Presserückschau (November 2016)

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30 Jahre Sandoz-Katastrofe
“In der Nacht auf den 1. November 1986, kurz nach Mitternacht, ereignete sich die schlimmste Katastrophe in der Geschichte der Basler Pharmaindustrie: In der Lagerhalle 956 des Chemiekonzerns Sandoz (heute Novartis) brach ein riesiges Feuer aus.
Am Morgen heulten die Katastrophensirenen in Basel zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Menschen durften ihre Häuser nicht verlassen und wurden mit Polizeidurchsagen aufgefordert, ihre Fenster zu schliessen und Radio zu hören. Über 1300 Tonnen hochgiftige Chemikalien verbrannten in jener Nacht. Die Flammen und der orangegefärbte Himmel waren in der ganzen Region sichtbar. (…) Um 5 Uhr am Morgen hatten die Feuerwehrleute den Brand im Griff. (…) Das Löschwasser wurde vom Brandort mitsamt 20 Tonnen Chemikalien direkt in den Rhein geschwemmt. Der Fluss verfärbte sich rot, es kam zum grossen Fischsterben. Bis zur Nordsee war das Wasser vergiftet. Die gesamte Aalpopulation auf einer Länge von 400 Kilometern wurde ausgelöscht. (…) Das frische Wasser aus den Alpen spülte den Strom durch und die meisten Organismen konnten sich innerhalb einiger Monate erholen. (…) Doch der Dreck ist immer noch da. Nach 30 Jahren sind immer noch Spuren des Pestizides Oxadixyl im Boden messbar. (…) 2017 soll entschieden werden, ob die Messungen weitergeführt oder abgeschlossen werden, oder ob zusätzliche Massnahmen zur Bodensanierung vorgenommen werden müssen.” (Blick)

“Sandoz war ein Unglück, in gewisser Hinsicht aber auch ein Glücksfall. Das Bewusstsein für Umweltschutz stieg, Industrie und Politik wurden wachgerüttelt. Ich habe 1971 angefangen zu fischen. Damals roch man den Rhein, bevor man ihn sah. Als ich meinen ersten Fisch nach Hause brachte, sagte meine Mutter: Den essen wir nicht. Die Situation hat sich gebessert. Sandoz war aber ein gewaltiger Einschnitt. Die Äsche, die ganz empfindlich ist, war zum Beispiel schlagartig weg – der Bestand hat sich nie erholt. (…) Sandoz hat die Fischer hart getroffen. Es ging zwei Jahre, bis man wieder fischen konnte.” (Hans-Dieter Geugelin im Interview mit der Badischen Zeitung)

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Eierstöcke
“Das größte Problem des Rheins sind mittlerweile die diffusen Schadstoffeinträge. Fast alle Pflanzenschutzmittel und gut die Hälfte der Schwermetalle, die im Fluss nachgewiesen werden können stammen aus diffuse Quellen. (…) Es machen sich mehr und mehr Hormone, Antibiotika, Schmerzmittel oder übermäßiges Blutfett, im Oberflächenwasser breit. Ein Teil dieser Wirkstoffe scheidet der Körper unverändert aus und es gelangt so ins Abwasser und in die Flüsse. Obendrein werfen viele Menschen überzählige Pillen in das Abwasser. Prof. Dr. Frank Sirocko vom Institut für Geowissenschaften der Universität Mainz verweißt auf männliche Fische in Flüsse, denen Eierstöcke wachsen. Menschen scheinen noch nicht darunter zu leiden, denn im Trinkwasser sind die Dosierungen bislang zu gering für einen nachweisbaren Effekt.” (report-K)

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Berliner Mauer
“Wegen des Hochwasserrückhalteraum Bellenkopf/Rappenwört, das voraussichtlich 186 Millionen Euro kosten wird, streitet man derweil schon seit Monaten teilweise leidenschaftlich über die Knackpunkte: In Karlsruhe treibt Bürger vor allem das Vorhaben um, das an den Rhein grenzende Rheinstrandbad bei Daxlanden – ein beliebtes Erlebnisbad mit Rutsche – mit einer vier Meter hohen stählernen Spundwand zu „ummanteln“. Eine solche Wand ist auch für das angrenzende, in den 1930-er Jahren im Bauhausstil gebaute Naturschutzzentrum Rappenwört geplant. Erst im Sommer nannte Robert Mürb, der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Oberrheinischer Waldfreunde, das Vorhaben eine neue Berliner Mauer.” (Stuttgarter Nachrichten)

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Frankfurt am Rhein
“Kalkutta liegt am Ganges, Paris liegt an der Seine, und irgendwo am Vater Rhein liegt plötzlich Frankfurt/Main.“ So muss man den ollen Schlager von Vico Torriani selig wohl künftig singen. Und in der Commerzbank-Arena, pardon: Natürlich im Waldstadion schallt es künftig von den Rängen: „Eintracht vom Rhein, nur du sollst heute siegen…“ (…) Heutzutage befragt doch jedes Kind und jeder Weltreisende Google zum Beispiel danach, welcher Fluss da gerade an einem vorbeimäandert, während man am Ufer die Seele baumeln lässt, den Kölner Dom im Rücken. Wie also kommt der Rhein hier in den Main? Ganz einfach: Weil ein Online-Reisevermittler offensichtlich einen kleinen Vogel hat. „TravelBird“ heißt das niederländische Unternehmen. Und weil das Internet nun mal ein Dorf ist und Sydney von Santiago de Chile nur ein Klick entfernt, haben sich die Reisevögel aus Amsterdam halt mal im Fluss vertan. Ist nicht so schlimm.” (Frankfurter Neue Presse)

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Nippeser Volksgarten
“Dass zwischen Nippeser Tälchen und Schillstraße einst ein Weiher lag, ist heute fast in Vergessenheit geraten. Dieser war aus einer ehemaligen Rheinrinne entstanden, maß etwa 300 Meter in der Länge und 20 Meter in der Breite und wurde vom Grundwasser gespeist. Belegt ist der Teich, der mal größer, mal kleiner war, seit dem 13. Jahrhundert, vermutlich gab es ihn aber schon zur Römerzeit. Lange wurde der Weiher nur als Fischteich genutzt, mitunter brachen im Winter Brauereien Eis aus dem vereisten Gewässer heraus, um ihr Bier zu kühlen.” (Kölner Stadt-Anzeiger)

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Bürgerliche Kampfschrift
“Die Deichwächter haben ein Buch zur Düsseldorfer Rheinlandschaft herausgebracht. Es dokumentiert deren Schönheit, widmet sich aber vor allem ihrer ständigen Bedrohung – durch ehrgeizige Planer und die Politik. (…) Und so führt das Buch auch durch eine selbst den meisten Düsseldorfern unbekannte Landschaft, die aus Löwenzahn, Storchenschnabel, aus dem Frühlingshungerblümchen dem Wiesenfuchsschwanz und dem Knaulgras besteht. Eine Miniatur-Welt, die das Biotop Rheinwiese bildet, die Grüne Lunge der Stadt Düsseldorf. Der Leser erfährt aber auch, wie die Menschen sich dem Fluss genähert haben und weiter nähern. Die Autoren beschreiben lohnende Ausflugsziele, architektonische Höhepunkte und widmen den Düsseldorfer Brücken ein Kapitel. Sie dokumentieren den Bau der Rheinuferpromenade und des Medienhafens und würdigen noch einmal den Schäfer Gerhard Siegfried, der jahrelang mit seiner Herde von Heerdt nach Lörick zog und 2015 verstarb.” (Rheinische Post)

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Leistungsfähigerer Rheinkorridor
“„Der Rhein – die europäische Wasserstraße“ war das Leitmotiv der dritten Rheinanliegerkonferenz, auf der Politiker und Experten aus der Hafen- und Logistikbranche in den Düsseldorfer Rheinterrassen über Zukunft des Rheinkorridors für die Transport- und Logistikketten diskutierten. (…) Die Verkehrsminister der Rheinanliegerländer forderten zum verstärkten Ausbau des Rheins als Europas bedeutendste Verkehrs- und Wirtschaftsachse, dass die Infrastrukturprojekte des aktuellen Bundesverkehrswegeplans zügig umgesetzt werden müssten. So seien zur Steigerung der Transportkapazitäten auf dem Rhein vor allem bei Niedrigwasser die Beseitigung von Hindernissen und Untiefen in der Fahrrinne schnellstmöglich anzugehen. Dazu müsse das Planungspersonal der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) projektorientiert, das heißt räumlich und zeitlich konzentriert, eingesetzt werden.” (Bundesverkehrsportal)

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Nilgans
“Die Nilgans, deren ursprüngliche Heimat die afrikanische Fluss- und Binnenseenlandschaft ist, breitet sich in den letzten Jahren immer stärker in Europa aus. Sie gilt als sehr erfolgreiches Neozoen, welches zunehmend heimische Arten aus deren Lebensraum verdrängt. Über die Niederlande und Belgien, wo die Nilgans in Parks und Vogelgehegen gehalten wird, hat sich die Nilgans ausgewildert und verbreitet sich nun sprunghaft, vor allem entlang der Flusslandschaft des Rheins (Südkurier)

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Seidenstraße
“Die Neue Seidenstraße endet in Duisburg – und somit in unmittelbarer Nachbarschaft des Rhein-Kreises. Gemeint ist die Schienenverbindung, auf denen Güterzüge mehrmals pro Woche Waren von China nach Europa bringen – und umgekehrt. Die Transportzeit gegenüber dem Schiff wird halbiert, die Preise für Luftfracht deutlich unterboten. Die Neue Seidenstraße ist ein Lieblingsprojekt der chinesischen Regierung, insbesondere von Staatspräsident Xi Jinping, der 2014 eigens nach Duisburg reiste, um den ersten chinesischen Handelszug am Rhein zu begrüßen.” (Rheinische Post)

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Wilde Schafsjagd
“Eine Herde von 30 Schafen hat (…) von der französischen Seite aus den Rhein in der Nähe des Altenheimer Hafens schwimmend überquert und damit einen Feuerwehreinsatz ausgelöst. Vier der Tiere habe die freiwillige Feuerwehr Neuried mit ihrem Mehrzweckboot retten müssen, berichtete (…) der Pressesprecher der freiwilligen Feuerwehr Neuried. Zwei Schafe konnten die 15 Feuerwehrleute am Wehr in Richtung Kehl nur noch tot bergen. Wieso die Tiere den Rhein überquert haben sei noch nicht bekannt.” (Baden Online)

Oder anders gezählt: “Vier der sechs Tiere konnten die Feuerwehrleute lebend an Land bringen, zwei davon mussten von einer herbeigerufenen Tierärztin wegen mehrerer Knochenbrüche noch am Einsatzort eingeschläfert werden. Außerdem fand die Feuerwehr auf dem Rhein noch zwei weitere tote Tiere.” (Badische Zeitung)

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Reifenfriedhof
“In einer gemeinsamen Aktion haben die Stadtverwaltung und die Mondorfer Niederlassung des Wasser- und Schifffahrtsamts Köln jetzt zahlreiche Autoreifen beseitigt, die kürzlich im Rhein zwischen Rheidt und Niederkassel-Ort entdeckt worden waren. „Acht Mitarbeiter des städtischen Bauhofs und des Wasser- und Schifffahrtsamtes haben einen ganzen Arbeitstag benötigt, um rund 150 Reifen aus dem Schlamm des Uferbereichs zu bergen, das sind etwa 80 Prozent der Altreifen, die dort vermutlich liegen“, schildert der städtische Beigeordnete Sebastian Sanders. Auf welche Weise die Reifen an das Niederkasseler Rheinufer gelangt sind, konnte bislang nicht geklärt werden. „Von der Lage der Reifen spricht aber einiges dafür, dass ein Großteil angeschwemmt wurde“, so Sanders. „Der Bereich ist vom Land aus nur schwer zugänglich, wir halten es deshalb für unwahrscheinlich, dass jemand alte Reifen in größerem Stil vom Land aus in den Fluss entsorgt hat.“” (Kölner Stadt-Anzeiger)

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Rheintoter
“Der Mannheimer Grünen-Politiker Wolfgang Raufelder ist tot. Der 59-Jährige war Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg. Von Polizei und Staatsanwaltschaft hieß es, seine Leiche sei am Montagmorgen in Brühl bei Mannheim gefunden worden. Ein Passant hat sie am Rheinufer entdeckt. (…) Die Polizei geht von einem Suizid aus. Die Obduktion habe keine Hinweise auf ein Fremdverschulden ergeben. Nach Informationen der “Bild”-Zeitung soll Raufelder in Flammen gestanden haben. Seine Leiche sei weniger Meter von seinem Fahrzeug entfernt gefunden worden.” (n-tv)

Presserückschau (Juni 2016)

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Rhine Guards: “Wenn (…) im Rahmen des Schützenfestes in Eller (…) die Showparade auf dem Getrudisplatz startet, schlägt die Stunde der Rhine Guards. Das umtriebige Brass & Drums Corps hebt sich von anderen Musikkapellen ab, sind die 25 Mitglieder (davon zwölf Jugendliche) doch am amerikanischen Original des Drums & Bugel Corps des US Marines Corps angelehnt. Auch bei der Rangbezeichnung: Der 1. Vorsitzende (…) ist der Colonel, der musikalische Leiter (…) der First Sergeant. Das Repertoire reicht von dem St. Louis Blues Marsch über die Marines Hymn bis hin zum herzerweichenden Amazing Grace (mit Dudelsack!). Disziplin und Kleiderordnung werden großgeschrieben, von der Schirmmütze bis zu den Schnürriemen muss alles stimmig sein.” (Rheinische Post)

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“Zwischen Etzgen und Laufenburg können sich Möchtegern-Piraten und andere Wasserratten zwei Stunden lang treiben lassen. Das Gefährt besteht aus zusammengezurrten Baumstämmen, ist dreissig Quadratmeter gross, sechs Tonnen schwer, mit einem Schwimmkörper versehen, aber optisch – ein Floss. Herr des Flosses ist Captain J-C alias J-C Weiersmüller. Seit mittlerweile drei Jahren bietet er Flossfahrten auf dem Rhein an. (…) Noch liegt das Floss auf seiner Trockenstelle in Bad Zurzach. (…) Bis zu sechs Fahrgäste kann er mit seinem Floss transportieren. Sie dürfen sich unterwegs durchaus auch einmal als Flösser versuchen und mit dem Riemen das Gefährt steuern. So kriegen die Passagiere einen Einblick in das Leben von einst. Die Flösserei war bis ins 19. Jahrhundert und zum Ausbau der Eisenbahn ein bedeutendes Gewerbe entlang der Flüsse.” (Aargauer Zeitung)

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“Die Handballer der Rhein-Neckar Löwen sind erstmals in ihrer Vereinsgeschichte Deutscher Meister. Der frischgebackene Titelträger gewann am letzten Spieltag hoch bei Absteiger TuS N-Lübbecke und hielt damit Verfolger SG Flensburg-Handewitt auf Distanz. Das Gastspiel in Ostwestfalen war von Beginn an eine klare Sache. Nach acht Minuten stand es 6:2 für die Löwen, nach 24 Minuten 15:7 und zur Pause 17:10. Die Löwen waren dabei in allen Belangen überlegen, zeigten sich in der Defensive stark und in der Offensive treffsicher. (…) Am Ende hatten die Rhein-Neckar Löwen mit 35:23 gewonnen. Insgesamt gewannen die Löwen 28 von 32 Bundesliga-Spielen. Für die Löwen geht mit dem Titelgewinn eine Art Trauma zu Ende. Denn in den vergangenen zwei Jahren belegte das Team jeweils den zweiten Platz hinter dem THW Kiel – 2014 fehlten dabei nur zwei Tore zur Meisterschaft.” (sportschau.de)

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Der General-Anzeiger resümiert 1050 Jahre Dollendorf: “”Oberdollendorf liegt am Rhein, Niederdollendorf im Rhein”, lästern die Oberdollendorfer gerne über das benachbarte Niederdollendorf – und haben damit gar nicht mal so unrecht. Alle Jahre wieder nämlich setzt Vater Rhein die Uferpromenade und die anliegenden Straßen unter Wasser. (…) 1895 hatten die beiden Schiffer Hoitz und Käufer mit Motorbooten den Fährverkehr von Niederdollendorf über den Rhein aufgenommen, alte Quellen verraten jedoch, dass schon über die Jahrtausende hinweg Boote Personen und Güter von einem zum anderen Ufer transportierten. Besonders stolz ist man in Niederdollendorf darauf, dass vor der eigenen Haustür einst sogar die erste elektrische Fähre in Deutschland verkehrte. Am 11. Juli 1908 hatte das damals hochmoderne Fährschiff den Betrieb aufgenommen, am 7. März 1945 setzt die Fähre das letzte Mal von Godesberg nach Niederdollendorf über. (…) Sieht man einmal von den Jahren ab, in denen Väterchen Frost den Rhein bei Bonn hat völlig zufrieren lassen, was zuletzt 1929 der Fall war, hatten die Dollendorfer zweimal in der Geschichte die Gelegenheit, zu Fuß den Fluss zu überqueren: 1918 gab es eine Pontonbrücke, die während des Ersten Weltkrieges den deutschen Fußtruppen einen schnellen Rückzug ermöglichen sollte. 27 Jahre später bauten US-Pioniere die „Hodges-Bridge“ zwischen Bad Godesberg und Niederdollendorf, die als einer der wichtigsten Nachschubwege der Alliierten fungierte. “Da durften auch Personen drüber, aber man musste sich vorher entlausen lassen”.”

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“Bei einem Ausritt mit ihrem Pferd ist eine Frau in Chur (…) auf einer Insel mitten im reissenden Rhein gestrandet. Das Pferd entschied sich selbstständig zum Gang ins Wasser und war nicht zum Umkehren zu bewegen. (…) Ursprünglich wollte die Frau das Pferd am Rheinufer in der Nähe von Felsberg lediglich tränken. Doch das Tier begab sich gleich in den Rhein und war nicht dazu zu bewegen, umzudrehen. Stattdessen schritt es unbeirrt weiter, bis es die künstlich geschaffene Insel erreichte. Fürs Zurückkehren war dann die Strömung zu stark.” (Blick)

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“Im Revolutionsjahr 1848 kommt es auf dem Rhein zu einem bedenkenswerten Zwischenfall. “Gegen Mittag passierte ein Schlepp-Dampfschiff der Düsseldorfer Gesellschaft bei Kaiserwerth vorbei, als dort plötzlich sieben Gewehrschüsse nach demselben gerichtet abgefeuert wurden”, heißt es im entsprechenden Polizeibericht. Ein Schuss pfeift haarscharf am Kopf eines Knechtes vorbei. Bei den Verbrechern handelt es sich weniger um Revolutionäre als vielmehr um konservative Kreise: Vermutlich sind es Vertreter des Berufs der Treidler, die die Schiffe mit ihren Pferden vom Ufer aus durch die Gewässer ziehen. Die Erfindung der Dampfschifffahrt macht dieser seit römischen Zeiten auf dem Rhein praktizierten Tradition den Garaus. 1809 meldet der Amerikaner Robert Fulton sein Dampfschiff zum Patent an. Auf dem Rheim als der meistbefahrenen Wasserstraße Europas macht der schottische Kapitän William Wagner den Anfang. Am 8. Juni 1816 legt er mit seinem Schaufelraddampfer “Defiance” vom Ufer ab und fährt den Rhein hinauf über Köln. Es ist ein nie dagewesenes Spektakel, das auch den niederländischen König aufs Schiff lockt. Und Wilhelm I. reist extra mit der Kutsche nach Rotterdam, um das Schiff zumindest im Hafen zu bewundern. Längs der Strecke aber sollen sich die Bauern ob des Schiffs, das treidlerlos wie von Geisterhand bewegt wird, bekreuzigt haben.” (WDR)

7
“Auftakt für das grenzüberschreitende Projekt „Veiligheid zonder Grenzen – Sicherheit ohne Grenzen“ des Löschzuges Rindern der Freiwilligen Feuerwehr Kleve und der Brandweer Millingen aan de Rijn: (…) Die Feuerwehren sind aus ihrer Sicht auf die gegenseitige Unterstützung angewiesen, denn die Probleme sind bei beiden Gruppen ähnlich. Aktuell ist durch eine staatsvertragliche Vereinbarung gewährleistet, dass die Feuerwehr aus Rindern den Kameraden aus Millingen aan de Rijn zur Unterstützung dienen kann. Es fehlt jedoch eine staatsvertragliche Regelung, damit die Brandweer Millingen aan de Rijn in der Bundesrepublik Deutschland ebenfalls ihre Fertigkeiten und Kenntnisse einbringen kann. Diese Regelung zu erreichen ist eines der Ziele des dreijährigen, grenzüberschreitenden Projektes, welches durch die europäische Union unterstützt wird.” (WAZ)

8
“Unter Palmen liegen mit einem gekühlten Getränk in der Hand und bei Sonne satt entspannen – bis es so weit ist, müssen sich die Bad Säckinger noch ein wenig gedulden. Eigentlich sollte die Strandbar am Rheinuferweg schon Anfang dieses Monats zum Genießen und Entspannen einladen, doch bedingt durch den regnerischen Juni, herrscht auf dem schmalen Grünstreifen zwischen Diebsturm und den WC-Anlagen immer noch gähnende Leere.” (Badische Zeitung)

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“Nach schweren Unwettern in Rheinland-Pfalz sind bei einem Bahnunglück am Rhein (…) zehn Menschen verletzt worden. Ein Regionalexpress entgleiste (…) zwischen Oberwesel und Bacharach wegen eines Erdrutsches. (…) Bei dem Bahnunglück am Rhein wurden nach Angaben der Bundespolizei der Lokführer und neun Reisende verletzt. Der Regionalexpress RE 4251 war zwischen Koblenz und Frankfurt am Main unterwegs, als der vordere Zugteil um 05.35 Uhr entgleiste. In der Region hatten die schweren Unwetter zu einer Reihe von Erdrutschen geführt und Gleise unterspült. Der Streckenabschnitt zwischen Oberwesel und Bacharach wurde komplett gesperrt.” (Welt)

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“Es ist ein gigantisches Städtebauprojekt für Straßburg und setzt die nach der deutschen Annektierung der Elsassmetropole 1871 begonnene Öffnung zum Rhein fort. Mit der »ZAC des deux Rives« (Zone d’aménagement concerté) wird unmittelbar an der Grenze am Rhein gegenüber von Kehl in den nächsten 15 Jahren ein neuer Stadtteil entstehen. Früher hatte das Viertel »Port du Rhin« einen schlechten Ruf. Seit einigen Jahren macht die Straßburger Stadtführung aber enorme Anstrengungen, um das einstige Problemviertel zu einem lebenswerten Stadtteil zu entwickeln. Das zeigen der neue »Place de l’Hippodrome« mit den beiden Kirchen, die deutsch-französische Kinderkrippe und die Neubauten neben dem Straßburger Teil des Zwei-Ufer-Gartens.” (Baden Online)

Presserückschau (Mai 2015)

1
Die Grenzstadt Weil am Rhein will gegen die oberrheinische Saatkrähe vorgehen: “Die wachsende Anzahl der Saatkrähen in Weil am Rhein und die damit verbundene Lärmproblematik beschäftigt derzeit besonders die Bewohner der Gartenstadt. (…) Mehrere Städte an der Oberrheinstrecke seien von der Plage betroffen, was mit Blick auf den Informationsaustausch im Umgang mit den in Deutschland geschützten Tieren auch Weil am Rhein zugute kommen kann: Bereits seit zwei Jahren stehe die Stadtverwaltung in Kontakt zur „Arbeitsgemeinschaft Saatkrähe“ in Lahr (…)” berichtet Die Oberbadische.

2
Der durch Schmelzwasser angestiegene Altrhein gilt als Ursache für ein Kanu-Massenkentern: “Bei einem Ausflug mit Booten sind 22 Menschen auf dem Rhein verunglückt. Die acht Kanus der Gruppe kenterten bei Neuenburg südlich von Freiburg, teilte die Polizei mit. Grund sei die starke Strömung gewesen. Die Insassen der Boote stürzten ins Wasser. 18 von ihnen konnten sich ans Ufer retten oder wurden aus dem Wasser gezogen. Bei den Opfern des Unglücks handelte es sich um Erzieherinnen im Alter von 20 bis 50 Jahren.” (Stuttgarter Nachrichten)

3
“Rund 40 selbsternannte Matrosen und ihr Kapitän rollen (…) einen riesigen Papierbogen auf einem Sportplatz beim Rheinstrandbad Rappenwört in Karlsruhe aus. Dann ist voller Körpereinsatz gefragt, aber auch Feingefühl und Konzentration: Es gilt, für einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde das größte Papierboot der Welt zu falten. Nach drei Stunden steht das Boot, laut offizieller Vermessung misst es 13,93 Meter. Weltrekord! In blau-weißen Ringelpullovern hatten sich die Sportler vom Kanukreis Karlsruhe ans Werk gemacht und das Monster-Papierschiff zusammengebastelt – angefeuert vom japanischen Trommler Isao Nakamura und drei seiner Studenten. Der gut gelaunte Karlsruher Schlagzeugprofessor funktionierte für eine eigens komponierte Performance ein umgedrehtes Kunststoffboot zur Trommel um. Sinniger Name des Bootes: “Alter Schwede”.” (Südwest Presse)

4
Wenn die Flöhe husten: “Seit 20 Jahren wacht die Rheingütestation Worms über die Wasserqualität – auch mithilfe von Wasserflöhen. Fangen die Wasserflöhe im Analysegerät an, langsamer zu schwimmen oder zu taumeln, stimmt etwas mit dem Rhein nicht. Zuletzt geschehen am 6. Mai, als Hochwasser am Oberrhein eine große Menge an Unkrautvernichtungsmitteln von den Feldern in den Rhein spülte. Die aus dem Verhalten der Wasserflöhe errechnete Kurve erreichte damals die gelbe Alarmschwelle. Wird die rote Schwelle erreicht, ist zu befürchten, dass der Rhein vergiftet ist. (…) An vier Stellen des 300 Meter breiten Flusses werden Proben entnommen: (…) Die Proben werden aufwändig chemisch analysiert, die schnellsten Ergebnisse liefern aber neben den Wasserflöhen auch die Algen: “Wenn sie vergiftet sind, leuchten sie schwächer”. (…) Vier Fließstunden entfernt von der Wormser Station liegt im hessischen Biebesheim das einzige deutsche Wasserwerk, das Wasser direkt aus dem Rhein entnimmt und damit auch den Ballungsraum Frankfurt versorgt. Rheinabwärts in den Niederlanden sind fünf Millionen Menschen direkt vom Rhein als Trinkwasserspender abhängig. (…) Im Schnitt gibt es (…) einmal im Jahr einen roten Alarm. Vor 20 Jahren seien es noch neun gewesen.” (Der SWR über die infolge der Sandoz-Katastrofe gegründete Rheingütestation, laut ihres Leiters “die größte Gewässerüberwachungsstation weltweit”)

Presserückschau (September 2013)

Das nachrichtenarme Sommerloch dehnte sich bis in den September, verabschiedete sich zur Monatsmitte grußlos, womit auch der rheinische Nachrichtenfluß wieder gewährleistet scheint. Die interessantesten Meldungen des Septembers:

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“Die Rhein Petroleum GmbH, Heidelberg, beginnt (…) ihre erste Probebohrung in Deutschland. Rhein Petroleum wird (…) im südhessischen Riedstadt-Crumstadt bis in eine Tiefe von rund 1.600 Metern bohren. Riedstadt-Crumstadt liegt ca. 50 km südlich von Frankfurt am Main. Die Bohrung endet in den sogenannten „Pechelbronner Schichten“, in denen Rhein Petroleum förderungswürdige Mengen an Erdöl vermutet. Dieses Bohrziel wurde in Folge der umfangreichen seismischen Untersuchungen (…) als vielversprechend definiert. Es liegt im ehemaligen Ölfeld „Stockstadt“, aus dem bis 1994 Öl gefördert wurde und in dem noch signifikante Restreserven erwartet werden. (…) Eine weitere Bohrung, an der die Rhein Petroleum beteiligt ist, hat bereits Anfang August in Karlsruhe-Leopoldshafen begonnen. (…) Die Bohrungen in Riedstadt-Crumstadt und Karslruhe-Leopoldshafen sind die ersten Erdölbohrungen in Hessen bzw. Baden-Württemberg seit 25 Jahren. Im hessischen Teil des Rheingrabens begann schon 1952 die kommerzielle Förderung von Erdöl. Insgesamt konnten bis 1994 aus insgesamt 47 Bohrungen knapp 7 Millionen Barrel Öl gefördert werden. Das Öl sammelte sich in Schichten, die zwischen 1.500 und 1.700 Meter tief unter der Oberfläche liegen.” (Aus einer Pressemitteilung der Deutsche Rohstoff AG)

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Vage erinnern wir uns einer Bodensee-Schildkröte namens Rheini aus dem Sommerloch vergangenen Jahres. Nun taucht ein neuer Rheini (ein Name, der nicht von ungefähr so originell klingt wie etwa Heini mit vorangestelltem R) auf, erneut aus dem Tierreich, diesmal im Liechtensteiner Vaterland: “Mit dem Projekt “SOS Storch” möchte die Gesellschaft “Storch Schweiz” das Zugverhalten der Weißstörche untersuchen. Mehrere Störche wurden mit Sendern versehen, um ständig ihren Aufenthaltsort zu kennen. Zu diesen Störchen gehört auch “Rheini” aus der Storchenkolonie im Saxerriet. Im Juni verpasste ihm der Verein Rheintaler Storch einen Sender. Derzeit befindet sich “Rheini” in Nordspanien”, etwas präziser: auf einer nordspanischen Müllhalde, welche Rheini und Kumpanen dem Weiterflug nach Afrika neuerdings vorziehen, wie der weitere Artikelverlauf verrät.

3
Wie die bis nächsten März laufende Wittelsbacher-Ausstellung in Mannheim erklärt, warum Bayern am Rhein erfunden wurde, erklärt die Welt: “Was fällt einem zu den Wittelsbachern heute ein? Bayern natürlich (…), wo der “Kini” immer noch eine gewisse nostalgische Verehrung genießt; die Farben Blau und Weiß im Rautenmuster von Wappen und Fahne und idealerweise am Münchner Himmel; Schloss Neuschwanstein. Ja, und natürlich das Oktoberfest, das die Wittelsbacher ihren bayerischen Untertanen schenkten samt Dirndl-Tracht und Lederhosen und Leberkäs’. Doch dieses Bayern mit seiner markanten folkloristischen Physiognomie, es wurde am Rhein erfunden, in der Pfalz. Max IV. Josef, der als erster Bayerischer König von Napoleons Gnaden den Bayern so etwas wie Nationalbewusstsein verordnete, was im Freistaat bis heute kräftig nachwirkt, war Pfalzgraf bei Rhein aus der wittelsbachischen Linie Pfalz-Zweibrücken bis der Reichsdeputationshauptschluss 1803 das Ende der Pfalz als politisches Gebilde besiegelte. Der Metzger, der den Leberkäse erfand, war Hoflieferant in Mannheim und setzte sein segensreiches Wirken im wittelsbachischen Sinne in München fort. So viel zur kernigen Authentizität des Bayerntums.”

4
In den Rheinalpen gedeiht der Hanf am besten “Indoor”, aber illegal, berichtet das Boulevardblatt Blick: “Am Dorfrand von Zizers GR züchtete ein Einheimischer (…) rund 2000 Hanfpflanzen in einem Hühnerstall. Dreissig Wärmelampen sorgten dafür, dass die Pflanzen gut gedeihen konnten. (…) In Hinterrhein GR gingen der Polizei zwei weitere Hanfzüchter ins Netz. Die 23-Jährigen hatten eine Ferienwohnung gemietet und sie zur Indoor-Plantage umgebaut. Wärmelampen, Belüftungs- und Bewässerungsanlagen waren installiert. Bei einer Hausdurchsuchung stellte die Polizei 460 Pflanzen sicher.”

5
“Mittelerde liegt jetzt in Jenins” titelt die Südostschweiz. Jenins wiederum liegt bekanntlich im Heidiland, das traditionell auch als Bündner Herrschaft bezeichnet wird. Die interessante Landschaftsverschiebung verdankt sich einem neuen Museum, welches J. R. R. Tolkiens Romanwelten gewidmet ist: “Mit über 600 Gemälden, 3000 Büchern und unzäh­ligen Merchandising-Artikeln ist es die international grösste Sammlung zur fiktiven Welt Mittelerde. (…) Die Räume des 300 Quadrat­meter grossen Museums ­beziehen sich alle auf verschiedene Regionen von ­ Mittelerde und sind bis ins kleinste ­Detail aus­geschmückt. (…) Zur Eröffnung waren “neben Gästen in Jeans und Hemden auch Hobbits, ­Elben, Orks und Zwerge zu Besuch. Selbst Gandalf der Graue, der in der Realität Jens Götz heisst und aus Darmstadt in Deutschland stammt (…)” Daß der Alpenrhein eine hohe Mittelerde-Affinität besitzt, bestätigt auch unsere Entdeckung einer originalen Hobbit-Behausung am Übergang der verschlafenen liechtensteinischen Gemeinde Nendeln in die geheimnisvollen Bergwälder.

6
Nicht nur in geografischer Hinsicht verwirrend fällt die Analyse der Bundestagswahl in der Onlineausgabe der WAZ aus: “Duisburg liegt am Rhein und nicht an der Spree: Somit war heute Abend die Stimmung im Rathaus am Burgplatz mal rheinisch ausgelassen, mal preußisch spröde; dort, wo wie immer im Ratssaal die Ergebnisse der Bundestagswahl 2013 für die Stadt zusammenliefen und wo über TV die spannenden Bundesergebnisse zu vernehmen waren: Die Gewinner am Rhein (SPD) waren gestern Abend die Verlierer in Berlin und umgekehrt (CDU).”

7
Über den Konkurrenzkampf rheinischer Industriegebiete berichtet Blickpunkt Euskirchen: “In Euskirchen war “Haribo” eine Teilfläche im Industriepark am Silberberg (IPAS) angeboten worden, die man unter dem Titel “Prime Site Rhine Region” schon seit mehreren Jahren zu vermarkten sucht – bislang allerdings erfolglos. Die Entscheidung für Grafschaft begründet der Konzern vor allem mit der guten und zentralen Lage. “Der Innovationspark Rheinland ist ein äußerst geeigneter Standort in der Nähe vom Firmenhauptsitz in Bonn. (…) Kapazitäten in Logistik und Produktion könnten dort perspektivisch weiter ausgebaut werden.”

8
Rheinische Rübenbetrübnis: im Rheinland wird, später als üblich, die Zuckerrübe eingefahren, die Rübensüße liegt unter den Werten des vergangenen Jahres. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet: “Die Schornsteine rauchen wieder. Zwar noch nicht alle, aber das ist nur eine Frage von Tagen. Seit Mittwoch werden in Jülich die Knollen angenommen und verarbeitet. Die Zuckerfabrik Euskirchen wird am Montag mit der Verarbeitung der süßen Frucht beginnen. Spätestens ab dann rollen die Traktoren-Gespanne und Sattelauflieger der Maschinenringe wieder durch den Kreis. Teilweise haben die Landwirte bereits Rüben ausgemacht und auf Mieten zum Abtransport bereitgelegt. Das Wetter ist dafür ideal. (…) Im Rheinland und im Rhein-Erft-Kreis liegt die Süße (…) auf dem Niveau des Jahres 2010. Im Norden und Osten würden deutlich höhere Zuckergehalte erwartet, heißt es beim Landwirtschaftlichen Informationsdienst Zuckerrübe (Liz) in Elsdorf. Die Rübenkampagne hat mit zwei Wochen Verspätung begonnen.”

Austerlitz am Rhein

”Ja und dann, fuhr Austerlitz fort, irgendwo hinter Frankfurt, als ich zum zweitenmal in meinem Leben einbog ins Rheintal, ging mir beim Anblick des Mäuseturms in dem sogenannten Binger Loch mit absoluter Ge­wißheit auf, weshalb mir der Turm im Stausee von (an dieser Stelle ist im Buch eine Schwarzweißfotografie des Rheins mit Mäuseturm eingefügt; Anm.: rheinsein) Vyrnwy immer so unheimlich gewesen war. Ich konnte nun meine Augen nicht mehr abwenden von dem in der Dämmerung schwer dahinfließenden Strom, von den Lastkähnen, die, anscheinend bewegungslos, bis zur Bordkante im Wasser lagen, von den Bäumen und Gebüschen am anderen Ufer, dem feinen Gestrichel der Rebgärten, den deutlicheren Querlinien der Stützmauern, den schiefergrauen Felsen und den Schluchten, die seitwärts hineinführten in ein, wie ich mir dachte, vorgeschichtliches und un­erschlossenes Reich. Während ich noch im Bann war dieser für mich, sagte Austerlitz, tatsächlich mvtholo­gischen Landschaft, brach die untergehende Sonne durch die Wolken, erfüllte das ganze Tal mit ihrem Glanz und überstrahlte die jenseitigen Höhen, auf de­nen, an der Stelle, die wir gerade passierten, drei rie­sige Schlote in den Himmel hinaufragten, so als sei das östliche Ufergebirge in seiner Gesamtheit ausgehöhlt und nur die äußere Tarnung einer unterirdisch über viele Quadratmeilen sich erstreckenden Produktions­stätte. Man weiß ja, sagte Austerlitz, wenn man durch das Rheintal fährt, kaum, in welcher Epoche man sich befindet. Sogar von den Burgen, die hoch über dem Strom stehen und die so sonderbare, irgendwie un­echte Namen tragen wie Reichenstein, Ehrenfels oder Stahleck, kann man, wenn man sie von der Bahn aus sieht, nicht sagen, ob sie aus dem Mittelalter stammen oder erst gebaut wurden von Industriebaronen im letzten Jahrhundert. Einige, wie beispielsweise die Burg Katz und die Burg Maus, scheinen zurückzu­gehen in die Legende, und selbst die Ruinen wirken auf den ersten Blick wie eine romantische Theaterkulisse. Jedenfalls wußte ich auf meiner Fahrt das Rheintal hinab nicht mehr, in welcher Zeit meines Lebens ich jetzt war. Durch den Abendglanz hindurch, sah ich das glühende Morgenrot, das sich damals über dem anderen Ufer ausgebreitet und bald den ganzen Himmel durchglüht hatte, und auch wenn ich heute an meine Rheinreisen denke, von denen die zweite kaum weniger schrecklich als die erste gewesen ist, dann geht mir alles in meinem Kopf durcheinander, das, was ich erlebt und das, was ich gelesen habe, die Erinnerungen, die auftauchen und wieder versinken, die fortlaufenden Bilder und die schmerzhaften blin­den Stellen, an denen gar nichts mehr ist. Ich sehe diese deutsche Landschaft, sagte Austerlitz, so wie sie von früheren Reisenden beschrieben wurde, den gro­ßen, unregulierten, stellenweise über die Ufer getre­tenen Strom, die Lachse, die sich im Wasser tum­meln, die über den feinen Flußsand krabbelnden Krebse; ich sehe die dusteren Tuschzeichnungen, die Victor Hugo von den Rheinburgen gemacht hat, John Mallord Turner, wie er unweit der Mordstadt Bacharach auf einem Klappstühlchen sitzend mit schneller Hand aquarelliert, die tiefen Wasser von Vyrnwy sehe ich und die in ihnen untergegangenen Bewohner von Llanwyddyn, und ich sehe, sagte Au­sterlitz, das große Heer der Mäuse, von dem es heißt, daß sein graues Gewimmel eine Landplage gewesen sei, wie es sich in die Fluten stürzt und, die kleinen Gurgeln nur knapp über den Wogen, verzweiflungs­voll rudert, um auf die rettende Insel zu gelangen.”

(aus: W. G. Sebald, Austerlitz, S. 321-323, Hanser Verlag, München 2001)

Der Autor W. G. Sebald integrierte Bilder in seine Texte. Das Bild im obigen Abschnitt aus Austerlitz, das genau zwischen Binger Loch und dem Stausee von Vyrnwy zu liegen kommt, somit die Landschaften von Wales und des Mittelrheins auch visuell verbindet, kann rheinsein hier nicht adäquat wiedergeben. Sebalds Landschaftsüberblendung globalisiert das unheimliche Wasser, durch einen urtümlich benamten walisischen Stausee dividiert ergibt der Rhein nurmehr die pure Natur erdbedeckenden Wassers, die schaurigen Aspekte fügen der menschliche Genius, Bau- und Raubwille, allesamt aus der Geschichtsschreibung bestens bekannt, hinzu. Das Foto gibt der beschriebenen Landschaft Echtheit zurück. Oder ist doch der Text realer als der schwarzweiß abgebildete Turm? Die fotografischen Aufnahmen, die er seiner Figur Jacques Austerlitz zuschreibt, stammen von Sebald selbst, oder es handelt sich um (bearbeitete) Fundstücke. Doch wer hat Sebald die Fundstücke zugesteckt? Mixed media-Techniken und Verwirrspiele, wie gemacht für das elektronische Zeitalter, an dessen Eingang Sebald sie verwandte, jedoch im Rahmen der klassischen Medien. Auch wenn der Text eher zufällig das Rheintal zu streifen scheint, weil es als Kulisse für eine literaturgeschichtlich längst unterfütterte, pittoresk-schaurige Erinnerung taugt, enthält er geradezu exemplarisch einige Gedanken, derer sich auch rheinsein bedient: Überblendung von Räumen und Zeiten samt Querverweisen über sämtliche Grenzen hinweg, Überblendung von Realität und Fiktion, Kombination von Bild und Text sowie Verdichtung durch literarische Spekulation bzw. fantastische Einsprengsel. Das Werk W. G. Sebalds, längst kein Geheimtip mehr, sei hiermit von rheinsein ausdrücklich empfohlen.

Johanna Schopenhauer wagt sich, obschon früher vieles besser war, auf einen Rheindampfer

“Die Luft mit ihren Stürmen ungerechnet, mit Wasser und Feuer zugleich es aufnehmen? mit den beiden in ihrer Zerstörungskraft furchtbarsten Elementen? Nimmermehr! Das wäre ein Wagstück ohne Noth, während die schönste Chaussee in Deutschland auf die sicherste und angenehmste Art mich zum Ziel meiner Reise bringen kann. So sprach ich oft, und die mehresten meiner Freunde, die, wie ich eben auch, noch kein Dampfschiff gesehen, stimmten mit mir ein.

Sind doch alle Augenblicke die Zeitungen mit Nachrichten von Unglücksfällen angefüllt, die bei der Dampfschifffahrt sich zugetragen. Ja, wäre es noch die alte ehrliche Wasserdiligence von Mainz, die freilich ein wenig langsam geht; aber sie ist jetzt aus der Mode gekommen, von der Neuheit verdrängt, wie vieles an und für sich gute Alte. Sie setzt zwar ihren gewohnten Lauf noch immer rüstig genug fort, doch die Gesellschaft, die man auf ihr antrifft, ist jetzt anderer Art, als wol früher; auch soll sie, wenigstens im Aeußern, etwas gebrechlich geworden sein. (…)

In Frankfurt kam es aber Niemand in den Sinn, daß man anders als mit dem Dampfschiff den Rhein hinunterreisen wollen könne, und es fehlte nicht viel, so hätten meine dortigen Freunde über meine von der Zerstörungskraft der beiden mächtigsten Elemente hergenommenen Gründe gegen diese Art zu reisen geradezu gelacht. Auslachen ist eine der kräftigsten Waffen gegen Vorurtheil, und Beispiel übt über Jung und Alt eine unwiderstehliche Gewalt. Täglich sah ich Freunde und Bekannte, die mehreremale blos zum Vergnügen das große Wagniß mit dem Dampfschiffe zu gehen ganz ungefährdet überstanden hatten; kommen so Viele glücklich davon, dachte ich endlich, nun so werde ich allein doch nicht bestimmt sein, mit der Geschichte meines traurigen Unterganges einen Zeitungsartikel füllen helfen zu müssen.

Das kleine frankfurter Dampfschiff, welches nach Mainz führt, war eben einer nothwendigen Reparatur wegen nicht im Gange, doch habe ich späterhin die Fahrt mit demselben versucht. Ich fand es höchst zierlich und bequem, zu einer Lustfahrt trefflich geeignet; aber schneller als zu Wagen gelangt man mit demselben nicht nach Mainz, und fällt dann sogleich beim Aussteigen, gewöhnlich in der Abenddämmerung, der Mauth in die unbarmherzigen Hände, muß halb im Dunkeln, unter freiem Himmel, von der Straßenjugend und andern zudringlichen Zuschauern auf das unverschämteste umdrängt, Koffer und Kisten öffnen lassen und läuft Gefahr, mit sinkender Nacht die halbe Stadt durchwandern zu müssen, ehe man in einem der vom Strom nicht zu weit entfernten Gasthöfe ein erträgliches Unterkommen findet, denn diese sind gewöhnlich alle von den das Dampfschiff erwartenden Reisenden überfüllt. Ich legte diesesmal den wirklich sehr angenehmen Weg von Frankfurt nach Mainz mit einem Miethwagen in kaum vier Stunden zurück. Der unbeschreiblich prächtige Anblick des Zusammenflusses der beiden mächtigen Ströme und der in der Abendsonne wunderbar leuchtenden Thürme von Mainz entzückte mich von Neuem, so oft ich ihn auch schon genossen. Die lustige Ceremonie am Mauthhause, der man nun einmal nicht entgehen kann, läßt sich im Wagen weit bequemer und ruhiger abmachen; man ist dabei wenigstens des unangenehmen Gefühls überhoben, dem neugierigen Pöbel ein Schauspiel geben zu müssen, und braucht nicht auf dem schlechten Steinpflaster von Mainz sich müde zu laufen, wenn man nicht sogleich in einem guten Gasthofe Platz finden sollte. (…)”

(aus: Johanna Schopenhauer – Ausflug an den Niederrhein und nach Belgien im Jahr 1828, Kapitel 4: Das Dampfschiff)

the best river, next the Danube, in Europe

“(…) I left Francfort the 10th of October, 1657, intending to pass down the river Rhine, into Holland, and so again into France. Some German gentlemen and myself took a boat at Francfort, which carried us six miles that afternoon, to Mentz, the usual residence of the elector of that name, were he hath a great castle adjoining to the church, esteemed to have the largest and best painted windows of any in Germany.
Here the river Maine runs into the Rhine, the best river, next the Danube, in Europe, of whose head or fountain I have formerly made mention, having passed near unto it, as I entered into Rhaetia. The stream of this river is so violent, that it is only navigable downwards, which made our journey expeditious and pleasant.
The 11th, we refreshed ourselves at a place called Baccaract (quasi Bacchi Ara) from an altar anciently erected to Bacchus, (whose ruins are yet apparent) which makes it of a long standing, and anciently famous for the best wine, growing upon the banks of that river, which reputation it still preserves; this is within the palatinate.
Some few leagues further, we passed by an ancient tower, built almost in the middle of the river, called Ratts` Tower, near unto Bingen, which the people tell you is so called, upon this occasion: – in the pear 968, Hatto, second duke of Franconia, afterwards chosen Archbishop of Mentz, in a time of great famine and scarcity, summoned together a great number of poor people, with promise of relief, but instead thereof, put them all into a barn, and set it on fire, saying, they were the rats which devoured the food of the land; whereupon the vengeance of Heaven pursued him with so great an army of those animals, that they fell upon him in the closest rooms, finding passage through the chimneys and the least crannies, till at last, flying to this tower, which he caused to be made for his security, they followed him one night through the water in great droves, and devoured him.
That night we lodged at St. Verre, and the next day, being the 13th of October, we dined at Coblentz, a large town, situated where the river Mose falls into the Rhine. Here the Mose is very large, having over it a stately bridge of fourteen large arches; at one end of this bridge stands the town, at the other a fort belonging to the Elector of Treves, called Hermersten, with a freestone palace after the modern mode, adjoining thereto.
Thereabout, the country was in their vintage, to the prejudice of a gentleman of our company, who surfeited with eating those delicious grapes growing upon the banks of this river. That night we lodged at an obscur village called Hamestean.
The next morning we passed by a great town called Bon, belonging to the Elector of Cologne, where he then was, and that night we reached Cologne. (…)”

(aus: The Memoirs and Travels of Sir John Reresby)

Die Lesung in Montabaur

„In Koblenz stieg ich aus dem Zug. Wolkenloser Himmel über dem Deutschen Eck. Bundeswehrreservisten mit Strohhüten und Bierfahnen. Ja, und der Rhein und die Dampfer, und die MS Vaterland auf dem Weg nach Bonn, Bordkapelle, deutscher Wein und Ausflügler. Ich machte allerdings keinen Ausflug. Ich war unterwegs zu meiner ersten Lesung.“

Während der Lektüre von Jörg Fausers Roman Rohstoff, der in Istanbul, Berlin, Göttingen und Frankfurt spielt und in dem Fauser in einer Szene, wenn auch nicht detailgetreu, so doch verblüffend profetisch seinen eigenen Tod beschreibt, indem er feststellt, daß auf die beschriebene Weise immer nur die anderen stürben, während dieser rasanten Lektüre, die ein Deutschlandbild eröffnete, wie es „echter“ in Romanen selten zu finden sein dürfte, hofften wir gelegentlich, daß es den Protagonisten an den Rhein verschlagen würde, um einen Grund zu haben, das Buch in unseren gesamtrheinischen Kanon aufzunehmen – was dann tatsächlich im oben zitierten 43. und letzten Kapitel geschieht: Seine erste Lesung führt Harry Gelb, Fausers Alter Ego, über Koblenz nach Montabaur. In Koblenz wartet Gerda vom Jugendbildungsklub Montabaur, um Gelb an die Stätte seiner Lesung zu geleiten:

„“Wir müssen jetzt einen Bus nehmen“, sagte Gerda, die auch nicht gerade besonders angetan schien von mir. Dabei hatte ich mein bestes weißes Nyltesthemd an, meine Trevirahose war frisch gebügelt, und ich war nach der Schicht auch brav nach Hause gegangen und hatte noch ein paar Stunden gepennt. Aber wahrscheinlich hatte Gerda einen wuschelhaarigen Hippie mit Ohrring, dreckigen Fingernägeln und geflickten Jeans erwartet, der ihr gleich einen Joint anbot und vom Paradiso in Amsterdam schwärmte.
„Ich würde ganz gern noch ein Bier trinken“, sagte ich.
Sie warf mir einen mißtrauischen Blick zu, steuerte uns aber über den Bahnhofsplatz in die Cafeteria von Hertie. Sie schleckte ein Eis, ich trank eine Halbe. Natürlich trat mir prompt der Schweiß auf die Stirn, und das Hemd wurde feucht auf der Brust. Gerda sah aus, als würde sie schon überlegen, wie sie mich am besten loswerden konnte. Ich bot ihr eine Camel ohne an, aber rauchen tat sie auch nicht. Ich zahlte. Wir gingen. Es war erst vier Uhr nachmittags. Die Lesung war für acht angesetzt.“

Sollte Gerda ein reales Vorbild haben, wird diese Dame Fauser wahrscheinlich überlebt haben. Nun fahren Gerda und Harry Gelb im überfüllten Postbus nach Montabaur:

„In dieser Gegend war ich als Halbwüchsiger schon gewandert, sie hatte sich seitdem entschieden bevölkert – ganze Wüstenrot-Siedlungen im schlichten Fertighausverfahren, dann die Bungalows an den Hängen, die Zubringerstraßen, die Autobahntrassen, Grossomärkte, Einkaufszentren, Möbellager, und die Bundeswehr hatte sich ausgebreitet mit allem, was dazugehörte, von der Raketenstellung bis zur Bundeskegelbahn. (…) Ich hätte dringend ein Bier gebraucht, ein Bier und etwas Stärkeres. Eine Lesung bei der Jungen Union, das war es also. Vom Aushilfsanarchisten zum katholischen Cut-up. Wir näherten uns Montabaur. Die Stadt sah auch entschieden mißtrauisch aus.“

Jörg Fauser: Rohstoff, Zürich 2009

le beau Danube, qui ressemble assez au Rhin à Genève

“Ma figure, dans la rue, marchant à l’aide d’une canne et jurant quand le pied gauche heurte à quelque pavé pointu, doit faire rire les Strasbourgeois; mais je ne suis connu de personne. Donc, je rentrerais à Paris avec le plus grand plaisir; cependant je suis si près de la sublime église de Cologne! Deux jours, et encore par bateau à vapeur; c’est humide, mais au moins ça ne fatigue pas! Les commis, aidés de mon naturel imprudent, finiront par me reléguer à Civita-Vecchia ou, ce qui est pis, par me reléguer dans la pauvreté. Jamais je ne verrai Cologne. Moi, j’aime le beau; c’est mon faible, auquel je sacrifie, comme vous le voyez, prudence et santé. Dieu sait ce que fera l’humidité du Rhin!”
Stendhal, Correspondance T. 10, 2 Juillet 1838, à M. Di Fiore

“19 avril 1809 – [...] Notre voiture glissa sur la rue rapide par laquelle on sort de Neubourg. En sortant, nous traversons le beau Danube, qui ressemble assez au Rhin à Genève.”
Stendhal, Journal T 3

“Le 27 [janvier 1813] , à 2 heures du matin, à Franckfort (quelle heure de bon sommeil!)
A 7 heures et demie du matin, passé le Rhin, en traîneau.”
Stendhal, Journal T 5

“[...] il est vrai qu’à cet âge, ne sachant pas ce que c’était que manquer et travailler désagréablement pour gagner le nécessaire, l’argent n’était pour moi que satisfaction de fantaisies; or, je n’avais pas de fantaisies, n’allant jamais en société et ne voyant aucune femme; l’argent n’était donc rien à mes yeux. Tout au plus aurais-je voulu acheter un fusil à deux coups.
J’étais alors comme un grand fleuve qui va se précipiter dans une cascade, comme le Rhin, au-dessus de Schaffouse, dont le cours est encore tranquille, mais qui va se précipiter dans une immense cascade. Ma cascade fut l’amour des mathématiques…”
Stendhal, Vie de Henri Brulard, T. 2

“L’Ill, petite vilaine rivière aux eaux sales, traverse Strasbourg et même divisée en plusieurs bras, humidité. Strasbourg ne se doute pas du Rhin. C’est un fleuve singulier, il forme une infinité d’îles par de petites branches qui entourent la principale… le talveg, cours principal en aval.”
Stendhal, Mélanges intimes et marginalia, T. 2

Le Rhin! ah! c’est beau! c’est très beau!

A M. AUGUSTE MOREL.

Bruxelles. Mayence, Francfort.

Oui, mon cher Morel, me voilà revenu de ce long voyage en Allemagne, pendant lequel j’ai donné quinze concerts et fait près de cinquante répétitions.
[...]
Mon voyage a commencé sous de fâcheux auspices; les contre-temps, les malencontres de toute espèce se succédaient d’une façon inquiétante, et je vous assure, mon cher ami, qu’il a fallu presque de l’entêtement pour le poursuivre et le mener à fin et à bien. J’étais parti de Paris me croyant assuré de donner trois concerts dès le début: le premier devait avoir lieu à Bruxelles, où j’étais engagé par la Société de la Grande-Harmonie; les deux autres étaient déjà annoncés à Francfort par le directeur du théâtre, qui paraissait y attacher beaucoup d’importance et mettre le plus grand zèle à en préparer l’exécution. Et cependant, de toutes ces belles promesses, de tout cet empressement, qu’est-il résulté? Absolument rien! Voici comment: Madame Nathan-Treillet avait eu la bonté de me promettre de venir exprès de Paris pour chanter au concert de Bruxelles. Au moment de commencer les répétitions, et après de pompeuses annonces de cette soirée musicale, nous apprenons que la cantatrice venait de tomber assez gravement malade, et qu’il lui était en conséquence impossible de quitter Paris. Madame Nathan-Treillet a laissé à Bruxelles de tels souvenirs du temps où elle était prima dona au théâtre, qu’on peut dire, sans exagération, qu’elle y est adorée; elle y fait fureur, fanatisme; et toutes les symphonies du monde ne valent pas pour les Belges une romance de Loïsa-Puget chantée par Madame Treillet. A l’annonce de cette catastrophe, la Grande-Harmonie tout entière est tombée en syncope, la tabagie attenant à la salle des concerts est devenue déserte, toutes les pipes se sont éteintes comme si l’air leur eût subitement manqué, les Grands-Harmonistes se sont dispersés en gémissant; j’avais beau leur dire pour les consoler: «Mais le concert n’aura pas lieu, soyez tranquilles, vous n’aurez pas le désagrément d’entendre ma musique, c’est une compensation suffisante, je pense, à un malheur pareil!» Rien n’y faisait:

Leurs yeux fondaient en pleurs de bière,

et nolebant consolari, parce que Madame Treillet n’y était pas. Voilà donc le concert à tous les diables; le chef d’orchestre de cette Société si grandement harmonique, homme d’un véritable mérite, plein de dévouement à l’art, en sa qualité d’artiste éminent, bien qu’il soit peu disposé à se livrer au désespoir, lors même que les romances de Mlle Puget viendraient à lui manquer, Snel enfin, qui m’avait invité à venir à Bruxelles, honteux et confus,

Jurait, mais un peu tard, qu’on ne l’y prendrait plus.

Que faire alors? s’adresser à la Société rivale, la Philharmonie, dirigée par Bender, le chef de l’admirable musique des Guides; composer un brillant orchestre, en réunissant celui du théâtre aux élèves du Conservatoire? La chose était facile, grâce aux bonnes dispositions de MM. Henssens, Mertz, Wery, et même de M. Fétis, qui tous, dans une occasion antérieure, s’étaient empressés d’exercer en ma faveur leur influence sur leurs élèves et amis! Mais c’était tout recommencer sur nouveaux frais, et le temps me manquait, me croyant attendu à Francfort pour les deux concerts dont j’ai parlé. Il fallut donc partir, partir plein d’inquiétude sur les suites que pouvait avoir l’affreux chagrin des dilettanti belges, et me reprochant d’en être la cause innocente et humiliée. Heureusement ce remords-là est de ceux qui ne durent guère, autant en emporte la vapeur, et je n’étais pas depuis une heure sur le bateau du Rhin, admirant le fleuve et ses rives, que déjà je n’y pensais plus. Le Rhin! ah! c’est beau! c’est très beau! Vous croyez peut-être, mon cher Morel, que je vais saisir l’occasion de faire à son sujet de poétiques amplifications? Dieu m’en garde! Je sais trop que mes amplifications ne seraient que de prosaïques diminutions, et d’ailleurs j’aime à croire pour votre honneur que vous avez lu et relu le beau livre de Victor Hugo.

[...]

Le jour suivant donc, je me rendis allègrement au théâtre, pensant le trouver déjà tout préparé pour mes répétitions. En traversant la place sur laquelle il est bâti, et apercevant quelques jeunes gens qui portaient des instruments à vent, je les priai, puisqu’ils appartenaient sans doute à l’orchestre, de remettre ma carte au maître de chapelle et directeur Guhr. En lisant mon nom, ces honnêtes artistes passèrent tout-à-coup de l’indifférence à un empressement respectueux qui me fit grand bien. L’un d’eux, qui parlait français, prit la parole pour ses confrères: «Nous sommes bien heureux de vous voir enfin; M. Guhr nous a depuis longtemps annoncé votre arrivée, nous avons exécuté deux fois l’ouverture du Roi Lear. Vous ne trouverez pas ici votre orchestre du Conservatoire; mais peut-être cependant ne serez-vous pas mécontent!» Guhr arrive. C’est un petit homme, à la figure assez malicieuse, aux yeux vifs et perçants, son geste est rapide, sa parole brève et incisive; on voit qu’il ne doit pas pécher par excès d’indulgence quand il est à la tête de son orchestre; tout annonce en lui une intelligence et une volonté musicales; c’est un chef. Il parle français, mais pas assez vite au gré de son impatience, et il l’entremêle, à chaque phrase, de gros jurements, prononcés à l’allemande, du plus plaisant effet. Je les désignerai seulement par des initiales. En m’apercevant:

—Oh! c’est vous, mon cher! vous n’avez donc pas reçu ma lettre?

—Quelle lettre?

—Je vous ai écrit à Bruxelles pour vous dire… Attendez… je ne parle pas bien… un malheur… c’est un grand malheur!… Ah! voilà notre régisseur qui me servira d’interprète. (Et continuant à parler français):—Dites à M. Berlioz combien je suis contrarié; que je lui avais écrit de ne pas encore venir; que les petites Milanollo remplissent le théâtre tous les soirs; que nous n’avons jamais vu une pareille fureur du public, et qu’il faut garder pour un autre moment la grande musique et les grands concerts.

—Le régisseur: M. Guhr me charge de vous dire, Monsieur, que…

—Moi: Ne vous donnez pas la peine de le répéter; j’ai très bien, j’ai trop bien compris, puisqu’il n’a pas parlé allemand.

—Guhr: Ah! ah! ah! j’ai parlé français, sans le savoir!

—Moi: Vous le savez très-bien, et je sais aussi qu’il faut m’en retourner, ou poursuivre témérairement ma route, au risque de trouver ailleurs quelques autres enfants prodiges qui me feront encore échec et mat.

—Guhr: Que faire, mon cher, les enfants font de l’argent, les romances françaises font de l’argent, les vaudevilles français attirent la foule; que voulez-vous? Je suis directeur, je ne puis pas refuser l’argent; mais restez au moins jusqu’à demain, je vous ferai entendre Fidelio, par Pichek et Mademoiselle Capitaine, et vous me direz votre sentiment sur nos artistes.

—Moi: Je les crois excellents, surtout sous votre direction; mais, mon cher Guhr, pourquoi tant jurer, croyez-vous que cela me console?

—Ah! ah! ça se dit en famille. (Il voulait dire familièrement.)

Là-dessus le fou rire s’empare de moi, ma mauvaise humeur s’évanouit, et lui prenant la main:

—Allons, puisque nous sommes en famille, venez boire quelque vin du Rhin, je vous pardonne vos petites Milanollo, et je reste pour entendre Fidelio et Mademoiselle Capitaine, dont vous m’avez tout l’air de vouloir être le lieutenant.

(aus: Hector Berlioz – Voyage musical en Allemagne et en Italie, I)

Berliner Rhein (4)

“Warum fließt der Rhein nicht durch Berlin?”, fragte seinerzeit Alfred Kerr – und gab gleich selbst die Antwort: “Berlin liegt an der Panke.” Jede Weltstadt braucht eben ihren Weltfluß. Auf einen weit zurückliegenden, dafür eklatanten Berliner Rheinismus hingewiesen wurden wir indessen bezeichnenderweise bei einer vollherbstlichen Bootsfahrt auf Spree und Landwehrkanal: „Berlin müßte eigentlich Köln heißen“, klangs ungefähr bei Moabit aus dem Bordlautsprecher, der schon die ganze Zeit interessante Informationen hervorpustete, welche wir stochastisch aus dem berlinerweißebeschwipsten Seniorenmassensächseln des Unterdecks und den widrigen Wetterschüben des Oberdecks filtrierten, ähnlich jener Dame Melitta Bentz, die ihrerzeit (also etwa eine Dreiviertelstunde früher, was unsere Bootstour betraf, aber noch vor dem Ersten Weltkrieg) für ca. 78 Pfennige eine selbstentwickelte Methode des Kaffeefilterns am rechten Ufer zum kaiserlichen Patent angemeldet hatte, nachdem sie zuallernächst mit persönlich nageldurchlöcherten Blechdosen und dem Löschpapier ihres Sohnemanns experimentiert gehabt haben soll. Eine Investition, die sich für Frau Bentz und Nachkommen rechnete und rechnet, in Reichsmark, D-Mark und Euro, ein Paradebeispiel simpel konstruierter Nachhaltigkeit, den Deutschen auf Filterkaffee einzuschwören. Unsere Investitionen hingegen bestehen aus reinen Kopfgeburten und werfen lediglich zweifelhafte Geistesfrüchte ab: hätten wir tatsächlich heute – wie zw den beiden Frankfurts – zw Köln/Spree und Köln/Rhein zu unterscheiden, stellten sich unzählige Fragen nach und Szenarien möglicher Verwerfungen, Verwechslungen, Verwirrungen zwischen den preußischen und den rheinländischen Kölnern, welche aber doch eben alle Kölner wären, was sie vermutlich verbrüderte. Ungleich verbrüderte zwar. Aber kein aber. Rheinländer jedenfalls hätten, verkündete der Bordlautsprecher, bei der heutigen Museumsinsel ein Cölln gegründet (und aus rheinischen Beweggründen genauso und nicht anders genannt), das vor 750 und mehr Jahren mit dem angrenzenden Berlin fusionierte. Warum Berlin nun aber doch Berlin heiße und nicht Köln, ließ der Bordlautsprecher offen. Ohnehin ist der rheinische Geist dieser Stadt, falls er jemals in den märkischen Sümpfen geherrscht haben sollte, längst verweht. Und stattdessen der berlinische (Berlin soll ja nichts anderes als Bärchen bedeuten) an allen Ecken vorhanden, welcher im polymeren Post-Post der schweifenden Zeiten seine reine Selbsteinbisüberschätzung suchend bisweilen gummiberlinische Tarngestalt annimmt, in welcher Form wir ihn denn auch dann und wann bereits häufig erblickten, als streuenden gar außerhalb Berlins, gar in rheinischen Regionen – ein Beweis für die These, daß alles mit allem zusammenhängt? Oder umgekehrt? Ist ein heutiges Köln innerhalb der Tore Berlins wirklich so unvorstellbar? Wo Berlin doch Istanbul und Venedig (um nur zwei weithin bekannte Städte der mittleren Umgebung zu nennen) gewissermaßen einschließt (zumindest abbildet), und Köln und Istanbul über das reine Partnerstadtverhältnis hinaus einige frappante Kongruenzen aufweisen, die dann ja auch, angefangen bei historischen Ost-West- oder West-Ost-Brüchen und -Brücken, in Berlin zählen dürften? (Erhellende Antworten werden erbeten und können direkt unter diesen Eintrag hinkommentiert werden.)

Loreley (7)

loreley

Unzählige Male sind wir die linksrheinische Strecke im Zug gefahren. Die Züge haben sich mit den Jahren verändert, sind schneller geworden und verspäten sich (innerhalb Deutschlands) häufiger – vielleicht ist die Häufigkeitszunahme bei den Verspätungen aber nur eine gefühlte, gleichsam neoliberale, weil unter dem ständig scheiternden Ex-Bahnchef mit seinem irrsinnigen Gehalt gleichzeitig die Preise stiegen und die Wartung heruntergefahren wurde. Auszubaden hatten das und haben es bis heute vornehmlich die Fahrgäste und Zugbegleiter. Zwar besitzen die Züge nun Klimaanlagen, die (wohl aufgrund von Managern auf dem Papier entindividualisierter Normsommer und -winter) ähnlich wie die Toiletten häufig ausfallen, dafür lassen sich die Fenster nicht mehr öffnen. Die Gesellschaft wird von ihren Vertreten und Vorverdienern zunehmend in Haft genommen, der mobile Bürger unter seltsamen, entpersonalisiert-entmenschlichten Kürzeln geführt; die Entwicklung des Bahnreisens ist nur ein Symptom unter vielen und auf natürliche Weise dem großen Räderwerk verzahnt. Erst fehlen Raucherabteile, dann wird der Raucher zunehmend als menschliche Erscheinungsform verboten, die Gesellschaft schlägt sich ihre vermeintlich kranken, nonkonformen Glieder ab, die unterdessen weiter fleißig ihre Sondersteuern zahlen.

Die rechtsrheinische Schnelltrasse halbiert die Fahrtzeit zwischen Köln und Frankfurt seit einigen Jahren auf eine Stunde. Das kann angenehm sein, wenn es funktioniert (tut es auch meist). Wir bevorzugen dennoch den Ausblick der linksrheinischen Strecke. Was ist eine Bahnfahrt, was ist eine Stunde wert? Lärmschutzwälle können faszinieren, wir haben schon Gedichte über Lärmschutzwälle geschrieben. Doch nur beim Passieren der Loreley hören wir immer wieder Reisende Heine zitieren, bisweilen von irgendwelchem Unfug begleitet, die Faszination (mehr an Gedicht und Geschichte als am Felsen selbst) aber zieht sich praktisch jedesmal auf die ein oder andere Art spürbar durch unser jeweiliges (sic!) Großraumabteil, was wir von den Lärmschutzwällen der rechtsrheinischen Strecke so bisher nicht behaupten können.

Frankfurt am Main (2)

“(…) We made a short halt at Frankfort-on-the-Main, and found it an interesting city. I would have liked to visit the birthplace of Gutenburg, but it could not be done, as no memorandum of the site of the house has been kept. (Gutenburg, Gutenberg, wer weiß? Die beiden werden ja häufiger verwechselt. Anm. Rheinsein) So we spent an hour in the Goethe mansion instead. The city permits this house to belong to private parties, instead of gracing and dignifying herself with the honor of possessing and protecting it. Frankfort is one of the sixteen cities which have the distinction of being the place where the following incident occurred. Charlemagne, while chasing the Saxons (as HE said), or being chased by them (as THEY said), arrived at the bank of the river at dawn, in a fog. The enemy were either before him or behind him; but in any case he wanted to get across, very badly. He would have given anything for a guide, but none was to be had. Presently he saw a deer, followed by her young, approach the water. He watched her, judging that she would seek a ford, and he was right. She waded over, and the army followed. So a great Frankish victory or defeat was gained or avoided; and in order to commemorate the episode, Charlemagne commanded a city to be built there, which he named Frankfort — the ford of the Franks. None of the other cities where this event happened were named for it. This is good evidence that Frankfort was the first place it occurred at. Frankfort has another distinction — it is the birthplace of the German alphabet; or at least of the German word for alphabet — BUCHSTABEN. They say that the first movable types were made on birch sticks — BUCHSTABE — hence the name. (…) In Frankfort everybody wears clean clothes (…). Even in the narrowest and poorest and most ancient quarters of Frankfort neat and clean clothes were the rule. The little children of both sexes were nearly always nice enough to take into a body’s lap. And as for the uniforms of the soldiers, they were newness and brightness carried to perfection. One could never detect a smirch or a grain of dust upon them. The street-car conductors and drivers wore pretty uniforms which seemed to be just out of the bandbox, and their manners were as fine as their clothes. In one of the shops I had the luck to stumble upon a book which has charmed me nearly to death. It is entitled THE LEGENDS OF THE RHINE FROM BASLE TO ROTTERDAM, by F. J. Kiefer; translated by L. W. Garnham, B.A. All tourists MENTION the Rhine legends — in that sort of way which quietly pretends that the mentioner has been familiar with them all his life, and that the reader cannot possibly be ignorant of them — but no tourist ever TELLS them. (…)”

(aus: Mark Twain – A tramp abroad, Chapter I)

Frankfurt am Main

Die Paradieshaftigkeit des Oberrheins verliert sich auf Frankfurt zu. Plötzlich laufen Schwarzwald und Vogesen aus, Pfälzer Wald und Odenwald bieten nur sehr mäßigen Panoramaersatz. Der lustige badische Dialekt weicht sich noch weiter auf, kippt ins Kurpfälzische, das Hessische schließlich rangiert in der Hitliste der furchtbarsten Idiome ganz weit oben; allein die Vorstellung, ein Hessisches mit einem Schwäbischen Mundart babbele zu hören, und sei es in Weimar, hat etwas entsetzlich Peinigendes. Daß der Frankfurter Hauptbahnhof ein Sackbahnhof ist, in den man sozusagen einfährt, um ihn auf dem gleichen Wege wieder zu verlassen, spricht ebenso über den Charakter der Stadt wie die wirre Architektur, die sich zwischen Gemütlichkeit und Ambition nicht zu entscheiden vermag und in diesem Zuge beides auf einen Schlag vernichtet. Als Wahrzeichen der Stadt fungiert ein leicht überdimensioniertes blaues, besterntes Eurozeichen vor einem Bankhochhaus. Hierzu erübrigt sich hoffentlich jeder Kommentar. Im Bahnhofsviertel liegen schrundige ausgehöhlte Dreißigjährige in schäbigen Klamotten auf dem Bürgersteig und spritzen sich braune Flüssigkeit zwischen die Zehen. Die Straßen um den Bahnhof herum sind bevölkert von archaischen Gestalten, mit offen getragenem Brusthaar die einen, kopftuchbedeckt die andern, aber alle wild, hier scheint noch Waffenrecht zu gelten. Und wie es in Großstädten eben so ist: in einem Hinterhof trifft sich die Subkultur, die exakt jener langweiligen Hochkultur nacheifert, die es eigentlich zu verdrängen, bloßzustellen, auszuhebeln gälte. Der Frankfurter Subkulturgänger setzt automatisch ein Suhrkamp-Gesicht auf, ist langsam und hat miese Laune. Kein Wunder, wo er doch in Frankfurt lebt. Die Fassade Frankfurts fordert förmlich illegale, über die Stränge schlagende Handlungen. Und wir können davon ausgehen, sie finden auch statt, in einem Maße, das die meisten Nicht-Frankfurter erschrecken würde. Nachts zieht in künstlichem Blau, als wäre er eine Meisterillusion aus Las Vegas, der Main durch die Stadt, er dehnt und reckt und übt sich, als hoffte er auf ein nahes Meer, um für immer darin zu verschwinden und sich von allen Lügen reinzuwaschen. Man schaut ihm nach und wünscht ihm Glück und weiß, daß er in halbwegs vernünftige Gegenden fließt. Das gibt ein gutes Gefühl, daß man in Frankfurt so nur auf den Mainbrücken kennt. Oder mit (der rheinischen Erfindung) Heroin in den Adern bzw. beim Äppelwoi, wenn halt alles zu spät ist.