Weg und schmal die Pforte, die zum Himmel führt.” Diese Bibelworte verewigten die alten Haslacher an ihrem Gotteshause, zu dem ein gar enges Gäßchen vom Marktplatz hinaufführt zum “silbernen” Kirchturm. Er ist uralt wie seine beiden Nachbarn, die ihn vorne und hinten einrahmenden alten Zehntgebäud der ehemaligen regierenden Herren, der Fürsten von Fürstenberg. “Kästen” nennt sie bezeichnend das Volk bis heute, und die Vogtei über sie war in meinem Geschlechte und der letzte Kastenvogt mein seliger Vetter Eduard.
Die meisten Haslacher wissen nicht, daß sie einstens zähringisch waren und daß Agnes von Urach, Schwester Bertolds V. von Zähringen, ihrem Gemahl, Egino V., 1218 Haslach zubrachte. Als die Uracher sich in Urach-Fürstenberg und Urach-Freiburg abzweigten, kam Haslach an das Haus Fürstenberg, das vom 13. bis 19. Jahrhundert sein Zepter führte über das Kinzigtal.
Seine eigene Residenz schlug 1284 dies Geschlecht zu “Hasela” auf, aber schon in der Schlacht bei Sempach endigte der letzte dieser Linie. Schloß und Burg sind längst verschwunden, nur die Zehntkästen sind noch Zeugen der einstigen fürstenbergischen Herrschaft. Sie und das alte Rathaus am Marktplatz sind die einzigen Freunde des Kirchturms, die den spanischen Erbfolgekrieg überlebt haben, und zu ihnen kommt noch St. Sebastian, der gepfeilte Heilige auf dem Brunnen am Platz (1704 brannten die Franzosen das alte Städtchen gänzlich ab.).
Aber wie sie, so ist alles beim alten geblieben seit jenen Tagen, da ich den ersten Eindruck bekam von der Heimat. Straßen, Häuser und Gassen sind dem Zahn des Fortschrittes nicht verfallen. Meist noch die alten Läden und Fenster, und nur der veränderte Hausschild eines Wirts, Krämers oder Hutmachers verkündet, daß die Menschen gewechselt haben. Doch eines vermisse ich! Das alte, ehrwürdige Straßenpflaster haben sie mir herausgerissen, von dem jeder Stein meinen flüchtigen Knabenfuß trug und dessen Kühle den kleinen Barfüßler im Sommer doppelt sprungfertig machte. Auf diesem Pflaster dröhnten einst die Thurn- und Taxis´schen Postwagen durch das Städtchen, von Ulm oder Frankfurt kommend; sie vermittelten den Weltverkehr und brachten Briefe und Zeitungen.
Draußen vor der Stadt, oberhalb der Mühle, die von Osten her den Reigen der Häuser beginnt, stand ich manchen Morgen und harrte, bis der gelbe “Eilwagen” das Tal herabkam und des Postillions gelbes Röcklein und sein Hörnlein sichtbar wurden. Und wenn dann der Jakob, der Mann der Köchin meiner Taufpatin im Adler, gerade als Kondukteur die Route hatte von Stockach bis Offenburg, da jubelte mein Kinderherz. Denn der Jakob nahm mich in sein Coupé, oder er schob mich dem Postillion auf den Bock zu, und hinein ging´s ins “Städtle”. Und wenn dann der Postillion sein Hörnlein ansetzte und der Wagen auf dem Pflaster rasselte, da klang´s wie “Orgelton und Glockenklang” in meine Seele. Darum vermisse ich schmerzlich das alte, poetische Straßenpflaster. (…)

(Heinrich Hansjakob: Die Heimat; gefunden in: Schwarzwaldleut’ – Fünf Erzählungen, New York 1913)

Auf den Flügeln des Stahls

Der ganze Rhein fest mit einer Decke Spiegeleises bedeckt und mit einem Gewimmel von Tausenden von Menschen. Der Rhein hatte sich zwischen Castel und Mainz am frühesten gestellt, es war also da die dickste Eisdecke. Alt und Jung, Mann und Weib vergnügte sich hier mit Schleifen, mit Schlittschuhlaufen, im Schlitten und im Caroussell. Buden mit Speisen und Getränken waren da eingerichtet. Der Jubelruf der Tausende schwamm wie in dem seligen Ton einer Riesenorgel zusammen und drüben lächelte die Sonne und spiegelte sich in dem erstarrten Silber des Rheines.

Wir waren mit dem Stolze von Eroberern herangefahren; da hörten wir, es sei schon Jemand von Oppenheim herabgekommen und den Rhein weiter hinuntergefahren.

„Also es geht noch weiter?“

„Ja, bis Walluf.“

„Hurrah!“

Bald ist auch Mainz hinter uns. In Biebrich wird ausgeschnallt und ein Imbiß genommen. Die Bahn war eine Viertelstunde weit durch Scholleneis unterbrochen. Dann schnallten wir wieder an. Was aber jetzt kam, dagegen trat alles Bisherige in den Hintergrund. Kaum hatten wir uns an den Anblick des breiten zu Eiswellen erstarrten Stromes gewöhnt, als wir auf dem bald schmaleren, bald breiteren Pfad, welchen das Schwellwasser geebnet, uns Schriesheim näherten und hier nach Recognoscirung des Hafens entdeckten, daß zwischen da und Walluf ein ganzer See grasgrünen, spiegelblanken, fußdicken Eises sich ausdehnte, auf welchem eine fröhliche Jugend sich tummelte. Härte und Glätte des Eises waren so groß, daß wir anfangs mit den Stahlschuhen ausglitten. Dann schwebten wir beim Abschiedsleuchten der Sonne, die auf der Bahn sich goldig grün spiegelte, unter künstlichem Curvenschneiden langsam, wonnig, beglückt dahin, um den Tag bei einen Becher duftenden Rheinweines zu schließen, der am ganzen Strom in keinem Wirthshaus besser zu finden ist, als in der Schenke zu Walluf. – Um zehn Uhr Nachts langten wir mit der Eisenbahn wieder in Frankfurt an, nachdem wir einen der herrlichsten Tage verlebt. Und ebenso ging es einen zweiten und einen dritten Tag! Die Geschäfte wurden an den Nagel gehängt; das Wetter richtete sich ja nicht nach den Geschäften. Am vierten Tag beabsichtigten wir unsere Expedition bis Worms auszudehnen, weil wir gehört hatten, daß die Bahn bis dahin frei sei, allein das Wetter schlug um. Es kam Schnee und dann Regen, welcher bald die Eisdecke des Maines brach. Auch die des Oberrheins ging fort.

Nur am Binger Loch hatte sich merkwürdiger Weise bis auf den Grund eine solche Eismasse gethürmt und gestopft, daß dieselbe bis zum März nicht durchbrochen wurde und man Wassersnoth fürchtete; jedoch lief Alles noch glücklich ab. Uns aber gelang es noch am 3. März, indem wir eines Nachmittags von Frankfurt aus mit Eisenbahn bis in die Nähe des Johannisbergs eilten, den Rhein von da bis Bingen mit Schlittschuhen zu überschreiten, ein paar Stunden bis Abend auf dem Binger Loch herum zu fahren und nach Einkehr bei einem unserer gastfreien Rüdesheimer Freunde mit dem letzten Zug zurückzukehren. Das Thauwetter hatte nämlich die Oberfläche des Rheins zwischen Rüdesheim und Bingen nivellirt, und da die Decke viele Schuh dick war und von unten herauf gefrieren half, so hatte ein gelinder Märzfrost genügt, um eine brauchbare Bahn herzustellen.

(aus: Max Wirth: Auf den Flügeln des Stahls, in: Die Gartenlaube, Illustrirtes Familienblatt, Leipzig 1867)

Seehund im Rhein

Völlig frei von Flußmonstern oder sonstwie aufsehenerregenden exotischen Tieren präsentiert sich das diesjährige Sommerloch, weswegen wir einige Artikel von vor elfeinhalb Jahren durchforsten, die das Auftauchen eines Seehunds im Rhein bei Düsseldorf – laut Experten ein zoologisches Jahrhundertereignis – vermeldeten, einen Fotobeweis jedoch schuldig blieben.
Bereits anläßlich der Sichtung des weißen Wals “Moby Dick” am Niederrhein im Jahre 1966 schrieb Bernhard Grzimek im Spiegel von seltenen Seehundsichtungen in Rhein und Elbe: “Daß Seehunde Entdeckungsreisen in unsere Flüsse machen und dann die Landratten verblüffen, ist schon hin und wieder vorgekommen – wenigstens solange Elbe und Rhein nicht ausschließlich aus Klosett- und Industrieabwässern bestanden. Im Rhein hat man Seehunde bei Bonn entdeckt, in der Oder bei Frankfurt und Breslau; 1634 wurde einer bei Dresden im Netz gefangen und dabei umgebracht – 693 Kilometer oberhalb der Elbmündung. Am weitesten kam ein Seehund 1813 in der Elbe, fünf Kilometer von der böhmischen Grenze entfernt, 755 Kilometer vom Meer.”
Nachdem Spaziergänger den Seehund bei Düsseldorf-Oberkassel gesichtet hatten, versuchten Feuerwehrtaucher das Tier, das sie unter sich “Heulerli” nannten, einzufangen. Der Seehund entzog sich den Annäherungsversuchen erfolgreich, er sei den Tauchern gleichsam immer wieder durch die Arme geschwommen, bis sie nach anderthalb Stunden die Jagd aufgaben. Einen Tag nach dem mißglückten Fangversuch der Feuerwehr, schrieb die FAZ Mitte März 2003 über den Seehund, “fehlte von ihm jede Spur”. Bemerkenswert ist die in solchen Fällen geradezu schlagartig einsetzende menschliche Logik, ein Wildtier, das an der Stelle, an der es auftaucht, irritiert, geradezu reflexartig einfangen zu wollen. Begründungen diverser Couleur sind stets unversehens zur Hand. So sollte der erwähnte Beluga aus dem Jahr 1966 laut Experten vor dem verseuchten Rheinwasser geschützt werden und wurde deshalb mit Betäubungsmunition beschossen. Schon “Moby Dick” ließ sich nicht einfangen und schwamm nach einer Stadterkundung Bonns aus eigenem Antrieb zurück Richtung Nordsee. Ähnliches dürfen wir von “Heulerli” vermuten, den die Feuerwehr “in sein gewohntes Salzwasser” zurückverfrachten wollte. Das Wissensmagazin Was ist was wußte dazu anzumerken, daß in Düsseldorf sehr wohl Seehunde vorkämen, im lokalen Aquazoo, wo jedoch kein Tier vermißt wurde. Zwei Wochen nach der Erstsichtung tauchte der Seehund, diesmal unter den Namen “Robbie” bzw. “Robby Dick”, erneut in der Presse auf. “Diesmal sei das Tier stromabwärts nahe Rheinberg am Niederrhein etwa 30 Meter vom Ufer entfernt gewesen” meldete die Rheinische Post Ende März 2003 und bilanzierte die Expertenaussagen: “Bislang waren die Einsatzkräfte davon ausgegangen, dass das Tier stromaufwärts geschwommen war. Es sei durchaus möglich, dass das Tier am Ufer in der Sonne liege, wie es seine Artgenossen auf den Sandbänken im Meer hielten.” Im Anschluß an diese scharfsinnigen Betrachtungen verloren sich des Seehunds Spuren sowohl im Rhein, als auch im Blätterwald endgültig.

Die Wacht am Rhei

Die Wacht am Rhei, – merr hat kää Ruh,
Merr heert se alsfort brille.
Merr wisse’s ja, zum Deiwel zu,
Un ääch um Gotteswille.

Heint Nacht um Zwelf ehrscht schlaf ich ei,
Da stolpern Zwää voriwer
Un brille laut die Wacht am Rhei,
So daß ich uffwach driwer.

Ich haw en ääch mein Dank gezollt:
Halt’s Maul! un laßt mich schlafe!
Wacht ihr am Rhei so viel derr wollt,
In Frankfort laßt mich schlafe!

(Friedrich Stoltze, 1884)

Franz Beckenbauer vs Moselweine

Der Film Libero von Wigbert Wicker aus dem Jahr 1973 bietet halbdokumentarische Szenen über das schwierige Leben des berühmten Fußballprofis Franz Beckenbauer. Als der sympathische Kaiser aufgrund seines übervollen Terminkalenders ein Formtief durchlebt, schiebt ihm eine Werbeagentur, für die er gelegentlich Modell steht, gemeinsam mit der Presse mit Hilfe eines fingierten Fotos, das den Fußballer mit einer “duften Biene” zeigt, eine Affäre unter. Unzufriedene Fangruppen sammeln sich vor Beckenbauers Anwesen, verbrennen ihre Vereinsfahnen und skandieren Schmährufe. Im langweiligen bayerischen Schulunterricht träumt sich indessen ein zehnjähriger Junge in die Welt des Stars. Während die übrigen Schüler entweder vor sich hindösen oder Papierkugelschlachten führen, muß für das flüchtenswert Dröge des bundesdeutschen Alltags in den frühen Siebzigern ein Exkurs des Lehrers über das Rheinland und schließlich (der Lehrer wird zunehmend versonnener, seichte Musik setzt ein) einige Mosellagen herhalten:

“Das Rheinland… Die Rheinebene… Ist gut bewässert, der Boden ist fruchtbar, das Klima ist mild. Ein reiches Bauernland. In der Ebene wächst fast alles, was der Bauer und der Industriearbeiter in den nahen Großstädten braucht. Mainz, Wiesbaden, Frankfurt. Ähm, im Westen lösen die Weingärten die Getreidefelder ab. Hier an der, an der Weinstraße – Ruhe! – an der Weinstraße liegen die berühmten Weinorte, ähm, Edenkoben, Deidesheim, Wachenheim, Bad Dürkheim, ähm, Nierstein – was’s denn los? An den warmen Sonnenhängen der Mosel, da wachsen so berühmte Weinsorten wie Wehlener Sonnenuhr, Bernkasteler Doctor, Bernkasteler Riesling, Piesporter Riesling, Ürziger Schwarzlay, Brauneberger Juffer, Klüsserather Bruderschaft, Zeller Schwarze Katz, Kröver Nacktarsch, Gimmeldinger Meeresspinne, Trittenheimer Altärchen, Trittenheimer Apotheke…” (Die Schulglocke schrillt, die Schüler stürzen jubelnd aus dem Unterricht.)

Hume in Nijmegen: you see nothing but the tops of trees standing up amidst the waters, which recalls the idea of Egypt

Nimeguen, 20th March.

We have come from Breda in two days, and lay last night at Bois-le-duc, which is situated in the midst of a lake, and is absolutely impregnable. That part of Brabant, through which we travelled, is not very fertile, and is full of sandy heaths. Nimeguen is in the Gueldre, the pleasantest province of the seven, perhaps of the seventeen. The land is beautifully divided into heights and plains, and is cut by the branches of the Rhine. Nimeguen has a very commanding prospect, and the country below it is particularly remarkable at present because of the innundation of the Wahal, a branch of the Rhine, which covers the whole fields for several leagues; and you see nothing but the tops of trees standing up amidst the waters, which recalls the idea of Egypt during the inundations of the Nile. Nimeguen is a well-built town, not very strong, though surrounded with a great many works. Here we met our machines, which came hither by a shorter road from the Hague. They are a berline for the general and his company, and a chaise for the servants. We set out to-morrow, and pass by Cologne, Frankfort, and Ratisbon, till we meet with the Danube, and then we sail down that river for two hundred and fifty miles to Vienna.

(David Hume)

27.07.1832 Das erste Dampfschiff in Neuenburg am Rhein auf seinem Weg nach Basel

raddampfer stadt frankfurtRaddampfer “Stadt Frankfurt”. (Bild: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt/Main)

Das Oberrheingebiet war einst eine dschungelartige Auenlandschaft mit mehreren vernetzt strömenden Wasserarmen. Alljährliche Hochwasser formten eine schlaufenförmige Flusslandschaft mit vielen Inseln und Sandbänken. Eine schiffbare Fahrrinne, auch Talweg genannt, war für größere Boote nur in wasserreichen Monaten befahrbar. Stromaufwärts mussten diese von Menschenhand, über oft unbefestigte Uferwege, gezogen werden.
Ab 1816 befuhren Dampfschiffe den Rhein, anfänglich aber nur von Rotterdam bis Mannheim. Freiherr Cotta von Cottendorf, ein einflussreicher Stuttgarter Verleger, Unternehmer, Diplomat, Freund von Schiller und Goethe, war ein überzeugter Förderer der noch jungen Dampftechnik. Er nutzte seine weitläufigen Beziehungen, um Investoren für den Bau und Betrieb von Dampfschiffen zu gewinnen. Eine erste Oberrhein-Erkundungsfahrt nach Basel scheiterte im Jahre 1827 hinter Mannheim, am zu großen Tiefgang des Dampfers “Ludwig”, gebaut vom niederländischen Ingenieur G. M. Roentgen.
Fünf Jahre später versuchte man es erneut, wieder mit einem von G. M. Roentgen konstruierten Schiff, welches eine neue Aufgabe suchte, nachdem die Schifffahrtslinie auf dem Main, zwischen Mainz und Frankfurt, wegen Unrentabilität eingestellt wurde. Dieses eiserne Schiff mit dem Namen “Stadt Frankfurt” hatte 10 Mann Besatzung, war 28,50 m lang, 5,70 m breit und hatte nur 48 cm Tiefgang. Die hölzernen Schaufelräder wurden von einer 52 PS starken Brunel-Dampfmaschine angetrieben. Gefahren wurde ausschließlich bei Tageslicht. Teile der Besatzung und alle Passagiere, darunter Cotta, Roentgen, mehrere Geschäftsleute aus Köln mit ihren Frauen, übernachteten in Hotels und Gasthöfen.
Am 22. Juli 1832 legte das Schiff in Kehl ab, um vier Tage später in Breisach einzutreffen. Zur selben Zeit inspizierte der Landkommissär Wilhelm Geigy, als Beauftragter des Handels-Komitees der Schweizer Rheinstadt, mit den Schiffermeistern David und Hindenlang, auf einem Holzkahn bis Neuenburg fahrend, die Wasserverhältnisse. In der Zähringerstadt wurde übernachtet und sich nach eventuellen Gefahrenstellen stromabwärts erkundigt. Niemand im Ort wusste von der bevorstehenden Ankunft eines Dampfschiffes. Am 26. Juli trafen sich die Basler und die Dampfschiffer in Breisach. Schiffermeister David wurde zuvor in die Schweiz zurückgeschickt, um eine Ladung Steinkohle nach Neuenburg zu bringen. Geigy und Hindelang gingen als Lotsen an Bord des Dampfers. So konnte die Reise stromaufwärts fortgesetzt werden. Wegen Gegenwind und starker Strömung konnte das Tagesziel Neuenburg nicht erreicht werden. Nach 15 Stunden mühevoller Fahrt, wurde vor dem Dorf Zienken in einem Nebenarm geankert. Die Passagiere wurden mit Kutschen zur Übernachtung nach Neuenburg gefahren. Am Morgen fuhr die Besatzung das Schiff die restlichen Kilometer stromaufwärts, um die gerade eingetroffene Kohle zu übernehmen. Diese Pause nutzten einige der Gesellschaft, um einen Ausflug nach Badenweiler zu unternehmen. Diejenigen sollten aber erst wieder am nächsten Tag vor dem Dorf Märkt an Bord gehen. In Abwesenheit entging ihnen nun, wie sechzehn starke Bauern, das angekettete Boot über eine reißende Stelle zwischen Kleinkems und Istein ziehen mussten. Danach wurde das letzte Mal die Anker geworfen. Am nächsten Tag, man schrieb den 28. Juli 1832 mittags halb zwölf Uhr, kam Basel in Sicht und man legte unter Kanonendonner und bejubelt von einer großen Zuschauermenge an der Schifflände an.

(Ein Gastbeitrag von Bruno Haase. rheinsein dankt!)

Salmhandel

“In dem tiefen Felsenbette des Rheins zwischen Oberwesel und St. Goar wird der beste Rhein-Salm gefangen und damit starker Handel, besonders nach Frankfurt, Mainz und in die Bäder getrieben, im Winter aber, da die Sommerhitze keinen gar weiten Transport erlaubt, auch nach Kassel, Nürnberg, Regensburg und selbst bis Wien. Den Salmen zu fangen und gehörig zu behandeln verstehen nur die Salmenfischer.”

(Johann-Andreas Demian, Neuestes Handbuch für Reisende auf dem Rhein und in den umliegenden Gegenden, Frankfurt/Main 1820)

Saint-Beuve an Hugo: “Manheim, très belle ville”

Worms, ce dimanche 27 octobre 1829.

Mon cher Victor, nous voici à Worms, sans nouvelles de vous ni des vôtres ; nous y pensons toujours, nous parlons continuellement de votre absence ; si vous étiez avec nous seulement une heure par jour, et le reste du temps à Paris, à votre femme, à vos belles œuvres, nous aurions souvent besoin de votre parole pour nous fortifier et nous relever ; car il y a eu bien des mécomptes dans notre route quoique encore si courte.

Nous avons quitté Besançon fort contents d’en sortir, malgré le bon et cordial accueil de Weiss, de M. Demesmay et autres Francomtois. Mais nous avions hâte d’oublier ces vilaines murailles et ces maisons administratives qui ressemblent toutes à des hôtels de préfecture ; nous aspirions à Strasbourg. Eh bien ! nous y courons tout de suite, laissant à gauche la Suisse et ses neiges, nous arrivons et courons à la cathédrale ; le croiriez-vous ? désappointement presque complet. C’est bien moins mon avis que je vous donne, comme vous pensez, que celui de mes deux compagnons mais le gothique de cette cathédrale, classique entre les cathédrales, est maigre, sec ; ce sont de longues baguettes, les sculptures ont l’air d’être en fonte (mot de Robelin) ; rien de gris, d’encroûté, comme disent ces messieurs ; rien de cet écrasé de la pierre qui plaît tant à voir et qui est comme la ride au front du vieillard, comme la verrue de M. de Chateaubriand du buste de David. La façade a l’air d’être plaquée sur une muraille nue qu’on aperçoit derrière dans les longs intervalles des ogives ; c’est du gothique de la décadence, du XVe siècle ; au reste, en y regardant de plus près, ces messieurs y ont admiré des figures dont Boulanger vous montrera des croquis ; et puis la flèche est aussi fort belle et à leur gré. En somme, cela ne vaut ni Saint-Denis, ni Notre-Dame, ni Saint-Séverin qu’on a sous la main. Après trois jours de séjour, et sans avoir vu le tombeau du maréchal de Saxe, nous nous sommes enfuis de Strasbourg par Cologne et Francfort. Chemin faisant nous examinions à chaque descente de voiture les églises d’Haguenau, de Wissembourg, de… je ne sais pas tous les noms de ces bourgs allemands ; d’ailleurs, un pays gras, rond, plantureux, herbeux et feuillu, comme dit notre peintre Boulanger ; assez propre aux scènes décrites dans Werther ; rien d’extraordinaire pourtant. Puis voilà que ce matin, toujours en route pour Mayence et Cologne, notre conducteur nous montre à droite une ville à une lieue dans la brume, où nous ne devions point passer. C’était Manheim, très belle ville, nous dit-il nous le croyons sans peine. Manheim ! nous laissons la voiture, nos places, nous décidons de ne repartir que le lendemain pour avoir le temps de donner un coup d’œil à Manheim ; nous y courons, à mesure que nous avancions, les flèches devenaient terriblement rondes et en boules ; nous passons le pont de bateaux du Rhin, et nous voilà dans la ville du monde qui ressemble le plus à Versailles. – plus que Versailles même, – c’est du Nancy tout pur, du Stanislas, un Louis XV achevé, une ville superbe au cordeau ; nous ne pensions pas que la victoire de Fontenoy pût aller jusque-là ; mais il y a décidément, en Allemagne, une bonne portion française ; cette belle ville de Manheim, qui devait s’appeler Belle-vue, ou Belle-chasse (comme disent ces messieurs dont je ne fais que vous transmettre les idées et les paroles), appartient au roi de Bavière et est précisément de la force de sa fameuse Ode sur l’économie. Nous sortons de Manheim, l’oreille basse et la queue entre les jambes, et nous ne comptons plus sur rien. Nous ne comptions plus même sur Worms où nous sommes allés, à trois lieues de là, pour achever notre journée. Mais heureusement qu’à travers le Louis XV qui la recouvre, nous avons trouvé une admirable partie de cathédrale romane et un coin gothique que ces messieurs sont occupés à dessiner dans ce moment même et dont ils vous donneront des nouvelles. Demain nous partons pour Mayence et Cologne. (…)

Adieu et au revoir bientôt, mon cher et grand Victor,
Sainte-Beuve

Türkischer Rhein: Dönerschiff Düsstanbul (2)

düsstanbul_kaptan-soyluDie Presse beschäftigt sich weiterhin mit der Eröffnung von Kaptan Soylus (Bild: Costa “Quanta” Costa) Dönerschiff im Golzheimer Hafen. Nachdem der Termin Ende September nicht eingehalten werden konnte, sollen im schwimmenden Imbiß nun am heutigen Samstag die ersten Döner und Fischbrötchen über den Tresen gehen, wie Die Welt berichtet. Die Düsstanbul, das “erste Dönerschiff auf dem Rhein” ist dabei gar nicht so unik – sagt der Kapitän höchstselbst: “In Frankfurt gebe es bereits ein Döner-Schiff, auf dem Rhein sei er der Erste, berichtet Soylu. Auf große Fahrt entlang des Flusses wird das Schiff aber auch künftig nicht gehen. Es bleibt fest im Jachthafen verankert. Einen eigenen Motor hat es ohnehin nicht. (…) Selbst für starkes Hochwasser haben Soylu und sein Ideengeber schon Pläne geschmiedet. Per Kran soll das Schiff dann aus dem Wasser gezogen und an der Rheinpromenade aufgestellt werden.”

Chateaubriand am Rhein (2)

[...] „J’ai eu l’honneur d’être dépouillé trois fois pour la légitimité: la première, pour avoir suivi les fils de saint Louis dans leur exil; la seconde, pour avoir écrit en faveur des principes de la monarchie octroyée, la troisième, pour m’être tu sur une loi funeste au moment que je venais de faire triompher nos armes: la campagne d’Espagne avait rendu des soldats au drapeau blanc, et si j’avais été maintenu au pouvoir, j’aurais reporté nos frontières aux rives du Rhin (*).

Vous verrez, lorsque je reviendrai de Prague en 1833, ce que je dis de mes vieux souvenirs du Rhin: je fus obligé, à cause des glaces, de remonter ses rives et de le traverser au-dessus de Mayence. Je ne m’occupai guère de Moguntia, de son archevêque, de ses trois ou quatre sièges, et de l’imprimerie par qui cependant je régnais. Francfort, cité de Juifs, ne m’arrêta que pour une de leurs affaires: un change de monnaie. [...]

Les bords du Rhin fuyant le long de ma voiture me faisaient une agréable distraction: lorsqu’on regarde un paysage par une fenêtre, quoiqu’on rêve à autre chose, il entre pourtant dans la pensée un reflet de l’image que l’on a sous les yeux. Nous roulions parmi des prairies peintes des fleurs de mai; la verdure était nouvelle dans les bois, les vergers et les haies. Chevaux, ânes, vaches, moutons, porcs, chiens et chats, poules et pigeons, oies et dindons, étaient aux champs avec leurs maîtres. Le Rhin, fleuve guerrier, semblait se plaire au milieu de cette scène pastorale, comme un vieux soldat loge en passant chez des laboureurs.

Le lendemain matin, 18 mai, avant d’arriver à Schaffouse, je me fis conduire au saut du Rhin ; je dérobai quelques moments à la chute des royaumes pour m’instruire à son image. Je me serais bien arrangé de finir mes jours dans le castel qui domine le chasme. Si j’avais placé à Niagara le rêve d’Atala non encore réalisé, si j’avais rencontré à Tivoli un autre songe déjà passé sur la terre, qui sait si, dans le donjon de la chute du Rhin, je n’aurais pas trouvé une vision plus belle, naguère errante à ses bords, et qui m’eût consolé de toutes les ombres que j’avais perdues!

De Schaffouse j’ai continué ma route pour Ulm. Le pays offre des bassins cultivés où des monticules couverts de bois et détachés les uns des autres plongent leurs pieds. Dans ce bois qu’on exploitait alors, on remarquait des chênes, les uns abattus, les autres debout; les premiers écorcés à terre, leurs troncs et leurs branches nus et blancs comme le squelette d’un animal bizarre; les seconds portant sur leurs rameaux hirsutes et garnis d’une mousse noire la fraîche verdure du printemps: ils réunissaient, ce qui ne se trouve jamais chez l’homme, la double beauté de la vieillesse et de la jeunesse.“ [...]

(*) «Les frontières du Rhin, écrit M. de Marcellus (Chateaubriand et son temps, p. 246), étaient pour M. de Chateaubriand un rêve de toutes ses nuits:»—«La guerre d’Espagne», me disait-il à Londres, en interrompant une de ses dépêches où il poussait le plus vivement à franchir les Pyrénées, «doit être le signal et le premier acte de notre résurrection. Après, il nous faudra la rive gauche du Rhin aussi loin qu’elle peut s’étendre. Les conquêtes du génie des batailles s’écoulent comme un torrent, pour parler comme Racine; la monarchie légitime et traditionnelle seule sait, par l’influence d’une paix solide, faire désirer sa domination, agrandir le pays, fondre en un seul corps les populations, et les conserver à la patrie.»

(aus: François-René de Chateaubriand, Mémoires d’outre-tombe)

Rheinisches Fischmonster

An den legendären Grauer gemahnt das rheinische Fischmonstrum, von dem die FAZ online vor zwei Tagen in groben Zügen berichtete: Bei Wiesbaden habe die Polizei am Ostermontag eine ungewöhnliche Entdeckung gemacht. Von einer Frau alarmiert, die glaubte, einen Menschen im Wasser treiben zu sehen, fanden die Beamten einen zweieinhalb Meter großen und 80 Kilogramm schweren Wels, der auf einer Sandbank gestrandet war. Das Tier wurde dann mit Seil und Boot der Wasserschutzpolizei zurück in tiefere Wasser geschleppt.

So weit, so gut. Doch zur intensiveren Verbildlichung des Berichts wurde demselben von der FAZ noch ein Foto zur Seite gestellt. Es zeigte einen kescherbewehrten knieenden Mann am Rande eines Wasserbeckens, darin ein Wels in etwa in der Größe dieses Mannes. Die Bildunterschrift besagte: “Der gestrandete Wels im Rhein war noch einen halben Meter größer”
Ein sehr animierender, die Vorstellungskraft begünstigender Journalismus, dachten wir da, der, wo er die originalen Fänomene verpaßt, sogleich mit Ersatzfänomenen aufzuwarten versteht. Ganz im Banne solcher Denkart stellten wir uns vor, wie es wäre, erklären zu dürfen, sollen oder müssen, daß es die FAZ online gibt und welcher Art dieses Medium beschaffen sei. Der FAZ-Redaktion dürfte womöglich folgende Lösung gefallen: Wir tätigen einen Screenshot der Panorama-Seite des Online-Auftritts sagen wir: des Kölner EXPRESS. Und erläuternd fügen wir hinzu: “Die FAZ aus Frankfurt war noch ein bißchen seriöser”